Partito Liberale Italiano

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Partito Liberale Italiano
Parteilogo
Gründung 1943
Auflösung 1994
Koalition "CLN" (1943-46); "Centrismo" (1947-50 u. 1954-57); "Centro-Sinistra" (1972); "Pentapartito" (mit Unterbrechungen 1979-93)
Ideologie liberal
Internationale Verbindungen Liberale Internationale (1947-93)
Europäische Partei ELDR
Abgeordnete u.a. Guido Cortese, Francesco Cocco-Ortu jr., Gaetano Martino, Bruno Villabruna, Giovanni Malagodi, Aldo Bozzi, Salvatore Valitutti, Valerio Zanone, Alfredo Biondi
Senatoren u.a. Benedetto Croce, Luigi Einaudi, Giovanni Malagodi
Haupt­sitz ItalienItalien Via Frattina, Rom
Partei­zeitung Risorgimento Liberale (1943-48); ab 1949 L’Opinione

Partito Liberale Italiano (PLI) war eine liberale Partei in Italien. Sie war zu Zeiten des Kalten Krieges an einigen Regierungen beteiligt, verlor mit dem Umbruch im italienischen Parteiensystem infolge weit verbreiteter Korruption 1992/1993 aber an Einfluss und löste sich schließlich am 6. Februar 1994 auf. Die Region mit ihren besten Ergebnissen war, kurz vor der Auflösung, Piemont, besonders Magliano Alpi, im ärmeren Süditalien war die Partei dagegen sehr schwach. Der relativ hohe protestantische Anteil, wie auch der Wohlstand der gesamten Region waren die Ursachen der guten Wahlergebnisse im Piemont.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Partei wurde kurz nach dem Sturz Benito Mussolinis von Benedetto Croce gegründet und wurde Mitglied im CLN. Sie beruft sich aber auf die Tradition der italienischen Liberalen in Italien aus dem 19. Jahrhundert, wie z. B. den italienischen Staatsgründer Camillo Benso von Cavour.

Eine Partei gleichen Namens war bereits im Oktober 1922 auf einem Kongress in Bologna gegründet worden und hatte 1924 einen zweiten Kongress in Livorno abgehalten, bevor sie sich unter dem Druck der Faschisten zu großen Teilen dem Regime anschloss. Die Tatsache, dass der erste Partei-Kongrress nach dem Zweiten Weltkrieg im April/Mai 1946 als "III. PLI-Kongress" bezeichnet und diese Zählung danach beibehalten wurde, symbolisierte die Identifizierung mit dem Liberalismus der vor-faschistischen Zeit und damit die These der Kontinuität des Liberalen Staates und des Faschismus als "Klammer" in der Geschichte des geeinten Italien. Trotz der Verstrickung mancher Liberaler mit der Diktatur wurde somit dem Liberalismus an sich keine Mitschuld am Aufstieg des Faschismus gegeben. Dies widersprach etwa der vor allem im linken Spektrum vertretenen These, dass der Faschismus Produkt des Liberalen Italien gewesen sei und mit dem Widerstandskampf zwischen 1943 und 1945 ein "zweites Risorgimento" und ein völliger Neuanfang des Staates auf republikanischer Basis stattfinden müsse, in dem der Liberalismus traditioneller Prägung keinen Platz mehr habe. Dies wurde u.a. vom Partito d'Azione behauptet, der 1942 einer liberal-sozialistischen Erneuerungstheorie entsprungen war.

In der Tat war der PLI der post-faschistischen Ära zunächst das Resultat einer Spaltung der antifaschistischen Liberalen im Untergrund. Anhänger der Kontinuitätsthese und der Offenheit in der Institutionellen Frage, angeführt von Leone Cattani und Nicolò Carandini und unter dem gewichtigen Einfluss Croces, weigerten sich Ende 1942, dem sich gründenden Partito d'Azione beizutreten und schlugen den Weg einer eigenen Sammlung gemäßigt liberaler Elemente ein. Noch vor dem Sturz Mussolinis verbreiteten sie vornehmlich in Rom Flugblätter im Untergrund und erwarben sich damit eine wenngleich zweifelhafte Reputation, am Widerstand teilzunehmen. Bei Gründung des CLN bildeten sie darin eine eigenständige Gruppierung, die jedoch weit weniger organisiert war als die dominierenden Massenparteien. Lokale Gruppen von Liberalen überall im Land agierten oft ohne jegliche Kommunikation untereinander, was zur Bildung unterschiedlicher Ausrichtungen dieser Gruppen führte. Vor allem im befreiten Süditalien konnten zwischen 1943 und Anfang 1944 lokale Honoratioren ihre alten Klientelen wieder mobilisieren, wie etwa Raffaele De Caro aus Benevent, der die Liberalen in der ersten Regierung des Marschalls Badoglio vertrat und eine eigene Partei gründete, den Partito della Democrazia Liberale.

Während der deutschen Besetzung Roms zwischen September 1943 und Juni 1944 befand sich hingegen die römische Gruppe um Cattani und Carandini erneut im Untergrund und erlangte vor allem in dieser Zeit eine anerkannte antifaschistische Reputation seitens der anderen politischen Gruppen im CLN. Von den ersten organisatorischen Strukturen in Neapel aus formierten sich nach der Befreiung der Stadt nun auch die römischen Liberalen als PLI. Jedoch kam es alsbald zum Zusammenschluss mit der Partei De Caros, der bis Anfang der 40er Jahre Mitglied im PNF gewesen war, wodurch sie einiges von ihrer Glaubwürdigkeit verlor. Zeichen dafür war etwa die Entscheidung des CLN, den PLI von der gemeinsamen Leitung der neuen Gewerkschaft CGIL auszuschließen. Vertreter wie Carandini, der der Partei ein betont sozial fortschrittliches Programm geben wollte, wurden zunehmend von der Führung der Partei verdrängt.

Die Partei stellte mit dem ehemaligen Präsidenten der Abgeordnetenkammer Enrico De Nicola und dem Gouverneur der Banca d'Italia Luigi Einaudi die ersten zwei italienischen Staatspräsidenten. Der langjährige Chef der Partei und der Liberalen Internationalen Giovanni Malagodi war für kurze Zeit Präsident des Senats im Jahr 1987. Die Liberalen waren in sechs Perioden (1947-1950, 1954-1957, 1972-1973, 1979-1980, 1981-1987, 1987-1992) an der italienischen Regierung beteiligt.

Wahlergebnisse bei Parlamentswahlen:

1946: 6,9 % - 41 Mandate (im Wahlbündnis "Unione Democratica Nazionale")
1948: 3,8 % - 19 Mandate (im Wahlbündnis "Blocco Nazionale")
1953: 3,0 % - 13 Mandate
1958: 3,5 % - 17 Mandate
1963: 7,0 % - 39 Mandate
1968: 5,3 % - 31 Mandate
1972: 3,9 % - 20 Mandate
1976: 1,3 % - 5 Mandate
1979: 1,9 % - 9 Mandate
1983: 2,9 % - 16 Mandate
1987: 2,1 % - 11 Mandate
1992: 2,8 % - 17 Mandate

Generalsekretäre[Bearbeiten]

Vorsitzende[Bearbeiten]