Partula

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Partula
Partula radiolata

Partula radiolata

Systematik
Überordnung: Heterobranchia
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
Überfamilie: Partuloidea
Familie: Partulidae
Gattung: Partula
Wissenschaftlicher Name
Partula
Férussac, 1821[1]
Unterseite eines Blattes von Caladium mit zahlreichen Partula-Schnecken, Saipan, Juli 1920

Partula ist der Name einer Gattung von Schnecken in der Familie Partulidae, nachtaktiver, lebendgebärender Baumschnecken, die in Polynesien verbreitet sind. Durch die Zerstörung des Lebensraums und Einschleppung invasiver Tierarten sind die meisten der etwa 75 bekannten Arten ausgestorben.

Merkmale[Bearbeiten]

Die bei ausgewachsenen Schnecken meist nicht über 2 cm langen Gehäuse sind rechts oder links gewunden, in der Regel spitz eiförmig und haben ein kegelförmiges Gewinde. Der bauchige Körperumgang ist höher als das Gewinde. Die Gehäusemündung ist kurz und mit Zähnchen oder Wellen verstärkt. Die Schnecken sind wie andere Lungenschnecken Zwitter, die sich mit ihren Penissen gegenseitig begatten. Die Jungschnecken werden lebend geboren.[2] Die Schnecken leben von abgestorbenem Pflanzenmaterial und mikroskopischem Pflanzenbewuchs der Bäume, auf denen sie leben.[3]

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Schnecken leben auf Bäumen in den Wäldern der Inseln des Pazifiks von den Gesellschaftsinseln bis Palau. Daher rührt auch der Trivialname „Polynesische Baumschnecken“, mit dem aber auch auf andere Schnecken wie z.B. die Gattung Achatinella auf Hawaii bezeichnet werden.[4] Die auf Tahiti untersuchten Partula-Arten wurden insbesondere auf Unterseiten der Blätter von Caladium und Bananenstauden gefunden, daneben auch an Drachenbäumen und Kurkuma.

Gefährdung[Bearbeiten]

Die Zerstörung der Wälder und die Einschleppung afrikanischer Großer Achatschnecken (Achatina fulica), welche die heimischen Schneckenarten durch Nahrungskonkurrenz erfolgreich verdrängten, werden im Zusammenhang mit dem Rückgang und Aussterben der Partula-Arten gesehen. Zur Bekämpfung der Achatschnecken wurden im Jahre 1974 räuberische Rosige Wolfsschnecken (Euglandina rosea) ausgesetzt, die jedoch an Stelle von Achatschnecken die einheimischen Arten fraßen. Die Wolfsschnecke, die sich von Tahiti auf zahlreiche Inseln ausbreitete, ist als Hauptursache für die Vernichtung der Partula-Schnecken erkannt worden. Inzwischen betreibt Zoological Society of London ein Programm zum Erhalt der verbliebenen Partula-Arten in Gefangenschaft im Vereinigten Königreich, Frankreich und den USA (Partula Programme Consortium).

2013 sind laut der Roten Liste von IUCN die 14 verbliebenen wild lebenden Partula-Arten „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered), 11 Arten sind „in freier Wildbahn ausgestorben“ (extinct in the wild) und 51 ausgestorben (extinct) und zu 5 Arten sind keine Daten verfügbar (data deficient).[5]

Bedeutung für den Menschen[Bearbeiten]

Die Schneckenhäuser dienten einst den Polynesiern als zeremonieller Schmuck. So wurden die Zoologen Henry Crampton und Yoshio Kondo auf die Schnecken aufmerksam und untersuchten diese über einen Zeitraum von 50 Jahren. Auf Grund der zahlreichen Daten über die morphologische Vielfalt, ökologische Nischen und Verhalten konnten sie ein klassisches Beispiel für adaptive Radiation beschreiben.[6]

Systematik[Bearbeiten]

Zur Gattung Partula gehören folgende Arten:

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Partula – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  F. Welter Schultes: Genus taxon summary for Partula. In: Georg-August-Universität Göttingen (Hrsg.): AnimalBase. (online, abgerufen am 16. März 2014).
  2. André E. de Férussac: Tableaux systématiques des animaux mollusques classés en familles naturelles: suivis d'un prodrome général pour tous les mollusques terrestres ou fluviatiles. Bertrand, Paris 1822. S. 65. genre cinquième. Partule, Partula.
  3. World Association if Zoos and Aquariums WAZA: Pacific Tree Snails (Partula spp.)
  4. Searching for "Partula". In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.3.
  5. IUCN (2013). IUCN Red List of Threatened Species. Version 2013.2
  6. Younghun Jung, Lee Taehwan, John B. Burch, Diarmaid Ó Foighil (2005): Historical phylogeny of Tahitian Partula. Proc. Joint Conference - American Malacological Society and Western Society of Malacologists.