Pascal-Joseph Taskin

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Pascal-Joseph Taskin I (* um 1723 in Theux, Belgien; † 9. Februar 1793 in Versailles) war ein französischer Cembalobauer wallonischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten]

Taskin-Cembalo (1787) im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

1723 in Theux im Fürstbistum Lüttich geboren, ging Taskin früh nach Paris bei François-Étienne Blanchet II in die Lehre. Nach dem Tod von Blanchet heiratete er dessen Witwe und übernahm das Geschäft. Die Bezeichnung "Facteur de Clavessins du Roi", welche bereits François Blanchet der Ältere und Jüngere trugen, ging danach auf ihn über. 1770 signierte er seine Instrumente mit: « Pascal Taskin, Facteur de Clavessins & Garde des Instruments de Musique du Roi, Eleve & Successeur de M. Blanchet, demeure même Maison, rue de la Verrerie, vis-à-vis la petite porte de S. Merry, A Paris 1770 ». 1772 wurde ihm die Stellung als Hofinstrumentenbauer im Schloss und der Kapelle von Versailles von Ludwig XV. und später Ludwig XVI. angeboten. Es gelang ihm die Arbeit durch seinen Neffen Pascal-Joseph II ausführen zu lassen, um seiner Werkstatt in Paris nicht zu lange fern bleiben zu müssen. Von 1781 bis 1790 verwaltete er den königlichen Instrumentenfundus. Taskin führte den Cembalobau zu seinem letzten und herausragendsten Höhepunkt. Er steht als Instrumentenbauer an der Schwelle zum Fortepiano und konstruierte, ganz dem neuen Zeitgeschmack folgend, auch Hammerflügel. Bei seinem Tod baute seine Werkstatt etwa gleich viele Fortepiani wie Cembali.

Taskin wurde in seiner Werkstatt von drei seiner Neffen unterstützt, Pascal-Joseph Taskin II (* 1750; † 1829), Henri-Joseph Taskin (1779-1832) und Lambert Taskin (Lebensdaten unbekannt). Des Weiteren nahm er sich seines dreijährigen Stiefsohns an und konnte somit auf eine durchgehende Tradition bis Nicolas Blanchet, dem Gründer dieser erfolgreichen Werkstatt, zurückblicken.

Tasten eines Taskin-Cembalos (1787); Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

Taskin erkannte – wie seine Vorgänger der Familie Blanchet – die herausragende Qualität der Instrumente der Familie Ruckers aus Antwerpen, was ihn nicht davon abhielt, diese erheblich umzubauen und – teilweise unter Verwendung lediglich ihres Resonanzbodens – dem musikalischen und ästhetischen Zeitgeschmack seiner Zeit anzupassen. Meist wurde hierbei auch der Tonumfang der originalen Ruckers-Cembali erweitert (petit und grand ravalement). Ihm gelingt die Verbindung von silbrig-lebhaftem und zugleich grundtönig-kantablen, weit tragendem Ton, unübertroffen in seiner Ausgewogenheit. So genießt er innerhalb der Geschichte des Cembalobaus einen singulären Ruf.

Der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstehende empfindsame Musikstil und die Anforderung an die Dynamik des Instrumentes führten zu verschiedenen instrumententechnischen Neuentwicklungen. Taskin entwickelte neben anderen das peau de buffle-Register, bei welchem die Saiten mit weichem Büffelleder angerissen werden. Hierdurch entsteht die Illusion einer empfindsamen Anschlagsdynamik auf dem Cembalo und es stellen sich – gerade in Verbindung mit der Verwendung des Lautenzuges – klangliche Momente berückender Intimität ein. Kniehebel (genouillères) ermöglichen die Ausführung eines Registerwechsels ohne das der Spieler seine Hände vom Manual neben muss. Diese Veränderungen am Instrument, welche auch in verschiedenen Ausführungen in England durchgeführt wurden, waren auf die veränderten Ansprüche des Zeitgeschmacks angepasst. Sie stellten keine Weiterentwicklung des Instruments dar, sondern den Versuch ein vollendetes Instrument an eine andere Entwicklung, nämlich die des Hammerklaviers, anzupassen, was zum Scheitern verurteilt war.

Kniehebel (genouillères) eines Taskin-Cembalos (1787); Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

Nur neun Instrumente von Taskin haben sich bis in die heutige Zeit erhalten. Sie befinden sich unter anderem im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, (Sammlung Beurmann); Russell Collection, Edinburgh und Musée de la Musique, Paris.

Die Cembali von Taskin dienen heute als Vorlage für viele historische Nachbauten.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Andreas Beurmann: Klingende Kostbarkeiten. Tasteninstrumente der Sammlung Beurmann, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Schümann-Flügel. Dräger, Lübeck 2000, ISBN 3-925402-93-4.
  •  Andreas Beurmann: Historische Tasteninstrumente: Cembali, Spinette, Virginale, Clavichorde. Die Sammlung Andreas und Heikedine Beurmann im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Prestel, München/London/New York 2000, ISBN 3-7913-2309-1.
  •  William Dowd: The Surviving Instruments of the Blanchet Workshop. In: Howard Schott (Hrsg.): The Historical Harpsichord: a Monograph Series in Honor of Frank Hubbard. Bd. 1, Pendragon Press, Stuyvesant, NY 1984, ISBN 0-918728-29-0.
  •  Donald H. Boalch: Makers of the Harpsichord and Clavichord, 1440–1840. 3. Auflage. Clarendon Press, Oxford 1995, ISBN 0-19-318429-X.
  •  Frank Hubbard: Three Centuries of Harpsichord Making. Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts 1965 (8. Auflage: ISBN 0-674-88845-6).

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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