Pascal Bruckner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pascal Bruckner (2009)

Pascal Bruckner (* 15. Dezember 1948 in Paris) ist ein französischer Romancier und Essayist. Er ist in Frankreich neben Bernard-Henri Lévy, Alain Finkielkraut und André Glucksmann einer der Vertreter der Nouvelle Philosophie.

Leben[Bearbeiten]

Bruckner wurde als Sohn des Ingenieurs René Bruckner geboren und studierte Philosophie in Paris. 1977 wurde er durch sein mit Alain Finkielkraut verfasstes Buch Le nouveau désordre amoureux (deutsch 1979 Die neue Liebesunordnung) bekannt. Darin geht es vor allem um die Zurückweisung der mit dem Namen Wilhelm Reich verbundenen „sexuellen Revolution“, wie sie zur gleichen Zeit auch von anderen Autoren, etwa der Psychoanalytikerin Janine Chasseguet-Smirgel und dem Philosophen Michel Foucault, betrieben wurde. Bruckner polemisiert gegen Reichs Ideen [1] als eine „genitale Tyrannei“: Reich habe „eine Unordnung ordnen wollen. Tatsächlich hat er nur einer sehr alten Versklavung ein neues Gesicht gegeben.“[2] Später, 1997, bezeichnete er es als „eine der wichtigsten Entdeckungen unserer Generation“, dass „auch eine befreite Sexualität repressiv“ werden könne. [3]

Bruckner führte 2007 eine öffentliche Debatte mit dem britischen Politologen Timothy Garton Ash, in der er diesem vorwarf, den in Europa lebenden Muslimen eine Sonderrolle einzuräumen und für einen Multikulturalismus einzustehen, der den westlichen Liberalismus schwäche. Bruckner spricht in diesem Zusammenhang von einem Paradoxon des Multikulturalismus: Er gewährt allen Gemeinschaften die gleiche Behandlung, nicht aber den Menschen, aus denen sie sich bilden, denn er verweigert ihnen die Freiheit, sich von ihren eigenen Traditionen loszusagen. Statt dessen: Anerkennung der Gruppe, Unterdrückung des Individuums. Bevorzugung der Tradition gegen den Willen all jener, die Bräuche und Familie hinter sich lassen, weil sie zum Beispiel die Liebe nach ihrer eigenen Vorstellung leben wollen.[4]

Der Titel seines 2006 erschienenen Buches La Tyrannie de la pénitence : Essai sur le masochisme en OccidentDie Tyrannei der Bußfertigkeit. Über den Masochismus des Westens – trifft Bruckners Position sehr gut. [5] Bruckner wendet sich gegen die Kritik der Europäer wegen der von ihnen in der Vergangenheit begangenen Grossverbrechen (Kolonialismus, Völkermord u.a.). Diese sollten zwar nicht vergessen werden, dürften aber nicht Grund dafür sein, dass man die mühsam erkämpften Errungenschaften der europäischen Aufklärung (Menschenrechte, Laizismus u.a.) im Namen des Multikulturalismus relativiere.

Werke[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. gemeint sind hier die Ideen des „frühen“ Reich, also des Freudomarxisten und Theoretikers der „Sexpol“, nicht des „Entdeckers des Orgons“
  2. Vgl. das gesamte erste Kapitel Sichtbare Lust oder Der Orgasmusvertrag, S. 13-54 passim
  3. Interview mit Marko Martin. In: Kommune. Forum für Politik, Ökonomie und Kultur, Nr. 2/97, S. 21
  4. Pascal Brucker: Fundamentalismus der Aufklärung oder Rassismus der Antirassisten?, in: Tierry Chervel: Islam in Europa: Eine internationale Debatte, Frankfurt/M. 2007, S. 62 (Online-Version)
  5. Der Titel der deutschen Fassung hingegen neutralisiert: Der Schuldkomplex.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pascal Bruckner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien