Passacaglia

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Die Passacaglia, Passacaille oder Pasacalle (spanisch pasar una calle „eine Straße entlanggehen“) ist ursprünglich ein spanischer Volkstanz. Im 16. Jahrhundert kam der spanische Volkstanz nach Frankreich und Italien und wurde dort als Bühnentanz aufgeführt.

Merkmale[Bearbeiten]

Die musikalische Form der Passacaglia ist eine Ostinato-Variation. Über einer meist vier- oder achttaktigen festen Basslinie, dem Basso ostinato, entsteht eine Folge von Variationen. Im Gegensatz zur eng verwandten Chaconne bildet bei der Passacaglia meist das Thema die unveränderte Basis für die Variationen, während sich in der Chaconne das Thema auch verändern kann und das stets gleichbleibende (ostinate) harmonische Schema die unveränderliche Basis für die Variationen bildet. Die Grenzen zwischen beiden Formen sind jedoch fließend und bilden noch heute Diskussionsstoff. Die bekannteste Passacaglia der Barockzeit ist die Passacaglia c-Moll für Orgel (BWV 582) von Johann Sebastian Bach. Auch das Crucifixus in der h-Moll-Messe ist vom Aufbau her eine Passacaglia.

Seit der Epoche der Spätromantik wurden unter dem Einfluss von Bachs Orgelwerk wieder verstärkt Orgelpassacaglien komponiert (häufig ebenfalls mit anschließender Fuge). Auch neoklassizistische Komponisten bedienten sich gern dieser Form. Wichtige Beispiele:

Wichtige Passacaglia-Kompositionen des 20. Jahrhunderts stammen auch von Maurice Ravel, etwa in seinem Klaviertrio, Dmitri Schostakowitsch, der einige langsame Sätze größerer Werke (zuerst in seiner Oper Lady Macbeth von Mzensk (Zwischenspiel); 8. Sinfonie, 2. Klaviertrio, 1. Violinkonzert, 15. Sinfonie) in dieser Form schrieb. Zu den bekanntesten Orchesterpassacaglien gehört ferner die Passacaglia d-Moll op. 1 von Anton Webern und die Passacaglia im 4. Satz der 4. Sinfonie von Johannes Brahms.

Interpretation[Bearbeiten]

Über die Interpretation der Passacaglia geben historische Quellen Auskunft. Die französischen Theoretiker sind sich über die Temporelation zwischen Passacaglia und Chaconne einig. Rousseau bestimmt das Tempo der Passacaille als „plus lent que dans les Chaconnes ordinaires“. Brossard und Rameau/d'Alembert schließen sich dem an, ergänzen jedoch beide die Bezeichnung „plus tendre“.

Präzise Angaben gibt l'Affilard in seinen „Principes“. Das Tempo der Chaconne beträgt bei ihm ♩ = 156 MM. Seine Angaben zur Passacaglia sind deutlich langsamer und betragen ♩ = 106 MM.

Die deutschen Theoretiker vertreten unterschiedliche Auffassungen über das Tempo. Walther bemerkt zur Passacaille, „daß sie ordinairement langsamer als die Chaconne“ gehe. Quantz dagegen verlangt, dass die Passacaille „fast ein wenig geschwinder“ als die Chaconne gespielt werde, deren Tempo er mit ♩  = 160 angibt. Türk fasst 1789 die konträren Meinungen zusammen: „Die Passacaille wird etwas langsamer, oder wie andere wollen, beynahe ein wenig geschwinder gespielet, als die Chaconne“.

Man darf jedoch nicht vergessen, dass diese Angaben der Theoretiker meist späteren Epochen als der eigentlichen des Tanzes entstammen, und die auch damals sicherlich üblichen Schwankungen der Moden und Stile selten berücksichtigen. Siehe auch die Geschichte z. B. des Menuetts.

Hörbeispiele[Bearbeiten]

Johan Halvorsen: Passacaglia über ein Thema von Händel
Mark Gasser Ronald Stevenson: Passacaglia über DSCH

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Schmitt: Passacaglio ist eigentlich eine Chaconne. Zur Unterscheidung zweier musikalischer Kompositionsprinzipien. In: Frankfurter Zeitschrift für Musikwissenschaft Jg. 13 (2010), S. 1–18 (online, PDF, 364 KB)
  • Markus Grassl: Passacaglia. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3046-5.

Weblinks[Bearbeiten]