Pastis

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Dieser Artikel befasst sich mit der Spirituose Pastis, zur Person siehe Stephan Pastis.
Pastisflasche mit gefüllten Gläsern

Pastis (aus dem Provenzalischen pastís für Mischung) ist eine Spirituose aus Anis mit Ursprung in Frankreich und enthält typischerweise 40 bis 45 Volumenprozent Alkohol. Grundzutat war ursprünglich Anis. Heute wird meist der aus China und Vietnam stammende Sternanis verwendet. Weitere Zutaten sind Zucker, Fenchelsamen, Süßholzwurzeln, verschiedene andere Kräuter, Wasser und Alkohol.

Geschichte[Bearbeiten]

Pastis gilt als typisch französischer Schnaps, vor allem ist er im französischen Süden verbreitet. Tatsächlich handelt es sich um eine relativ junge Entwicklung. Im März 1915 wurden Herstellung, Vertrieb und Konsum der Thujon-haltigen Kräuterspirituose Absinth sowie ähnlichen Spirituosen, beispielsweise den Anislikören, verboten. In der Provence stellten Bauern heimlich als Ersatz für den verbotenen Absinth einen „Pastiche“ (deutsch: Nachahmung) her. Erst 1922 wurde in Frankreich ein Gesetz erlassen, das anerkannte, dass Anisliköre im Unterschied zu Absinth bis auf den Alkohol unschädlich sind und damit wieder erlaubt waren. Der Alkoholgehalt war in Frankreich ursprünglich auf 30 Vol % beschränkt. 1922 wurde der erlaubte Gehalt auf 40 Vol %, 1938 auf 45 Vol % erhöht. Der Glycyrrhizinsäuregehalt muss mindestens 0,05 Gramm pro Liter betragen und darf 0,5 Gramm pro Liter nicht übersteigen. Pastis darf nicht mehr als 100 Gramm Zucker pro Liter enthalten. Sein Anetholgehalt muss zwischen 1,5 und 2,0 Gramm pro Liter liegen.

Variationen[Bearbeiten]

Pastis wird traditionell mit (Eis-)Wasser (5–6 Teile Wasser auf einen Teil Pastis) getrunken. Die dabei auftretende Verdünnung sorgt dafür, dass zuvor im Alkohol gelöste ätherische Öle unlöslich werden. Die Farbe des eigentlich dunkelgelben bis bronzefarbenen Schnapses schlägt so in ein opaleszierendes, milchiges Weißgelb (Louche-Effekt) um. Die gelbe Farbe von unverdünntem Pastis ist auf künstliche Farbstoffe zurückzuführen. Daneben gibt es farblosen Pastis. Einzelne Hersteller wie Distillerie Janot führen auch blaue Varianten in ihrem Sortiment.

Neben der Mischung mit Wasser gibt es auch die Zubereitung als Longdrink mit Cola, Bitter Lemon, Champagner oder Orangensaft.

Eine andere, vor allem im Süden Frankreichs beliebte Variante ist das Versehen des mit Wasser und Eis angerichteten Pastis mit einem Schuss Minz-Sirup, welcher für eine zusätzliche Erfrischung sorgt. Bezeichnet wird diese Mischung aufgrund der grünen Farbe als Perroquet (Papagei).

Marken[Bearbeiten]

Pastis Ricard

Bekannte Handelsmarken sind Ricard oder die überwiegend in Südfrankreich getrunkene Marke Pastis 51 (beide im Konzern Pernod-Ricard). Die Marke Pernod ist zwar ein Anisée, jedoch kein Pastis. Weniger Marktanteile besitzen die Marken Pastis Anilou und die Pastis der Firma Janot.

Zu den großen, eher industriell produzierenden Häusern gehören auch Casanis und Duval. Daneben gibt es eine stattliche Anzahl kleinerer, gewerblicher Produzenten. Meistens handelt es sich um Destillerien, die neben den Bränden auch Liköre und ihren Pastis bzw. Apéritif anisé herstellen. Diese Entwicklung hat die großen Produzenten animiert, neben ihren Standard-Produkten auch noch eine Art Premium Line anzubieten.

Pastis de Marseille[Bearbeiten]

Als Pastis de Marseille bezeichnet man Pastis mit eigenen Merkmalen, wodurch sie sich von anderen Sorten deutlich unterscheiden. Der Anetholgehalt liegt bei 2 Gramm je Liter, der Mindestalkoholgehalt liegt bei 45 % Vol. Die zulässige Verwendung von Aromastoffen und -extrakten weicht ebenfalls ab.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Ähnliche Anisschnäpse im Mittelmeerraum:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verordnung (EG) Nr. 110/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates