Martin von Cochem

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Portraitzeichnung, Eduard von Steinle zugeschrieben; darunter Unterschrift von Pater Martin

Pater Martin von Cochem, Geburtsname Martin Linius (* 13. Dezember 1634 in Cochem an der Mosel; † 10. September 1712 in Waghäusel) war ein katholischer Priester, Kapuziner, Volksmissionar, sowie Autor zahlreicher religiöser Bücher, die eine weltweite Verbreitung fanden und zum Teil noch bis in die 1950er Jahre nachgedruckt wurden.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er war der Sohn des aus Bernkastel stammenden und in Cochem ansässigen Hutmachers Matthias Linius sowie seiner zweiten Ehefrau Margaretha.

Der junge Mann trat in den Kapuzinerorden ein und durfte bei der Einkleidung, am 2. März 1653 seinen Taufnamen Martin behalten. Nach Kapuzinerbrauch fügte er diesem seinen Geburtsort Cochem bei, so dass er von nun an Martin von Cochem genannt wurde. 1657 erfolgte seine Priesterweihe. Ab 1658 hielt sich der Pater im Kapuzinerkloster Aschaffenburg auf, wo er 1663 seine theologischen Studien vollendete.

Martin von Cochem wirkte ab 1664 als Lektor seines Ordens in Mainz. Hier erschien 1666 sein Erstlingswerk Kinder-Büchlein, eine kleine, auf Kinder zugeschnittene Katechismusausgabe. Der Verleger Wilhelm Friessem (1600–1668) in Köln,[1] war davon so begeistert, dass er dem Orden riet, den Autor für die religiöse Schriftstellerei freizustellen.

Ab 1668 lebte Pater Martin im Kloster Bensheim, 1670 ist er im Kloster Nothgottes bei Rüdesheim belegt, 1675–1678 im Konvent von Königstein, wo er u.a. auch die Soldaten der dortigen kurmainzer Festung betreute. 1677 publizierte er hier sein bekanntes Werk Leben Christi[2], welches er der Kaiserin Eleonore Magdalene von der Pfalz widmete und das schon zu seinen Lebzeiten 40 Auflagen erreichte. 1678 erfolgte die Versetzung ins Kloster Dieburg. Hier betraute ihn der Mainzer Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim mit der Aufgabe eines diözesanen Visitators. Gleichzeitig übte er von Dieburg aus auch die Seelsorge im Kondominat Umstadt aus, wo schwierige Verhältnisse vorlagen. Die Herrschaft war unter protestantischen Regierungen dreigeteilt, der katholische Graf zu Löwenstein besaß jedoch die niedere Gerichtsbarkeit und ließ daher in seinem Schloss Habitzheim von den Dieburger Kapuzinern – darunter auch Martin von Cochem – katholische Gottesdienste abhalten. Hier arbeitete Pater Martin eng mit Graf Maximilian Karl zu Löwenstein zusammen, der auch Hauptmann der Leibgarde von Kaiserin Eleonore war und 1711 der erste Fürst zu Löwenstein wurde. 1687 und 1688 lebte der Geistliche im Kapuzinerkonvent Koblenz-Ehrenbreitstein.

1689 verließ er die Rheinische Kapuzinerprovinz und begab sich ins Kloster Günzburg, das der Tiroler Kapuzinerprovinz angehörte. Nach einem Zwischenaufenthalt im Kloster Mariahilf traf er 1693 in Prag ein und ließ sich im dortigen Loretokloster nieder. Die Prager Zeit war sehr fruchtbar für sein schriftstellerisches Schaffen. Hier verfasste er sein Prager Lauretten Büchlein und seine Messerklärung; letztere erlebte bis 1957 zahlreiche Auflagen und Übersetzungen.

Ab 1697 wirkte Martin von Cochem wieder in der Heimat, nun in Walldürn, wo sein Orden die Hl.-Blut-Wallfahrt betreute. 1698 berief ihn der Speyerer Bischof und Kurfürst von Trier, Hugo von Orsbeck zu seinem Bevollmächtigten und Visitator für das Bistum Trier.

Am 27. August 1700 versetzte man den Pater ins Kloster Waghäusel bei Speyer. Mit einer Unterbrechung in Aschaffenburg und Mainz, zwischen 1705 und 1709, verbrachte er dort den Lebensabend. Zuletzt war er schwerhörig und musste sich, besonders im Beichtstuhl, eines Hörrohrs bedienen. Ein Sturz auf der Treppe zur Bibliothek fesselte ihn ans Bett und schon bald darauf starb er.

In der Gruft unter der Wallfahrtskirche Waghäusel setzte man ihn bei. Später kamen die Gebeine der dort bestatteten Kapuziner auf den angrenzenden Friedhof. Dort ruhen vermutlich auch die Überreste von Pater Martin; die genaue Stelle ist unbekannt. Anlässlich seines 200. Todestages wurde 1912 in der Kirche eine Gedenktafel mit seinem Bildnis angebracht, gestaltet von dem Karlsruher Bildhauer Jakob Blaser, später Benediktiner in Münsterschwarzach.

Varia[Bearbeiten]

In seinem Geburtsort Cochem befindet sich an seinem Geburtshaus in der Liniusstraße eine Gedenktafel. Zudem ist nach ihm das Martin-von-Cochem-Gymnasium und das Pfarrheim in Waghäusel benannt.

Der Text des Marienliedes Ein schöne Ros aus heilgem Land blüht in dem Paradiese stammt von Martin von Cochem. Es ist in diversen Diözesananhängen des katholischen Gotteslob-Gesangbuches enthalten u.a. in der Diözese Speyer (Lied Nr. 888).

Werke[Bearbeiten]

  • Der grosse Baum-Garten : abgekürzt in grossem Druck ; darin ... Morgens- und Abends- ... Gebetter, wie auch zum hochwürdigsten Sakrament des Altars und der allerheiligsten Dreyfaltigkeit. Häffner, Franckfurt, 1763 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DNB Webseite zu Wilhelm Friessem
  2. Google Books, abgerufen am 1. Mai 2014