Patriarchat von Antiochia

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Das Patriarchat von Antiochia (oder Antiochien) soll vom Apostel Petrus ungefähr im Jahre 34 n. Chr. gegründet worden sein. Die legitime Nachfolge des Patriarchats beanspruchen nach einer Spaltung im 5. Jahrhundert und weiteren folgenden Spaltungen heute mindestens drei christliche Kirchen für sich. Somit sieht jede Kirche ihren jeweiligen Patriarchen als legitimen Nachfolger des Apostel Petrus auf der Kathedra von Antiochien an. Keiner dieser Patriarchen residiert heute noch in der Stadt Antiochia (heute Antakya in der Türkei).

Syrisch-orthodoxe Kirche[Bearbeiten]

Die syrisch-orthodoxe Kirche ist eine der altorientalischen Kirchen, die das Konzil von Chalcedon ablehnen: Patriarch war bis 2014 Moran Mor Ignatius Zakka I. Iwas, der in Damaskus residierte. Sein Nachfolger wurde Ignatius Ephrem II. Karim. Liturgiesprache dieses Patriarchats ist syrisch. Es steht in Kirchengemeinschaft unter anderem mit den Kopten, der äthiopischen Kirche und einem Teil der alten Kirchen Südindiens, zum Beispiel der Malankara syrisch-orthodoxen Kirche. Zur Ehre des dritten Patriarchen Ignatius von Antiochia tragen seit der frühen Neuzeit alle Patriarchen dieser Kirche den Namen Ignatius.

Rum-orthodoxe Kirche[Bearbeiten]

Die rum-Orthodoxe Kirche, eine der byzantinisch-orthodoxen Kirchen: die Wege dieser manchmal auch als antiochenisch-orthodox, antiochenisch oder auch als griechisch-orthodox bezeichneten Kirche trennten sich im 5. Jahrhundert von denen der obigen. Grund war die Auseinandersetzung über die Entscheidungen des Konzil von Chalcedon. Diese Kirche entstand aus denjenigen Gläubigen, die das Chalcedonense anerkannten, die syrisch-orthodoxe aus denjenigen, die es nicht anerkannten. Im syrischen Kulturraum waren beide Richtungen relativ stark vertreten, somit kam es zur Spaltung. Diese Kirche bildet gemäß ihrem Selbstverständnis und dem nizänischen Glaubensbekenntnis gemeinsam mit den anderen orthodoxen Kirchen, zum Beispiel der griechisch-orthodoxen und der russisch-orthodoxen Kirche, die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, steht also in vollständiger Kirchengemeinschaft mit den anderen byzantinisch-orthodoxen Kirchen. Liturgiesprache dieses Patriarchats war neben dem Griechischen ebenfalls das Syrische, ist jedoch seit dem 20. Jahrhundert modernes Arabisch. Der Patriarch residiert ebenfalls in Damaskus.

Katholische Ostkirchen[Bearbeiten]

Drei der katholischen Ostkirchen, die zwischen dem 7. und dem 18. Jahrhundert aus den beiden oben genannten Kirchen entstanden sind, bezeichnen ihr jeweiliges Oberhaupt ebenfalls als den Patriarchen von Antiochia. Im Einzelnen handelt es sich um:

a.) die syrisch-maronitische Kirche (Sitz in Jounieh bei Beirut)
b.) die melkitische griechisch-katholische Kirche (Sitz in Damaskus)
c.) die syrisch-katholische Kirche (Sitz in Beirut).

Lateinischer Patriarch[Bearbeiten]

Von der Kreuzzugszeit bis 1953 gab es auch noch einen Lateinischen Patriarchen von Antiochia, der nach dem Scheitern der Kreuzfahrerstaaten in Rom residierte und keine praktische Funktion mehr hatte. 1953 starb der letzte Amtsinhaber, 1964 wurde der Posten in Übereinkunft von Papst Paul VI. und dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel Athenagoras gemeinsam mit den beiden anderen lateinischen Patriarchaten von Alexandria und Konstantinopel abgeschafft.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • R. Devreesse: Le Patriarcat d'Antioche depuis la paix de l'Église jusqu'à la conquête arabe. Paris 1945.
  • W. Brandes: Die melkitischen Patriarchen von Antiocheia im 7. Jh. Anzahl und Chronologie. In: Le Muséon 111 (1998) 37-67.
  • K.-P. Todt: Region und Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Antiocheia in mittelbyzantinischer Zeit. In: Byzantinische Zeitschrift 94 (2001) 239-267.
  • K.-P. Todt: Griechisch-orthodoxe (Melkitische) Christen im zentralen und südlichen Syrien. Die Periode von der arabischen Eroberung bis zur Verlegung der Patriarchenresidenz nach Damaskus (635-1365). In: Le Muséon 119 (2006) 33-8.
  • Carsten-Michael Walbiner: Die Bischofs- und Metropolitensitze des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochia von 1594 bis 1664 nach einigen zeitgenössischen Quellen. In: Oriens Christianus 82 (1998) 99-152.
  • Caersten-Michael Walbiner: Die Bischofs- und Metropolitensitze des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochia von 1665 bis 1724 nach einigen zeitgenössischen Quellen. In: Oriens Christianus 88 (2004) 36-92.

Weblinks[Bearbeiten]