Patriarchenkreuz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Das Patriarchenkreuz, auch Erzbischofskreuz, Spanisches Kreuz oder Patriarchenhochkreuz genannt, ist ein Doppelkreuz.[1] Sein senkrechter Balken ist oben mit einem kürzeren und unten mit einem längeren Querbalken belegt. Der obere, kürzere Querbalken symbolisiert die Inschrift INRI auf dem Kreuz Jesu Christi, dem Lateinischen Kreuz. Das auch als Ungarisches Kreuz bekannte Doppelkreuz hat sich seit dem 6. Jahrhundert vom Orient aus über Europa verbreitet. In der Heraldik wird es auch als doppeltes Kreuz in Wappen verwendet.

Ähnlichkeiten und Ableitungen[Bearbeiten]

Das Patriarchenkreuz PatriarchsCross.svg ähnelt dem Lothringer Kreuz Lothringer Kreuz-I.svg mit meist, aber nicht immer gleich langen Querarmen. Das Patriarchenkreuz ist jedoch stets vom Lateinischen Kreuz abgeleitet und weist seine Querbalken durchwegs oberhalb der Mitte auf, wohingegen das Lothringer Kreuz dem Wesen nach oben und unten symmetrisch ist. Eine Besonderheit ist die Verwendung des Patriarchenkreuzes als Lothringer Kreuz durch de Gaulle im Zweiten Weltkrieg bei den Freien Französischen Streitkräften (z. B. im Ordre de la Libération zu sehen). Die ungarische Form und deren Verwandte ist dem lothringischen sehr ähnlich; Geschichte, Verwendung und symbolische Bedeutung sind dagegen unterschiedlich.

Mit einem weiteren Balken überhöht stellt es das Papstkreuz PopesCross.svg dar, mit einem zusätzlichen unteren Schrägbalken das Kreuz der russisch-orthodoxen Patriarchen OrthodoxCross.svg.

Das Patriarchenkreuz findet sich wie viele grundlegende Kreuze mit zahlreichen Endgestaltungen, so etwa getatzt Patriarkalkors med svagt utböjda armar.svg oder mit Kleeblatt.

Verwendungen des Patriarchenkreuzes[Bearbeiten]

Slowakei[Bearbeiten]

Das sog. "byzantinische Doppelkreuz" sollen die Heiligen Kyrill und Method schon im 9. Jahrhundert nach Großmähren, also auf das Gebiet der heutigen Slowakei, Tschechiens und Ungarns, gebracht haben. Später im Mittelalter stand das Doppelkreuz zeitweise für das Neutraer Fürstentum beziehungsweise für nördliche Teile des Königreichs Ungarn (seit dem 18./19. Jahrhundert als Oberungarn bekannt), gleichbedeutend etwa mit dem Gebiet der heutigen Slowakei. Das ist einer der Gründe, warum es offiziell seit 1848 als Wappen der Slowakei (damals zunächst des Slowakischen Nationalrats) dient. Einziger Unterschied zum neuen Wappen ist das Fehlen der Krone und die Verwendung der slawischen Farben blau–weiß–rot statt der ungarischen grün–weiß–rot. Das slowakische Wappen, entworfen von Ivan Řehák, ist auf den slowakischen 1- und 2-Euro-Münzen zu sehen.

Litauen[Bearbeiten]

Über das Geschlecht der Jagiellonen gelangte das ungarisch/slowakische Doppelkreuz – in der Form dem Lothringer Kreuz ähnelnd – auch in das Wappen Litauens, als es 1386 als angebliches Kreuz des Heiligen Ladislaus von Władysław II. Jagiełło angenommen wurde.

Ungarn[Bearbeiten]

Das „neue“ Wappen, das in Ungarn in den Jahren 1867-1890 gebraucht wurde, zeigt ein silbernes (weißes) Doppelkreuz auf drei grünen Hügeln und einer Krone stehend mit rotem Hintergrund. Das Doppelkreuz im Wappen stammt aus dem 9. Jahrhundert, die drei Berge (Tátra, Fátra, Mátra) aus dem frühen 14. Jahrhundert, die Krone unter dem Kreuz wurde am Anfang des 17. Jahrhunderts hinzugefügt. Das Doppelkreuz hat zur Zeit Papst Sylvesters II. der erste christliche König Ungarns, Stephan der Heilige im Jahr 1000 am 27. März in die königlichen Abzeichen integriert. Das Kreuz stand für die apostolische Würde des ungarischen Königs.

Ordenszeichen[Bearbeiten]

Luftwaffe Litauen

Bei Ordenszeichen wurde das Patriarchenkreuz selten verwendet. Die einzige Ausnahme sind drei Ordensstiftungen der kurzlebigen ersten slowakischen Republik, die von 1939 bis 1945 existierte: der Orden vom Slowakischen Kreuz, (auch Hlinkaorden genannt, da es das Bildnis von Andrej Hlinka trug, gestiftet 1940). Das Patriarchenkreuz tritt auch als Element im Ordenszeichen und der Collane des Fürst-Pribina-Ordens (benannt nach dem Fürsten Pribina) auf, sowie im Kriegs-Siegesorden der Slowakei.

Als Element in Ordenszeichen tritt das Patriarchenkreuz bei der Collane des schwedischen Seraphinenordens und bei den ungarischen Orden aus der Zeit Miklós Horthys auf: beim Orden vom Goldenen Sporn (1918) und dem Ungarischen Verdienstorden (1922).

In des beiden letzten Fällen geht die Benutzung des Patriarchenkreuzes auf das Vorhandensein des Kreuzes im slowakischen und ungarischen Staatswappen zurück.

Das Ordenskreuz des Spitals wurde in die Wappen von Hochdorf, Bissingen und Bietigheim-Bissingen übernommen.[2]

Heilig-Geist-Orden[Bearbeiten]

Die direkt dem Papst unterstellten Brüder vom Orden des Heiligen Geistes und ihre Heilig-Geist-Spitäler trugen das Patriarchenkreuz auf ihren Habiten und nutzten es als Wappen an Gebäuden und Grenzsteinen.

Einige von Heilig-Geist-Spitälern dominierte Kommunen haben das Ordenskreuz in ihr Kommunalwappen übernommen; so zum Beispiel Bissingen und Hochdorf an der Enz im Landkreis Ludwigsburg, die das Wappen vom Grüninger Heilig-Geist-Spital haben.

Schriftzeichen[Bearbeiten]

In Unicode ist im Block „Verschiedene Symbole“ als U+2628 cross of lorraine ein Zeichen enthalten, dessen in den Codetabellen verwendete Glyphe[3] tatsächlich eher dem Patriarchenkreuz als dem Lothringer Kreuz entspricht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gisela Drossbach: Christliche Caritas als Rechtsinstitut. Hospital und Orden von Santo Spirito in Sassia (1198 – 1378). Schöningh, Paderborn 2005 (Kirchen- und Staatskirchenrecht, Band 2) ISBN 3506717669. Digitalisat (BSB)
  • Arnhard Graf Klenau: Europäische Orden ab 1700. Katalog. Ohne Deutschland. Klenau, Fridingen 1978, ISBN 3-921566-05-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Patriarchenkreuz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Rimmele in Wappengeschichte der Gemeinde Illerkirchberg auf http://www.rimuki.de zum 1. April 2002
  2. Dem Grüninger Heilig-Geist-Spital waren die Kilianskirche in Bissingen und die Peterskirche in Bietigheim untergeordnet. In Hochdorf hatte dieses Spital ausgedehnten Grundbesitz. Siehe 700 Jahre Heilig-Geist-Spital Markgröningen. Hrsg.: Stadt Markgröningen. Markgröningen 1997.
  3. Code Tables — Miscellaneous Symbols. Unicode Consortium, abgerufen am 3. August 2012 (PDF; 368 kB).