Patrick Devedjian

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Patrick Devedjian im Juni 2007

Patrick Devedjian (* 26. August 1944 in Fontainebleau) ist ein französischer gaullistischer Politiker und Rechtsanwalt.

Herkunft[Bearbeiten]

Er ist Sohn armenischer Eltern, die in der Türkei lebten. Einer seiner Großväter wurde während des Ersten Weltkriegs deportiert, sein Vater aus Istanbuls Ortsteil Ortaköy sah sich gezwungen, als Ingenieur nach Frankreich zu fliehen.

Werdegang[Bearbeiten]

Nach dem Abitur studierte Patrick Devedjian Jura und Politikwissenschaft und wurde Mitglied einer rechtsextremen Gruppe namens Occident, um der „Kapitulation des Christentums in Europa vor dem Islam“ entgegenzuwirken. Im Algerienkrieg sah er wie auch im Völkermord des osmanischen Reiches an der Armeniern, den er aus den Erzählungen seines Vaters kannte, eine solche Konfrontation von Christentum und Islam.

1970 wird Devedjian Anwalt, außerdem leitet er die philosophisch-politische Zeitschrift Contrepoint. Er arbeitet zusammen mit dem liberalen Denker Raymond Aron und wandelt sich in seinen politischen Einstellungen.

1971 tritt er in die gaullistische Partei ein. 1976 beginnt Chirac die Zusammenarbeit mit Devedjian. Gleichzeitig zeigt der Sympathien für die terroristische armenische Organisation Asala, deren Rechtsanwalt in Frankreich er war. Asala wollte mit Anschlägen auf den damals weitgehend aus dem Gedächtnis der Welt verschwundenen Völkermord an den Armeniern aufmerksam machen.

1983 wird Devedjian Bürgermeister in der Pariser Vorstadt Antony. Das Amt hat er über vier Amtsperioden ununterbrochen inne. Im Jahr 2002 gibt er es auf, um Staatssekretär im französischen Innenministerium zu werden.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Devedjian arbeitet sehr erfolgreich als juristischer Berater des Premierministers und Parteivorsitzenden Chirac, unterstützt jedoch 1995 im Wahlkampf den parteiinternen Rivalen Chiracs, Édouard Balladur.

Seit dem Beginn des politischen Aufstiegs von Nicolas Sarkozy in den 1990er Jahren galt Devedjian als dessen politischer Gefährte und Getreuer, ein Verhältnis, das allerdings seit Sarkozys Wahl zum Präsidenten 2007 durch die Nichtaufnahme Devedjians in Sarkozys erstes Kabinett konfliktbelastet war. Nach weiteren Konflikten, auch mit Sarkozys Sohn Jean, kam es um das Jahr 2010 zum Zerwürfnis mit Nicolas Sarkozy.

Von Mai 2002 bis März 2004 war Devedjian Staatssekretär für lokale Freiheiten (ministre délegué aux libertés locales) und damit dem damaligen Innenminister Nicolas Sarkozy unterstellt. Als Nicolas Sarkozy das Amt des Staatsministers (und damit Wirtschafts-, Finanz- und Industrieministers) übernahm folgte er ihm und wurde Staatssekretär für Industrie. Dieses Amt bekleidete er von April 2004 bis Mai 2005, als er bei der Bildung der Regierung de Villepin nicht mehr berücksichtigt wurde.

Bei der Präsidentschaftswahl 2007 unterstützte er Nicolas Sarkozy, dem er nach dessen Wahl zum Staatspräsidenten als Präsident des Generalrats des Départements Hauts-de-Seine nachfolgte. Im September 2007 wurde er Generalsekretär und damit faktischer Parteivorsitzender der UMP.

Am 5. Dezember 2008 wurde Devedjian zum beigeordneten Minister für die Umsetzung des Plans zur Ankurbelung der Wirtschaft (ministre chargé de la mise en œuvre du plan de relance) im Kabinett Fillon II berufen. In diesem Amt, das unmittelbar dem Premierminister unterstand, war er für den Plan zu Wiederbelebung der französischen Wirtschaft nach der Finanzkrise verantwortlich. Bei der Bildung des Kabinetts Fillon III im November 2010 wurde das Ministerium aufgelöst. Devedjian nahm daraufhin sein Parlamentsmandat wieder auf, das er bei der Wahl 2012 knapp verteidigen konnte. Das Wahlergebnis wurde im Oktober 2012 durch den Conseil constitutionnel aufgehoben (wegen eines Formfehlers bei der Nominierung von Devedjians Stellvertreter zur Wahl - dieser war nicht zur Kandidatur befugt gewesen, weil er bereits ein anderes Amt innehatte). In der somit erforderlich gewordenen Nachwahl im Dezember 2012 gewann Devedjian das Mandat erneut, diesmal mit einem anderen Stellvertreter.

Eine EU-Mitgliedschaft der Türkei lehnt er ab, hauptsächlich, weil die türkische Regierung den Völkermord an den Armeniern leugnet. Er vertritt die Ansicht, dass die Türkei vor dem Beitritt zur Europäischen Union zu einem ehrlichen und korrekten Umgang mit der eigenen Geschichte finden muss. Laut Devedjian birgt der Beitritt der Türkei die Gefahr, dass in dem Land weitere Völkermorde geschehen könnten.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Patrick Devedjian – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien