Patrozinium

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Als Patrozinium wird die Schutzherrschaft eines Patrons oder einer Patronin bezeichnet, der eine Einrichtung (Kirche, Spital, Schule) unterstellt wird. Das Wort wird auch für das Hochfest gebraucht, an dem der Heilige gefeiert wird, dem die Kirche geweiht ist (Patronatsfest). Meist bestimmt das Patrozinium das äußere und innere Bildprogramm.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Urkirche war es zunächst Brauch, am Grab eines Heiligen dessen Beistand zu erflehen. Der mittelalterliche Reliquienkult ermöglichte eine Vervielfachung sowie eine lokale Verlagerung (Translatio) durch den Transport der als heilswirksam angesehenen Substanzen. So wurde es möglich, Kirchengebäude an einem beliebigen Ort in einem feierlichen Weiheakt mit einer Reliquie zu versehen und damit einem Patrozinium zu unterstellen. Die Reliquie wurde i. d. R. in eine Aussparung des Altars eingefügt. Neben Heiligenreliquien konstituierten auch Partikel (z. B. des Heiligen Kreuzes) oder Glaubensgeheimnisse, wie etwa des Leibes oder Blutes Christi, des Heiligsten Herzens Jesu, des Heiligen Geistes oder der Verklärung, ein Patrozinium. Ist eine Kirche nicht einem Heiligen, sondern einem Glaubensgeheimnis geweiht, so wird vom Titularfest gesprochen. Das Patrozinium einer Kirche konnte im Laufe der Zeit auch wechseln (siehe in diesem Zusammenhang Prioratskirche Thuret), beispielsweise wenn die Kirche Reliquien eines bedeutenderen Heiligen oder etwa einen Splitter vom Heiligen Kreuz geschenkt bekam oder erwarb.

Stiftung eines Patroziniums[Bearbeiten]

Am Patrozinium kann man mitunter erkennen, wer eine Kirche finanziert hat. So stifteten zum Beispiel Kaufleute gerne Kirchen mit einem Nikolauspatrozinium, dem Schutzpatron der Kaufleute.

Ein Marienpatrozinium verbirgt sich hinter der Bezeichnung Frauenkirche, Liebfrauen oder Unserer Lieben Frau (französisch: Notre-Dame; spanisch: Nuestra Señora ...; englisch: Our Lady ...). In der Frühzeit der deutschen Ostkolonisation wurden die ersten Kirchen oft dem heiligen Petrus geweiht, Taufkirchen Johannes dem Täufer. In manchen Zeiten oder Regionen gab es regelrechte ‚Modeheilige‘, denen zahlreiche Kirchen geweiht wurden. Das gilt zum Beispiel für die heilige Anna, deren Verehrung um 1500 an Bedeutung gewann, sowie für zahlreiche in Deutschland während des Kulturkampfes neu erbaute und dem heiligen Josef geweihte Kirchen.

Zum Hochfest des Patrons wird in katholischen Gegenden heute noch ein Patronatsfest gefeiert, meist mit einer Prozession.

Steht eine Kirche unter dem Schutz mehr als eines Schutzpatrons, gibt es neben dem Hauptpatron einen ‚Konpatron‘.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Graham Jones: Saints in the Landscape: Heaven and Earth in Religious Dedications. Tempus 2007, ISBN 978-0-7524-4108-5
  • Graham Jones (Hrsg.): Saints of Europe. Studies Towards a Survey of Cults and Culture. Shaun Tyas / Paul Watkins Publishing, Donington/Lincolnshire 2009, ISBN 1-90028957-1
  • H. Flachenecker: Patrozinienforschung in Deutschland. In: Concilium Medii Aevi 2, 1999, S. 145–163 (pdf, 63 kB, cma.gbv.de)
  • Franz-Heinrich Beyer: Geheiligte Räume : Theologie, Geschichte und Symbolik des Kirchengebäudes. Wiss. Buchges., Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-20480-9, 2.3.2 Die Heiligenverehrung (Heiligengrab) und das Patrozinium S. 35.
  • F. Zarl: Die Besiedlung und Christianisierung des Viertels ob dem Wienerwald im Lichte der Volkskunde. Patrozinienforschung und Ortsnamenkunde. Dissertation, Wien 1963.

Regionales:

  • Herwig Ebner: Patrozinienkarte. In: Romanische Kunst in Österreich. Krems 1964, S. 290

Weblinks[Bearbeiten]