Paul Bocuse

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Paul Bocuse, 2007

Paul Bocuse (* 11. Februar 1926 in Collonges au Mont d'Or nahe Lyon) ist ein französischer Koch, Gastronom und Kochbuchautor.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Berufliches[Bearbeiten]

Restaurant Innenansicht August 2013
Trophäen des Bocuse d'Or
Maître Paul Bocuse begrüßt seine Gäste in Form einer Wandmalerei vor seinem Restaurant L'Auberge du Pont de Collonges

Bocuse gilt als einer der besten Köche des 20. Jahrhunderts. Sein Restaurant L’Auberge du Pont de Collonges wird seit 1965 ohne Unterbrechung mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. 1989 wurde er vom Gault-Millau zum „Koch des Jahrhunderts” ernannt. Paul Bocuse hatte viele Schüler, die selbst bekannte Köche wurden, unter anderen Eckart Witzigmann und Heinz Winkler.

Mit neun Jahren war er bereits Koch in der Küche seines Vaters. Seine Ausbildung zum Koch absolvierte er bei der Drei-Sterne-Köchin Eugenie Brazier in Lyon. Er betreibt fünf Restaurants in Lyon sowie zwei in Collonges au Mont d'Or, das L'Auberge du Pont de Collonges und das L’Abbaye de Collonges au Mont d’Or.

Schon sein Urgroßvater Nicolas eröffnete im Jahr 1840 am Ufer der Saône ein Restaurant. Dieses Restaurant übernahm Bocuse in dritter Generation von seinem Vater, nachdem er in den 1940er Jahren in den verschiedensten Restaurants in Lyon und Paris eine Ausbildung zum Koch absolviert und sechs Jahre lang am Herd von Fernand Point, dem Besitzer des Drei-Sterne-Restaurants La Pyramide in Vienne, sein Wissen perfektioniert hatte.

Im Gegensatz zu seinen Kollegen Alain Senderens und Michel Guérard hielt er dabei aber auch an der bodenständigen Küche fest, die sich auf frische Produkte vom Markt konzentriert, sich nach Jahreszeiten und Regionalität richtet – quasi seine persönliche Gegenbewegung zu Dosenravioli und den in den 1960er Jahren gerade in Mode gekommenen Tiefkühlprodukten.

In seinem 1990 erschienenen Buch Cuisine de France machte er nochmals deutlich, dass die ideale Küche eine bodenständige Küche sei, die sich auf frische Produkte vom Markt stütze, die sich nach den Jahreszeiten richte und regionale Traditionen hervorhebe: „Die Küche macht 20 % des Restaurants aus, der Rest ist Atmosphäre“, sagt Bocuse.[1]

Bocuse gründete 1987 auch den wichtigsten internationalen Kochwettbewerb für Profiköche, den Bocuse d'Or, der alle zwei Jahre in Lyon stattfindet.

„Bester Arbeiter Frankreich 1961” ist der Orden, den er stets für offizielle Fotos trägt und den es sogar als Serviettenring in Papierform für jeden Gast in seinen Restaurants gibt. Zudem trägt jeder Teller und jedes Besteck seine Initialen. Bocuse ist ein hervorragender Selbstdarsteller, zudem Medienstar und französischer Nationalheld.

Der Meisterkoch vermarktet nicht nur sich selbst, auch Delikatessprodukte; darunter Wein von eigenen Weinbergen, Champagner, Tee, Marmeladen, Terrinen, ja sogar Konserven brachte er unter dem Label Bocuse auf den internationalen Markt. So eröffnete er 1982 zusammen mit den Köchen Roger Vergé und Gaston Lenôtre das Restaurant Pavillon de France im Epcot Center in Orlando, USA, einem Disney-World-Themenpark.

Im Jahr 2008 gründete Bocuse in Écully in der Nähe von Lyon das „Paul Bocuse Institut für Hotellerie und Kulinarische Kunst”, zu dem auch ein Forschungsinstitut gehört, das sich vor allem mit gesünderer Ernährung befasst.

Ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere war die Erhebung zum Ritter der Ehrenlegion von Präsident Valéry Giscard d'Estaing 1975. Zu diesem Anlass bereitete der Geehrte mit zwölf Spitzenköchen – darunter Paul und Jean-Pierre Haeberlin, Michel Guérard und Jean Troisgros – ein Fünf-Gänge-Menü, das sie anschließend selbst mit dem Präsidenten im Elysée-Palast zu sich nahmen. Die schwarze Trüffelsuppe,[2] eine Vorspeise mit großer Blätterteigkuppel, deren Bezeichnung die Initialen von Valéry Giscard d’Estaing als Zusatz trägt, ist seitdem legendär und noch immer als „La soupe aux Truffes V.G.E.” auf der Speisekarte seines Restaurants zu finden und kostete im Jahr 2010 bei ihm 80 Euro.

Wie die meisten Starköche kocht Bocuse kaum noch selbst, was er auch unumwunden zugibt. Auf die Frage, wer denn koche, wenn er selbst gerade nicht da sei, sagte er: „Derselbe, der kocht, wenn ich da bin.“

Privates[Bearbeiten]

Kurz vor seinem 80. Geburtstag hat er seine Memoiren veröffentlicht: Le feu sacré (deutsch: ‚Das heilige Feuer‘), mit einem Vorwort des einst von ihm bekochten Giscard d'Estaing. In dieser Autobiografie enthüllte er auch Details aus seinem Privatleben: Seit vielen Jahren lebt er mit drei Frauen zusammen und unterhält drei Haushalte. Mit seiner Ehefrau Raymonde, mit der er die Tochter Françoise hat, ist er seit 1946 verheiratet. Mit der Mutter seines Sohns Jérôme ist er seit mehr als 50 Jahren zusammen, mit einer dritten Frau seit 35 Jahren. Zitat: „Ich mache das, wovon jeder Mann träumt.”

Auszeichnungen[Bearbeiten]

(Auswahl)

Siehe auch[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

(Auswahl)
Wandmalerei neben dem Restaurant L'Auberge du Pont de Collonges des Maître Paul Bocuse
  • 1977 – Bocuse, Paul: Die neue Küche (deutsche Erstausgabe: Econ Verlag, Düsseldorf)
  • 1982 – Bocuse: Die neue Küche,ISBN 3-88199-115-8
  • 1985 – Bocuse à la carte: Französisch kochen mit dem Meister, ISBN 3-8068-4237-X
  • 1985 – Paul Bocuse in Ihrer Küche: Einfache Gerichte des großen Meisters zu Hause selber kochen, ISBN 3-453-36001-X
  • 1988 – Mein Meisterwerk: Bon appetit,ISBN 3-924678-07-3
  • 1990 – Kochen und Backen mit Paul Bocuse,ISBN 3-927117-53-6
  • 1991 – Die Neue Küche. Das Kochkunstbuch vom König der Köche,ISBN 3-430-11357-1
  • 1996 – Meisterhaft Kochen leicht gemacht: Traditionelle Gerichte für Fest- und Feiertage,ISBN 3-929626-70-5
  • 2005 – Le feu sacré – Das heilige Feuer
  • 2012 – Bocuse für jeden Tag,ISBN 978-3-941787-75-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Bocuse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Bocuse: Die neue Küche. Vorwort.
  2. DW-WORLD.DE – À La Carte: „Soupe aux truffes“ – Schwarze Trüffelsuppe „Valéry Giscard d´Estaing“
  3. seit 1965 3 Sterne