Paul Citroen

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Paul Citroen (* 15. Dezember 1896 in Berlin; † 13. März 1983 in Wassenaar) war Maler, Zeichner, Fotograf und Kunstpädagoge, der die längste Zeit seines Lebens in den Niederlanden wirkte.

Leben[Bearbeiten]

Paul Citroen wurde als Kind eines holländisch-jüdischen Ehepaars in Berlin geboren, wo seine Eltern eine Pelzhandlung betrieben. Bereits früh zeigte er künstlerisches und kommerzielles Talent. 1915 begann er eine Buchhändlerlehre. Über den Kontakt Georg Muches, mit dem er zuvor in den Studienateliers für Malerei und Plastik in Berlin-Charlottenburg studierte, lernte er Herwarth Walden kennen und richtete für ihn die Sturm-Kunstbuchhandlung ein und ging daraufhin als offizieller Vertreter des Sturm in die Niederlande.[1] Er machte 1918 mit den Mitgliedern der Dada-Gruppe Bekanntschaft und erstellte ab 1919 erste „Klebebilder“ (Fotomontage).[2] Von 1922 bis 1924 studierte er am Weimarer Bauhaus, wo er den Vorkurs Johannes Ittens belegte. Otto Umbehr (Umbo) und Marianne Breslauer, die er beide vom Bauhaus kannte, brachten ihm, wieder in Berlin, nacheinander das Fotografieren näher.[2] Durch Breslauer, die ihn mehrfach portraitierte, traf er auch Werner Rohde, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.[2] Nach zeitweiligen Aufenthalten in Paris und Basel, zog er 1927 endgültig nach Amsterdam um. Er erstand eine Kamera (im Format 6 x 9) und bestritt damit durch Portraitaufnahmen seinen Lebensunterhalt.[2] 1932 findet in Amsterdeam eine erste Ausstellung mit seinen Fotografien statt.[3]

Im Jahr 1933 gründete er in Amsterdam eine freie, an den Methoden des Bauhauses ausgerichtete, Kunstakademie: die Nieuwe Kunstschool. Dieses Institut, das 1937 schon einmal wegen Geldmangels hatte schließen müssen, wurde 1943 von den Nationalsozialisten, welche die Niederlande damals besetzten, als entartet endgültig aufgelöst. Citroen tauchte daraufhin in 's-Graveland (Nordholland) unter. Seit 1935 war Citroen auch Lehrer an der Haager Kunstakademie und behielt die Stelle bis 1960. Wie bereits in der Nieuwe Kunstschool, unterrichtete er im Stil des Bauhauses, was als Neuerung im niederländischen Kunstunterricht galt. Er war dort unter anderem Toon Wegners Lehrer.

Citroen unterhielt, unter anderem als Mitglied der Gesellschaft Pulchri Studio, Kontakte zu den bedeutenden Schriftstellern und Künstlern der Niederlande. Er illustrierte z.B. Der König ist tot des jungen Cees Noteboom (1961). Auch portraitierte er fotografisch (wie zeichnerisch) deutsche wie internationale Persönlichkeiten des Kulturlebens wie J.J.P. Oud, Oskar Kokoschka, Thomas Mann (und seine Kinder), Max Ernst, Ossip Zadkine, Yehudi Menuhin, Benjamin Britten, Darius Milhaud, John Cage u.v.a..[4]

1956 gab es eine erste Retrospektive seines zeichnerischen und dann auch malerischen Werkes, zunächst im Gemeentemuseum Den Haag, dann im Stedelijk Museum in Amsterdam und weiteren Städten der Niederlande. 1971 gab es eine erste Einzelausstellung seiner Werke im Rheinischen Landesmuseum Bonn und 1973 waren Fotografien von Citroen in der Ausstellung Medium Fotografie. Fotoarbeiten Bildender Künstler 1910–1973 im Leverkusener Museum Schloß Morsbroich zu sehen. Im folgenden Jahr ist er wiederum mit Gemälden in den Staatlichen Museen zu Berlin zu Realismus und Sachlichkeit. Aspekte deutscher Kunst 1919–1933 vertreten.

Bereits 1960[1] war Citroen nach Wassenaar umgezogen, wo er im Alter von 86 Jahren 1983 starb.

Werke[Bearbeiten]

Paul Citroen ist vor allem als Zeichner bekannt. Im Haager Letterkundig Museum (Literaturmuseum) befinden sich 49 Porträts von bedeutenden Autoren. Auch als Fotograf ist er anerkannt. Sein Negativarchiv ist seit 1986 im Besitz des Kupferstichkabinetts der Universitätsbibliothek Leiden. Im Jahr 1923 entstand seine bekannteste Arbeiten, die Fotocollagen Großstadt und Metropolis[5], die Fritz Lang zum Film gleichen Namens inspiriert haben soll.Ref?

Zwischen 1947 und 1949 entwarf außerdem Bühnenbilder für die Nederlandse Opera, Keramiken sowie Briefmarken für die niederländische Post (1948 Sondermarken für die Kinderhilfe und 1949 für den Sport).[4][1]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Retrospektive Fotografie: Paul Citroen, Edition Marzona, Bielefeld/Düsseldorf 1978, (ohne ISBN).
  • Jeannine Fiedler (Hrsg. für das Bauhaus-Archiv): Fotografie am Bauhaus, Dirk Nischen, Berlin 1990, ISBN 3-88940-045-0.
  • Hans-Michael Koetzle: Das Lexikon der Fotografie 1900 bis heute, Knaur, München 2002, ISBN 978-3-4266-6479-7. S. 88f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Klaus Honnef, Frank Weyers: Und sie haben Deutschland verlassen ... müssen. Fotografen und ihre Bilder 1928–1997, Ausstellungskatalog, Rheinisches Landesmuseum Bonn, PROAG, Köln 1997, ISBN 3-932584-02-3. S. 106.
  2. a b c d Paul Citroen: „...fotografieren?“ (1977) In: Retrospektive Fotografie: Paul Citroen, Edition Marzona, Bielefeld/Düsseldorf 1978, S. 7f.
  3. Jeannine Fiedler (Hrsg.): Fotografie am Bauhaus, Dirk Nischen, Berlin 1990, S. 343.
  4. a b Retrospektive Fotografie: Paul Citroen, Edition Marzona, Bielefeld/Düsseldorf 1978, S. 12f.
  5. Aufgrund rechtlicher Bedenken nur ein Verweis auf den englischen Artikel zu Citroen, wo Metropolis abgebildet ist.