Paul Claudel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paul Claudel (1927)

Paul Claudel (* 6. August 1868 in Villeneuve-sur-Fère; † 23. Februar 1955 in Paris) war ein französischer Schriftsteller, Dichter und Diplomat.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Paul Louis Charles Marie Claudel wuchs auf in der ländlichen Picardie als Sohn eines aufgeklärt-positivistisch denkenden Kataster-Beamten und als jüngerer Bruder der späteren Bildhauerin Camille Claudel und verbrachte seine letzten Schuljahre auf dem Pariser Traditionsgymnasium Louis-le-Grand. Mit 18 Jahren hatte er bei der Vesper am Weihnachtstag in der Pariser Kathedrale Notre-Dame (als die Sängerknaben das Magnificat sangen) ein religiöses Erweckungserlebnis und war hinfort gläubiger Katholik und wurde Benediktineroblate[1].

Nach Abschluss eines Studiums an der École libre des Sciences politiques (Sciences po), während dessen er bereits Gedichte schrieb und dem Kreis um Mallarmé angehörte, dachte er daran, fernöstliche Sprachen zu studieren. Er bewarb sich dann jedoch für eine Ausbildung als Diplomat im konsularischen Dienst, in dem er bis zu seiner Pensionierung gewissenhaft tätig war. So war er 1893 bis 1895 als Diplomat in den USA, 1895 bis 1909 in China (Shanghai, Fuzhou, Peking, Tientsin) und danach Prag, jeweils kürzere Zeit in Deutschland, Brasilien und Dänemark. 1921–27 arbeitete er in Japan, anschließend nochmals in den USA (1927–33) und schließlich in Belgien.

Das trotz seiner bewegten Existenz sehr umfangreiche literarische Schaffen Claudels, für das er jeweils die ersten Stunden seines Arbeitstags reservierte, umfasst Lyrik, Philosophisch-Essayistisches – stark beeinflusst von seinen Fernost-Aufenthalten – und vor allem Theaterstücke. Diese verfasste er in einer pathetisch-lyrischen Sprache und unter Verzicht auf eine spannende Handlung. Im Mittelpunkt steht zumeist das Motiv des Sich-Aufopferns im Sinne einer religiös inspirierten Moral.

Das bekannteste und am häufigsten aufgeführte Stück ist das 1911/12 verfasste, im Mittelalter spielende L'Annonce faite à Marie (Mariä Verkündigung). Einigermaßen bekannt wurde auch die fast sechs Jahrzehnte (1812 bis 1869) überspannende Trilogie L'Otage (Die Geisel) 1909, Le Pain dur (Das harte Brot) 1914 und Le Père humilié (Der gedemütigte Vater) 1916. Als sein Hauptwerk gilt jedoch das im spanischen 16. Jahrhundert spielende Stück Le Soulier de satin (Der seidene Schuh) 1925, ein immens langes, die Summe von Claudels Denken präsentierendes Drama, das erst 1943 in einer von ihm selbst und dem Regisseur Jean-Louis Barrault stark gerafften Version zur Aufführung kam. Als Librettist trat Claudel im dramatischen Oratorium Jeanne d’Arc au bûcher von Arthur Honegger und mit mehreren Operntexten für Darius Milhaud hervor.

Seine Werke waren beeinflusst von den Arbeiten des Philosophen und Literaturnobelpreisträgers Henri Bergson.

Claudel wird zum Renouveau catholique gezählt. Er wurde in den 1920er bis 1940er Jahren im katholischen Milieu sehr geschätzt, aber auch von anderen Lesern und von der Literaturkritik hoch bewertet und 1946 mit der Aufnahme in die Académie Française belohnt. Er war auch Träger des Großkreuzes der Ehrenlegion. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet er langsam in Vergessenheit.

Nachwirkung[Bearbeiten]

  • Ein Zyklus von 14 Aquarellen des Künstlers Ervin Bossányi zu Claudels Verkündigung befindet sich im Besitz des St.-Annen-Museums in Lübeck
  • Im Dezember 2004 ehrte die Claudel-Gesellschaft La Société Paul Claudel den Maler Götz von Seckendorff (1889–1914), der einige Werke Claudels illustriert hatte, in Bulletin No 176: Hommage à Götz von Seckendorff

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Robert Curtius: P. C. in dsb.: Die literarischen Wegbereiter des neuen Frankreich. Gide, Rolland, Claudel, Suarès, Proust, Maritain. Gustav Kiepenheuer, Potsdam 1923 (5.-7.Tsd.)
    • wieder in: Französischer Geist im zwanzigsten Jahrhundert. ..., Péguy, Valéry, Larbaud, Bremond Franke, Bern 1952 (Die 3. Aufl. des Buchs von 1923, ergänzt um diese 4 Autoren) 4. Aufl. Francke, Tübingen 1994 ISBN 3-7720-1377-5 Sammlung Dalp o. Nr.
      • Spanische Ausgabe, Teil 1: El espíritu francès en siglo XX. Gide, Rolland, Claudel, Suarès, Péguy Visor, Madrid 1992 ISBN 84-7774-545-5 Reihe La balsa de la Medusa Bd. 45
  • Herbert Dieckmann: Die Kunstanschauung Paul Claudels Bonn, Cohen 1931. Zugl. Diss. Phil. 1930 (als solche verlegt bei Kolbermoor, München 1931)
    • dsb.: Das dramatische Werk P. C's. in: Zs. Neue Schweizer Rundschau, 24. Jg., März 1931, H. 3. Girsberger, Zürich, S. 212 - 223, sowie folgendes Heft.
  • Impossible de ne pas mentionner l'ouvrage d'Anatoly Livry, enseignant à l'Université de Nice - Sophia Antipolis et enseignant de Claudel, sur Tête d'Or[2]
  • Stefan Zweig: Triumph der Kathedrale. (Anmerkungen zu Paul Claudels „Verkündigung“), in: Rezensionen 1902–1939. Begegnungen mit Büchern. 1983 (E-Text)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Claudel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. OBLATES of St. Benedict
  2. www.enquete-debat.fr/archives/
Vorgänger Amt Nachfolger
Französischer Konsul in Shanghai
Juni 1895
Französischer Konsul in Prag
Dezember 1909
Französischer Konsul in Hamburg
Oktober 1913
Französischer Bevollmächtigter in Rio de Janeiro
1916
Französischer Bevollmächtigter in Dänemark
1920
Edmond Bapst Französischer Botschafter in Japan
1921-1927
Robert de Billy
Henry Bérenger Französischer Botschafter in den Vereinigten Staaten
1926–1933
André Louis Lefebvre de Laboulaye
Charles Corbin Französischer Botschafter in Belgien
1933-1936
Jules Laroche