Paul Flechsig

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Paul Emil Flechsig

Paul Emil Flechsig (* 29. Juni 1847 in Zwickau; † 23. Juli 1929 in Leipzig) war ein deutscher Psychiater und Hirnforscher. Er gilt als einer der „Väter der Neuroanatomie“.

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater Emil Flechsig war Diakon in der St. Marienkirche in Zwickau und belegte 1828 als Student der Theologie zusammen mit dem späteren Komponisten Robert Schumann eine Wohnung.

Paul Flechsig studierte von 1865 bis 1870 an der Universität Leipzig unter Ernst Heinrich Weber, Eduard Friedrich Weber und Carl Ludwig. Während dieser Zeit wurde er Mitglied der Alten Leipziger Landsmannschaft Afrania, der er bis an sein Lebensende treu verbunden blieb. 1872 war er Assistent von Ernst Leberecht Wagner am Pathologischen Institut der Universität Leipzig. 1873 betraute ihn Carl Ludwig mit der Leitung der histologischen Abteilung am Physiologischen Institut. 1875 legte er seine Habilitation ab. 1877 wurde er außerordentlicher Professor am neu gegründeten Lehrstuhl für Psychiatrie. Das Thema seiner Antrittsvorlesung an der Universität Leipzig vom 4. März 1882 lautete: Die körperlichen Grundlagen der Geistesstörungen.[1] Flechsig hat schon in dieser Antrittsvorlesung 1882 den Terminus ‚Geisteskrankheit’ kritisiert. Er wollte ihn durch das „korrekte Wort Nervenkrankheit“ ersetzt wissen (zit. n. Steinberg 2001, S. 58).

Von 1884 bis 1921 war er Ordinarius für Psychiatrie. Sein Nachfolger war Oswald Bumke, der sein Amt als Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie und Neurologie im Frühjahr 1921 antrat. Nach Flechsig ist das Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung an der Universität Leipzig benannt. Zudem wurde er mit dem Aufbau einer neuen Nervenklinik beauftragt. Von 1894 bis 1895 war er Rektor an der Universität Leipzig.

In seiner Rektoratsrede von 1894 „Gehirn und Seele“ fasste er seine Gedanken zur Lokalisation der höheren Hirnfunktionen auf dem Boden von neuroanatomischen Analysen zum ersten Mal zusammen.

Sein bekanntester Patient war Daniel Paul Schreber. Wie Janet Malcolm in ihrem Buch Vater, lieber Vater...Aus dem Sigmund-Freud-Archiv schreibt, fand Jeffrey M. Masson in Freuds Bibliothek einen von Flechsig 1884 verfassten Artikel, den er an Freud gesandt hatte und in dem er berichtet, dass er in seiner Anstalt Kastrationsexperimente an hysterischen und zwangsneurotischen Patienten vornahm. [2]

Sigmund Freud hat dieses Wissen in seinem 1911 erschienenen Aufsatz Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia, in dem er versucht hat, Daniel Paul Schreber und sein Verhältnis zu Flechsig anhand der autobiografischen Schrift von Schreber zu analysieren, nicht erwähnt.

Grabplatte für Paul Flechsig und seine Frau, Südfriedhof Leipzig, Familiengrab Ludolf Colditz

Im Jahr 1926 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Werke[Bearbeiten]

  • Die Leitungsbahnen im Gehirn und Rückenmark des Menschen auf Grund entwicklungsgeschichtlicher Untersuchungen. Leipzig 1876
  • Zur gynaekologischen Behandlung hysterischer Personen. Centralblatt für Nervenheilkunde und Psychiatrie, 7: 437-440 (1884)
  • Zur gynaekologischen Behandlung der Hysterie. Neurologisches Centralblatt, 3: 433-439, 457-468 (1884)
  • Zur gynaekologischen Behandlung hysterischer Personen. Archiv für Psychiatrie, 16: 559-561 (1885)
  • Ueber eine neue Färbungsmethode des centralen Nervensystems und deren Ergebnisse bezüglich des Zusammenhanges von Ganglienzellen und Nervenfasern. Archiv für Physiologie, Physiologische Abteilung des Archivs für Anatomie und Physiologie (1889): 537-538
  • Gehirn und Seele. Leipzig 1896
  • Die Localisation der geistigen Vorgänge insbesondere der Sinnesempfindungen des Menschen. Leipzig 1896
  • Die Grenzen geistiger Gesundheit und Krankheit: Rede, gehalten zur Feier des ... (1896)
  • Anatomie des menschlichen Gehirns und Rückenmarks auf myelogenetischer Grundlage. Leipzig 1920

Literatur[Bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten]

Eine Ehrenmedaille schuf der Jugendstilkünstler Max Lange.

Quellen[Bearbeiten]

  1. s. Liste der Veröffentlichungen
  2. Janet Malcolm in Vater, lieber Vater... Aus dem Sigmund-Freud-Archiv, Dt. Erstausgabe Frankfurt/M ; Berlin: Ullstein, 1986, S.126

Weblinks[Bearbeiten]