Paul Geheeb

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Paul Geheeb (* 10. Oktober 1870 in Geisa/Rhön; † 1. Mai 1961 in Hasliberg-Goldern/Schweiz) war ein deutscher Reformpädagoge. Als Gründer der Odenwaldschule zählt er zu den wichtigsten Personen der Landerziehungsheimbewegung.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Der Sohn des Apothekers und bekannten Moosforschers Adalbert Geheeb studierte in seinen Jugendjahren in Gießen, Berlin und Jena zahlreiche Fächer, unter anderem Theologie, Philosophie, Physiologie, Psychiatrie, Psychologie und Psychopathologie. Seine Studie schloss er mit dem theologischen und dem philologischen Staatsexamen und dem Oberlehrerexamen ab.

Schon während des Studiums lernte Geheeb Hermann Lietz kennen, mit dem er in Haubinda zusammenarbeitete. Seine Freundschaft zu Lietz beschrieb Geheeb folgendermaßen:

Zwischen Lietz und mir entstand bald eine innige und ungemein fruchtbare Freundschaft; Gemeinsam vertieften wir uns in die Philosophie Fichtes und entwickelten unsere pädagogischen Ideen. Wir hatten viel in Städten gelebt, einen Teil unserer Studienzeit in Berlin zugebracht, wo uns das soziale Elend der Großstadt mit Grauen erfüllte; und durchdrungen von der Überzeugung, daß nicht nur vor hundert Jahren die Welt mehr oder weniger verderbt gewesen sei, wurden wir in dem starken Gefühle für den Antagonismus zwischen wahren Menschentum und den Übeln der Zivilisation begeisterte Jünger Fichtes. (Paul Geheeb: Die Odenwaldschule im Licht der Erziehungsaufgaben der Gegenwahrt. 1930.)

1906 trennte Geheeb sich von Lietz und gründete gemeinsam mit Gustav Wyneken die Freie Schulgemeinde Wickersdorf mit ihren noch weiter reichenden pädagogischen Ansätzen. Doch auch die Zusammenarbeit mit Wyneken hatte nicht lange Bestand. Im Frührjahr 1909 stand Paul Geheeb mit Wolf Dohrn, den leitenden Geschäftsführer der Gartenstadtgesellschaft Hellerau, in ernsthaften Verhandlungen über den geplanten Bau eines gartenstädtischen Landerziehungsheimes. Als die Verhandlungen ergebnislos scheiterten, gründete Geheeb 1910 gemeinsam mit seiner Frau Edith Geheeb-Cassirer bei Heppenheim die Odenwaldschule. Diese Schule führte Geheeb erfolgreich, bis er 1934 Deutschland verlassen musste und in die Schweiz emigrierte.

Hier entwickelte er mit der Ecole d’Humanité in Versoix (später in Goldern-Hasliberg) die Ansätze der Odenwaldschule weiter. Geheeb leitete diese Schule bis zu seinem Tod.

[Bearbeiten] Schriften

  • Paul Geheeb: Die Odenwaldschule im Lichte der Erziehungsaufgaben der Gegenwart. 1931. Nachdruck in: Erziehung zur Humanität. Paul Geheeb zum 90. Geburtstag. Hrsg. von Mitarbeitern der Odenwaldschule. Heidelberg 1960.
  • Paul Geheeb: Koedukation als Lebensanschauung. Dieser 1913/14 erstmalig in der Zeitschrift "Die Tat" erschienene Aufsatz wurde wiederabgedruckt in: Erziehung zur Humanität.
  • Paul Geheeb: Psychohygiene in der Odenwaldschule und in der Ecole d`Humanité. In: Maria Pfister (Hrsg.): Geistige Hygiene. Forschung und Praxis. Ammende, Basel 1955.

[Bearbeiten] Literatur

  • Martin Näf: Paul und Edith Geheeb-Cassirer. Gründer der Odenwaldschule und der Ecole d'Humanité. Deutsche, Schweizerische und Internationale Reformpädagogik 1910–1961. Beltz, Weinheim 2006. ISBN 3-407-32071-X
  • Martin Näf: Paul Geheeb. Seine Entwicklung bis zur Gründung der Odenwaldschule. Deutscher Studien-Verlag, Weinheim 1998. ISBN 3-89271-730-3
  • Martin Näf: Paul Geheeb (1870–1961). In: Heinz-Elmar Tenorth (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik. Bd. 2: Von John Dewey bis Paulo Freire. Beck, München 2003. S. 89–98. ISBN 3-406-49441-2
  • Walter Schäfer: Paul Geheeb. Mensch und Erzieher. Klett, Stuttgart o. J. (1960).
  • Walter Schäfer (Hrsg.): Paul Geheeb – Briefe. Mensch und Idee in Selbstzeugnissen. Stuttgart 1970
  • Dennis Shirley: Politics of Progressive Education: The Odenwaldschule in Nazi Germany. Harvard University Press 1992. ISBN 0-674-68759-0

[Bearbeiten] Weblinks

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