Paul Helwig

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Paul Helwig (* 27. Mai 1893 in Lübeck; † 7. August 1963 in München) war ein deutscher Psychologe, Philosoph, Theaterregisseur und Drehbuchschreiber. Er lieferte auch einige wichtige Beitrage zur Psychologie.

Paul Julius Adolf Helwig war der Sohn des Kaufmanns August Helwig. Paul studierte Musik an den Konservatorien von Leipzig und München. Nach der Zeit am Theater nahm er sein schon vorher begonnenes Philosophiestudium in Köln erneut auf und promovierte 1934 in Philosophie bei Nicolai Hartmann mit den Nebenfächern Psychologie und Nationalökonomie. Die letzten Jahre lebte er als freier Schriftsteller in München bis zu seinem Tod am 7. August 1963.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Theater- und Filmarbeit

Nach seinem Abschluss am Konservatorium war er mehrere Jahre in leitenden Stellungen an den Theatern Eisenach, Heidelberg, Düsseldorf, Breslau, Berlin usw. tätig. In dieser Zeit und auch danach schrieb er verschiedene Bühnenstücke, darunter die Komödie Flitterwochen, die gelegentlich noch immer aufgeführt wird. Weiter war er Mitautor mehrere Filmdrehbücher sowie Übersetzer von zwei Stücken John Priestleys, die er auch inszenierte. Diese Theaterarbeit hat zu seiner späteren Faszination vom menschlichen Handeln-an-sich als einer unreduzierbaren „Urkategorie des Seins“ beigetragen.

[Bearbeiten] Philosophische Überlegungen

Der Gedanke, den er in seiner Dissertation - ein dünnes Manuskript von 38 Seiten - ausarbeitete, war, dass die „Seinsform“ von allem was ist, gekennzeichnet werden soll als das „sich hin haben zum Anderen“.

1936 veröffentlichte er „Seele als Äußerung“, worin er versuchte den Dualismus zu überwinden durch das Tun des Organismus an die Umgebung zentral zu stellen und durch die Dimension geistlich-materiell mit der Dimension Innen-Außen zu ersetzen (welche eine Erlebnisdimension ist und keine objektiv räumliche Dimension). Diese Abhandlung, die bereits Merkmale einer psychologischen Analyse trägt, schließt an seine Dissertation an und macht die darin enthaltenen abstrakten Ideen etwas begreiflicher.

[Bearbeiten] Dramaturgische Psychologie

1936 erschien zugleich die erste Version von Charakterologie (bei Teubner in Leipzig), ein Buch ganz anderer Art, in dem psychologische Typen und Krankheitsbilder kritisch behandelt werden. 1951 folgte eine überarbeitete zweite Auflage bei Klett in Stuttgart. Darin führte er das so genannte Werteviereck ein, ein erklärendes Schema über das Ordnen wertbehafteter Begriffe:

  • Jeder Tugend steht eine Gegentugend gegenüber, mit der Implikation, dass beide entarten können, wenn die eine nicht hinreichend von der anderen im Gleichgewicht gehalten wird.

So steht beispielsweise dem Streben nach Halt in der Welt auch ein bestimmtes Vertrauen und Gelassenheit gegenüber, da ansonsten das Streben nach Halt in Krampfhaftigkeit und Zwangsmäßigkeit entartet, resp. das Vertrauen in kindliche Abhängigkeit.

Helwigs Beschäftigung mit dem unreduzierbaren Phänomen des Wirkens auf die Umgebung und auf den Mitmenschen führte schließlich zu der Idee der „dramaturgischen Psychologie“: Die Erklärung von Verhaltensphänomenen soll man nicht, wie in der Tiefenpsychologie, im „Inneren“ (das falsch abtrennende Begriff „Psyche“) suchen, sondern in den Eigenschaften des Handelns selbst. Solches nicht - opportunistisch - aufgrund eines methodologischen Behaviorismus, sondern aus prinzipiellen Gründen, nämlich weil alles für die Psychologie Wichtige sich in der ersten und letzten Instanz „da draußen“ abspielt, in der Begegnung des handelnden Menschen gegenüber der Umgebung. Und dabei beobachtet man mit den distanzierten Augen eines Dramaturgen das menschliche Handeln und Wandeln.


[Bearbeiten] Der Behaviorismus Helwigs

Was der Wahl für das äußerliche Verhalten als der eigentliche Gegenstand der Psychologie angeht, ist Helwig genau wie Skinner ein radikaler, im Sinne von prinzipieller Behaviorist. Allerdings mit dem Unterschied, dass er mit den Augen eines Regisseurs in Themen von viel größeren Verhaltenseinheiten (als Stimulus-Response) nach dem menschlichen Tun schaut. Die Interaktion Individuum-Umgebung soll man - so meint er - in dem Maße analysieren, wobei soviel „Stoff“ (Geschehens, Folgen, Reaktionen) aufgeworfen wird, dass es zu Handlungen (Interaktionen) von längerer Dauer kommen kann - so wie das auch im Theater geschieht und essentiell ist für ein gutes Drama, und womit das Leben „weiter geht“. Dazu ist nicht nur die Art der Aktionen des Individuums wichtig, sondern auch das Maß von Widerstand, dem es dabei begegnet. Diese Ideen befinden sich in seinen drei Bücher:

  • das kulturphilosophische Dramaturgie des menschlichen Lebens (1958),
  • das psychologische und psychopathologische Psychologie ohne Magie (1961), und
  • Liebe und Feindschaft (1964), worin liebevolles/freundschaftliches Verhalten gegenüber feindlichem Verhalten auf ihre Wirkung auf die Umgebung analysiert werden.

Eine Beschränkung von Helwig ist, dass er wenig über die Konditionen sagt, die einen Menschen nach ineffektiven Handlungsweise greifen lassen, die dem Weiterleben nicht dienlich sind.

In dieser Zeit übte Helwig auch Psychotherapie anhand seiner Ideen aus. Er arbeite unter anderem am psychosomatische Institut in Heidelberg.


[Bearbeiten] Werke Paul Helwigs

[Bearbeiten] Philosophisch-psychologisch

  • Paul Helwig: Die individuelle Relation. (Ein Beitrag zur Dialektik der Selbstheit). Universität Köln, Sissertation. 1934, 38 S.
  • Paul Helwig: Seele als Äusserung. Untersuchungen zur Leib-Seele Problematik. Teubner Verlag, Leipzig un Berlin 1936.
  • Paul Helwig: Charakterologie. Teubner Verlag, Leipzig 1936; 2. revidierte Auflage, Klett Verlag, Stuttgart 1951; 3. revidierte Auflage, Klett Verlag, Stuttgart 1965 (Nachher mehrere Male wiederabdruckt in der Herder-Bücherei.)
  • Paul Helwig: Die gewünschte und die gewollte Welt. Zur psychologischen Charakterisierung des Hysterikers und des Zwangsneurotikers. In: Psyche. Band VI, 1953, 10. Heft, S. 561-576.
  • Paul Helwig: Dramaturgie des menslichen Lebens. Klett, Stuttgart 1958.
  • Paul Helwig: Psychologie ohne Magie. Der Mensch im Spannungsgefuge der Lebensdramatiek. Reinhardt, München/Basel 1961.
  • Paul Helwig: Liebe und Feindschaft. Reinhardt, München/Basel 1964.

(Es fehlen noch einige Artikel in dieser Liste.)

[Bearbeiten] Theaterstücke

  • 1922: Das Eichenacher Spiel von der zehn Jungfrauen. Für die Aufführung im Juli, 1921, neu übersetzt und szenisch bearbeitet von Conrad Höfer und Paul Helwig. Verlag: Kahle, Eisenach, 1922.
  • 1939 oder eher: Flitterwochen.
  • 1939: Irrfahrt der Wünsche.
  • 1939: Am helllichten Tag. Berlin: Drei Masken Verlag (1942?).
  • 1940: Götter auf Urlaub. Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1941: Der Barbar: eine historische Tragikomödie in 5 Aufzügen. Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1942: Schwarze Magie: Lustspiel in 3 Auszügen. Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1942: Die schöne Maria: Historische Komödie in 5 Aufzüge. Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1942: Lucille und Orleans: Eine dramatische Romanze in 5 Aufzüge. Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1942: Des Ruhmes und der Liebe Schwert: Eine dramatische Romanze in 5 Aufzüge. Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1943: Krampus und Angelika: Komödie in 3 Aufzüge un 1 Vorspiel. Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1947: Jupiter: Komödie in 3 Aufzüge. (Deutsche bearbeitung von Rober Boissy). Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1947: Familie Professor Linden. Deutsche Bearbeitung von The Linden Tree von J.B. Priestley. Berlin: Drei Masken Verlag (1948).
  • 1948: Die neue Stadt: Ein Spiel in 3 Aufzüge. Deutsche Bearbeitung von John Boynton. Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1948: Hier bin ich schon einmal gewesen: Schauspiel in 3 Aufzüge. Deutsche Bearbeitung von John Boynton. Berlin: Drei Masken Verlag.
  • 1949: Ernst Beiseite: Lustspiel in 3 Auszügen. Hamburg: Die Rampe, Bühnenvertrieb GmbH.
  • 1958: Die fremde Stadt. Übersetzung eines Spiel in 3 Aufzüge von J.B. Priestley. Weinheim: Dt. Laienspiel-Verlag.

(Liste vielleicht nicht vollständig)

[Bearbeiten] Filmdrehbücher

  • 1924: Der Roman der Lilian Hawley
  • 1939: Mein Mann darf es nicht wissen. Verfilmung von Flitterwochen.
  • 1940: Das leichte Mädchen. Drehbuch zusammen mit Fritz Peter Buch.
  • 1954: Der glückliche Reise. Drehbuch zusammen mit Herbert Witt.
  • 1954: Der Mann meines Lebens. Drehbuch (Literaturverfilmung).
  • 1955: Schwedenmädel (Sommarflickan). Drehbuch mit Ursula Bloy.
  • 1955: Liebe ohne Illusion. Dialoge.
  • 1956: Nichts als Ärger mit der Liebe. Drehbuch mit Heinz Oskar Wuttig.
  • 1957: Ein Stück vom Himmel. Drehbuch mit Juliane Kay.

(Liste vielleicht nicht vollständig)

[Bearbeiten] Weitere Publikationen

  • 1941: Jerika. Roman. Wien-Leipzig: Alfred Ibach Verlag.
  • 1962: Pan - Pan - Potiphar: Die abstrakte Lyrik meines Vetters Alois Zeitvogel. Gedichte - illustriert. Nürnberg: Glock und Lutz.

(Liste vielleicht nicht vollständig)

[Bearbeiten] Literatur

Prudon, P.C.H. (2007): Existentiële psychologie zonder magie. Een theorie over het menselijke functioneren, met implicaties voor de psychopathologie. Amsterdam: FZP-press. (Inhaltsangabe (in Niederländisch))

[Bearbeiten] Weblinks

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