Paul Kirchhoff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Anthropologen. Für den ehemaligen Verfassungsrichter siehe Paul Kirchhof.

Paul Kirchhoff (* 1900 in Hörste; † 1972 in Mexiko-Stadt), Pseudonym Eiffel war ein deutscher Philosoph und Anthropologe und kommunistischer Aktivist.

Er studierte an der Friedrich-Wilhelms-Universität und spezialisierte sich in mexikanischer Ethnologie[1]. Kirchhoff gehörte 1920 zu den Gründungsmitgliedern der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD) in dieser und in der ihr nahestehenden Betriebsorganisation AAUD war er bis 1931 aktiv. Im gleichen Jahr emigrierte er, nachdem ihm aus politischen Gründen ein Visum für einen Forschungsaufenthalt in Südafrika verweigert worden war,[2] in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo er sich bis 1934 in einer Exilgruppe der trotzkistischen Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) und danach auf Grund seiner Ablehnung der von Leo Trotzki propagierten Politik des Entrismus in der Revolutionary Workers League (RWL) um Hugo Oehler engagierte, in beiden Organisationen gehörte Kirchhoff der Leitung an. Ende 1936 wurde Kirchhoff aus den USA ausgewiesen und flüchtete nach Mexiko, wo er 1937 die linkskommunistische Grupo de Trabajadores Marxistas (GTM) und deren Zeitschrift Comunismo mit ins Leben rief, welche nur wenige Jahre bestand hatten.[3]

1938 war er der Mitbegründer der Nationalen Schule für Anthropologie und Geschichte in Mexiko-Stadt.[4] Er forschte an der Universidad Nacional Autónoma de México in Mexiko-Stadt, wo er bedeutende Forschungsergebnisse über die mexikanischen Kulturen hervorbrachte.

1943 führte Kirchhoff den Begriff Mesoamerika für die Klassifizierung ethnographischer Phänomene im mexikanisch-mittelamerikanischen Raum ein und vereinheitlichte damit einen vielfältigen und dynamischen Kulturraum nach dem „Cultural-Area“-Konzept der US-amerikanischen cultural anthropology.

Als Verfechter des Diffusionismus war Kirchhoff - ähnlich wie Robert von Heine-Geldern und Gordon F. Ekholm - bemüht, anhand von Vergleichen asiatischer und amerikanischer Kulturerscheinungen wie Kunststile, Kunstmotive, Kalender und polytheistische Vorstellungssysteme den indirekten Nachweis zu führen, dass sich die Kulturen Amerikas unter Einfluss und im Kontakt mit den Hochkulturen der Alten Welt entwickelt haben. [5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wirken von Paul Kirchhoff. Englisch, abgerufen am 4. Mai 2010
  2. Leo Trotzki: Lettre à L. Sedov, 25. Januar 1932, Marxists Internet Archive
  3. Philippe Bourrinet: Die italienische kommunistische Linke (1926-1950), S. 209–213, 217–218, 221 (PDF; 15,3 MB).
  4. Escuela Nacional de Antropología e Historia (ENAH)
  5. Cornelia Giesing, Das vorkolumbische Amerika in circumpazifischer Sicht (PDF; 4,88 MB, abgerufen: 22. November 2012), aus: Wolfgang Stein (Hrsg.): Staatliches Museum für Völkerkunde – München, „KOLUMBUS oder wer entdeckte Amerika?“, Hirmer Verlag, München 1992, ISBN 3-7774-6060-5, S. 38–68.

Weblinks[Bearbeiten]