Paul Linebarger

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Cordwainer Smith 1953

Paul Myron Anthony Linebarger (* 11. Juli 1913 in Milwaukee, Wisconsin, USA; † 6. August 1966 in Baltimore) war ein US-amerikanischer Psychologe und Schriftsteller, der als Cordwainer Smith ein bekannter Science-Fiction-Schriftsteller wurde, aber auch unter den Pseudonymen Felix C. Forrest, Carmichael Smith und Anthony Bearden veröffentlichte.[1]

Leben[Bearbeiten]

Linebarger war der Sohn eines pensionierten Richters und wuchs in Japan, China, Frankreich und Deutschland auf. Sein Taufpate war der chinesische Politiker Sun Yat-sen, der ihm den chinesischen Namen Lin-Bai Lo gab (‚Wald des strahlenden Glücks‘, von Linebarger selbst später in seinem Pseudonym “Felix C. Forrest” wiederverwendet).[1] Er promovierte als Dreiundzwanzigjähriger an der Johns Hopkins University in Politikwissenschaft und arbeitete für den Geheimdienst der US-Armee. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er in der psychologischen Kriegführung in Chongqing, später war er Mitarbeiter des CIA, beriet die britischen Truppen in Malaya und die US-amerikanischen Streitkräfte in Korea. Dem Beraterstab des US-Präsidenten John F. Kennedy gehörte er als Asien-Experte an.[2]

Paul Linebarger war ein Experte in südostasiatischer Politik; er hat mit Psychological Warfare ein Buch geschrieben, das auch heute noch als Standardwerk der psychologischen Kriegsführung gilt.

Linebarger benutzte das Pseudonym Cordwainer Smith für Science-Fiction-Arbeiten. Viele von Cordwainer Smiths' Werken sind im sog. Universum der „Instrumentalität der Menschheit“ angesiedelt: In einer fernen Zukunft hat die Menschheit das Weltall erobert, und sowohl die Erde als auch alle anderen von Menschen bewohnten Planeten werden von einer allumfassenden, wohlmeinenden Regierung, der „Instrumentalität“, regiert. Diese versucht zunächst in utilitaristischer Weise einen stabilen Frieden zu wahren, der durch Eugenik, Unterdrückung aller Leidenschaften und die Versklavung der "Untermenschen" (aus genmanipulierten Tieren gezüchteter Humanoiden, s.u.) erkauft ist. Erst mit der ausgerechnet von den "Untermenschen" ausgehenden "Wiederentdeckung des Menschen" findet die Instrumentalität zu dem neuen Ziel, die Gesellschaft zu ihren Wurzeln zurückzubringen, Unvollkommenheit nicht nur zuzulassen, sondern als substantielles Merkmal der Menschlichkeit zu würdigen und die alten Fehler wie Sklaverei oder Ausbeutung zu vermeiden. Die Erzählungen sind keiner klassischen Richtung der Science-Fiction zuzuordnen. Der in der christlichen Philosophie interessierte Leser kann viele Ideen und Themen wiedererkennen; gleichzeitig erinnert der Erzählstil an die chinesische Literatur.

Einige der bekannteren „Erfindungen“ Cordwainer Smiths sind der Planet Norstrilia, in dessen Halbwüsten gigantische (über 100 Tonnen schwere), mutierte Schafe ein Unsterblichkeitsserum liefern, der Strafplanet Shayol, auf dem verurteilten Verbrechern ständig Organe nachwachsen, die für Transplantationen geerntet werden und die Untermenschen, die in Wirklichkeit Tiere sind, deren Wachstum bei der Befruchtung so manipuliert wurde, dass die menschliche Gestalt annehmen. Diese zum Bedienen der Menschen gezogenen, rechtlosen Wesen kämpfen um ihre Menschenrechte.

Schriften (Paul Linebarger)[Bearbeiten]

  • Die politischen Lehren von Sun Yat-sen. Johns Hopkins Press, Baltimore 1937
  • Das China des Chiang Kai-shek. World Peace Foundation, Boston 1941
  • Ein Lehrplan der psychologischen Kriegführung. War Department General Staff, Washington 1946
  • Fernöstliche Regierungen und ihre Politik. D. Van Nostrad Company, New York 1954
  • Die Regierung im republikanischen China. McGraw-Hill, New York 1958
  • Schlachten ohne Tote – Psychologische Kriegführung. E.S. Mittler & Sohn, Frankfurt/M. 1960
  • Essays on military psychological operations. Special Operations Research Office, American University, 1968

Romane[Bearbeiten]

  • Norstrilia, 1975 (Sammelband)
  • Rückkehr nach Mizzer, 1981, ISBN 3-426-05733-6, Quest of the Three Worlds, 1966 (Eigentlich eine Zusammenfassung von On the Gem Planet (1963), On the Storm Planet (1965), On the Sand Planet (1965) und Three to a Given Star (1965) zu einem Buch)

Cordwainer Smith: Instrumentalität der Menschheit-Universum-Texte

  • Scanners Live in Vain (1950)
  • The Game of Rat and Dragon (1955)
  • Mark Elf (1957)
  • The Burning of the Brain (1958)
  • No, No, Not Rogov! (1959)
  • When the People Fell (1959)
  • Golden the Ship Was - Oh! Oh! Oh! (1959)
  • The Lady Who Sailed The Soul, Die Frau, die mit der Seele segelte (1960)
  • Alpha Ralpha Boulevard (1961)
  • Mother Hitton’s Littul Kittons, Die klainen Katsen von Mutter Hudson (1961)
  • A Planet Named Shayol (1961)
  • From Gustible’s Planet (1962)
  • The Ballad of Lost C'mell (1962)
  • Think Blue, Count Two (1963)
  • On the Gem Planet (1963)
  • Drunkboat (1963)
  • The Crime and the Glory of Commander Suzdal (1964)
  • The Dead Lady of Clown Town (1964)
  • On the Storm Planet (1965)
  • Three to a Given Star (1965)
  • On the Sand Planet (1965)
  • Under Old Earth (1966)
  • Down to a Sunless Sea (postum 1975)
  • The Queen of the Afternoon (postum 1978)
  • The Colonel Came Back from the Nothing-at-All (postum 1979)
  • Himself in Anachron (postum 1993)
  • War No. 81-Q (Umgeschriebene Version)

Diverse

  • War No. 81-Q (1928, ursprüngliche Version)
  • Western Science Is So Wonderful (1958)
  • Nancy (1959)
  • The Fife of Bodidharma (1959)
  • Angerhelm (1959)
  • The Good Friends (1963)
  • The Store Of Heart’s Desire (1964)

Kurzgeschichtensammlungen[Bearbeiten]

  • You Will Never Be the Same, 1963
  • Under Old Earth and Other Explorations, 1963
  • Herren im All, 1973, ISBN 3-518-38432-5, Space Lords, 1965
  • Sternträumer, 1975, ISBN 3-518-37893-7, Stardreamer, 1971
  • Die besten Stories von Cordwainer Smith, 1978, ISBN 3-8118-6708-3, The Best of Cordwainer Smith, 1975
  • Instrumentalität der Menschheit, 1982, ISBN 3-811-83579-3, The Instrumentality of Mankind, 1979
  • Was aus den Menschen wurde, 2010, ISBN 3-453-52806-9, The Rediscovery of Man, 1993 (in der deutschen Version fehlen alle Nicht-Instrumentalität-Geschichten, und es wurde die Einführung aus Die besten Stories von Cordwainer Smith statt der aus The Rediscovery of Man verwendet[3])

Literatur[Bearbeiten]

  • Anthony R. Lewis: 1993, Concordance to Cordwainer Smith
  • Karen L. Hellekson: 2001, Science Fiction of Cordwainer Smith
  • Graham Sleight: Cordwainer Smith, in: Pandora. Science Fiction und Fantasy, Bd. 3, herausgegeben von Hannes Riffel und Jakob Schmidt, Shayol Verlag, Berlin 2009, S. 32–36. ISBN 978-3-926126-77-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b John J. Pierce: Vorwort zu Was aus den Menschen wurde. S. 9.
  2. John J. Pierce: Vorwort zu Was aus den Menschen wurde. S. 8.
  3. Bibliography: Was aus den Menschen wurde. isfdb.org, abgerufen am 24. März 2013.