Paul Ludwig Troost

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paul Ludwig Troost, 1930
Relief des Porträts von Paul Ludwig Troost.

Paul Ludwig Troost (* 17. August 1878 in Elberfeld; † 21. Januar 1934 in München) war ein deutscher Architekt. Unter anderem errichtete er ab 1933 den „Führerbau“ am Königsplatz in München und war verantwortlich für den Umbau des „Braunen Hauses“ in München.

Leben[Bearbeiten]

Troost studierte an der Technischen Hochschule Darmstadt Architektur, wo er unter anderem Schüler von Prof. Karl Hofmann war; nach dem Studium arbeitete er zunächst bei dessen Bruder, dem Konsistorialbaumeister Ludwig Hofmann und ab ca. 1900 als Bürochef bei Martin Dülfer in München. Ab 1904 (nach anderen Quellen: 1906) arbeitete er als selbstständiger Architekt in München. Troost war zudem Mitglied im Deutschen Werkbund. Zwischen 1912 und 1930 richtete er etliche Transatlantik-Schnelldampfer für den Norddeutschen Lloyd ein, eine Zusammenarbeit, die auf die Kooperation der Reederei mit dem Deutschen Werkbund zurückzuführen war.[1] Er war wesentlich an der Innengestaltung von Schloss Cecilienhof in Potsdam beteiligt.

Elsa und Hugo Bruckmann waren es, die im Herbst 1930 den privaten Kontakt zwischen Troost und Adolf Hitler vermittelten.[2][3] Troost war vor Albert Speer der Lieblingsarchitekt Hitlers, für den er ab 1933 die „Führerwohnung“ in der alten Reichskanzlei in Berlin umbaute. Dabei griff Troost vielfach auf Stilelemente und Motive seiner Dampfereinrichtungen und eines monumentalisierten Art Déco zurück.

Troost war zusammen mit dem ebenfalls bereits 1934 verstorbenen Ludwig Ruff weit mehr als Albert Speer stilbildend für die Architektursprache des „Dritten Reichs“. Sein bekanntestes Bauwerk ist das erst postum fertiggestellte „Haus der Deutschen Kunst“ (heute „Haus der Kunst“) in München, das Veranstaltungsort der Großen Deutschen Kunstausstellung war.

Postum wurde Troost mit dem 1937 gestifteten Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft geehrt. Seine Witwe Gerdy Troost hatte weiterhin großen Einfluss auf die Architektur im Nationalsozialismus und erhielt 1943 von Hitler eine Dotation in Höhe von 100.000 Reichsmark.[4]

Troosts Grab befindet sich auf dem Münchner Nordfriedhof.

Bauten (Auswahl)[Bearbeiten]

Haus der Kunst in München
  • 1902: Familiengruft Becker auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee (als Mitarbeiter von Martin Dülfer)
  • um 1903: Wohnhaus für den Landschaftsmaler Prof. Benno Becker in München-Bogenhausen (als Mitarbeiter von Martin Dülfer) (1968 abgerissen)
  • 1905–1906: Wohnhaus für Felix vom Rath in München-Schwabing
  • um 1907: Wohnhaus in Schwerin
  • 1907–1909: Wohnhaus Chillingworth in Nürnberg
  • 1914–1917: Innenräume des Schlosses Cecilienhof in Potsdam
  • 1933–1936: „Verwaltungsbau“ und „Führerbau“ der NSDAP in München
  • 1933–1937: „Haus der Deutschen Kunst“ in München

Literatur[Bearbeiten]

  • Sabine Brantl: Haus der Kunst München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus. Allitera Verlag, München 2007, ISBN 978-3-86520-242-0 ('Edition Monacensia).
  • Winfried Nerdinger (Hrsg.): Bauen im Nationalsozialismus. Bayern 1933–1945. Klinkhardt und Biermann, München 1993, ISBN 3-7814-0360-2.
  • Sonja Günther: Design der Macht. Möbel für Repräsentanten des „Dritten Reichs“. Stuttgart 1992.
  • Timo Nüßlein: Paul Ludwig Troost – das architektonische Frühwerk 1902–1913; Wohnhäuser, Projekte und Wettbewerbsentwürfe. Magisterarbeit, Freiburg 2004.
  • Timo Nüßlein: Paul Ludwig Troost (1878-1934) (= Hitlers Architekten. Historisch-kritische Monographien zur Regimearchitektur im Nationalsozialismus. Hg. v. Winfried Nerdinger u. Raphael Rosenberg. Bd. 1), Böhlau, Wien u.a. 2012, ISBN 978-3-205-78865-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Ludwig Troost – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Joan Campbell: Der Deutsche Werkbund, 1907–1934. München 1989, S. 59f.
  2. Wolfgang Martynkewicz: Salon Deutschland. Geist und Macht 1900–1945. Aufbau Verlag, Berlin 2009 S. 90.
  3.  Karl Arndt: Die Münchner Architekturszene 1933/34 als ästhetisch-politisches Konfliktfeld. In: Martin Broszat, Elke Fröhlich und Anton Grossmann (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit. Veröffentlicht im Rahmen des Projekts „Widerstand und Verfolgung in Bayern 1933-1945“. Band 3, Oldenbourg, München 1981, ISBN 3-486-42381-9, I. „Das Haus der Deutschen Kunst“. ein Symbol der neuen Machtverhältnisse, S. 444, DNB 3486423819 (Anmerkung 2), (Digitalisat, abgerufen am 28. August 2012).
  4. Gerd R. Ueberschär, Winfried Vogel: Dienen und Verdienen. Hitlers Geschenke an seine Eliten. Frankfurt 1999, ISBN 3-10-086002-0.