Paul McNulty (Klavierbauer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Paul McNulty (* 21. Oktober 1953 in Houston, Texas) ist ein US-amerikanischer Klavierbauer.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

1976 begann er ein Studium für Klassische Gitarre am Peabody-Konservatorium, entdeckte sein Interesse für historische Musikinstrumente und studierte unter anderem Lautenspiel. 1978 ging er an die “New England School of Stringed Keyboard Instrument Technology”, wo er bei Bill Garlick studierte und zum Klavierstimmer ausgebildet wurde. Bei seiner Abschlussprüfung erhielt McNulty den höchsten erteilten Grad „tuning examiner“ (Stimmungs-Prüfer).

Er nahm an einem Lehrgang in der Steinway-Fabrik in New York teil und hätte in der Klavierfabrik als Restaurator und Techniker anfangen können, entschied sich aber für eine Karriere als Hammerklavierbauer und machte eine zweijährige Ausbildung in diesem Fach bei Robert Smith in Somerville, Massachusetts (USA).

Paul McNultys erstes Hammerklavier kaufte die Norwegian Academy of Music. Weitere Exemplare bestellten der österreichische Pianist Paul Badura-Skoda sowie Trevor Pinnock, der ein Instrument für sein Konzert in der Carnegie Hall in Auftrag gab.

1986 lud John Gibbons Paul McNulty ein, ihn auf seiner Europa-Tournee mit Frans Brüggens Orchester des 18. Jahrhunderts zu begleiten. Gibbons spielte die Klavierkonzerte K. 491 in c-Moll und K. 466 in d-Moll von Mozart. Der Glanzpunkt der Tournee war das Hammerklavierreplikat von McNulty. Im selben Jahr zog McNulty nach Amsterdam. Bei der Brügge EXPO in Belgien 1989 fanden seine Hammerklaviere große Beachtung; weitere Aufträge folgten.

Die Suche nach den besten Materialien führte Paul McNulty schließlich in die Tschechische Republik. Die Überlieferung besagt, dass der damalige Wiener Klavierbauer Conrad Graf für seine Resonanzböden Holz aus dem Schwarzenberg-Wald (heute Sumava) in Südböhmen verwendete. Seit 1995 lebt McNulty in Divišov. 2004 heiratete er die russisch-kanadische Pianistin Viviana Sofronitsky.

Hammerklavier von Paul McNulty, nach Anton Walter, 1804

Seit 1985 hat Paul McNulty 150 Klaviere gebaut, unter anderem für Malcolm Bilson, Mitsuko Uchida, das Konservatorium in Amsterdam, das Königliche Konservatorium in Den Haag, das Glyndebourne Festival, die Musikhochschule Hannover, für Alice und Nikolaus Harnoncourt, die Harvard Universität, das Royal College of Music und die Royal Academy of Music in London, die Schola Cantorum Basiliensis in der Schweiz, die Sibelius-Akademie in Helsinki, das Smith College in den USA, für die Chinesische Universität Hongkong und für das Warschauer Mozart-Festival.

Werke[Bearbeiten]

  • Hammerklavier nach Johann Andreas Stein, um 1788
  • Hammerklavier nach Anton Walter von 1782
  • Hammerklavier nach Conrad Graf von 1819, op. 318
  • Hammerklavier nach Ignaz Pleyel von 1830
  • Hammerklavier nach Jean Louis Boisselot von 1846
  • Konzertflügel nach Pleyel von 1836 (Originalkonzertflügel für Chopin, Replikat 2009)
  • Konzertflügel nach Boisselot # 2800 von 1846 (Originalflügel für Franz Liszt für die Russland-Tournee 1847, Replikat 2011 für das Liszt-Museum Weimar)

2009 schuf Paul McNulty den ersten modernen Nachbau eines französischen Klaviers dieser Zeit, und zwar Chopins Lieblingsinstrument. 2011 arbeitete Paul McNulty an einem Nachbau von Franz Liszts Boisselot-Flügel. Das Originalinstrument wurde 1846 für Liszts Tournee durch Russland im Folgejahr gefertigt und in der weiteren Folge von Liszt in Weimar jahrzehntelang für Kompositionen genutzt, ist aber mittlerweile in einem derart schlechten Zustand, dass es nicht mehr spielbar gemacht werden kann. So wurde an Paul McNulty der Auftrag erteilt, den Boisselot-Flügel als Replikat neu erstehen zu machen.

Weblinks[Bearbeiten]