Paul Michael Lützeler

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Paul Michael Lützeler

Paul Michael Lützeler (* 4. November 1943 in Doveren, damals Kreis Erkelenz) ist ein deutsch-amerikanischer Germanist und Vergleichender Literaturwissenschaftler. Er lehrt als Rosa May Distinguished University Professor in the Humanities an der Washington University in St. Louis.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Abitur studierte Lützeler Germanistik, Anglistik, Philosophie und Geschichte in Berlin, Edinburgh, Wien und München. 1968 wanderte er in die USA aus und schloss sein Studium 1972 mit der Promotion in Germanistik an der Indiana University in Bloomington ab und zog anschließend nach St. Louis, wo er 1973 eine Professur an der Washington University in St. Louis erhielt. Dort war er von 1993 bis 1995 Sprecher des Faculty Senate Council. An der Washington University gründete Lützeler 1983 das European Studies-Programm, das er anschließend selbst für 20 Jahre leitete. 1985 gründete Lützeler das Max Kade-Zentrum für deutschsprachige Gegenwartsliteratur, das er bis heute leitet. Ebenfalls seit 1985 lädt Lützeler je einen deutschsprachigen Kritiker und je einen deutschsprachigen Schriftsteller nach St. Louis ein, um dort zu lehren und zu forschen. 2002 begründete er Gegenwartsliteratur. Ein germanistisches Jahrbuch, das er zusammen mit Jennifer Kapczynski und Erin McGlothlin herausgibt. Lützeler setzte sich außerdem für Austauschprogramme zwischen der Washington University und europäischen sowie asiatischen Universitäten ein. Gastprofessuren hatte er unter anderem in Princeton, Tübingen, Graz, Greifswald, Mainz, Freiburg, Neu-Delhi, Peking, Madrid und Tokio. Kompakt-Seminare unterrichtete er an den Universitäten in Melbourne, Pavia, Guadalajara, Jerusalem und Zadar.

Lützeler ist Vorsitzender des Internationalen Arbeitskreises Hermann Broch, Präsident des AFM (Amerikanische Freunde des Deutschen Literaturarchivs in Marbach) und war von 2005 bis 2010 Vize-Präsident der Internationalen Vereinigung für Germanistik. Er ist korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur und Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste sowie Mitglied der Strategiekommission des Wissenschaftsrats der Bundesrepublik Deutschland (seit 2011) und Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Paul Michael Lützeler ist amerikanischer und deutscher Staatsbürger und lebt in St. Louis. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Werk[Bearbeiten]

Lützelers Forschungsschwerpunkte sind deutschsprachige Gegenwartsliteratur, der literarische Europa-Diskurs, deutschsprachige Exilliteratur, insbesondere in den USA, sowie deutsche und europäische Literatur der Romantik. Lützeler gilt insbesondere als Spezialist für den österreichisch-amerikanischen Exilschriftsteller Hermann Broch, dessen Gesamtwerk Lützeler herausgab und dessen Biographie er verfasste. Neben literaturwissenschaftlichen Themen veröffentlicht Lützeler auch zu historischen und politikwissenschaftlichen Themen wie der Europäischen Integration sowie zu den Diskursen der Postmoderne, des Postkolonialismus und der Globalisierung. Mehrere seiner Bücher und Editionen wurden in andere Sprachen übersetzt, u.a. ins Englische, Spanische und Japanische. Er schreibt außerdem für Die Zeit, die Neue Zürcher Zeitung, Die Welt, Frankfurter Rundschau, die Neue Rundschau sowie den Merkur.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Stipendien[Bearbeiten]

Bibliographie[Bearbeiten]

Verfasste Bücher (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Hermann Broch. Eine Biographie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978-3518380789. (übersetzt ins Englische, Spanische und Japanische; auch als E-Book)
  • Geschichte in der Literatur. Studien zu Werken von Lessing bis Hebbel. Piper, München 1987.
  • Die Schriftsteller und Europa. Von der Romantik bis zur Gegenwart. Piper, München 1992.
  • Europäische Identität und Multikultur. Stauffenburg, Tübingen 1997. (übersetzt ins Italienische)
  • Kulturbruch und Glaubenskrise. Brochs 'Schlafwandler' und Grünewalds 'Isenheimer Altar'. Francke, Tübingen 2001.
  • Postmoderne und postkoloniale deutschsprachige Literatur. Aisthesis, Bielefeld 2005.
  • Kontinentalisierung. Das Europa der Schriftsteller. Aisthesis, Bielefeld 2007.
  • Bürgerkrieg global. Menschenrechtsethos und deutschsprachiger Gegenwartsroman. Wilhelm Fink Verlag, München 2009.
  • Hermann Broch und die Moderne. Wilhelm Fink, München 2011
  • Transatlantische Germanistik. Kontakt, Transfer, Dialogik. DeGruyter, Berlin 2013.

Editionen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Hermann Broch. Kommentierte Werkausgabe, 17 Bände. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974-1981. (auch als E-Book)
  • mit Egon Schwarz: Deutsche Literatur in der Bundesrepublik seit 1965. Athenäum, Königstein 1980.
  • Romane und Erzählungen der deutschen Romantik. Neue Interpretationen. Reclam, Stuttgart 1981.
  • mit James E. McLeod: Goethes Erzählwerk. Interpretationen. Reclam, Stuttgart 1985.
  • Zeitgenossenschaft. Festschrift für Egon Schwarz zum 65. Geburtstag. Athenäum, Frankfurt am Main 1987.
  • Spätmoderne und Postmoderne. Beiträge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1991.
  • Hoffnung Europa. Deutsche Essays von Novalis bis Enzensberger. S. Fischer, Frankfurt am Main 1994.
  • Europe after Maastricht. American and European Perspectives. Berghahn Books, Providence, Oxford 1994. (übersetzt ins Rumänische)
  • Poetik der Autoren. Beiträge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1994.
  • Hannah Arendt-Hermann Broch. Briefwechsel 1946–1951. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag 1996, Frankfurt am Main.
  • Schreiben zwischen den Kulturen. Beiträge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1996.
  • Der postkoloniale Blick. Deutsche Autoren berichten aus der Dritten Welt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997.
  • Räume der literarischen Postmoderne. Gender, Performativität, Globalisierung. Stauffenburg, Tübingen 2000.
  • mit David Pan: Kleists Erzählungen und Dramen. Neue Studien. Königshausen & Neumann, Würzburg 2001.
  • Hermann Broch. Visionary in Exile. The 2001 Yale Symposium (mit Matthias Konzett, Willy Riemer und Christa Sammons). Camden House, Rochester, N.Y. 2003.
  • Freundschaft im Exil. Thomas Mann und Hermann Broch. Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2004.
  • mit Alice Stašková: Hermann Broch und die Künste. DeGruyter, Berlin 2009.
  • Verlorener Sohn? Hermann Brochs Briefwechsel mit Armand. Suhrkamp, Berlin 2011.
  • mit Jennifer Kapczynski: Die Ethik der Literatur. Deutsche Autoren der Gegenwart. Wallstein, Göttingen 2011.
  • mit Doren Wohlleben: Hermann Broch und die Romantik. De Gruyter, Berlin und New York 2014.

Herausgeberschaft von Fachzeitschriften[Bearbeiten]

Herausgeberschaft von wissenschaftlichen Reihen[Bearbeiten]

  • Studien zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (1995-2005): 19 Bde.
  • Mit-Hrsg.: Stauffenburg discussion. Studien zur Inter- und Multikultur. (seit 1995): 29 Bde.

Mitglied von Herausgebergremien[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Kessler u. a. (Hrsg.): Hermann Broch - Neue Studien. Festschrift für Paul Michael Lützeler zum 60. Geburtstag. Stauffenburg, Tübingen 2003. (mit Schriftenverzeichnis Paul Michael Lützeler)
  • Mark W. Rectanus (Hrsg.): Über Gegenwartsliteratur/About Contemporary Literature. Festschrift für Paul Michael Lützeler zum 65. Geburtstag. Bielefeld, Aisthesis 2008. (mit Schriftenverzeichnis Paul Michael Lützeler).
  • Peter Hanenberg und Isabel Capeloa Gil (Hrsg.): Der literarische Europa-Diskurs. Festschrift für Paul Michael Lützeler zum 70. Geburtstag. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2013. (mit Schriftenverzeichnis Paul Michael Lützeler).

Weblinks[Bearbeiten]