Paul Poiret

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Paul Poiret (1913)

Paul Poiret (* 20. April 1879 in Paris; † 28. April 1944 ebenda) war ein französischer Modeschöpfer.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Poiret war der Sohn eines Tuchhändlers und ging zunächst bei einem Schirmmacher in die Lehre. Da er sich jedoch schon seit frühen Jahren für Mode interessiert gelang es ihm, einige seiner Skizzen an Louise Chéruit vom Modehaus Raudnitz zu verkaufen und er begann, als freischaffender Designer für die Grands Couturiers zu arbeiten. Bei Jacques Doucet machte er sich mit dem Zuschnitt und dem Umgang mit Stoffen vertraut. Doucet empfahl ihn auch der Schauspielerin Gabrielle Réjane, die seine Arbeit förderte. Nach seinem Militärdienst arbeitet Poiret bei Charles Frederick Worth und machte sich, da seine Entwürfe für den Kundenkreis von Worth zu extravagant waren, 1904 mit einem eigenen Salon selbständig.

Entwürfe von Poiret (1908, Zeichnung von Paul Iribe)

Poiret war der erste Designer, der auf die Idee kam, seine Entwürfe in Form eines Modealbums zu veröffentlichen. 1908 erschien von Paul Iribe illustriert Les Robes de Paul Poiret in einer Auflage von 250 Exemplaren.[1] 1911 erschien ein weiteres, diesmal von Georges Lepape illustriertes Album.[2]

Kleid von Poiret (1912, Zeichnung von Paul Iribe)

Als 1909 die Ballets Russes nach Paris kamen, ließ er sich von den Bühnenkostümen zu orientalisch anmutenden, fließenden Gewändern inspirieren. Er stritt allerdings ab, dass die Kostümzeichnungen des Russen Léon Bakst einen konkreten Einfluss auf seine Entwürfe gehabt hätten. Zu der orientalisierenden Kollektion von 1913 gehörte neben Turbanen und Haremshosen auch das sogenannte „Lampenschirmkleid“, dessen Saum mit einem Drahtreifen versteift war, so dass es die Trägerin ringförmig umgab.

Anders als die Entwürfe seiner Kollegen waren Poirets Modelle auch erstmals ohne Korsett tragbar und trotzdem nicht nur schick, sondern geradezu elegant – für diese Zeit revolutionär. Er propagierte sogar Hosenröcke, die bis dahin nur bei Radfahrerinnen akzeptiert waren. 1911 machte er allerdings (aus emanzipatorischer Sicht) einen Rückschritt, indem er den sogenannten Humpelrock erfand. Im selben Jahr gründete er die nach seiner jüngere Tochter Martine benannte Schule Les Ateliers de Martine, in der junge Mädchen nach den Richtlinien der Wiener Werkstätte zu arbeiten ausgebildet wurden. Nach der älteren Tochter Rosine wurde das Unternehmen Parfums de Rosine[3] benannt. Mit dessen Duftkreationen auf der Basis von Rosenduftnoten gilt Paul Poiret lange vor Coco Chanel als Schöpfer von Designerparfums.

Im Jahre 1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs entwickelte Poiret für die französische Armee den ersten neuen Militärmantel seit 1877. Nachdem festgestellt worden war, dass alle Stofffarben, selbst die der Trikolore, aus dem nun verfeindeten Deutschland importiert wurden, konnte die französische Armee nur Zugriff auf die Lagerbestände einer deutschen Tochterfirma nehmen. Den ursprünglichen Plan, einen neuen Uniformstoff in den französischen Nationalfarben rot – weiß – blau zu weben, musste man bald fallen lassen, da keine beschlagnahmte rote Importfarbe in ausreichender Menge verfügbar war. So wurde der neue Mantelstoff in den Tönen indigoblau und weiß gewebt. Durch Zufall war die später berühmte „horizontblaue“ Optik des französischen Frontsoldaten entstanden. Poiret stellte seinen neuen einreihigen gekürzten Mantel mit aufknöpfbaren Schößen und weichem Kragen im September 1914 vor. Im Vergleich zu dem schweren Vorgängermodell mit seinem unbequemen kurzen Stehkragen zeigt sich deutlich die Linie des Modemachers.

Poirets Stil, der enge Verbindungen zum Art déco hatte, war bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wegweisend. Danach musste er durch den wirtschaftlichen Niedergang seines Modehauses das Feld für seine schärfste Konkurrentin, eine aufstrebende Modeschöpferin namens Coco Chanel, räumen. 1930 erschienen seine Memoiren unter dem Titel En habillant l’époque.

Poiret heiratete 1905 die 19-jährige Denise Boulet, deren schlanke Figur sich vom eher rundlichen edwardianischen Ideal erheblich unterschied und die zur Muse ihres Mannes wurde. Er hatte mit ihr fünf Kinder. 1929 ließ Denise sich von ihm scheiden. Als Poiret 1944 in Vergessenheit starb, war sie es, die seine Entwürfe archivierte und seine Arbeiten im Bereich der dekorativen Kunstund der Inneneinrichtung dokumentierte.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rudolf Kinzel: Die Modemacher, Geschichte der Haute Couture. Paul Zsolnay, Wien, Darmstadt 1990, ISBN 3-552-04202-4.
  •  Laurent Mirouze: Infanteristen des Ersten Weltkriegs. Karl-Heinz Dissberger, Düsseldorf 1990, ISBN 3-924753-28-8.
  •  Christie Mayer Lefkowith: Paul Poiret and His Rosine Perfumes. Stylissimo January, New York 2007, ISBN 9780970180018 (Eintrag bei "Library of Congress", abgerufen am 20. Juli 2009).
  • NJ Stevenson: Die Geschichte der Mode. Stile, Trends und Stars. Haupt, Bern u. a. 2011, ISBN 978-3-258-60032-1, S. 76–77

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Poiret – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Les robes de Paul Poiret. Racontées par Paul Iribe . Société Générale d'Impression, Paris 1908. 10 Tafeln.
  2. Les choses de Paul Poiret. Maquet, Paris 1911
  3. Parfums De Rosine (Englisch, Stand: 20. Juli 2009)
  4. Stevenson: Die Geschichte der Mode. Bern 2011, S. 76–77