Paul Ricard

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Paul Ricard (* 9. Juli 1909 in Marseille; † 7. November 1997) war ein französischer Unternehmer und Gründer der gleichnamigen Firma, die 1975 mit ihrem Konkurrenten Pernod fusionierte. Aus diesem Zusammenschluss ging der Pastiskonzern Pernod Ricard hervor.

Leben[Bearbeiten]

Der wissbegierige und schelmenhafte Sohn eines Weinhändlers zeigte schon früh Interesse an bildenden und darstellenden Künsten, vornehmlich der Malerei und dem Theater. Als Jugendlicher begann er, in einem kleinen, in seinem Vaterhaus improvisierten Labor mit einem Alambic zu experimentieren, um ein Rezept für die Herstellung von Pastis, der typischen südfranzösischen Anisspirituose zu finden. Nachdem die Herstellung und der Verkauf des hochprozentigen Absinths am 16. März 1915 unter dem Druck der Weinproduzenten und der Behauptung, sein Konsum würde rasch zum Delirium tremens führen, in einen Zustand der geistigen Umnachtung versetzen und sei Ursprung krimineller Handlungen gesetzlich verboten worden war, stellten mehrere Unternehmen unter der Bezeichnung „Pastis“ und den Markennamen „La Cressonnée“, „Tommysette“, „Amourette“, „Berger“ und Pernod den ab 1922 zum Verkauf freigegebenen sogenannten „Anislikör“ her. Dieser blieb jedoch aromatisch weit hinter der Intensität des Absinths zurück, was den jungen Ricard zu seinen Experimenten bewegte, mit dem erklärten Ziel, seinen Pastis zu dem beliebtesten und von den Verbrauchern am meisten geschätzten Getränk dieser Art zu machen. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er bei der Dosierung dem typischen Anisgeschmack, den er durch sorgsam ausgewählte Zutaten, hauptsächlich Anis und Fenchel und die Beigabe von Lakritze erzielte.

Als am 7. April 1932 der Verkauf von 40-prozentigen Anisgetränken per Dekret gestattet wurde, konnte Paul Ricard mit seinem längst entwickelten Originalrezept seine eigene Firma gründen. Der ehrgeizige Selfmademan, der sich in Marseille gegen eine starke Konkurrenz durchsetzen muss, zieht selbst durch die Bistrots und Cafés, um die Mode des Longdrink-Aperitifs zu lancieren und das typische, selbstentworfene gelbe Wassergefäß zu verteilen, dessen Tülle die Eiswürfel zurückhält. Auch die Vorlagen für die Werbeflächen auf den unternehmenseigenen Lieferwagen zeichnet er selbst.

In den ersten acht Monaten gelang es Ricard, allein in Marseille 250.000 Flaschen abzusetzen. Im Jahr 1936 erobert er Lyon und - nachdem 1938 per Dekret eine Erhöhung des Alkoholgehaltes des Pastis auf 45 % genehmigt wurde - im Jahr 1938 auch die Hauptstadt Paris. Im gleichen Jahr führt er seine Marke in Spanien, Italien und Nordafrika ein.

1970 ließ Paul Ricard in der Provence den Circuit Paul Ricard bauen, eine Rennstrecke, auf der zwischen 1971 und 1990 14 Mal der Grand Prix der Formel 1 ausgetragen wurde.

Ricard war verheiratet. Sein Sohn Patrick Ricard (1945-2012) folgte ihm in der Unternehmensnachfolge bei Pernod Ricard.