Paul Tiedemann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Paul Tiedemann (* 29. Juni 1935 in Sudnicken (Ostpreußen)) ist ein ehemaliger deutscher Handballspieler und Trainer. Er war der Auswahltrainer der DDR-Auswahl, die bei den Olympischen Spielen in Moskau die Goldmedaille gewann.

Spielerkarriere[Bearbeiten]

Tiedemann war einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Handballspieler der 1960er Jahre. Als Spieler wurde er 1963 mit der DDR-Auswahl Weltmeister im Feldhandball. Der Finalsieg der DDR-Auswahl über die Mannschaft der Bundesrepublik im innerdeutschen Duell bedeutete die einzige Niederlage einer deutschen Mannschaft (Gesamtdeutsch, BR Deutschland und DDR zusammengenommen) bei Feldhandball-Weltmeisterschaften überhaupt. Drei Jahre später gewann er bei der letzten Feldhandball-Weltmeisterschaft nach einem Remis gegen die bundesdeutsche Auswahl im entscheidenden Spiel die Silbermedaille. Dreimal, 1961 mit der gesamtdeutschen Auswahl sowie 1964 und 1967 jeweils mit der DDR-Auswahl, nahm Tiedemann an Weltmeisterschaften im Hallenhandball teil, konnte dabei jedoch keine Medaille erringen.

Tiedemann spielte für den SC DHfK Leipzig und wurde mit diesem zwischen 1959 und 1966 sechsmal DDR-Meister im Hallenhandball und gewann mit dem SC DHfK 1966 den Europapokal der Landesmeister. 1959 wurde die Feldhandball-Auswahl der DDR mit Tiedemann als Kapitän als erste Mannschaft des Jahres in der DDR ausgezeichnet. Er erhielt außerdem den in der DDR verliehenen Ehrentitel Verdienter Meister des Sports und wurde in der Fachpresse der DDR auch regelmäßig so bezeichnet. Er war der erste Spieler, der es auf 100 Auswahl-Einsätze für die DHV-Auswahl brachte, von denen 30 Feld- und 70 Hallenhandballspiele waren. Dabei erzielte er insgesamt 303 Tore (82 Feld, 241 Halle).[1] Nach dem 100. Länderspiel beendete er seine Laufbahn in der DHV-Mannschaft.

Trainerlaufbahn[Bearbeiten]

Nach seiner Spielerkarriere war Tiedemann 30 Jahre lang als Trainer tätig. Seine Trainerlaufbahn begann beim SC DHfK, dessen erste Männermannschaft wie auch die männliche A- und B-Jugendmannschaften er trainierte. Nachdem er die A-Auswahl bereits einige Male als Interimstrainer betreut hatte, wurde er nach Heinz Seilers Rückzug im Mai 1976 Verantwortlicher Trainer der DDR-Auswahl und blieb dies bis zum Ende des Jahres 1988. Während dieser gesamten Zeit war sein späterer Nachfolger Klaus Langhoff sein Assistenztrainer. Bei den Olympischen Spielen 1980 führte Tiedemann die DDR-Auswahl zum Gewinn der Goldmedaille. Bei den Weltmeisterschaften 1978 und 1986 wurde seine Mannschaft jeweils Dritter. Im Juni 1989 wurde Tiedemann Trainer der ägyptischen Männer-Handballnationalmannschaft, die im November 1990 der letzte Gegner der DHV-Auswahl sein würde. Mit Tiedemann wurden die Ägypter 1991 Afrika-Meister und schafften die Qualifikation für das olympische Turnier 1992 in Barcelona. Tiedemann legte damit den Grundstein für den zeitweiligen Aufstieg der Ägypter in die erweiterte Weltspitze. Danach wurde er Trainer in Österreich, wo er heute noch lebt. Er führte den ASKÖ Linz zu drei Meistertiteln und 1994 bis ins Finale des EHF-Pokal.

In der Saison 1996/97 folgte er einem „Notruf“ der abstiegsbedrohten SG Hameln, und verhalf ihr mit dem Erreichen des 13. Tabellenplatzes zum Verbleib in der Handball-Bundesliga. Tiedemann betreute die SG Hameln in dieser Saison ab dem 10. Spieltag bis zum Saisonende. Als Co-Trainer verpflichtete er den Rekordnationalspieler Frank-Michael Wahl, der zuvor jahrelang selbst bei der SG Hameln gespielt hatte. 1998 beendete Paul Tiedemann seine Trainerlaufbahn.

Titel, Ehrungen und Erfolge[Bearbeiten]

Als Spieler[Bearbeiten]

  • Weltmeister (Feldhandball) 1963
  • Europapokalsieger (Hallenhandball) 1966
  • DDR-Meister (Hallenhandball) 1959, 1960, 1961, 1962, 1965, 1966
  • Mitglied der "Mannschaft des Jahres" in der DDR 1959
  • Vizeweltmeister (Feldhandball) 1966
  • WM-Vierter (Hallenhandball) 1961
  • "Verdienter Meister des Sports" in der DDR

Als Auswahltrainer[Bearbeiten]

  • Olympiasieger 1980
  • Afrikameister 1991
  • WM-Dritter 1978, 1986

Als Vereinstrainer[Bearbeiten]

  • Österreichischer Meister 1994 1995 1996
  • ÖHB-Pokalsieger 1994 1995 1996
  • DDR-Turniermeister (Hallenhandball) 1970/71 und 1971/72 (beide Turniere 1971)
  • EHF-Cup-Finalist 1994

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liste in: Handball. Organ des DHV der DDR, Ausg. 6/1967 und 6/1971