Paul VI.

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Der ehrwürdige Diener Gottes Paul VI. (1963)
Unterschrift Pauls VI.
Wappen Pauls VI.

Papst Paul VI. (bürgerlich Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini; * 26. September 1897 in Concesio bei Brescia; † 6. August 1978 im päpstlichen Sommersitz Castel Gandolfo) war von 1963 bis 1978 nach kirchlicher Zählung der 262. Papst der römisch-katholischen Kirche. Wegen seiner prägenden Rolle für den Verlauf des Zweiten Vatikanischen Konzils, seiner Beschlussfassung und der Umsetzung der Entscheidungen gilt er manchen als eigentlicher „Konzilspapst“. Wahrscheinlich hat kein einzelner anderer Papst jemals eine so umfassende kirchliche Gesetzgebung durchgesetzt, wenn auch die gesamte Neufassung des nachkonziliaren Gesetzbuches (Codex Iuris Canonici) erst 1983 publiziert wurde.

Leben[Bearbeiten]

Kirchlicher Werdegang[Bearbeiten]

Giovanni Battista Montini als Kardinal-Erzbischof von Mailand (1956)

Giovanni Battista (Giambattista) Montini war der Sohn von Giorgio Montini (1860-1943), einem Zeitungsverleger und Politiker, und von Giuditta Montini (1874-1943), geborene Alghisi.[1] Der junge Montini studierte zunächst in Brescia 1916 - 1920 Theologie und wurde dort 1920 zum Priester geweiht.[2] Anschließend studierte er in Rom an der Päpstlichen Diplomatenakademie und an der Päpstlichen Universität Gregoriana von 1920 bis 1923 ziviles und kanonisches Recht sowie Philosophie.[3]

Seit 1922 arbeitete er im Staatssekretariat, wo er, abgesehen von einer kurzen Tätigkeit an der Warschauer Nuntiatur, bis 1954 wirkte. Nebenamtlich war er von 1925 bis 1933 Generalassistent des katholischen Studentenverbandes Italiens (FUCI). Als solcher hatte er Auseinandersetzungen mit dem faschistischen Regime. Von 1937 an war er als Substitut ein enger Mitarbeiter von Staatssekretär Pacelli, dem späteren Pius XII., den er auf seinen Auslandsreisen begleitete. Während Montini sich nach dem Tode von Kardinalstaatssekretär Luigi Maglione 1944 als Substitut vorwiegend den innerkirchlichen Aufgaben widmete, beschäftigte sich sein Kollege Domenico Tardini mit den kirchenpolitischen Aufgaben. Dabei verkörperte Tardini eher die Tradition, während Montini für viele bereits „die Zukunft“ darstellte.

Pius XII. hatte 1952 die Namen seiner beiden Mitarbeiter Montini und Tardini an die Spitze der neuen Kardinalsliste gesetzt und teilte dies im Januar 1953 den damals anwesenden Kardinälen im Konsistorium mit („Iam erant nomina in primis a Nobis scripta.“). Nachdem sie abgelehnt hatten, ernannte Pius XII. 1952 Montini und Tardini zu Pro-Staatssekretären (beide ohne Bischofsrang und ohne Kardinalswürde). Montini, der im Namen des Papstes oft Reden geschrieben und gehalten hatte, schickte er zwei Jahre später, nach dem Tod von Kardinal Ildefonso Schuster, völlig überraschend als Erzbischof nach Mailand. Der Anlass seiner Entfernung aus Rom scheinen Differenzen mit Pius XII. gewesen zu sein. Andere meinen, Pacelli habe seinem bewährten Mitarbeiter bewusst pastorale Erfahrungen mitgeben wollen. Die Bischofsweihe wurde Montini am 12. Dezember 1954 im Petersdom von Kardinal Eugène Tisserant gespendet; der Papst war durch schwere Krankheit verhindert, dies selbst zu tun, beteiligte sich an der Feier aber mit einer Ansprache über Funk.[4] Montini widmete sich nun mit aller Kraft der Großstadtseelsorge in der norditalienischen Metropole. Sein Hauptaugenmerk galt der Arbeiterwelt und dem Bau neuer Kirchen in der norditalienischen Metropole, wofür er sein gesamtes Privatvermögen hergab.

Nach dem Tode von Papst Pius XII. wurde Montini als „papabile“ gehandelt, obwohl er nicht Kardinal war. Den Kardinalshut bekam er erst am 15. Dezember 1958 durch Johannes XXIII. und wurde damit als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santi Silvestro e Martino ai Monti in das Kardinalskollegium aufgenommen. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils, bei dem er Mitglied der Kommission für die außerordentlichen Aufgaben war, hielt sich Montini (im Bewusstsein der Risiken eines Konzils) in der Öffentlichkeit – und in der Konzilaula – auffallend zurück und sprach nur zweimal zu den versammelten Bischöfen. Hinter den Kulissen entfaltete er jedoch eine rege Überzeugungstätigkeit, was die programmatische Gestaltung des Konzils anging. Johannes XXIII., der Montini sehr schätzte, hatte dem Konzil absichtlich keine enge Richtung vorgegeben, damit dieses eine Eigendynamik entwickeln konnte. Diese Offenheit führte aber unter den Konzilsvätern zu einer anfänglichen Richtungslosigkeit. Montini gelang es, diese kritische Phase zu überwinden. Von einigen Kardinälen wurde Montini bereits dadurch als Nachfolger Johannes’ XXIII. angesehen.

Während des Alterspontifikats des bereits schwer kranken Pius XII. hatte Montini, wegen seiner Nähe zum linken Flügel der italienischen Partei Democrazia Cristiana (um Amintore Fanfani) als „sozial-liberal“ verdächtigt, starke Gegner in der römischen Kurie und ihrer Umgebung. So unterstützte er die damals als innovativ angesehene Laienorganisation Opus Dei auch gegen Aktivitäten führender, damals integralistisch orientierter Jesuiten.

Pontifikat und Konzil[Bearbeiten]

Nach dem Tod Johannes’ XXIII. am 3. Juni 1963 trat am 19. Juni das Kardinalskollegium zum Konklave zusammen. Bereits im fünften Wahlgang am 21. Juni wurde Montini zum Papst gewählt (mit 65 von 80 Stimmen, so Giulio Andreotti)[5] und nahm den Papstnamen Paul VI. an. Die Krönungszeremonie fand am 30. Juni auf dem Petersplatz statt. Im Jahr 1964 legte Paul VI. die Tiara ab und führte sie nur noch in seinem Wappen. Paul VI. war der letzte Papst, der mit der Tiara gekrönt wurde.

Am 27. November 1970, dem zweiten Tag seiner letzten Auslandsreise durch Asien und Ozeanien, entging Paul VI. in der philippinischen Hauptstadt Manila nur knapp dem Messerattentat eines offenbar geistesgestörten kolumbianischen Kunstmalers, der sich als Priester verkleidet hatte. Paul VI. wurde dabei vom späteren amerikanischen Erzbischof Paul Marcinkus und seinem Privatsekretär Pasquale Macchi gerettet. Der Attentäter wurde in eine psychiatrische Klinik eingeliefert.

Paul VI. hatte weder die Volkstümlichkeit seines Vorgängers noch das Charisma seiner Nachfolger. Geschwächt durch Alter und Krankheit bot er besonders in der Spätphase seines Pontifikats immer mehr ein Bild der Hilflosigkeit. In der Rückschau zeichnet sich aber mehr und mehr ab, dass er durch seinen Verzicht auf traditionelle Statussymbole (Baldachin, Pfauenwedel, Thronassistenten, Nobelgarde) sowie durch sein Ernstnehmen des Menschen und seiner Probleme zu den modernsten Päpsten des 20. Jahrhunderts zählt. Er verfügte viele Reformen, ohne davon viel Aufhebens zu machen. Zur Abschaffung der über 400 Jahre währenden Institution des Index der verbotenen Bücher genügte 1965 ein Nebensatz in der Anordnung zur Reform des Heiligen Offiziums.

Papst Paul VI. beim Zweiten Vatikanischen Konzil

Paul VI. führte das von seinem Vorgänger Johannes XXIII. einberufene Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. Das Konzil war nach außen ein großer Erfolg für die katholische Kirche, da ihre Selbstkorrektur von Andersdenkenden positiv aufgenommen wurde.

«Da questo centro cattolico romano nessuno è, in via di principio, irraggiungibile; in linea di principio tutti possono e debbono essere raggiunti. Per la Chiesa cattolica nessuno è estraneo, nessuno è escluso, nessuno è lontano. […] questo Nostro universale saluto rivolgiamo anche a voi, uomini che non Ci conoscete; uomini, che non Ci comprendete; uomini, che non Ci credete a voi utili, necessari, ed amici; e anche a voi, uomini, che, forse pensando di far bene, Ci avversate! Un saluto sincero, un saluto discreto, ma pieno di speranza; ed oggi, credetelo, pieno di stima e di amore.»

„Von diesem römisch-katholischen Zentrum aus ist niemand von Prinzips wegen, unerreichbar; auf der Linie dieses Prinzips können und müssen alle erreicht werden. Für die katholische Kirche ist niemand fremd, niemand ausgeschlossen, niemand fern. Diesen Unseren universellen Gruß richten Wir auch an Euch, Menschen, die Ihr Uns nicht kennt; Menschen, die Ihr Uns nicht versteht; Menschen die Ihr Uns nicht für Euch nützlich, notwendig und freundlich glaubt; und auch an Euch, Menschen, die Ihr, für Euch denkend, auf diese Weise Gutes zu tun, Uns anfeindet! Ein aufrichtiger Gruß, ein besonderer Gruß, aber voll von Hoffnung; und heute, glaubt es, voller Wertschätzung und Liebe.[6]

Dieses kurze Zitat fasst die Absichten des Papstes bestens zusammen. Zugleich waren aber neue Krisen zu bestehen. Der Papst verwirklichte eine Reihe der von diesem Konzil angestoßenen Reformen, wie die Liturgiereform. Liberale Theologen bemängeln zwar, dass der Papst einer durchgreifenden Demokratisierung der Kirche energischen Widerstand entgegensetzte. Damit folgte er dem „petrinischen Prinzip“ seiner Vorgänger, begriff den Gehorsam gegenüber dem kirchlichen Amt also als Voraussetzung des Dialogs (Enzyklika Ecclesiam Suam von 1964). Ferner reformierte er das Heilige Offizium und schuf daraus die Kongregation für die Glaubenslehre. Mit seiner Enzyklika Populorum progressio (1967) und dem apostolischen Schreiben Octogesima adveniens (1971) leistete er einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der katholischen Soziallehre. Am 30. Juni 1968 formulierte Paul VI. das Credo des Gottesvolkes.

Die apostolischen Schreiben Marialis cultus (1974) und Evangelii nuntiandi (1975, im Anschluss an die Bischofssynode) nahmen aktuelle theologische Entwicklungen auf und waren Ausdruck eines zugleich moderneren und stärker aus der Bibel schöpfenden Verständnisses der Marienverehrung und der Aufgabe der kirchlichen Verkündigung und Mission.

Umstritten ist in der Öffentlichkeit bis heute die Enzyklika Humanae vitae, in der Paul VI. zwar die Eigenverantwortung der Eltern billigte, die Verurteilung künstlicher Methoden der Empfängnisverhütung aber aufrechterhielt. Die Enzyklika erhielt insofern eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit, als die Markteinführung der Antibabypille wenige Jahre zurücklag. Daher bekam der Papst von Gegnern der Enzyklika den spöttischen Beinamen „Pillen-Paul“[7].

In dieser Form eine Neuheit waren die Pilgerreisen Pauls VI. Als er am 4. Dezember 1963, zum Schluss der zweiten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanums, den darauf nicht vorbereiteten Konzilsvätern ankündigte, er werde vom 4. bis 6. Januar 1964 eine Reise ins Heilige Land unternehmen, kam dies völlig überraschend, da seit 150 Jahren (und um 1814 zuletzt Pius VII. nur unter dem Zwang Napoleons) kein Papst mehr italienischen Boden verlassen hatte. Es sollte die erste Pilgerfahrt sein, die je ein Papst ins Heilige Land unternahm; noch dazu in einer Zeit, als dieses Territorium politisch höchst umstritten und gefährlich war. Zudem schien es dem Protokoll eine unlösbare Aufgabe, die Vorbereitung in nur vier Wochen zu bewältigen. Die Reise, die zu den heiligen Stätten in Israel und Jordanien führte, fand weltweite Beachtung. In Jerusalem traf er mit Patriarch Athinagoras von Konstantinopel zusammen, was 1965 zur Aufhebung der gegenseitigen Exkommunikationen zwischen den Patriarchaten von Konstantinopel und Rom führte. Mit dieser Reise hatte die katholische Kirche überdies faktisch den Staat Israel akzeptiert.

Es war der Auftakt für viele Auslandsreisen Pauls VI. und seiner Nachfolger. Paul VI. besuchte noch 1964 Indien, 1967 Fátima und Istanbul, 1968 Kolumbien, 1970 unter anderem die Philippinen und Australien und bereits am 4. Oktober 1965 die UNO in New York. Der Friedensappell des Papstes vor der UNO gehört zu seinen meistbeachteten politischen Reden.

In ökumenischer Hinsicht entwickelte Paul VI. neben dem Dialog mit der Orthodoxie auch den Dialog mit den Altkatholiken weiter, die bereits Konzilsbeobachter entsandt hatten. Während frühere Päpste ab 1723 die Wahlanzeigen eines altkatholischen Erzbischofs von Utrecht regelmäßig mit der Bannbulle quittierten, verfasste 1969 Paul VI. als erster Papst an den designierte altkatholischen Erzbischof Marinus Kok einen persönlichen Glückwunschbrief.[8] Im Laufe seines Pontifikats wurde mehrfach versucht, für die Altkatholische Kirche eine, das Ostkirchendekret fast wortwörtlich übernehmende, Regelung zu schaffen.[9] Dieses vom Konzil beschlossene Dekret über die katholischen Ostkirchen Orientalium Ecclesiarum ermöglicht unter Nr. 27 und 28 die beschränkte Eucharistiegemeinschaft zwischen der katholischen und den orthodoxen Kirchen.[10]

In das Pontifikat Pauls VI. fällt auch eine vorsichtige diplomatische Öffnung den kommunistischen Staaten gegenüber. Bereits am Rande der UNO-Vollversammlung hatte es ein erstes informelles Gespräch mit dem sowjetischen Außenminister Andrei Andrejewitsch Gromyko gegeben. Im folgenden Jahr ersuchte Gromyko offiziell um eine Zusammenkunft mit dem Papst, zu der es am 27. April 1966 im Vatikan kam. Neben Gesprächen über die weltpolitische Gesamtlage forderte Paul VI. bei diesem Treffen vor allem Religionsfreiheit in den Staaten des Ostblocks. In den folgenden Jahren gab es mehrere Treffen zwischen Diplomaten des Heiligen Stuhls und der Sowjetunion in Moskau und im Vatikan. Damit entfernte sich Paul VI. von der strikt antikommunistischen Haltung seit Pius XII., wonach Kontakte mit der Sowjetunion und anderen kommunistischen Staaten weitgehend abgelehnt wurden. Ziel des Papstes war es, durch die vorsichtige Annäherung den schweren Stand der katholischen Kirche im Ostblock zu mildern. Am 1. Januar 1968 führte Paul VI. für diesen Tag für die Weltkirche den Weltfriedenstag ein.

Paul VI. (1977)

Am 10. Juni 1969 war Paul VI. in Genf. Er sprach vor der internationalen Arbeitsorganisation ILO anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens und vor dem Ökumenischen Rat der Kirchen (Notre nom est Pierre.). Vom 31. Juli bis zum 2. August 1969 besuchte Paul VI. Uganda; es war der erste Afrikabesuch eines Papstes.

In der Folge der Reformen Pauls VI., insbesondere die Liturgiereform im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil spalteten sich die Priesterbruderschaft Pius X. um den Erzbischof Marcel Lefebvre mit rund 120.000 Anhängern ab sowie verschiedene sedisvakantistische Kreise (mit je einigen Dutzend oder einigen hundert Anhängern). Im Ganzen konnte erstmals nach einem Konzil der Neuzeit die Einheit der Kirche (mit heute ca. 1,2 Mrd. Katholiken) gewahrt werden.

Nach Paul VI. ist die Auszeichnung Internationaler Preis Paul VI. benannt. Das Istituto Paolo VI in Concesio bei Brescia erforscht das Pontifikat dieses Papstes. Zusammen mit der École francaise de Rome hat das Institut 1984 ein umfassendes Werk über Paul VI et la modernité dans l’Église herausgegeben.

Die letzten Monate und Tod[Bearbeiten]

Grablege Papst Pauls VI. in den vatikanischen Grotten der Petersbasilika

Am 16. März 1978 wurde der christdemokratische Politiker Aldo Moro von den Roten Brigaden entführt. Moro und der Papst waren seit Moros Studienzeit befreundet. Moro war ab 1939 in der Leitung des katholischen Studentenverbands FUCI aktiv, dessen geistlicher Leiter Montini war. Paul VI. setzte sich persönlich für die Freilassung Moros ein, indem er sich mit einem handschriftlichen Brief an die Entführer wandte. Trotz dieser Bemühungen wurde Moro von seinen Entführern ermordet; Papst Paul VI. selbst hielt später die Messe im Rahmen des Staatsaktes für Moro.

Am 14. Juli 1978 brach Paul VI. zur päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo auf. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, traf er sich dort mit dem neuen italienischen Staatspräsidenten Sandro Pertini. Am gleichen Abend hatte der Papst Atemprobleme und benötigte die Gabe von Sauerstoff. Am folgenden Tag (Sonntag) war der Papst erschöpft, wollte aber trotzdem den Angelus beten. Er war dazu jedoch nicht in der Lage und blieb stattdessen im Bett. Von dort aus nahm er an der abendlichen Messe teil. Nach der Kommunion erlitt der Papst einen schweren Herzinfarkt, an dessen Folgen er am 6. August 1978 gegen 21:40 starb.[11] Paul VI. wurde in den vatikanischen Grotten bestattet, seinem Wunsch entsprechend in einem Erdgrab.

Enzykliken[Bearbeiten]

Die fünf großen Enzykliken stehen allesamt thematisch im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und verdeutlichen aktuelle Aspekte der Glaubens- und Sittenlehre mit größerer Ausführlichkeit als in den Konzilsdokumenten möglich war. In der Folgezeit veröffentlichte der Papst weitere apostolische Schreiben, insbesondere Octogesima adveniens zur katholischen Soziallehre (1971) sowie Gaudete in Domino und Evangelii nuntiandi im Heiligen Jahr 1975.

Kunstaufträge[Bearbeiten]

Papst Paul VI. zeigte eine außergewöhnliche Offenheit für die zeitgenössische Kultur, vor allem für die Bildende Kunst. Mit den von ihm gesammelten Werken moderner religiöser Kunst errichtete Paul VI. eine eigene Abteilung in den Vatikanischen Museen, die er 1973 als Sammlung Moderner Religiöser Kunst eröffnete. Die Museumsabteilung umfasst etwa 800 Werke von etwa 250 internationalen Künstlern. Weitere Werke gelangten 1977 in die Sammlung, und zwar als Schenkungen zeitgenössischer Künstler anlässlich des 80. Geburtstages Pauls VI. am 26. September 1977.[12]

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil beauftragte Papst Paul VI. mehrere zeitgenössische Künstler und Architekten. 1964–1977 entstanden somit neue Werke im Vatikan. „Zu diesen […] zählen vier päpstliche Grabdenkmäler und vier Bronzeportale für die Petersbasilika, der päpstliche Kreuzstab, die Vatikanische Audienzhalle mit Synodensaal und die päpstliche Privatkapelle im Apostolischen Palast.“[13] Die bronzene Ferula von 1963 schuf Lello Scorzelli.

1964–1971 ließ Paul VI. die große vatikanische Audienzhalle durch Pier Luigi Nervi (1891–1979) errichten. Die vatikanische Audienzhalle wird gewöhnlich nach ihrer Funktion („Aula delle Udienze Pontificie“), ihrem Architekten („Sala Nervi“) bzw. heute offiziell nach ihrem Bauherrn („Aula Paolo VI“) benannt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Papst Paul VI. erhob mit Albino Luciani (Ernennung: 1973), Karol Wojtyla (Ernennung: 1967) und Joseph Ratzinger (Ernennung: 1977) jene drei Bischöfe zu Kardinälen, die später seine Nachfolger werden sollten. Paul VI. selbst (wie jeweils seine sämtlichen sechs Vorgänger im 20. Jahrhundert) war von seinem unmittelbaren Vorgänger zum Kardinal ernannt worden. (siehe Liste der Kardinalskreierungen)

Verehrung[Bearbeiten]

Die Papstforschung urteilte über Paul VI., er sei zu Lebzeiten von vielen verkannt und angefeindet worden, obwohl er es sich nicht leicht gemacht habe. Im Rückblick wird vielerorts anerkannt, dass Montini viele seiner Vorgänger an Reformeifer übertroffen hat. Er bahnte hiermit den Weg für seine Nachfolger. Der mit dem Papst befreundete französische Philosoph Jean Guitton gelangte früh zu der Einschätzung, die Leistung des Pontifikats werde von der Nachwelt noch entdeckt werden.

Die Fortführung und den Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) benannte Paul VI. bereits drei Tage vor Amtseinführung und Krönung (30. Juni 1963) als die zentrale Aufgabe seines Pontifikats. Als das-Konzil-interpretierender „Gesetzgeber“ war Paul VI. der „eigentliche Konzilspapst“, „nicht nur, weil er sämtliche Beschlüsse des Zweiten Vatikanum in Kraft setzte, sondern auch, weil seine gesamte Amtszeit von der ungeheuren Aufgabe geprägt war, das Konzil ins Leben der Kirche zu überführen. Entsprechend groß ist die Bedeutung des Montini-Pontifikates für alle Fragen der Rezeption und Hermeneutik des Zweiten Vatikanischen Konzils“.[14]

Johannes Paul II. eröffnete am 11. Mai 1993 das Seligsprechungsverfahren Pauls VI. Im Dezember 2012 stellte Papst Benedikt XVI. den heroischen Tugendgrad fest und erhob Paul VI. zum ehrwürdigen Diener Gottes[15]. Im Dezember 2013 bestätigte der Heilige Stuhl die Anerkennung einer medizinisch nicht erklärbaren Heilung auf Fürsprache Pauls VI.[16] Mitte Februar 2014 erkannte die Heiligsprechungskommission die Heilung eines ungeborenenen Kindes als Wunder an.[17] Am 10. Mai gab der Heilige Stuhl bekannt, dass Paul VI. am 19. Oktober 2014 seliggesprochen werde.[18]

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jörg Ernesti: Paul VI.: Der vergessene Papst, Freiburg im Breisgau: Verlag Herder 2012, ISBN 978-3-451-30703-4
  • Ralf van Bühren: Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils (Konziliengeschichte, Reihe B: Untersuchungen), Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 2008, ISBN 978-3-506-76388-4
  • Michael Bredeck: Das Zweite Vatikanum als Konzil des Aggiornamento. Zur hermeneutischen Grundlegung einer theologischen Konzilsinterpretation (Paderborner theologische Studien, 48), Paderborn 2007
  • Jean Mathieu-Rosay: Die Päpste im 20. Jahrhundert. Primus-Verlag, Darmstadt 2005, ISBN 3-89678-531-1
  • Peter Hebblethwaite: Paul VI. The First Modern Pope, New York: Paulist Press 1993, ISBN 0-8091-0461-X
  • Luitpold A. Dorn: Paul VI. Der einsame Reformer, Graz: Verlag Styria 1989, ISBN 3-222-11808-6
  • Aimé-Georges Martimort: Le rôle de Paul VI dans la réforme liturgique, in: Le rôle de G. B. Montini – Paul VI dans la réforme liturgique. Journée d’études, Louvain-la-Neuve, 17 octobre 1984 (Pubblicazioni dell’Istituto Paolo VI 5), Brescia 1987, S. 59–73
  • Philippe Levillain (Hg.): Paul VI et la modernité dans l’église (Collection de l’École francaise de Rome, Bd. 72), Rom 1984
  • Iosif R. Grigulevic: Die Päpste des XX. Jahrhunderts, Leipzig: Urania-Verlag 1984
  • Wilhelm Sandfuchs: Paul VI. Papst des Dialogs und des Friedens, Würzburg: Echter-Verlag 1978, ISBN 3-429-00588-4
  • Gustl Kernmayr: Papst Paul VI. Das Abenteuer seiner Jugend, München / Wien: Franz Schneider 1971
  • Jean Guitton: Dialog mit Paul VI., Frankfurt/Main: Fischer 1969
  • Georg Huber: Paul VI., Paderborn: Bonifacius-Druckerei 1964
  • Corrado Pallenberg: Paul VI. Schlüsselgestalt eines neuen Papsttums, München: List Verlag 1965
  • Andrea Lazzarini: Papst Paul VI. Sein Leben und seine Gestalt, Freiburg/Basel/Wien: Herder 1964
  • Franz Burda (Hrsg.): Papst Paul VI. im Heiligen Land, Offenburg: Burda-Verlag 1964
  • Wilhelm Sandfuchs (Hrsg.): Papst Paul VI. In nomine Domini (Arena-Bildtaschenbuch; Bd. 7), Würzburg: Arena Verlag 1963
  • Josef A. Slominski / Scampi Leone: Paul VI. Aus der Schule dreier Päpste, Recklinghausen: Paulus Verlag 1963

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul VI. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jörg Ernesti: Paul VI.. Herder Verlag, Freiburg 2012. S. 28, S. 30.
  2. Jörg Ernersti: Paul VI., S. 35, S. 369.
  3. Ernesti, Paul VI., S. 37f, S. 369.
  4. Andrea Lazzarini: Papst Paul VI. Sein Leben und seine Gestalt, Herder, Freiburg/Basel/Wien 1964
  5. Giulio Andreotti: Meine sieben Päpste. Begegnungen in bewegten Zeiten. Herder, Freiburg 1982. ISBN 3-451-19654-9. S. 124.
  6. Volltext
  7. http://kirchensite.de/index.php?myELEMENT=170236
  8. Wolfgang Krahl: Ökumenischer Katholizismus, St. Cyprian, Bonn 1970, Seite 100
  9. Peter Neuner: Neue Aspekte zur Abendmahlgemeinschaft. In: Wolfgang Seibel SJ (Hrsg.): Stimmen der Zeit. Heft 3 März 1974. Herder. Freiburg im Breisgau. S. 172-173.
  10. Beschlüsse der Würzburger Synode, 5.4.1. Ostkirchen und altkatholische Kirche, Seite 214 Homepage Deutsche Bischofskonferenz, abgerufen am 3. Mai 2014
  11. Vor 25 Jahren starb der Konzilspapst Paul VI.
  12. Bühren 2008, S. 319–323, Abb. 18
  13. Bühren 2008, S. 310. Zu den von Paul VI. beauftragten Kunstwerken und Gebäuden vgl. S. 310–319, Abb. 53-59
  14. Bredeck 2007, S. 350; vgl. Bühren 2008, S. 302 f.
  15. http://de.radiovaticana.va/storico/2012/12/20/paul_vi._auf_dem_weg_zur_seligsprechung/ted-649298
  16. http://www.huffingtonpost.com/2013/12/13/pope-paul-vi-miracle_n_4440958.html
  17. http://vaticaninsider.lastampa.it/vaticano/dettaglio-articolo/articolo/paolo-vi-paul-vi-pablo-vi-32232/
  18. http://kath.net/news/45876
Vorgänger Amt Nachfolger
Johannes XXIII. Coat of Arms of Pope Paul VI.svgPapst
1963–1978
Johannes Paul I.
Alfredo Ildefonso Kardinal Schuster OSB Erzbischof von Mailand
1954–1963
Giovanni Kardinal Colombo
Domenico Tardini Substitut des Vatikanischen Staatssekretariates
1937–1953
Angelo Dell’Acqua