Paul Wegener

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Dieser Artikel beschreibt den Schauspieler. Für den gleichnamigen Politiker siehe Paul Wegener (Gauleiter).
Paul Wegener im Jahr 1932
Paul Wegener (um 1900)
Paul Wegener als Nathan (1945)
Grab von Paul Wegener auf dem Friedhof Heerstraße

Paul Wegener (* 11. Dezember 1874 in Arnoldsdorf, Westpreußen; † 13. September 1948 in Berlin) war ein deutscher Theater- und Filmschauspieler und Filmregisseur. Er war außerdem Produzent und Drehbuchautor.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Wegener, dessen Vater Tuchfabrikant in Ostpreußen war, genoss eine humanistische Bildung, die ihn schon in frühen Jahren zum Theaterspiel führte. 1894/95 studierte er auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaften in Freiburg im Breisgau und Leipzig, brach das Studium jedoch ab und suchte sein Glück beim Schauspiel. Der Vater versagte ihm daraufhin die finanzielle Unterstützung.

Über kleinere Engagements in Leipzig, Rostock, Aachen und Wiesbaden kam er schließlich nach Hamburg und spielte in einer der ersten deutschen Aufführungen von Maxim Gorkis Nachtasyl. Diese Aufführung bewegte Max Reinhardt dazu, ihn nach Berlin an sein Theater zu holen. Jetzt begann die große Zeit Paul Wegeners mit Rollen wie Richard III., Macbeth, Othello oder Mephisto zwischen 1906 und 1920.

Paul Wegener spricht mit einem Unbekannten bei einem Gastspiel in Amsterdam, 1924

Paul Wegener leistete beim Film Pionierarbeit. Sein früher Einsatz für das neue Medium hatte entscheidenden Einfluss auf die Akzeptanz des Films als Kunstform in Deutschland. 1913 hatte sein erster Film Der Verführte Premiere.[A 1]

Ein besonderer Anreiz lag für Wegener darin, durch die im Film mögliche Bildteilung mit seinem eigenen Spiegelbild, also zweimal zur selben Zeit, auf der Kinoleinwand zu erscheinen.

Der Golem von 1914 behandelte eine Figur aus einer alten jüdischen Legende, die in der Jetztzeit von einem Verbrecher gefunden und ausgenutzt wird. Der Erfolg mit der Figur des Golem ließ Wegener eine eigene Filmfirma gründen. Nach dem Ersten Weltkrieg war er ein völlig unabhängiger Schauspieler und Regisseur. Um den Golem produzierte Paul Wegener noch zwei weitere Filme. 1920 drehte er den international gefeierten Klassiker Der Golem, wie er in die Welt kam, der die ursprüngliche Legende aus dem Prager Ghetto zum Thema hat.

Wegener galt als fantasievoller Regisseur und Darsteller; er inszenierte in der Zeit des Ersten Weltkrieges drei Märchenfilme (Rübezahls Hochzeit 1916, Hans Trutz im Schlaraffenland 1917, Der Rattenfänger 1918). Wegener stellte gerne Personen anderer Kulturen dar, so in Der Yoghi 1916, Sumurun 1920, Das Weib des Pharao 1921 und Lebende Buddhas 1924.

Mit seinem letzten eigenen Regie-Projekt der Stummfilmzeit, Lebende Buddhas, das er als Produzent auch finanziell trug, übernahm sich Wegener, so dass er danach nur noch als Darsteller in den Produktionen anderer tätig war.

Seine Filme, vor allem Der Golem, wie er in die Welt kam, feierten auch in den USA Erfolge, was ihm Arbeit in Hollywood ermöglichte. 1926 drehte er dort bei Rex Ingram Der Magier.

Wegener trat als Gast in lukrativen Hauptrollen an verschiedenen Berliner Bühnen auf und ging außerdem mit Theaterproduktionen auf Tournee. 1929 trat er mit seiner damaligen Frau Greta Schröder in Südamerika auf.

Die neue Ära des Tonfilms und der gleichzeitige Aufstieg der Nationalsozialisten verringerten seine Bedeutung als Film- und Theaterschaffender nicht. Während des Nationalsozialismus war er zunächst beim Schillertheater Heinrich Georges engagiert und später bei Gustaf Gründgens an den Staatlichen Bühnen Berlins.

Paul Wegener machte aus seiner anti-nationalsozialistischen Haltung nie ein Hehl. Er spendete wiederholt Geld für Widerstandsgruppen, versteckte mehrfach gefährdete Menschen in seiner Wohnung und ging noch als alter, schwerkranker Mann nachts auf die Straßen, um Parolen wie „Nieder mit Hitler“ u. ä. an die Haus- und Ruinenwände zu schreiben.

Obwohl Wegener in einigen Nazi-Propaganda-Filmen mitgewirkt hatte, zuletzt 1945 in Veit Harlans Kolberg, erhielt er nach dem Zweiten Weltkrieg von der sowjetischen Besatzungsmacht die Erlaubnis, wieder aufzutreten.

Nach Kriegsende schützte er ein Dutzend Frauen vor der Vergewaltigung durch sowjetische Soldaten.[1] Sein Haus in der Binger Straße hatte sich im Rheingauviertel zu einem Treffpunkt für russische Offiziere entwickelt, mit denen Wegener sich im Erdgeschoss betrank, während die Frauen aus den umliegenden Häusern sich auf seinem Dachboden versteckten.[2]

Am 7. September 1945 eröffnete Paul Wegener das Deutsche Theater mit Gotthold Ephraim Lessings Nathan der Weise mit ihm als Nathan. Es sollte seine letzte große Theaterrolle werden. Nach einem Schwächeanfall konnte Paul Wegener nicht mehr auftreten. Er starb am 13. September 1948 und wurde auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin beerdigt. Die Ehrengrabstätte der Stadt Berlin befindet sich im Feld 4B.

Paul Wegener war mehrmals verheiratet. Seine dritte Ehe führte er mit der Schauspielerin Lyda Salmonova, seine vierte mit der Schauspielerin Greta Schröder, die in erster Ehe mit dem Tänzer Ernst Matray verheiratet gewesen war, und die kurz nach ihrer Scheidung Oktober 1924 heiratete.[3] Er ist ein Vetter von Alfred Wegener. Sein Sohn Peter P. Wegener war Physiker und Spezialist für hypersonische Gasdynamik und ihre Kanäle.[4]

Filmografie[Bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten]

Wegeners Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Der Galeerensträfling: Nach dem Filmroman (= Film-Romane. Bd. 2). Bearbeitet von Erich Effler. Knoblauch, Berlin 1920.
  • Der Golem, wie er in die Welt kam. Eine Geschichte in 5 Kapiteln. Scherl, Berlin 1921.
  • Flandrisches Tagebuch 1914. Rowohlt, Berlin 1933.

Literatur[Bearbeiten]

  • Monty Jacobs: Paul Wegener (= Der Schauspieler. Bd. 6, ZDB-ID 530322-9). Reiß, Berlin 1920.
  • Ludwig Goldstein: Paul Wegener (= Bilderhefte des deutschen Ostens. Bd. 1, ZDB-ID 570900-3). Gräfe & Unzer, Königsberg 1928.
  • Kai Möller (Hrsg.): Paul Wegener. Sein Leben und seine Rollen. Ein Buch von ihm und über ihn. Rowohlt, Hamburg 1954.
  • Herbert Pfeiffer: Paul Wegener (= Rembrandt-Reihe Bühne und Film. Bd. 1, ZDB-ID 1337639-1). Rembrandt-Verlag, Berlin 1957.
  • Wolfgang Noa: Paul Wegener. Henschel, Berlin 1964.
  • Hans Günther Pflaum: Kinetische Lyrik. P. W.s „Rübezahls Hochzeit“ 1916. In: Peter Buchka (Hrsg.): Deutsche Augenblicke. Eine Bilderfolge zu einer Typologie des Films (= Off-Texte. Bd. 1). Belleville, München 1996, ISBN 3-923646-49-6, S. 16 f., S. 17: Szenenbild, (zuerst: SZ 1995).
  • Hans Günther Pflaum: Ins eigene Herz. P. W.s „Student von Prag“ 1919. In: Peter Buchka (Hrsg.): Deutsche Augenblicke. Eine Bilderfolge zu einer Typologie des Films (= Off-Texte. Bd. 1). Belleville, München 1996, ISBN 3-923646-49-6, S. 20 f., S. 21: Szenenbild, (zuerst: SZ 1995).
  • Heide Schönemann: Paul Wegener. Frühe Moderne im Film. Edition Menges, Stuttgart u. a. 2003, ISBN 3-932565-14-2.

Filmdokumentationen[Bearbeiten]

  • Lieblinge unserer Eltern: Paul Wegener. Ein Porträt des Charakterdarstellers. Deutsche TV-Dokumentation von 1964.
  • Klassiker der Filmkunst - Paul Wegener. Dokumentation des Fernsehens der DDR von 1981.
  • Paul Wegener. Der Mann, der der Golem war. Deutsche TV-Dokumentation von 1984.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Wegener – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gwendolyn von Ambesser: Die Ratten betreten das sinkende Schiff. Das absurde Leben des Schauspielers Leo Reuss. Verlag Edition AV, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-936049-47-5, S. 185–203.
  2. Boleslaw Barlog: Theater lebenslänglich. Universitas-Verlag, München 1981, ISBN 3-8004-1003-6, S. 290–298.
  3. Filmwelt-Telegramme. Die Filmwelt, Nr. 34, Wien, 17. oder 24. Oktober 1924, S. 2
  4. Peter Wegener: Biografie von Peter Wegener auf opa.yale.edu

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. „In der Paul Wegener-Biographie von Kai Möller (Hamburg 1954) wird auf Seite 116 gesagt, daß Paul Wegener seinen ersten Film Der Verführte vernichten ließ. Das entspricht nicht den Tatsachen. Der Film wurde zensiert und lief auch in den Kinos. Das Negativ wurde nicht vernichtet; es ist in einer Original-Negativliste der Bioscop aus dem Jahre 1918 aufgeführt.“

    Gerhard Lamprecht: Deutsche Stummfilme. 1913–1914. Deutsche Kinemathek, Berlin 1969, S. 113