Paul Zulehner

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Paul M. Zulehner am 2. Juli 2008 bei einem Vortrag in der Katholischen Landvolkshochschule „Schorlemer Alst“

Paul Michael Zulehner (* 20. Dezember 1939 in Wien) ist ein österreichischer Theologe und katholischer Priester. Der seit 2008 emeritierte Universitätsprofessor gehört zu den bekanntesten Religionssoziologen Europas.

Leben[Bearbeiten]

Paul Zulehner wurde im Krankenhaus in Döbling geboren.[1] Er war nach Josef (1932-2003), Hans (1934-2011) und Jörg (1938-2003) der vierte Sohn seiner Eltern Josef und Luise Zulehner, geborene Tauber.[2] Sein Bruder Josef wurde 1961 von Franz König zum Priester geweiht.[3] Eine Tochter seines Bruders Jörg ist Professorin an der Universität Frankfurt a. M.[4] In seiner Jugend war Paul Zulehner Mitglied der Schottensängerknaben.[5] Hier freundete er sich mit Georg Braulik und Wolfgang Schüssel an.[6] Nach seinem Abitur 1958 am Wasagymnasium[7] studierte Paul Zulehner Theologie und Philosophie in Innsbruck, Wien und München. Er sieht sich als Schüler von Karl Rahner.[8] Im Alter von 21 Jahren[9] promovierte er 1961 in Innsbruck beim Sozialethiker Johannes Schasching zum Doktor der Philosophie.[10] Mit einer Untersuchung über den Austromarxismus promovierte er 1964 in Innsbruck bei Gottfried Heinzel zum Doktor der Theologie.[11] Am 29. Juni 1964 wurde er von Franz Jachym zum Priester geweiht.[12] Seine Primiz feierte er am 19. Juli 1964 in Bad Schallerbach.[13] Von 1965 bis 1967 arbeitete er als Kaplan in der Altmannsdorfer Kirche in Wien. 1967 wurde er Studienpräfekt im Wiener Priesterseminar und Assistent bei Rudolf Weiler an der Universität Wien.[14] Das statistische Handwerk lernte er in den folgenden Jahren bei Hermann Denz an der Universität Linz.[15] 1969 wurde er von Franz König zum Habilitationsstudium freigestellt. Er ging zunächst für ein Jahr nach Konstanz, wo er bei Thomas Luckmann studierte und im Pfarrhaus am Konstanzer Münster wohnte.[16] Danach ging er für ein Jahr nach München, um bei Karl Rahner zu studieren.[17] 1973 habilitierte er sich beim Würzburger Pastoraltheologen Rolf Zerfaß mit einer Studie über Säkularisierung.[18] 1973 ging er als Professor an die Universität Bamberg und von 1974 bis 1984 war er Universitätsprofessor in Passau, wo er sich intensiv mit religions- und kirchensoziologischen sowie pastoraltheologischen Fragen befasste. Sein Nachfolger in Passau wurde Isidor Baumgartner.

Seit 1984 war er Professor für Pastoraltheologie an der Universität Wien. Sein Spezialgebiet ist die Religions- und Werteforschung, worin er zahlreiche Forschungsprojekte und Studien im In- und Ausland durchführte. Er ist Berater mehrerer Fachgremien und ein gesuchter Referent. Neben seinem engeren Fachgebiet hat er u. a. zum Thema Jugendwerte, Männerforschung, zur Sinnfrage in der Gesellschaft und zur Kirchensteuer publiziert. Von 2000 bis 2007 war er Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

Zulehner ist seit Oktober 2008 emeritiert, aber weiterhin in der Wissenschaft aktiv tätig.[19] Darüber hinaus ist er Beirats-Mitglied des im Dezember 2010 gegründeten oberösterreichischen Think Tanks Academia Superior.[20]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Helft den Menschen leben, Passau 1976
  • Scheidung – was dann …?, 1981
  • Religion im Leben der Österreicher, 1981
  • Das Gottesgerücht, 1986
  • Wider die Resignation in der Kirche, Wien 1989, ISBN 3-210-24953-9
  • Ein Obdach der Seele, 1994
  • Kirchen-Ent-Täuschungen, 1997
  • Ein Kind in ihrer Mitte, 1999
  • Wege zu einer solidarischen Politik, 1999, ISBN 3-7022-2224-3
  • gemeinsam mit Andreas Müller OFM und Arno Tausch: Global Capitalism, Liberation Theology and the Social Sciences, New York 1999
  • gem. mit Anna Hennersperger: Sie gehen und werden nicht matt. Priester in heutiger Kultur. Ergebnisse der Studie Priester 2000, Ostfildern 2001, ISBN 3-79661026-9.
  • Kirche umbauen – nicht totsparen, Ostfildern 2004, ISBN 3-7966-1173-7
  • als Herausgeber: MannsBilder. Ein Jahrzehnt Männerentwicklung, Ostfildern 2004, ISBN 3-7966-1134-6
  • Ortsuche – Umfrage unter Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten im deutschsprachigen Raum, Ostfildern 2006, ISBN 3-7966-1310-1
  • gemeinsam mit Anna Hennersperger: Damit die Kirche nicht rat-los wird. Pfarrgemeinderäte für zukunftsfähige Gemeinden, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7966-1504-7
  • Martin Kolozs (Hrsg.): Eine Antwort des Glaubens: Im Gespräch mit Paul M. Zulehner und Petra Steinmair-Pösel. Studienverlag, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-7065-5210-3.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 40.
  2. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 46.
  3. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 62.
  4. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 47.
  5. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 63.
  6. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 69.
  7. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 63.
  8. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 77.
  9. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 74.
  10. http://www.kathpress.co.at/site/nachrichten/database/66768.html
  11. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 295.
  12. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 76.
  13. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 76.
  14. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 107f.
  15. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 85.
  16. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 112f.
  17. P. M. Zulehner, Mitgift. Ostfildern 2014. S. 113.
  18. http://www.kathpress.co.at/site/nachrichten/database/66768.html
  19. Bericht in der Online-Universitätszeitung mit Angaben zu Lebenslauf und Wirken
  20. http://www.academia-superior.at/de/academia-superior/wissenschaftlicher-beirat.html
  21. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  22. a b c d e f g h Paul Zulehner Vita auf der Website der Universität Wien, abgerufen am 16. März 2011

Weblinks[Bearbeiten]