Paula Hitler
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Paula Hitler (* 21. Januar 1896 in Hafeld; † 1. Juni 1960 in Berchtesgaden; auch Paula Hiedler, später Paula Wolf oder Wolff nach einem Spitznamen ihres Bruders Adolf) war eine Schwester Adolf Hitlers.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben
Paula Hitler war die jüngste (und einzige überlebende Voll-)Schwester Adolf Hitlers und die Tochter Alois Hitlers und dessen dritter Frau Klara. Nach Aussage des Sohnes ihres Halbbruders, William Patrick Hitler, kamen Paula und Adolf in ihrer Kindheit nicht sehr gut miteinander aus. Es soll einige Verstimmungen und Eifersüchteleien gegeben haben, vor allem, da sich Alois Jr. – ein Halbbruder der beiden – oft auf die Seite der Schwester geschlagen haben soll.
Ihr Schicksal nach dem Tod ihrer Mutter (1907) liegt weithin im Dunkeln. Es ist nur bekannt, dass Adolf sie und die gemeinsame Halbschwester Angela noch unterstützte. Eine zum Missfallen Adolfs in Wien geschlossene Verlobung der Schwester mit einem (vielleicht nur später so genannten) Juden nennt lediglich Picker.[1] Nach 1938 lebte Paula Hitler allein und unter ärmlichen Verhältnissen in einer Dachstube in Wien. Hier hatte sie sich bereits – auf Betreiben ihres Bruders – den Namen „Wolf“ zugelegt. Dennoch scheint es einem nicht weiter bekannten Dr. Bloch (wahrscheinlich Eduard Bloch) gelungen zu sein, diese Wohnung aufzufinden. Bloch kam mit der Bitte, Paula Hitler möge für ihn Fürsprache bei ihrem Bruder halten, dass ihm der Zugang zu seinem Vermögen, das er bei seiner Emigration ins Ausland mitzunehmen gedachte, wiederverschafft würde: Er klopfte an Paulas Tür, erhielt aber keine Antwort, außer der eines Nachbarn, der ihm erklärte, Frau Wolf empfange niemanden.
Ob Adolf, wie manchenorts kolportiert wird, seine Schwester vor 1933 finanziell unterstützte, ist nicht gesichert nachweisbar. Laut Eigenaussage gilt als sicher, dass sie bis 1938 monatlich 250 Reichsmark, ab 1938 schließlich 500 RM erhielt. Zudem beschenkte ihr Bruder sie an jeder Weihnacht zusätzlich mit 3.000 RM. Ob und wann sich das Verhältnis zwischen den Geschwistern normalisiert hat, ist unbekannt. Nach William Patrick Hitler, der Paula als „etwas dümmlich“ beschrieb, nahm Adolfs Interesse an der Schwester erst zu, als er sich mit Angela 1938 überworfen hatte. Hierfür ließe sich geltend machen, dass die Schwester den Bruder bei den Bayreuther Festspielen 1939 als Paula Wolf begleitete.
Für 1942 druckt Picker einen Brief ab, der – einem Essenskorb beigefügt – eine entspanntere Beziehung vermuten lässt:
„Liebe Paula! Aus Anlaß meines Geburtstages erhielt ich sehr viel Liebesgaben. Nimm die kleine Kostprobe davon entgegen in dem Wunsch, daß Dir alles gut schmecken möge. […] Mit herzlichen Grüßen! Adolf Hitler.“
– Henry Picker[2]
Eine bereits 1938 von Hitler testamentarisch ausgesetzte Leibrente von je 1.000 RM für Paula wie auch Angela wurde noch am 29. April 1945 dahingehend präzisiert, dass die Rente „zur Erhaltung eines kleinen bürgerlichen Lebens“[3] ausreichen solle.
Im Mai 1945 wurde Paula Wolf von den amerikanischen Besatzungstruppen in Gewahrsam genommen und verhört. Neben aller Ungläubigkeit über die Taten ihres Bruders hob sie hervor, welche Trauer ihr der Tod ihres Bruders bereitet habe. Er sei doch trotz allem ihr Bruder gewesen, betonte sie. Eine grundsätzliche Bestätigung dieser Aussagen findet sich in den erhaltenen Fragmenten eines 1958 von dem britischen Journalisten Peter Morley aufgenommenen Filminterviews mit Paula Hitler.
Paula Hitler wurde schließlich entlassen und kehrte zunächst nach Wien zurück, wo sie in einer Kunsthandlung arbeitete. Am 1. Dezember 1952 zog sie in eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Nähe von Berchtesgaden, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Neu entdeckte Verhör-Akten des ehemaligen sowjetischen Ministeriums für Staatssicherheit belegen, dass Hitlers Schwester Paula sich mit einem der Hauptverantwortlichen des NS-Euthanasie-Programms in Österreich verlobte. Dr. Erwin Jekelius ist für die Ermordung von mehr als 4.000 behinderten Menschen verantwortlich.
Als Paula Hitler, die damals in Wien lebte und auf Befehl Hitlers zur Tarnung den Nachnamen „Wolf“ tragen musste, ihren Bruder bat, der geplanten Heirat zuzustimmen, lehnte er ab: Der Diktator wollte selbst bestimmen, wer sich seiner Familie nähern durfte und wer nicht. Hitler ließ den Arzt verhaften, der eine Verpflichtung unterschreiben musste, dass er die Verbindung abbrach. Jekelius wurde an die Ostfront geschickt und geriet 1945 in sowjetische Gefangenschaft, in der er 1952 umkam.
Nach einem Urteil des Amtsgerichts München vom 17. Februar 1960 wurden Paula Hitler zwei Drittel des Besitzes ihres Bruders Adolf Hitler zugesprochen. Nach ihrem Tod fiel das Erbe durch eine richterliche Verfügung des Amtsgerichtes Berchtesgaden vom 25. Oktober 1960 den Kindern ihrer Halbschwester Angela Hammitzsch, Leo Raubal und Elfriede Hochegger, zu.
Paula wurde auf dem Bergfriedhof bei Berchtesgaden/Schönau begraben und ist neben ihren Eltern die einzige Person der Familie, die den Namen Hitler auf ihrem Grabstein trägt.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Henry Picker, Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier; München (Goldmann) 1981, ISBN 3-442-11234-6, S. 16
- ↑ Picker, S. 169
- ↑ Picker, S. 168
[Bearbeiten] Quellen und Literatur
- Vermeeren Marc. "De jeugd van Adolf Hitler 1889-1907 en zijn familie en voorouders". Soesterberg, 2007, 420 blz. Uitgeverij Aspekt. ISBN= 978-90-5911-606-1
- Halmburger, Oliver u. Staehler, Thomas: Familie Hitler. Im Schatten des Diktators. Dokumentarfilm. Unter Mitarbeit von Timothy Ryback u. Florian Beierl. München: Oliver Halmburger Loopfilm GmbH u. Mainz: ZDF-History 2005.
- Maser, Werner: Fälschung, Dichtung und Wahrheit über Hitler und Stalin. Olzog Verlag, München 2004, ISBN 3-7892-8134-4.
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Paula Hitler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Englischsprachige Informationen über Paula Hitler/Wolf
- Englischsprachiges Interview durch die US Army mit Paula Hitler/Wolf vom 6. Juni 1946
- Englischsprachiges Interview durch die US Army mit Paula Hitler/Wolf vom 12. Juli 1945
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hitler, Paula |
| ALTERNATIVNAMEN | Paula Hiedler, Paula Wolf, Paula Wolff |
| KURZBESCHREIBUNG | Schwester Adolf Hitlers |
| GEBURTSDATUM | 21. Jänner 1896 |
| GEBURTSORT | Hafeld |
| STERBEDATUM | 1. Juni 1960 |
| STERBEORT | Berchtesgaden |

