Pauline Henckel von Donnersmarck

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Pauline Reichsgräfin Henckel von Donnersmarck (* 7. Mai 1819 in Moskau als Esther Lachmann; bekannt als Marquise de Païva oder La Païva; † 21. Januar 1884 auf Schloss Neudeck) war eine Pariser Lebedame und die erfolgreichste und bekannteste französische Kurtisane des 19. Jahrhunderts.

Une soirée chez La Païva von Adolphe Joseph Thomas Monticelli.

Sie war berühmt für ihre dekadenten Partys in ihrem Hôtel de la Païva auf dem Pariser Champs-Élysées, die das Bild des Zweiten Kaiserreiches maßgeblich mit geprägt haben.

Leben[Bearbeiten]

Esther Lachmann wurde als Kind von armen polnischen Juden im Moskauer Ghetto geboren. Ihr Vater war Weber. 1836 heiratete sie den Schneider Antoine Villoing, mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hatte, entfloh aber der Ehe und ließ sich in den Armenvierteln von Paris im 4. Arrondissement nieder, wo sie zusätzlich den Namen Thérèse annahm und sich bemühte, einen wohlhabenden Verehrer zu finden.

Ihre Bemühungen hatten Erfolg, und sie ging eine Liebesbeziehung mit dem Komponisten und Klavierbau-Unternehmer Henri Herz ein, der ihr Zugang zu Künstlerkreisen verschaffte. Vermutlich haben sie in London geheiratet, obwohl sie als verheiratete Frau nicht erneut hätte heiraten dürfen; mit ihm hatte sie eine Tochter.

Einflussreiche Personen besuchten sie in ihrem Pariser Salon, darunter Richard Wagner, Hans von Bülow, Emile de Girardin und Théophile Gautier. Die dafür erforderlichen Aufwendungen hätten Henri Herz beinahe wirtschaftlich ruiniert. Er versuchte in der Folge, in den USA Geschäftsmöglichkeiten zu finden, um seine Einkünfte zu steigern; da Pauline Thérèse aber dessen ungeachtet während seiner Abwesenheit ihren aufwendigen Lebensstil fortsetzte, wurde sie von seiner Familie vor die Tür gesetzt.

Sie nahm nun ihren Aufenthalt im Hotel Valin und wurde von einem ihrer zahlreichen Verehrer als Modistin beschäftigt. Auf Anraten ihrer Freunde versuchte sie mit ihrer Modekollektion ihr Glück in London, wo es ihr gelang, in Covent Garden die Aufmerksamkeit von Lord Stanley auf sich zu ziehen.

Sie kehrte nach Paris zurück und begab sich dann nach Deutschland, wo sie in Baden-Baden den portugiesischen Marquis Albino Francesco de Païva-Araujo für sich einnehmen konnte. Ihr erster Ehemann war mittlerweile an Schwindsucht gestorben, so dass sie nun ohne Ehehindernisse den Marquis am 5. Juni 1851 heiraten konnte und über Nacht ein Vermögen, einen Titel und den Spitznamen La Païva erwarb.

Baron de Viel-Castel, zeitweise Direktor des Louvre, schrieb später in seinen Memoiren, sie habe ihm (dem Marquis de Païva-Araujo) am Tag darauf brieflich mitgeteilt: "Du wolltest mit mir schlafen und hast es getan und so deine Frau aus mir gemacht. Du hast mir deinen Namen gegeben, aber ich habe mich letzte Nacht von dir losgesagt. Ich betrug mich wie eine ehrliche Frau. Ich wollte eine gesellschaftliche Position und habe sie bekommen, du aber hast nun eine Prostituierte zur Frau. Du kannst mit mir nirgendwo hingehen und kannst mich nirgends präsentieren. Deshalb müssen wir uns trennen. Du gehst zurück nach Portugal, ich bleibe hier, behalte deinen Namen und bin, was ich immer war: eine Hure." – Und tatsächlich kehrte der Marquis nach Portugal zurück. Die Ehe wurde erst 1871 annulliert. Im darauf folgenden Jahr erschoss sich der Marquis.

Es wird berichtet, dass einer ihrer Liebhaber ein Bankier war, von dem sie verlangt haben soll, dass er während des Liebesspiels zwanzig 1000-francs-Banknoten nacheinander in Flammen aufgehen lassen solle. Der Bankier brachte gefälschte Banknoten mit, aber dennoch war für ihn der Anblick des brennenden Geldes so nervenaufreibend, dass er den Akt nicht habe vollziehen können. La Païva wird als herzlos und unversöhnlich geschildert; ein Pferd, das sie abwarf, soll sie umgehend erschossen haben.

Le château de Pontchartrain.
Das Château de Pontchartrain

Ihre letzte Eroberung war Guido Henckel von Donnersmarck, Reichsgraf und Cousin des Reichskanzlers Otto von Bismarck und einer der reichsten Männer seiner Zeit. Er war elf Jahre jünger als sie, ließ ihr ein Hôtel particulier an der Avenue des Champs-Élysées erbauen (Hôtel de la Païva), ein Juwel von einem Hôtel, hinter dessen Neo-Renaissance-Fassade mit Marmor-Intarsien und vorgeschobenem hängendem Garten sich ein fabelhaft-verrückter Stilmix verbirgt, erwarb für sie das Schloss Pontchartrain in Jouars-Pontchartrain und überschüttete sie mit allem Luxus. Zeitgenössische Berichte sprechen davon, dass sie regelmäßig Kleidung und Schmuck im Wert von zwei Millionen Francs am Körper trug.

Beide wurden im Jahre 1878 unter dem Verdacht der Spionage aus Frankreich ausgewiesen.

Die Neo-Renaissance-Fassade des Hôtel de la Païva Juni 2009, Sitz des exklusiven Travellers Club

Aus unbekannten Gründen – es wird spekuliert, dass die beiden als preußische Spione aus Frankreich ausgewiesen wurden – ging das Paar nach Deutschland und lebte in einem von von Donnersmarcks Schlössern in Neudeck in Oberschlesien, wo Pauline im Alter von 64 Jahren starb. Gerüchteweise soll ihr Mann ihren Körper in Alkohol konserviert und den Leichnam in den Räumlichkeiten des Schlosses aufbewahrt haben, bis er von seiner nächsten Frau, der ebenfalls aus Russland stammenden, aber 30 Jahre jüngeren Katharina Slepzow entdeckt worden sein soll.

Literatur[Bearbeiten]

  • Cornelia Otis Skinner, Elegant Wits and Grand Horizontals, Boston 1962
  • Pierre Levellois, Gaston d'Angelis (Hrsg.), Les châteaux de l'Ile de France, Paris 1965
  • Joanna Richardson, The Courtesans: The Demi-Monde in 19th-Century France, London 2000
  • Virginia Rounding, Grandes Horizontales: The Lives and Legends of Four Nineteenth-Century Courtesans, London 2004