Pauliner

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Dieser Artikel behandelt den Orden des hl. Paulus von Theben (OSPPE). Zu anderen katholischen Paulusorden siehe Paulisten (Begriffsklärung).
Pater Pius Przeździecki, Generaloberer 1931-1941

Die Pauliner (Ordo Sancti Pauli Primi Eremitae; ung. pálosok; kroat. pavlini, Ordenskürzel OSPPE) beziehungsweise der Orden des heiligen Paulus des Ersten Eremiten ist ein katholischer Orden.

Der Wahlspruch des Ordens lautet: „SOLUS CUM DEO SOLO (Allein mit dem einen Gott)“

Geschichte[Bearbeiten]

Der Paulinerorden geht auf eine Eremitenbewegung im 13. Jahrhundert zurück. Er ist in Ungarn vom seligen Eusebius (ung. Boldog Özséb), einem Kanonikus von Gran (ung. Esztergom), gegründet worden (1250). Eusebius sammelte die in Ungarn und Kroatien lebenden Eremiten und wählte für ihr Mönchsleben die Regel des heiligen Augustinus. Zum Patron und Vorbild bestimmten die Mönche den heiligen Paulus von Theben, der in der kirchlichen Tradition auch als „der Erste Einsiedler“ bezeichnet wird (Festtag: 15. Januar). Bereits im Jahre 1270 wurde der Orden von Rom offiziell anerkannt.

In Kroatien befand sich einst im Kapela-Gebirge ein bedeutendes Kloster der Pauliner, das von den Fürsten von Frankopan gestiftet wurde. Eine hervorragende Rolle spielt dabei der Wallfahrtsort Jasna Góra in Tschenstochau, das größte Marienheiligtum Mittel- und Osteuropas, das die Pauliner schon seit über sechs Jahrhunderten betreuen. Jährlich kommen zum Bild der »Schwarzen Madonna« etwa drei bis vier Millionen Pilger.

In Ungarn und den habsburgischen Ländern war der Orden bereits 1786 von Joseph II. aufgehoben worden. Nach kurzer Rückkehr in den 1930er Jahren wurde er 1951 in Ungarn wiederum verboten und kann dort erst seit 1989 wieder offiziell arbeiten.

Eigenart[Bearbeiten]

Der Ursprung und die Entstehung gaben dem Orden eigene Züge: Die ersten Pauliner suchten als Einsiedler das Gebet, die Kontemplation in der Einsamkeit und eine strenge Lebensform. In der historischen Entwicklung des Ordens zeigt sich sein ständiges Bemühen, das kontemplative Leben mit der seelsorglichen Tätigkeit in Einklang zu bringen.

Im Laufe der Jahrhunderte blieb der Orden flexibel und offen für die Herausforderungen der Zeit. Er übernahm missionarische Aufgaben, entwickelte seine Spiritualität, sein apostolisches Wirken und widmete sich der wissenschaftlichen und pädagogischen Arbeit.

Zum Wesen des Paulinerordens gehören:

  • Kontemplation Gottes in der Einsamkeit,
  • Liebe zum liturgischen Gebet,
  • ein armes und arbeitsames Leben,
  • apostolische Tätigkeit, besonders die Verkündigung des Wortes Gottes und das Spenden des Bußsakramentes.

Dank der ihm anvertrauten zahlreichen Marienheiligtümer erhielt der Orden bald einen weiteren besonderen Wesenszug: In der allgemeinen Überzeugung der Gläubigen, aber auch der Pauliner selbst, gilt er als marianischer Orden. Die Verbreitung der Marienverehrung zeichnet den Paulinerorden deutlich aus.

Aufnahme[Bearbeiten]

Die erste Stufe des Ordenslebens ist das Postulat, das bis zu einem halben Jahr dauert. Der Kandidat lebt im Kloster und hat die Gelegenheit, seine Berufung zu prüfen. Die zweite Etappe beginnt mit dem Noviziat. Ein Novize muss mindestens das 17. Lebensjahr vollendet haben. Das Noviziat ist die Schule des Ordenslebens und zugleich eine Bewährungsprobe. Für die Priesteramtskandidaten dauert es ein Jahr, für die Kandidaten des Bruderstandes zwei Jahre. Die deutschsprachigen Kandidaten können das Noviziat in einem der deutschen Klöster absolvieren. Die Priesteramtskandidaten erwartet noch ein 6-jähriges Theologiestudium.

Niederlassungen[Bearbeiten]

Zurzeit leben etwa 500 Pauliner in ungefähr 65 Klöstern, die auf 16 Länder und vier Kontinente verteilt sind.

Deutsche Provinz[Bearbeiten]

Die Anfänge der Pauliner in Deutschland reichen bis in das Jahr 1351 zurück. Erst die Säkularisation im Jahre 1803 hat den Orden in Deutschland für fast eineinhalb Jahrhunderte verschwinden lassen. 1981 kehrten die Pauliner zurück und gründeten im niederbayerischen Kloster Mainburg ihre erste neuzeitliche Niederlassung in Deutschland. Mit inzwischen sechs Niederlassungen und ca. 30 Ordensmitgliedern knüpft sie an die ursprüngliche Tradition des Ordens in diesem Land an. 2002 wurde die Deutsche Provinz des Paulinerordens errichtet. Alle drei Jahre wird beim Provinzkapitel ein neuer Provinzial gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.

Provinziale der Deutschen Provinz seit 2002:
2002–2005 P. Mirko Legawiec OSPPE
2005–2008 P. Maximilian Melonek OSPPE
2008–2014 P. Mirko Legawiec OSPPE (Wiederwahl 2011)
seit 2014 P. Peter Dus OSPPE

Österreichische Provinz[Bearbeiten]

Als erste Niederlassung gilt Ebnit (Vorarlberg) 1351 durch die Herren von Ems, sie gehörte noch zur schwäbischen Ordensprovinz, und wurde 1377 wieder aufgegeben. Es folgten 1414 Unterranna (Niederösterreich), und dann in dichter Folge im um 1460 Schlaining, 1473 Kulm-Eberau, 1475 Baumgarten (alle heutiges Burgenland, seinerzeit Kgr. Ungarn), sowie 1480 Wiener Neustadt (Niederösterreich). Die burgenländischen Konvente wurden aber im 15. und 16. Jahrhundert sukzessive wieder aufgegeben. Im Zuge der Gegenreformation im Böhmischen aktiv, folgt 1708 das Kloster Maria Trost zu Graz (die heutige Basilika Mariatrost). Wende 17./18. Jahrhundert gab es in der seinerzeitigen Region der Habsburgermonarchie 10 Konvente, die anfangs direkt dem Generalprior unterstanden, und ab 1700 zur Provincia Croato-Austriaca gehörten, ab 1710 zur Provincia Germano-Austriaca (6 Konvente). Später folgte noch das Kloster Hernals. Per 20. März 1786, in der Säkularisation des Josephinismus, wurde der Orden per kaiserlichem Dekret aufgehoben und die Klöster verstaatlicht (einschließlich zweier Klöster in Schwaben, die auf österreichischem Territorium lagen).[1]

Generalpriore[Bearbeiten]

(Lückenhaft)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pauliner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elmar L. Kuhn: Paulinerorden. Seiten Die österreichische Provinz des Paulinerordens: Die Entstehung und Die Aufhebung – mit detaillierten Angaben zum Nachleben der Niederlassungen.