Paulus Diaconus

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Darstellung von Paulus Diaconus in einer frühmittelalterlichen Handschrift

Paulus Diaconus oder Paul Warnefried (* zwischen 725 und 730 in Friaul; † zwischen 797 und 799 in Monte Cassino) war ein langobardischer Geschichtsschreiber und Mönch.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn der Theodolinda und des Warnefried stammte er aus einer adligen Familie, die mit König Alboin nach Italien gelangte und gute Beziehungen zum Hof des Herzogs von Friaul unterhielt. Paulus genoss am Hof des langobardischen Königs Ratchis zu Pavia eine ausgezeichnete Ausbildung, unter anderem bei dem Grammatiker Flavianus. Auch in den Rechtswissenschaften erhielt er Unterricht, wandte sich bald aber dem theologischen Studium zu. Ob er sich noch unter Ratchis Nachfolgern am königlichen Hof aufhielt, ist unbekannt. Vor allem ist unklar, wann er in das Kloster Montecassino eintrat, wo er sehr produktiv tätig war (jedenfalls vor 774).

Für Herzog Arichis II. und seine Frau, die langobardische Königstochter Adelperga, verfasste er eine Römische Geschichte (Historia Romana) in 16 Büchern, die bis in die Zeit Kaisers Justinian I. reichte und das Breviarium des Eutropius fortsetzte. 782 begab er sich an den Hof Karls des Großen nach Aachen, um die Freilassung seines Bruders Arechis zu erlangen, der an einem Aufstand beteiligt gewesen war. Karl der Große gewährte ihm seine Bitte unter der Bedingung, dass Paulus selbst am karolingischen Hof blieb und dort seine Lehrtätigkeit fortsetzte. Am Hof Karls erwarb er sich durch seine Forschungen und Studien große Verdienste. Er lehrte unter anderem das Griechische, gab eine Homiliensammlung (Omillarius, von 1482 bis 1569 oft gedruckt und auch ins Deutsche übersetzt) heraus und schrieb die Gesta episcoporum Mettensium, ein stark karolingerfreundlich gefärbtes Werk. 787 nach Monte Cassino im Herzogtum Benevent zurückgekehrt, stand er weiterhin im Kontakt mit dem Karolingerhof und war weiterhin literarisch sehr aktiv. Hier verarbeitete er auch sein früher begonnenes Geschichtswerk zu einer Geschichte seines Volkes mit Berücksichtigung der römischen und fränkischen Geschichte unter dem Titel Historia Langobardorum.

Dieses unvollendete sechsbändige Geschichtsbuch behandelt die Geschichte der Langobarden von 568, als der Stammesverband im Rahmen des letzten Zuges der Völkerwanderung in Italien einfiel, bis zum Tod König Luitprands im Jahr 744. Die Darstellung der Ereignisse erfolgt aus langobardischer Sicht und stellt die wichtigste Quelle zu ihrer Geschichte dar. Es gibt auch interessante Einblicke in das Verhältnis zwischen Franken und Langobarden. Auch wenn seine Darstellung durchaus subjektiv ist und nicht selten pathetisch wirkt (was an sich aber kaum außergewöhnlich ist), zeichnet sich das Werk für die Zeit seiner Entstehung durch eine relativ kritische Haltung bezüglich mancher Erzählungen aus – dabei kommt etwa die Sage Origo Gentis Langobardorum schlecht weg (vgl. auch Origo gentis). Paulus, der in vielen Punkten auch noch spätantiken Traditionen verbunden war, stützt sich dabei auf eigene Erfahrungen sowie unter anderem auf die im 7. Jahrhundert nach mündlichen Überlieferungen niedergeschriebene Origo gentis Langobardorum. Paulus benutzte zudem den Liber pontificalis sowie (als eine wichtige Hauptquelle) die verlorene Geschichte des Secundus von Trient; außerdem griff er auf Beda Venerabilis, Gregor von Tours und Isidor von Sevilla zurück. Warum das Werk 744 abbricht, ist in der Forschung umstritten (ebenso, welche Rolle sein Aufenthalt im Herzogtum Benevent bei der Abfassung des Werks spielte). Möglich ist, dass der Tod Paulus an einer Weiterführung hinderte. Dass die Historia Langobardorum auch zu ihrer Zeit hohes Ansehen genoss, zeigt sich nicht zuletzt an den über hundert erhaltenen Abschriften. Sie wurde bis ins 15. Jahrhundert hinein von späteren Geschichtsschreibern vielfach benutzt.

Um 770 bis 780 verfasste Paulus eine Lebensbeschreibung Papst Gregors des Großen,[1][2] die Johannes Hymmonides bei der Erstellung seiner eigenen umfangreicheren Vita Gregorii nutzte.

Daneben gibt es von Paulus noch eine Anzahl Gedichte, Grabschriften und Briefe und einige praktisch-theologische Schriften, darunter eine Erläuterung der Benediktinerregel. Er ist ferner der Verfasser des Johannes-Hymnus, der für die Benennung der Tonstufen mit ut, re, mi, fa, sol, la und si herangezogen wurde. Zudem geht auf ihn ein Auszug (Epitome) aus De Verborum Significatu des Sextus Pompeius Festus zurück, der große Bedeutung als Quelle hat, da dieses umfangreiche antike Wörterbuch sonst nur in Fragmenten überliefert ist.

Eine Gedenktafel für ihn befindet sich in der Walhalla in Donaustauf.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Pauli historia Langobardorum. In: Ludwig Bethmann, Georg Waitz (Hrsg.): Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI–IX. Hannover 1878, S. 12–219 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  • Paulus Diaconus. Historia Langobardorum (Geschichte der Langobarden). Lateinisch und deutsch. Hrsg. und übers. von Wolfgang F. Schwarz. Darmstadt 2009.
  • Epistolae. Hrsg. v. Ernst Dümmler. In: Epistolae (in Quart) 4: Epistolae Karolini aevi (II). Herausgegeben von Ernst Dümmler u. a. Berlin 1895, S. 505–516 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  • Karl Neff: Die Gedichte des Paulus Diaconus. Kritische und erklärende Ausgabe (Quellen und Untersuchungen zur lateinischen Philologie des Mittelalters, hrsg. v. Ludwig Traube, III/4). München 1908.
  • Hartmann Grisar: Die Gregorbiographie des Paulus Diaconus in ihrer ursprünglichen Gestalt, nach italienischen Handschriften, in: Zeitschrift für katholische Theologie 11, 1887, S. 162-172.

Literatur[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Manitius, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, 261
  2. Hubertus Seibert: Paulus Diaconus. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 131–133 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Paulus Diaconus – Quellen und Volltexte (Latein)