Pavlov u Dolních Věstonic

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Pavlov
Wappen von Pavlov
Pavlov u Dolních Věstonic (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 1303 ha
Geographische Lage: 48° 52′ N, 16° 40′ O48.87444444444416.671111111111245Koordinaten: 48° 52′ 28″ N, 16° 40′ 16″ O
Höhe: 245 m n.m.
Einwohner: 573 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 692 01
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Dolní Věstonice - Milovice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Vladimír Foltýn (Stand: 2008)
Adresse: Na Návsi 88
692 01 Pavlov
Gemeindenummer: 584771
Website: www.obec-pavlov.cz

Pavlov (deutsch Pollau, früher Paulow) ist eine Gemeinde in der Region Südmähren in Tschechien. Sie liegt 20 Kilometer nordwestlich von Břeclav (Lundenburg) und gehört zum Okres Břeclav (Bezirk Lundenburg).

Geographie[Bearbeiten]

Pavlov / Pollau mit Burgruine Děvičky (Maidenburg) und Děvín (Maidenberg)

Pavlov liegt im Norden der Pollauer Berge, welchen den nördlichsten Ausläufer der Waschbergzone bilden, am Thayastausee Nové Mlýny (Neumühl). Südwestlich erhebt sich der Děvín (549 m) (Maidenberg). Im Westen liegt die Ruine der Burg Děvičky (Maidenburg). Das Dorf ist als ein Längsdreieckangerdorf angelegt.[2]

Nachweisbar trieben bereits 1675 die Pollauer ihr Vieh auf die Millowitzer Hutweide, die sich zu beiden Seiten des Runzengrabens (Wassergraben) bis gegen den ehemaligen Leluschteich erstreckte. Dort stand schirmend das Standbild des Hl. Leonhard im Felde (dicke Moata).[3] Dieses Gebiet gehörte damals zu Gemeinde Millowitz.[4]

Nachbarorte sind Popice (Poppitz) im Norden, Šakvice im Nordosten, Zaječí (Saitz) und Nové Mlýny (Neumühl) im Osten, Milovice (Millowitz) im Südosten, Klentnice (Klentnitz) und Perná (Bergen) im Südwesten, Spalená Hospada und Horní Věstonice (Ober-Wisternitz) im Westen sowie Dolní Věstonice (Unter-Wisternitz) und Strachotín (Tracht) im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anlage des Ortes und die Ui-Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen bairischen Kennwörtern weisen auf eine Besiedlung durch bairische deutsche Stämme hin, wie sie vor allem im 12./13. Jahrhundert erfolgte.[5] Auf dem Gemeindegebiet befinden sich mehrere der wichtigsten Fundstellen des Jungpaläolithikums in Mitteleuropa. Seit 1952 werden archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Das umfangreiche Fundmaterial führte zur archäologischen Kulturbezeichnung Pavlovien, einer regionalen Ausprägung des Gravettien. Hier wurden Reste des Cro-Magnon-Menschen gefunden.[6] Zudem bewiesen 7 vollständig gefundene Wolfsskelette eine frühe Zähmung und eine erste Zucht von Hunden.[7][8]

Die Ortschaft wurde 1334 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte bis 1848 zu der Herrschaft Nikolsburg. Die heutige Schreibweise des Ortes ist seit dem Jahr 1504 geläufig. Vorher schrieb man den Ort „Pavlove“ (1334) oder „Polaw“ (1436).[9] Während der Hussitenkriege am Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der Ort sowie die Kirche von den Hussiten eingenommen, geplündert und gebrandschatzt. Erst mit dem Sieg über die radikalen Hussiten (Taboriten) im Jahre 1434 kehrte Frieden in Mähren ein und Pollau konnte wieder aufgebaut werden.

Bildstock bei Pavlov mit Blick auf die Ruine Děvičky

Im Jahre 1543 ließen sich die Täufer in Gestalt der Hutterischen Brüder [10] der Ortschaft nieder, womit diese für die nächsten Jahrzehnte als evangelisch galt. Aufgrund der Bedeutung des Weinbaues[11] in der Ortschaft erhielt Pollau im Jahre 1589 eine Bergrechtsordnung. Nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen in der Schlacht am Weißen Berg am Anfang des Dreißigjährigen Krieges begann die Gegenreformation in Mähren. Infolgedessen wurden die reformatorischen Täufer im Jahre 1622 des Landes verwiesen. Die meisten zogen nach Siebenbürgen weiter.[12] Pollau wurde bis zum Westfälischen Frieden im Jahre 1648 geplündert und schließlich fast völlig eingeäschert. Im Jahre 1713 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Ortes. Während der Revolutionskriege wurde der Ort in den Jahren 1805 und 1809 von französischen Truppen besetzt, welche dem Ort hohe Kosten verursachten. 1833 wütete ein weiterer Großbrand in Pollau. Eine öffentliche Wasserleitung wurde im Jahre 1844 gelegt. Im Deutschen Krieg wurde der Ort für kurze Zeit von preußischen Soldaten besetzt. 1876 wurde eine Freiwillige Feuerwehr in Pollau gegründet. Der größte Teil der Einwohner lebten von der Landwirtschaft, wobei der seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau eine besondere Stellung einnahm. Weiters gab es neben dem üblichen Kleingewerbe einen Kalkofen (bis 1885), einen Steinbruch und einen Feldziegelofen (bis 1925).

Matriken werden seit 1579 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[13] Grundbücher werden seit 1785 geführt.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Vertrag von St. Germain[14] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit wurde die südmährische Ortschaft Pollau, das 1910 zu 99,7 % von Deutschsüdmährern bewohnt war, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Während der Zwischenkriegszeit führten die hohe Arbeitslosigkeit unter der deutschen Bevölkerung und Maßnahmen wie die Bodenreform, die Sprachenverordnung, die Neuansiedlungen sowie Neubesetzungen von Beamtenposten durch Personen tschechischer Nationalität zu vermehrten Spannungen zwischen den Volksgruppen.[15] Als die von den Deutschsprachigen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde, verschärften sich die Unstimmigkeiten. Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete, die im Münchner Abkommen[16] geregelt wurde, an Deutschland. Somit wurde Pollau mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau .[17]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945) wurden die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch Pollau im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Vor den einsetzenden Exzessen durch militante Tschechen flohen viele Deutschsüdmährer nach Österreich. Andere wurden über die Grenze getrieben. Dabei kam es zu 16 Ziviltoten.[18] Das Beneš-Dekret 115/46 (Straffreiheitsgesetz) erklärt derlei Handlungen bis 28.Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit ..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ... für nicht widerrechtlich. Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges nahmen am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den laufenden „wilden“ Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen geordneten und humanen Transfer der deutschen Bevölkerungsteile, die in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind. [19] [20] Zwischen dem 17. März und dem 3. Oktober 1946 wurden 452 Pollauer nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt. [21] Laut Bericht von Francis E. Walter an das US-Repräsentantenhaus erfolgten diese Transporte zu keiner Zeit in ordnungsgemäßer und humaner Weise.[22] 38 Ortsbewohner, meist in Mischehen, konnten im Ort verbleiben. Der Ort wurde wieder aufgesiedelt. Gemäß dem Beneš-Dekret 108 wurde das gesamte Vermögen der deutschen Einwohner sowie das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt.

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Seit dem Jahre 1575 führte Pollau ein Ortssiegel. Dessen Aussehen änderte sich im Laufe der Jahrhunderte, aber es beinhaltete immer ein Renaissanceschild, worauf ein Fisch mit zwei Weintrauben abgebildet war.[23]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Häuser Einwohner insgesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen andere
1793 182 940      
1836 190 935      
1869 197 981      
1880 205 1112 1110 2 0
1890 224 1123 1123 0 0
1900 232 1117 1117 0 0
1910 247 1105 1102 3 0
1921 250 1116 1107 5 4
1930 260 1089 1075 11 3
1939   987      
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Frodl, Blaschka: Südmähren von A-Z. 2006
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kirche St. Barbara, ehemals Kapelle (1658), 1740 renoviert und umgebaut
  • Kriegerdenkmal (1921)
  • Volksschule (1740, Neubau 1862)
  • Kapelle mit Muttergottesstatue (1866, nach 1945 entfernt)
  • Statue des heiligen Johannes von Nepomuk
  • Statue des heiligen Florian (1713)

Brauchtum, Sagen[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Die Pollauer werden von ihren Nachbarn „Zwickel“ genannt. Dafür nennen die Pollauer die Kletnitzer „Zwetschkenhasen“, die Millowitzer „Raubschützen“ und die Unterwisternitzer „Sandhasen“.
  • Bei Pollau steht ein Felsgebilde, welches „die drei versteinerten Jungfrauen“ genannt wird. In einer Sage heißt es, dass eine mongolische Prinzessin mit zwei Zofen auf der Maidenburg übernachtet hatte. Der Burgherr habe aber alle drei umgebracht und aus dem Fenster geworfen, um an deren Schätze zu gelangen. Am nächsten Morgen waren die drei Frauen versteinert und standen als Mahnmal vor der Burg. Daraufhin soll der Mongolen-Khan samt seinen Horden ins Land eingefallen sein, um Rache zu üben.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Josef Maca (*1921), aufgewachsen in Pollau, Herausgeber des 'Pollauer Heimatbuch'es, Träger des Prof.-Josef-Freising-Preises.

Quellen[Bearbeiten]

  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg. approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, 1935, Pollau S. 94f.
  • Dehio, Ginhart: Handbuch der Kunstdenkmäler in der Ostmark, 1940. Pollau: S. 378.
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren. 1940, Pollau: S. 36.
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, Pollau: S. 31.
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden. Josef Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X, Pollau, S. 186f.
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 210, 229, 408, 417, 422-428, 432, 573 (Pollau).
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006, Pausram, S. 169f

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Polau S. 303.
  • Richard Folk: Ortsgeschichte von Pollau. 1951.
  • Josef Maca: Pollauer Heimatbuch. Selbstverlag, 1994.
  • Bergordnung für das Dorf Pollau. 1589.
  • Hans Freising: Ein mittelbronzezeitlicher Hort aus Pollau, Kreis Nikolsburg. 1965.
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. Verlag Heimatwerk, München 1969.
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren. Geislingen/Steige 1984.
  • Bohuslav Klíma: Die jungsteinzeitlichen Mammutjäger-Siedlungen in Unterwisternitz und Pollau in Südmähren. 1991.
  • Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Abt. Präs.9-Medienservice: Sudetendeutsche und Tschechen. Austria, Reg.Nr. 89905.
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen. Rechtsgutachten. Langen Müller Verlag, 1992, ISBN 3-7844-2412-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pavlov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens. ISBN 3-927498-09-2.
  3. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten 1981-1998
  4. Josef Maca: Pollauer Heimatbuch. Selbstverlag, 1994, S. 309.
  5. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens. 1989, S. 9.
  6. E. Trinkaus, J.A. Svoboda, P. Wojtal, M. Nývltová Fišáková, J. Wilczyński: Human remains from the Moravian gravettian: morphology and taphonomy of Additional elements from Dolní Věstonice II and Pavlov I. International Journal of Osteoarchaeology, 20, 2010, S. 645–669
  7. Günter Smolla: Neolithische Kulturerscheinungen: Studien zur Frage ihrer Herausbildungen. S. 88.
  8. P. Wojtal, J. Wilczyński, Z. Bocheński, J. Svoboda: The scene of spectacular feasts: animal remains from Pavlov I south-east, the Czech Republic. Quaternary International, 252, 2012, S. 122–141 DOI:10.1016/j.quaint.2011.06.033
  9. Richard Folk: Ortsgeschichte von Pollau. S. 5.
  10. Karl Wittek: Die Wiedertäufer in Südmähren
  11. Hans Zuckriegl: Ich träum von einem Weinstock-Enzyklopädie des Weinbaues in Südmähren. Eigenverlag, Unterstützt von der Kulturabteilung des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung.
  12. Bernd Längin: Die Hutterer. 1986, S. 237.
  13. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 9. April 2011.
  14. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989. Amalthea Verlag, Wien/ München 1989, ISBN 3-85002-279-X.
  15. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938. München 1967.
  16. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur. München 1988.
  17. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z. 2006.
  18. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, S.216
  19. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  20. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei. 2007, ISBN 978-3-9810491-7-6.
  21. Archiv Mikulov: Odsun Nĕmců - transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946.
  22. Walter, Francis E. (1950): Expellees and Refugees of German ethnic Origin. Report of a Special Subcommittee of the Committee on the Judiciary, House of Representatives, HR 2nd Session, Report No. 1841, Washington, March 24, 1950.
  23. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, 1992. Pollau S. 181.