Pax Americana

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Die Pax Americana (lat. amerikanischer Friede) ist ein an überkommene historische Friedensordnungen angelehntes politisches Schlagwort, mit dem plakativ auf eine Weltanschauung und ein Konzept der weltpolitischen Dominanz in der heutigen Zeit angespielt werden soll. Die Begriffe „Pax Americana“ und „Pax Sovietica“ werden unter anderem in der wissenschaftlichen Literatur verwendet, um die antagonistischen Lager des Kalten Kriegs nach dem Zweiten Weltkrieg und deren Einflusssphäre zu charakterisieren[1]. Dabei war und ist strittig, inwieweit damit ggf. vorgenommene Vergleiche und Gleichsetzungen plausibel bzw. zulässig sind. Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Untergang der früheren Sowjetunion soll mit dem Begriff der „Pax Americana“ vor allem der amerikanische Gestaltungsanspruch hinsichtlich der Weltordnung zum Ausdruck gebracht werden ("Pax Americana – The New World Order").

Inhaltsverzeichnis

Begriffsgeschichte [Bearbeiten]

Der Begriff Pax Americana bezog sich anfänglich nur auf Stabilität und Frieden innerhalb der USA nach dem Sezessionskrieg. In gedruckter Form begegnet er zum ersten Mal im Jahr 1894 in der Augustnummer der New Yorker Zeitschrift The Forum:

"The true cause for exultation is the universal outburst of patriotism in support of the prompt and courageous action of President Cleveland in maintaining the supremacy of law throughout the length and breadth of the land, in establishing the pax Americana."[2]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er dann im Zuge der neuen Politik Woodrow Wilsons und des Versuchs der Etablierung einer New World Order zunehmend für außeramerikanische Gebiete verwandt. Im Jahr 1926 schrieb beispielsweise F.J. Turner:

"The pax Americana is not without influence upon the war-torn continent of the Old World."[2]

Vorbilder: Pax Romana und Pax Britannica [Bearbeiten]

Die Idee ist – in Anlehnung an die Pax Romana (Pax Augusta) des alten Rom und die Pax Britannica der Seeherrschaft Englands – die Welt oder zumindest die westliche Welt mit Hilfe der Ideen und Konzepte des freien Handels, der christlichen Religion und einer Ethik der Freiheit nach amerikanischem und – allerdings unter Vorbehalt – europäischem Verständnis zu organisieren und zu regieren. Wer sich wirtschaftlich betätigen will, solle sich möglichst von keiner staatlichen und weltanschaulichen Einflussnahme in seinem Handeln Schranken setzen lassen. Staatlicher Einfluss ist gemäß dem Konzept der Pax Americana auf ein Minimum zu reduzieren, solange es um die freie Entfaltung wirtschaftlicher Kräfte geht.

Nähere Erklärung des Begriffs [Bearbeiten]

Die globale Dominanz des „Westens“ und die Freiheit wirtschaftlichen Handelns sollen unter Vorherrschaft der USA gesichert und ausgebaut werden. Organisationen und Staaten, die diese Vormachtstellung und ihre Träger angreifen, müssen mit der Anwendung institutionalisierter und gegebenenfalls militärischer Macht rechnen. Das dahinterstehende Konzept ist das der Befriedung durch wissenschaftliche, wirtschaftliche und technologische Überlegenheit. Seine Verfechter sprechen von einer „wohlwollenden Hegemonie“ der Vereinigten Staaten (Thomas Donnelly), die an die Stelle des in ihren Augen gescheiterten Völkerrechts und seiner Institutionen – etwa der Vereinten Nationen – treten soll. Sie erklären die amerikanischen Werte für universell und fordern die „unipolare Welt“ des "democratic capitalism".

Kritik [Bearbeiten]

Diese Haltung stößt in weiten Teilen der Welt, besonders in den sozialistisch bzw. sozialdemokratisch regierten Ländern Südamerikas, in arabischen Gebieten, und in den Ländern Afrikas und Asiens auf große Skepsis und Widerstände. Die pax americana gilt dort als Legitimationsdiskurs für einen US-amerikanischen Neokolonialismus und Imperialismus. Die im Westen im Rahmen von bürgerlicher Demokratie entstandenen Konzepte von Freiheit und liberaler Marktwirtschaft werden dort kritisch betrachtet, besonders da diese wirtschaftlich im US-amerikanischen und europäischen Interesse angewandt werden – etwa im Rahmen der von den westlichen Industrienationen dominierten WTO.

Die Gleichberechtigung von Frau und Mann, die Menschenrechte, die Trennung von Staat und Kirche, die Freiheit der Wissenschaft werden in verschiedenen Ländern unterschiedlich aufgefasst und umgesetzt bzw. nicht umgesetzt. Der Diskurs des Westens, sich als am meisten entwickelt zu sehen, wird von Wissenschaftlern kritisch hinterfragt. Die aus Sicht mancher teilweise mangelhafte Umsetzung der von den USA propagierten Werte im eigenen Land machen die globale Propagierung dieser Werte durch die USA für viele Menschen unglaubwürdig.

Besonders in der „Dritten Welt“ aber auch in westlichen Gesellschaften sind nicht alle Menschen mit der so empfundenen Amerikanisierung der Welt einverstanden: mit der Dominanz amerikanischer Kultur, dem Vorziehen des Eigennutzes und dem damit verbundenen Rückgang von sozialer Solidarität, der Fokussierung auf das diesseitige Glück in der Welt gemäß dem Utilitarismus des Pursuit of Happiness und des American Way of Life. Auch in den christlichen Kirchen zumindest außerhalb der USA, ganz prominent in der katholischen, stößt dieser materialistisch und machtpolitisch gründende Entwurf einer globalen Gesellschafts- und Friedensordnung auf starke Vorbehalte. Die Befürworter schreiben hingegen der Pax Americana eine solche Anziehungskraft zu, dass sie sie für die einzig denkbare und realistische künftige Neue Weltordnung halten.

In der Diskussion wird das Schlagwort als Synonym für einen neuen US-amerikanischen Unilateralismus und (Neo-)Imperialismus gebraucht – von den Gegnern der dahinterstehenden Konzeptionen durchaus auch pejorativ oder gar parodistisch, von den Verfechtern eher euphemistisch. Besonders in der Folge der Anschläge vom 11. September 2001 tauchte es – inspiriert durch US-amerikanische Think-Tanks – vermehrt in der politischen Auseinandersetzung auf.

Siehe auch [Bearbeiten]

Zur militärisch-technologischen Basis der "Pax Americana"

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Deutsch

Englisch

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Z. B. in Wilfried Loth: The Division of the World, 1941–1955, dtv, 1988, Seite 15–34 u. Seite 34–59
  2. a b Grant Barrett: Hatchet jobs and hardball. In: The Oxford Dictionary of American Political Slang, Oxford University Press, 2004, Seite 194