Payback (Bonusprogramm)

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Payback-Logo

Payback (englisch „Rückzahlung“) ist ein in Deutschland seit März 2000 bestehendes Bonussystem bzw. eine Kundenkarte und eine eingetragene Marke der Betreiberfirma Payback GmbH. Es unterscheidet sich von Kundenkarten einzelner Marken durch die Nutzbarkeit in einer Vielzahl von Geschäften unterschiedlicher Branchen, um mittels Datamining den teilnehmenden Unternehmen einen möglichst umfassenden Überblick über die Lebensgestaltung der Karteninhaber zu ermöglichen.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Die Payback-Karte wird während des Einkaufens bei den Stationären Partnern beim Bezahlvorgang an der Kasse vorgelegt. Payback-Kundennummer, Datum, Filiale, Umsatz und von manchen Payback-Partnern auch Warengruppencodes werden an Payback übermittelt. Auf die Kaufsumme erhält der Kunde einen nach Unternehmen unterschiedlichen Rabattbetrag in Form von Punkten auf sein Punktekonto gutgeschrieben.

Ein Payback-Punkt hat einen nominellen Gegenwert von einem Cent (0,01 €). Es werden Punkte im Wert von 0,5 bis 4 % der Kaufsumme vergeben. Sobald auf einem Payback-Konto 200 Punkte gesammelt wurden, können diese gegen Prämien, Warengutscheine oder Bargeld ab 2 Euro eingelöst, für weitere Rabatte eingesetzt, gegen Lufthansa-Bonusmeilen („Miles & More“) eingetauscht oder an unterschiedliche Hilfsprojekte in einer sogenannten „Payback-Spendenwelt“ gespendet werden.

Nicht eingelöste Punkte, die älter als 36 Monate sind, verfallen bei der Standardkartenvariante zum 30. September eines Kalenderjahres.[1]

Kartenausgabe und Partnerunternehmen[Bearbeiten]

Karten[Bearbeiten]

Die Karten werden in der Regel in Zusammenarbeit mit einem der „Official-Partner“ ausgegeben, es gibt jedoch auch neutrale Payback-Karten. Die jeweiligen Karten haben ein individuelles Design, aber bei jedem Partner und bei allen Servicediensten die gleiche Funktionalität.

Zusätzlich zur kostenlosen „Payback-Bonuskarte“ gibt es auf Antrag die ab dem zweiten Jahr kostenpflichtige „Visa-Karte“ (ehemals „Payback-Premium-Karte“), sowohl mit echter Kreditkartenfunktion, als auch als Prepaid-Kreditkarte. Die Debitkarte „Plus-Karte“ wurde 2009 als kostenlose „Maestro-Karte“ in Partnerschaft mit Mastercard neu aufgelegt.[2] Die „Maestro-Karte“ wurde durch den Rückzug der WestLB als Herausgeber im Herbst 2012 aus der Vermarktung genommen. Diese drei Zahlkarten werden seit Ende 2012 von der BW-Bank betreut. Durch den neuen Eigentümer American Express wurde im November 2012 die neue dunkelblaue „Payback American Express Karte" als Kreditkarte in das Angebot aufgenommen worden.[3] Allen Zahlkarten ist gemeinsam, dass sie beim Einsatz Bonuspunkte versprechen und den Punkteverfall verhindern, sofern im Zeitraum von 36 Monaten wenigstens ein Bonuspunkt gesammelt wird.

Partner[Bearbeiten]

Es gibt mehr als 40 offizielle Dauerpartner (sog. „Official-Partner“), dazu kommen über 500 Onlinepartnergeschäfte (sog. „Online-Partner“), bei denen Karteninhaber Punkte auf Affiliate-Basis sammeln.

Offizielle Payback-Partner sind neben den fünf sog. „Platinum-Partnern“ Aral, dm-Drogeriemarkt, REWE, Kaufhof und Real SB-Warenhaus zum Beispiel Alnatura, Apollo-Optik, denn's Biomarkt, Dänisches Bettenlager, Depot, Sixt, Linda Apothekengruppe, die RTK-Reisebüros, Runners Point, TeeGschwendner, Vattenfall, WMF, Dehner Garten-Center und expert. Zusätzlich gibt es seit 2008 bundesweit Akzeptanz-Apotheken, die auch am Payback-Programm teilnehmen, jedoch nicht zur Linda-Apothekengruppe gehören. Grundsätzlich nehmen nicht alle Filialen eines Payback-Partner automatisch am Payback-Programm teil, sondern nur die, die sich dazu bereit erklärt haben, die Kosten des Payback-Unternehmens mitzutragen, oder vom eigenen Konzern in Eigenregie geführt werden. Insbesondere betrifft dies die RTK-Reisebüros, aber auch z. B. einige Aral-Tankstellen.[4]

Online-Partner sind unter anderem Amazon.de, Conrad Electronic, eBay, REWE und Zalando. Bei den Online-Partnern können Karteninhaber meist jedoch nur dann Punkte sammeln, wenn sie sich über die offizielle Homepage von Payback bei den Shops einloggen und bestellen.

Payback bietet seit 2010 eine Mobile App für Smartphones an. Seit 2012 kann man in der sogenannten „Payback Likes Lounge“ auf Facebook weitere Bonuspunkte sammeln. Dadurch wird zusätzlich eine Verbindung des Kartenprofils zum Nutzerprofil des Karteninhabers bei Facebook hergestellt, was Payback das Erfassen zusätzlicher, tiefergehender persönlicher Daten ermöglicht, beispielsweise die Bekanntschaftsbeziehungen der Karteninhaber untereinander.

Unternehmen und Geschäftszahlen[Bearbeiten]

Logo der Management Holding

Payback hat sein Programm im März 2000 gestartet. Das Unternehmen hat seinen Sitz in München und beschäftigte 2011 bis zu 180 Mitarbeiter.[5][6] Die über die Payback-Karte abgewickelten Umsätze der Partner betrugen rund 15,2 Milliarden Euro. 2011 verfügten 59 Prozent der deutschen Haushalte über eine Payback-Karte (GfK). Payback verschickt nach eigenen Angaben im Jahr 85 Millionen Direktmailings, 270 Millionen E-Mail-Newsletter und ist mit seiner Marke in über 22.000 Partnerfilialen präsent.

Die Payback GmbH gehört zum Loyalty-Partner-Konzern.[7] American Express kündigte im Dezember 2010 an, Loyalty Partner für 496 Millionen Euro zu übernehmen. Der Kauf wurde im März 2011 abgeschlossen.[8][9]

Seit September 2009 ist Payback auch in Polen aktiv. Im Juni 2010 hat Paybacks Mutter Loyalty Partner die Mehrheit am indischen Marktführer „i-mint“ übernommen, ein Jahr später wurde aus „i-mint“ „Payback India“. Seit 2014 ist Payback auch in Italien aktiv.

Im Februar 2011 wurde bekannt, dass das Unternehmen seine Geschäftsfelder um die Bereiche Online und Couponing ausbaut. Durch die strategische Entscheidung tritt Payback in direkte Konkurrenz zu bekannten Gutschein-Plattformen wie Groupon, Dailydeal und kaufda. An deutschen Standorten werden 2011 ca. 150 Mitarbeiter beschäftigt.[10] Zu Paybacks Konkurrenten auf dem deutschen Markt für Kundenbindungsprogramme gehört die DeutschlandCard

Kritik[Bearbeiten]

Datenschutz[Bearbeiten]

Die Karte ist vor allem bei Verbraucherschutzverbänden datenschutzpolitisch umstritten. Die Karte ermögliche den gläsernen Kunden; so ließen sich aus den gesammelten Daten Rückschlüsse auf den Lebenswandel des Kunden ziehen und der Erfolg von Werbung messen. Im Jahr 2000 wurde Payback mit dem Negativpreis Big Brother Award ausgezeichnet.[11]

Im Jahr 2001 verbot das Landgericht München nach einer Klage des Berliner Verbraucherschutzvereins unter Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe von 500.000 DM oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten die weitere Verwendung der in den Payback-Antragsformularen enthaltenen zentralen Einwilligungsklauseln[12]. Payback gestaltete daraufhin alle Teilnehmerformulare neu.

Der Bundesgerichtshof verbot 2008 nach einer Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen eine Klausel im Payback-Anmeldeformular insoweit, als dem Kunden Werbung per SMS und E-Mail zugeschickt werden durfte. Grund war, dass dem Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebene ausdrückliche Zustimmung des Kunden fehlte. Die Klauseln zur Datennutzung für Werbung per Post, zur Marktforschung sowie die Verwendung von Geburtsdatum und Rabattdaten hielt das Gericht für zulässig.[13]

Kundenanmeldeformulare werden teilweise von dem Unternehmen GHP Far East in Vietnam erfasst und sind nach Darstellung des Südwestrundfunk (SWR) illegal gehandelt worden.[14]

Im Mai 2012 wurde das Unternehmen vom TÜV überprüft. Es wurde bestätigt, dass Payback über einen „TÜV-zertifizierten Datenschutz“ verfügt und mit den Daten, die durch die Teilnahme am Payback-Programm erhoben werden, verantwortungsvoll und nach den Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) umgeht. [15]

In den Teilnahmebedingungen wird als Betreiber des Bonussystems der Payback Rabattverein e. V. genannt, um den Eindruck einer Kundeninitiative zu erwecken.

Geringer Nutzen[Bearbeiten]

Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind die möglichen Einsparungen minimal – oftmals weniger als ein Prozent, häufig auch nur ein halbes Prozent. Um als Prämie einen Flachbildfernseher zu erhalten, müsste man demnach für mindestens 150.000 Euro tanken. Auch sei es bei Prämien mit Zuzahlung oftmals so, dass das gewünschte Produkt bei anderen Anbietern günstiger ist als die Zuzahlung.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Payback-Website – Fragen und Antworten: Punkteverfall
  2. Loyalty Partner: Pressemeldung zur West-LB
  3. Loyalty Partner: Pressemeldung zur Payback American Express
  4. Aral: Fragen und Antworten zu Payback
  5. Alexander Rittweger, Joachim Bellinghoven, Martin Hollenhorst, Burkhard Graßmann, Steve Gray: Payback GmbH (vormals: Loyalty Partner GmbH). München. Jahresabschluss zum 31. Dezember 2007. Stand: 14. Mai 2008. URL: https://www.ebundesanzeiger.de/ (abgerufen am 25. April 2009)
  6. Claus-Peter Schrack, Nina Purtscher: Daten & Fakten. URL: http://www.payback.net/Daten-Fakten.39.0.html (abgerufen am 25. April 2009)
  7. : LP Holding GmbH. München. Konzernabschluss zum 31. Dezember 2007. Stand: 14. Mai 2008. URL: https://www.ebundesanzeiger.de/ (abgerufen am 25. April 2009)
  8. Loyalty Partner: Pressemitteilung zum Kauf durch American Express (engl.)
  9. Reuters: American Express übernimmt Payback-Betreiber Loyality (herausgegeben am 17. Dezember 2010)
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRedaktion Internet World Business: Payback baut das mobile Couponing-Geschäft aus. 23. Februar 2011, abgerufen am 24. Februar 2011.
  11. Bigbrother Awards 2000: Preisträger der Kategorie „Business und Finanzen“
  12. LG München I, Urteil vom 1. Februar 2001, 12 O 13009/00
  13. Bundesgerichtshof, Urteil vom 16. Juli 2008, VIII ZR 348/06
  14. FR-Interview mit Claus-Peter Schrack vom 16. Juli 2008
  15. Selbstaussage des Unternehmens, abgerufen am 10. März 2014[1]