PayPal

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PayPal, Inc.
Logo
Rechtsform Corporation
Gründung 1998
Sitz San José (Kalifornien)
Leitung David Marcus (Präsident)[1]
Website www.paypal.com
2014 abgelöstes Logo der PayPal Ltd., entworfen von Chad Hurley

PayPal, Inc [ˈpeɪˌpæl] (engl. wörtlich Bezahlfreund, angelehnt an pen pal, Brieffreund) ist eine Tochtergesellschaft des US-Unternehmens eBay (im Oktober 2002 erworben), die unter ihrem Markennamen ein Online-Bezahlsystem betreibt. Es kann zur Begleichung von Mittel- und Kleinbeträgen zum Beispiel beim Ein- und Verkauf im Online-Handel genutzt werden.[2] Laut eigenen Angaben hat PayPal mehr als 230 Millionen Mitgliedskonten[3] (Stand: Juni 2014) in 193 Nationen und 25 Währungen. Paypal dominiert das Marktsegment des Payment Processing. Der Hauptsitz des Unternehmens ist San José, das europäische Tochterunternehmen ist PayPal (Europe) S.à r.l. & Cie, S.C.A. und hat seinen Sitz in Luxemburg.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Das PayPal-Konto ist ein virtuelles Konto: Die Identität des PayPal-Kontos wird durch die E-Mail-Adresse des PayPal-Mitglieds definiert, es gibt also keine eigene Kontonummer. Mit dem Konto können Zahlungen an Dritte ausgeführt und Zahlungen von Dritten empfangen werden. Dabei fungiert PayPal als Dienstleister für den Transfer. PayPal übernimmt nicht die Funktion eines Treuhänders. Das heißt, es wird lediglich die Zahlungsabwicklung übernommen und ist unabhängig von der Leistungserbringung durch den Verkäufer.

Ein elementarer Vorteil von PayPal – wie auch von anderen Micropayment-Systemen – ist es, dass via PayPal getätigte Zahlungen sofort dem Zahlungsempfänger gutgeschrieben werden und somit beispielsweise die sonst übliche Banklaufzeit einer Überweisung entfällt. Im Onlineshop getätigte Käufe können somit sehr schnell bezahlt werden. Damit verkürzt sich die Lieferzeit, sofern der Verkäufer die Ware zeitnah nach dem Zahlungseingang versendet.

PayPal-Mitglieder müssen sich mit ihren persönlichen Daten und Kontodaten registrieren und die Verifizierung der angegebenen Daten abwarten. Dazu führt PayPal eine Testüberweisung auf das angegebene Konto aus.

Danach können PayPal-Mitglieder Geld an jede beliebige E-Mail-Adresse in den unterstützten Ländern senden. Hat der Besitzer der E-Mail-Adresse kein PayPal-Konto, so wird er von PayPal per E-Mail benachrichtigt, dass unter dieser E-Mail-Adresse eine Zahlung eingegangen ist. Damit er über den gesendeten Betrag verfügen kann, muss der Zahlungsempfänger bei PayPal registriert sein oder sich als neues Mitglied registrieren.

Des Weiteren kann PayPal über ein webfähiges Mobiltelefon verwendet werden. Die Unterstützung von webfähigen Pagern und anderen Handheld-Geräten richtet sich nach der Authentizität der Zuordnung zu PayPal-Mitgliedern. Eine Technologie mit dem Namen „PayPal Here“ erleichtert zudem Zahlungsvorgänge für Smartphone-Nutzer: Dabei wird ähnlich wie an der Kasse im Supermarkt die Kreditkarte über einen kleinen Aufsatz gezogen, der an den Kopfhörereingang des Geräts angeschlossen wird. Auch Schecks können über die im Smartphone eingebaute Kamera abfotografiert werden.[4] Die US-Firma Square wendet bereits ein ähnliches Verfahren an.[5]

Die Informationen der Teilnehmer werden bei jeder Überweisung mit SSL geschützt. Die Finanzdaten des PayPal-Mitglieds, wie beispielsweise die Kreditkarten- oder Kontonummer, bleiben dem Zahlungsempfänger verborgen, wodurch ein Missbrauch dieser Daten durch den Zahlungsempfänger vermieden werden soll.

Um mit PayPal Geld an einen anderen Teilnehmer zu senden, gibt es mehrere Einzahlungsmöglichkeiten:

  • Man kann Geld direkt von einem PayPal-Guthaben versenden. Das PayPal-Konto kann in Europa zum Beispiel via normaler Banküberweisung unter Verwendung eines spezifischen Einzahlungscodes mit einem Guthaben aufgeladen werden. Der von PayPal vorgegebene, kontospezifische Code muss im Feld „Verwendungszweck“ der Überweisung eingetragen werden. Die Aufladung via Überweisung nimmt in der Regel etwa drei Tage in Anspruch, manchmal dauert es allerdings deutlich länger.
  • Auch eine Kreditkarte kann zur Zahlung verwendet werden. Dabei muss das Geld nicht erst auf das PayPal-Konto eingezahlt werden, sondern wird vom Kreditkartenkonto eingezogen und dem Empfänger gutgeschrieben.

Für deutsche PayPal-Konten gibt es weitere Einzahlungsmöglichkeiten:

  • Es ist möglich, Zahlungen über das Lastschriftverfahren direkt vom eigenen Konto aus zu tätigen. In diesem Fall wird der Betrag dem PayPal-Konto des Zahlungsempfängers sofort gutgeschrieben und PayPal bucht den Betrag innerhalb der nächsten Tage vom Bankkonto des Zahlenden ab.
  • Des Weiteren sind manche Zahlungen nur via Lastschrift mit Sicherheitsprüfung möglich. Wird der Betrag von PayPal erfolgreich vom Bankkonto des Zahlenden abgebucht, erfolgt die Wertstellung nach Zahlungseingang auf dem PayPal-Konto des Zahlungsempfängers.
  • Zahlungen via Überweisung unter Umgehung des Aufladeprozesses sind ebenso möglich. Hier wird ein transaktionsspezifischer Code vorgegeben. Wird der transaktionsspezifische Code im Feld „Verwendungszweck“ der Überweisung eingetragen, erfolgt die Wertstellung nach Überweisungseingang auf dem PayPal-Konto des Zahlungsempfängers.

Seit der Einführung von SEPA Credit Transfer bei PayPal ist es nicht mehr möglich, Zahlungen direkt über Giropay vom eigenen Bankkonto zu leisten. Giropay war zunächst - laut Eigendarstellung auf der Website von Paypal - „vorübergehend“ nicht verfügbar. Es finden sich seit Frühjahr 2014 keine Hinweise auf Giropay mehr bei PayPal. Die Wertstellung auf dem PayPal-Konto des Zahlungsempfängers erfolgte bei GiroPay sofort, während bei einer Zahlung via Banküberweisung mehr als drei (Werk-)Tage in Anspruch nehmen kann.

Guthaben von deutschem PayPal-Konto abbuchen (auf Referenzkonto überweisen):

  • Ein Guthaben auf einem deutschen PayPal-Konto kann auf das im PayPal-Konto hinterlegte deutsche Referenzkonto überwiesen werden. Der Abbuchungsbetrag wird laut PayPal innerhalb von zwei bis vier Arbeitstagen dem Bankkonto gutgeschrieben.[6] Die Gutschrift darf laut PayPal bis zu sieben Arbeitstage dauern. Erst nach sieben Arbeitstagen beschäftigt sich der Kundenservice mit nicht angekommenen Gutschriften.[7]

Das Forderungsmanagement hat PayPal in Deutschland der Hamburger Kanzlei ksp. Rechtsanwälte übertragen.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

PayPal-Hauptsitz in San Jose

PayPal geht auf den Zusammenschluss von Confinity und X.com im März 2000 zurück. Confinity wurde im Dezember 1998 von Max Levchin, Peter Thiel und Luke Nosek in Palo Alto, Kalifornien, gegründet. Ursprünglich war es eine Firma für Bezahlmethoden und Kryptografie für den Palm Pilot. Sowohl Confinity als auch X.com starteten ihre Webseiten Ende 1999. X.com wurde von Elon Musk im März 1999 gegründet, zunächst als Internet-Finanzdienstleister. Beide Firmen hatten ihre Büros an der University Avenue in Palo Alto. Confinitys Webseite war ursprünglich fokussiert auf „reconciling beamed payments“ von Palm Pilots mit Bezahlung per E-Mail als Merkmal. X.coms Webseite umfasste zunächst Finanzdienstleistungen mit Bezahlung per E-Mail.

Bei Confinity waren viele der ersten Angestellten ehemalige Mitarbeiter der Studentenzeitung „The Stanford Review“, die ebenfalls von Peter Thiel gegründet worden war. Die meisten der ersten Techniker kamen von der University of Illinois at Urbana-Champaign, wo sie von Max Levchin geworben worden waren. Auf Seiten von X.com rekrutierte Elon Musk ein breites Spektrum an technischem und Geschäftspersonal, einschließlich vieler, die aufs Engste mit dem Geschäftserfolg der Firma verbunden waren, wie zum Beispiel Amy Klement, Sal Giambanco, Roelof Botha, Sanjay Bhargava und Jeremy Stoppelman.[8]

eBay beobachtete das Wachsen einer Reihe von Online-Bezahlfirmen und errechnete sich als Online-Auktionsanbieter strukturelle Vorteile für die Kundschaft. eBay kaufte im Mai 1999 Billpoint (das war noch, bevor es PayPal gab), nannte es in „eBay Payments“ um und machte es zu seinem offiziellen Bezahlsystem, beschnitt aber Funktionalitäten von Billpoint, indem es dies nur noch für Zahlungsvorgänge für eBay-Auktionen zuließ.

PayPal jedoch wurde in Auktionen um Größenordnungen häufiger genannt als Billpoint. Im Februar 2000 gab es ungefähr 200.000 Auktionen täglich, die für den Service von PayPal warben. PayPal schaffte es, die erste Dotcom zu werden, die nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 einen erfolgreichen Börsengang durchführte.

Eine Erklärung für die Entstehung und den Erfolg von PayPal sind die Eigenheiten des Zahlungsverkehrs in den USA. Dort wurden in der Vergangenheit wegen des Verbots des bundesstaaten-übergreifenden Überweisens im bargeldlosen Zahlungsverkehr meist Schecks verwendet, welche für die Begleichung von Verpflichtungen aus Onlinetransaktionen nicht geeignet sind. Im Vergleich dazu wurde zum Beispiel in Deutschland seit langem eine Rechnung meistens per Überweisung ausgeglichen. Im internationalen Zahlungsverkehr wurden und werden Gebühren erhoben, die von PayPal unterboten werden konnten. Erst durch die Regulierung des europäischen Zahlungsverkehrs (IBAN/SWIFT) wurden auch EU-Überweisungen großteils gebührenfrei möglich.

Erwerb durch eBay[Bearbeiten]

Im Oktober 2002 wurde PayPal von eBay für 1,5 Milliarden US-Dollar erworben.[9] PayPal war zuvor die beliebteste Bezahlmethode von mehr als der Hälfte der eBay-Benutzer und der Service konkurrierte mit eBays Tochtergesellschaft Billpoint. eBay hat seitdem seinen Billpoint-Service zugunsten von PayPal auslaufen lassen. Die meisten der Hauptkonkurrenten von PayPal sind eingestellt worden oder wurden verkauft; Citibanks c2it-Service wurde Ende 2003 geschlossen und Yahoos PayDirect-Service schloss Ende 2004. Western Union machte im Dezember 2005 die Schließung seines BidPay-Services bekannt, verkaufte ihn dann aber 2006 an die CyberSource Corporation. Eine Anzahl von Mitbewerbern, die einige mit PayPal vergleichbare Services anbieten, wie zum Beispiel Wirecard, Moneybookers und Neteller, sind weiterhin im Geschäft.

PayPals gesamtes Bezahlvolumen, also der Gesamtwert der Transaktionen im vierten Quartal 2010 betrug 21,3 Milliarden US-Dollar mit einer Steigerungsrate von 26,3 % pro Jahr.[10]

PayPal in Deutschland[Bearbeiten]

Es steht seit Februar 2004 eine deutschsprachige PayPal-Website zur Verfügung. In den Online-Marktplatz eBay wurde PayPal im Juni 2004 integriert. PayPal hat alleine in Deutschland inzwischen über 15 Millionen Kundenkonten (Stand: August 2011).

PayPal-Nutzer können in Deutschland mittels Lastschrift, Kreditkarte, Online-Überweisung (mittels giropay) und Guthaben auf dem PayPal-Konto bezahlen.

Im Oktober 2010 beteiligte sich PayPal an dem deutschen Factoringunternehmen BillSAFE und bietet seinen Nutzern seit 4. November 2010 zusätzlich die Zahlungsart „auf Rechnung“ an.[11]

Seit dem Patriot Act der USA vom Oktober 2001 ist es für alle US-amerikanischen Geheimdienste möglich, alle PayPal-Daten ohne richterlichen Beschluss einzusehen, anzufordern oder zu speichern.

Status als Bank[Bearbeiten]

Peter Thiel, der Gründer von PayPal, erklärte 2004, dass PayPal keine Bank sei, weil zum Beispiel keine Rücklagen gebildet würden. Das Guthaben auf einem PayPal-Konto ist nicht durch das Einlagensicherungssystem geschützt.[12]

Am 2. Juli 2007 erhielt PayPal von der luxemburgischen Finanzaufsichtsbehörde Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) eine Banklizenz für Europa. Alle Konten von PayPal wurden an diesem Tage von PayPal (Europe) Ltd. nach PayPal Luxemburg transferiert. Dies hatte auch eine Überarbeitung der Nutzungsbedingungen zur Folge. Der Wechsel des Kontos von PayPal (Europe) Ltd. zu PayPal Luxemburg erfolgte automatisch. Die genaue Bezeichnung der neuen Firma lautet „PayPal (Europe) S.à r.l. & Cie, S.C.A.“. Die Gebühren und der Käuferschutz waren von dem Wechsel nicht betroffen.

Kontoarten[Bearbeiten]

PayPal offeriert in Deutschland zwei Kontotypen: PayPal-Privatkonto und PayPal-Geschäftskonto. Das PayPal-Käuferkonto genannte Konto steht in Deutschland nicht zur Verfügung.[13]

Entgelte[Bearbeiten]

Für den Käufer ist das Bezahlen kostenlos, auch das PayPal-Konto selbst ist gebührenfrei.[14]

Für den Verkäufer ist das Konto selbst ebenfalls kostenlos, es entstehen aber bei jedem Geldeingang über PayPal Kosten. Diese setzen sich aus einer Grundgebühr je Transaktion und einer prozentualen Gebühr zusammen. Aktuell liegen die Gebühren in Deutschland bei 0,35 Euro + 1,9 Prozent des Umsatzes[15] (Stand: 3. Juli 2013) und in Österreich bei 0,35 Euro + 3,4 Prozent des Umsatzes[16] (Stand: 3. Juli 2013).

Dabei sind die Gebühren bei allen Zahlungsarten identisch. Auch Kreditkartenzahlungen können von allen Kontoinhabern ohne weitere Zusatzkosten empfangen werden. Hierbei gelten für Privat- und Geschäftskonten die gleichen Konditionen, eine Unterscheidung hinsichtlich der Gebühren zwischen den Kundengruppen gibt es also nicht; das Geschäftskonto hat lediglich einen größeren Funktionsumfang zum komfortableren Verwalten von Zahlungen.[14]

Hinzu kommt ein Umrechnungsentgelt von 2,5 % auf den aktuellen Umrechnungskurs, falls eine Konvertierung in eine andere Währung erfolgt.[17] Ab 5001 Euro Umsatz im Vormonat können Geschäftskontoinhaber gestaffelte Vorzugskonditionen beantragen.

Laut den neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die seit dem 18. November 2013 in Kraft getreten sind, sind Transaktionen zwischen Privatkonten nun gänzlich kostenlos. Dies gilt jedoch nur, wenn Guthaben auf dem PayPal-Konto vorhanden ist oder die Einziehung mittels Bankeinzuges erfolgt. Ist das Standardkonto bei PayPal an eine Kreditkarte geknüpft, fallen 1,9 % Gebühren an.[18] (Stand: 13. September 2013)

Kritik[Bearbeiten]

Käuferschutz[Bearbeiten]

Der Käuferschutz bei Verwendung von PayPal als Zahlungsoption, der mittlerweile nicht mehr auf eBay beschränkt ist[19], ist in wesentlichen Teilen kein Recht, das der Geschädigte von PayPal einfordern kann. Entsprechend den PayPal-Käuferschutzrichtlinien behält sich alleine PayPal unter Punkt 4.2 das Recht vor, darüber zu entscheiden, ob der Käufer durch die Artikelbeschreibung vom Verkäufer getäuscht wurde. Für diese Entscheidung schließt PayPal den Rechtsweg aus.

Zudem wird der Käuferschutz von Käufern oft so verstanden, dass man im Betrugsfall seine Zahlung einfach stornieren könne. Dies ist ein weit verbreiteter Irrtum, auf den PayPal auch hinweist, denn einer Erstattung muss PayPal zustimmen. Teilweise wird von Antragstellern verlangt, auch nach Wochen noch Belege beizubringen (per Fax) oder den Verkäufer (auch bei geringen Beträgen) anzuzeigen; gerade Letzteres ist bei Verkäufern in anderen Ländern nur schwer vorstellbar. Darüber hinaus wird zunächst das Konto des Geschädigten mit den Gebühren der Rückabwicklung (zurzeit 25 $) belastet. Nach eigenen Angaben bemühe sich PayPal, anschließend dem Verkäufer diese Gebühr in Rechnung zu stellen. Auch hinsichtlich der Behandlung des Datenschutzes,[20] Identitätsprüfung[21] und Rechte der einzelnen Länder bestehen teilweise Bedenken.[22]

Datenabgleich mit Verdächtigenlisten des US-Heimatschutzministeriums[Bearbeiten]

Immer wieder tauchen in Foren und Zeitschriften Berichte darüber auf, dass PayPal die Konten seiner Nutzer sperrt, wenn nur der geringste Verdacht besteht, der Kunde gehe terroristischen Aktivitäten nach, oder auch beim behaupteten Verdacht betrügerischer Aktivitäten. Dies trifft auch viele unschuldige Personen, die dann vom Zugriff auf ihr Guthaben ausgeschlossen sind. Laut der Ausgabe 12/2006 der Computerzeitschrift PC Professionell werden die Kundendaten bei PayPal mit von der US-amerikanischen Heimatschutzbehörde geführten Listen von Terror- oder Drogenhandel-Verdächtigen abgeglichen. Dabei reiche schon die Namensähnlichkeit mit einem Eintrag aus, um ins Visier der US-Fahnder zu geraten. Unter Umständen wird das Konto gesperrt, der Nutzer kommt für längere Zeit nicht mehr an sein Geld. Stattdessen wird er per E-Mail aufgefordert, seine Identität amtlich zu beweisen und persönliche Dokumente an eine nicht näher bezeichnete Stelle in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska einzureichen, unter anderem Kopien des Personalausweises sowie Kreditkarten- oder Stromabrechnungen.[23][24]

Sperrung des WikiLeaks-Spendenkontos[Bearbeiten]

Am 4. Dezember 2010 schloss PayPal das Konto der Wau-Holland-Stiftung, über das ein Großteil der Spenden für die Internetplattform WikiLeaks geflossen ist, dauerhaft und gab als Grund dafür Verletzungen der Nutzungsbedingungen an und dass man nicht illegale Aktivitäten unterstützen wolle.[25] Hunderte Nutzer kündigten ihre PayPal-Konten aus Protest. Die Stiftung hat anwaltliche Schritte gegen PayPal eingeleitet. Als Hintergrund muss der politische Druck der US-Regierung gesehen werden, WikiLeaks die Finanzierungsmöglichkeiten über Spenden zu erschweren.[26] WikiLeaks hatte wiederholt mit der Veröffentlichung von z. T. vertraulichen oder geheimen Dokumenten zur US-Außenpolitik, zum Irakkrieg und zum Afghanistankrieg für Aufsehen gesorgt.[27]

Sperrung von Konten verwandter Personen[Bearbeiten]

Ferner sind auch Fälle bekannt geworden, in denen PayPal in Konfliktfällen nicht nur das Konto des Betroffenen sperrt, sondern auch das unabhängig geführte Konto eines Verwandten. Nach deutschem Bankenrecht ist eine solche Verknüpfung zweier Konten aufgrund bloßer Verwandtschaft der Inhaber unzulässig, jedoch operiert die europäische PayPal-Tochter nach luxemburgischem Recht und berief sich daher in diesen Fällen darauf, keine Bank zu sein, sondern ein Internet-Bezahldienst, für den andere Regelungen gelten.[28]

Versuch der Durchsetzung des US-Embargos gegen Kuba in Europa[Bearbeiten]

Im Juli 2011 traten Beschwerden verschiedener europäischer Online-Händler auf, die mit kubanischen Produkten, insbesondere Rum und Zigarren, handeln. Ihre Accounts seien komplett gesperrt und das Konto eingefroren worden.[29]

Das Unternehmen begründete die Entscheidungen mit einem Handelsembargo der USA gegen Kuba aus dem Jahr 1962. Nach einem Ultimatum, die Waren aus dem Sortiment zu nehmen, erfolgte die Sperrung.[30] Die Umsetzung dieses Embargos ist nach EU-Recht rechtswidrig.[31]

Die Drogeriemarktkette Rossmann kündigte aufgrund des Ultimatums die Zusammenarbeit mit PayPal auf, da es aus ihrer Sicht keinen Grund für die Praktizierung US-amerikanischen Rechts in Deutschland gibt und durch die Aufforderung von PayPal Kunden bevormundet und ihrer freien Entscheidung beraubt werden.[32]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Stahl, Thomas Krabichler, Markus Breitschaft, Georg Wittmann: Zahlungsabwicklung im Internet – Bedeutung, Status-quo und zukünftige Herausforderungen. Regensburg 2006. ISBN 3-937195-12-2, 229 Seiten, über 80 Abbildungen, Näheres zur Studie und Management Summary als PDF
  • Ernst Stahl, Markus Breitschaft, Thomas Krabichler, Georg Wittmann: Risiken der Zahlungsabwicklung im Internet – Bedeutung, Gegenmaßnahmen und zukünftige Herausforderungen. Regensburg 2007. ISBN 978-3-937195-15-5, 209 Seiten, über 90 Abbildungen, Näheres zur Studie und Management Summary als PDF
  • Markus Breitschaft, Thomas Krabichler, Ernst Stahl, Georg Wittmann: Sichere Zahlungsverfahren für E-Government . In: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (Hrsg.): E-Government-Handbuch. Bundesanzeiger Verlag, 2004. Aktualisierte Version Mai 2005. ISBN 3-89817-180-9, 144 Seiten, 43 Abbildungen, 32 Tabellen
    • Markus Breitschaft, Thomas Krabichler, Dr. Ernst Stahl, Georg Wittmann (ibi research an der Universität Regensburg gGmbH): Secure Payment Methods for E-Government. E-Government Project Team, Federal Office for Information Security (BSI), 20. Januar 2005, abgerufen am 24. Juli 2014 (PDF, 2.6 MB, englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

Offizielle Webseiten[Bearbeiten]

Kritische Artikel und Beiträge[Bearbeiten]

Artikel zum IT-Recht[Bearbeiten]

Beiträge des c’t magazin.tv des Hessischen Rundfunks[Bearbeiten]

Artikel bei Spiegel Online[Bearbeiten]

Kritische Webseiten[Bearbeiten]

  • Falle-Internet – Artikel, der grundsätzliche Mängel des PayPal-Systems aufzeigt und darstellt, wie PayPal speziell für Verkäufer sogar eine erhebliche Erhöhung des Risikos darstellt.
  • PayPal als alternative Bezahlmethode – Artikel, der sich mit den Vorteilen für Käufer und den Problemen und Gefahren bei PayPal kritisch auseinandersetzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stand: Januar 2013
  2. Im September 2013 kündigte der Vizechef für das internationale Geschäft von PayPal, Hill Ferguson, Beacon an, einen Bluetooth-fähigen USB-Stick für Kaufhäuser. Beacon soll die kontaktlose Bezahlung von Artikeln ermöglichen. Das System wickelt die Transaktion direkt über das Smartphone des Kunden ab und stellt damit den Einstieg PayPals in die klassische Verkaufswelt dar.
  3. laut offizieller Website von PayPal unter https://www.paypal.com/us/cgi-bin/webscr?cmd=_display-country-functionality-outside
  4. PayPal Here macht Smartphones zur Kasse, t3n, 16. März 2012. Abgerufen am 16. März 2012.
  5. Square startet durch: Bezahlen mit dem Handy wird erheblich leichter, Netzwelt, 26. Mai 2011. Abgerufen am 19. März 2012.
  6. PayPal Hilfecenter: Guthaben von PayPal-Konto auf Bankkonto abbuchen.
  7. PayPalHilfeCenter: Ich habe eine Abbuchung durchgeführt, das Geld wurde aber noch nicht meinem Bankkonto zugebucht.
  8. Artikel über X.com im „Valleywag“. Februar 2007. Abgerufen am 26. Januar 2011.
  9. Kane, Margaret: eBay picks up PayPal for $1.5 billion. In: CNET News.com, CNET Networks, 8. Juli 2002. Abgerufen am 13. November 2007. 
  10. Buoyed By PayPal's Growth, eBay Posts 24 Percent Increase In Profits, abgerufen am 2. August 2012
  11. http://www.billsafe.de/templates/billsafe/content/onetoone_billsafe_rechnungskauf.pdf
  12. Peter Thiel, Paypal - Paypal is not a bank (Version vom 20. Juli 2011 im Internet Archive) (archiviert, abgerufen am 3. August 2012)
  13. Wesentliche Hinweise zu unserem Service (Version vom 12. August 2011 im Internet Archive)
  14. a b paypal-deutschland.de: Das kostet PayPal, PayPal (Europe)
  15. https://www.paypal.com/de/webapps/mpp/gebuehren
  16. https://www.paypal.com/at/webapps/mpp/paypal-fees
  17. Die aktuelle PayPal-Entgeltübersicht für den Zahlungsempfang ist auf [1] zu ersehen.
  18. https://cms.paypal.com/de/cgi-bin/?cmd=_render-content&content_ID=ua/upcoming_policies_full&locale.x=de_DE
  19. PayPal.de
  20. PayPal Datenschutzgrundsätze
  21. PayPal-Identitätsprüfung
  22. Vorsicht Kunde! Hintergrund: „Sicher“ bezahlen mit Paypal – und 2200 Euro sind futsch. c’t TV. 15. November 2008. Abgerufen am 26. Januar 2011.
  23. Brauchen wir PayPal? Über Sinn und Unsinn des Online-Bezahlsystems: Kundendaten bei PayPal mit von der US-amerikanischen Heimatschutzbehörde geführten Listen von Terror- oder Drogenhandel-Verdächtigen abgeglichen. it-recht-kanzlei.de, 18. November 2010. Abgerufen am 9. Dezember 2010.
  24. Paypal: Die anmaßenden Zahlmeister: Wer häufig auf der Internet-Auktionsplattform Ebay handelt, gibt viel auf das einfache und schnelle Bezahlsystem Paypal – bis das Konto gesperrt ist und man der Geldwäsche verdächtigt wird. beobachter.ch, 1. Oktober 2008. Abgerufen am 9. Dezember 2010.
  25. PayPal statement regarding WikiLeaks: PayPal has permanently restricted the account used by WikiLeaks due to a violation of the PayPal Acceptable Use Policy, which states that our payment service cannot be used for any activities that encourage, promote, facilitate or instruct others to engage in illegal activity. We’ve notified the account holder of this action. thepaypalblog.com, 3. Dezember 2010. Abgerufen am 8. Dezember 2010.
  26. Sperrung von Wikileaks: US-Regierung setzt Paypal unter Druck: Paypal hat Wikileaks auf Druck der US-Regierung gesperrt. Das hat ein führender Mitarbeiter zugegeben. Golem.de, 8. Dezember 2010.
  27. PayPal announces it will no longer handle WikiLeaks donations, readwriteweb.com, 4. Dezember 2010. Abgerufen am 9. Dezember 2010
  28. „Vorsicht Kunde!“, c’t Magazin, Heise online, am 6. November 2010. Zugriff am 27. Mai 2013.
  29. Meldung der Süddeutschen Zeitung vom 26. Juli 2011 „Paypal empört Online-Händler – Warum deutsche Firmen unter dem US-Embargo gegen Kuba leiden“
  30. Golem.de-Meldung vom 26. Juli 2011 „Ultimatum – Paypal will in Deutschland Kuba-Embargo durchdrücken“
  31. „Die Bank gewinnt“
  32. Rossmann wirft Paypal nach Drohungen raus. golem.de, abgerufen am 9. September 2011

Literatur[Bearbeiten]