paysafecard

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paysafecard ist ein elektronisches Zahlungsmittel, das nach dem Prepaid-System funktioniert und nur vom Vertragspartner wieder in eine reale Währung umgetauscht werden kann. Es kann als Micropayment-System und zur Begleichung von Mittel- und Kleinbeträgen zum Beispiel beim Ein- und Verkauf im Online-Handel genutzt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

paysafecard existiert seit dem Jahr 2000[1] und war das erste bankenrechtlich genehmigte Online-Zahlungsmittel in Europa. Die Karte wird von der PrePaid Services Company Limited herausgegeben und verwaltet. Das Unternehmen hatte ursprünglich seinen Hauptsitz in Wien, jetzt eigenen Angaben nach auch in London und New York; im deutschen Impressum ist London als Sitz angegeben. paysafecard ist in 37 Ländern (Europa, Australien, Nord- und Südamerika) mit insgesamt 450.000 Verkaufsstellen vertreten. Nach Angaben von PrePaid Services wird paysafecard mittlerweile von ca. 4.000 Onlineshops in Europa, Australien, Nord- und Südamerika als Bezahlsystem akzeptiert. Seit 2006 wird paysafecard vom EU-Förderungsprogramm eTEN bei der Ausbreitung über ganz Europa unterstützt. Seit dem 30. Mai 2008 hat das Unternehmen paysafecard eine EU-weite Lizenz zur Ausgabe von elektronischem Geld und wird von der britischen Financial Services Authority reguliert. Im März 2009 wurde paysafecard mit dem Paybefore Award als beste nicht-amerikanische Prepaid-Bezahlmethode ausgezeichnet.[2] Darüber hinaus wurde paysafecard im Rahmen der zweiten PrePaid Awards in London am 13. Oktober 2009 zur „Leading PrePaid Organisation 2009“ gewählt.[3]

2011 übernahm paysafecard den niederländischen Payment-Anbieter Wallie.[4] Im Februar 2013 wurde die paysafecard Group ihrerseits von dem britischen Online-Bezahlservice Skrill, ehemals Moneybookers, übernommen.[5]

Funktionsweise[Bearbeiten]

Der Benutzer kann an den Verkaufsstellen (z. B. Tankstelle, Kiosk, Post, Lotto-Annahmestelle, Lebensmitteleinzelhandel)[6] verschiedene Guthaben im Bereich von 10 Eur, 25 Eur, 50 Eur, 100 Eur erwerben, die ihm in Form einer 16-stelligen PIN ausgehändigt werden.[7] Diese PIN wird während des Bezahlvorgangs bei einem Webshop angegeben. Ist das Guthaben der paysafecard aufgebraucht, wird die jeweilige PIN ungültig und der Benutzer muss bei Bedarf eine neue paysafecard erwerben. Wurde das Guthaben nach 12 Monaten noch nicht komplett ausgegeben, so werden monatlich 2 Euro Bereitstellungsgebühren vom Guthaben abgezogen. Wenn kein Geld mehr auf der Karte ist, kann auch nichts mehr ausgegeben werden.

Die Webshops, welche paysafecard als Zahlungsoption anbieten, stammen vorwiegend aus den Bereichen Online-Spiele und Dienstleistungen, Wetten und Glücksspiel, Musikdownloads sowie Telefonie (VoIP). Ihre Zahl soll sich auf 4.000 belaufen[8].

Die Betragsgrenze für "anonyme" Kunden beträgt 100 Euro pro Karte. Seit 11. Januar 2012 ist es aufgrund verschärfter Geldwäsche-Bestimmungen nicht mehr möglich, Beträge über 100 Euro in einer einzelnen Transaktion mit in Deutschland gekauften paysafecard-PINs zu bezahlen, seit dem 5. September 2012 ist auch eine Registrierung zur Umgehung dieser Grenze in Deutschland nicht mehr möglich.[9][10].

Reicht das Guthaben einer Karte für eine Transaktion nicht aus, so kann der fehlende Betrag mit einer zweiten Karte bezahlt werden. Dies gilt allerdings nicht für in Deutschland erworbene Karten, hier kann nur eine Karte pro Transaktion genutzt werden. Die 100-Euro-Grenze für anonyme Kartenbesitzer bleibt dabei bestehen. Registrierte Kunden können auch mehr als zwei Karten bis zum Höchstbetrag von 1.000 Euro verwenden. Als Standardkunde darf ein maximales Guthaben von 2.500 Euro nicht überschritten werden, für höhere Summen wird der sogenannte Unlimited-Status angeboten[11].

Gebühren[Bearbeiten]

Die Kartenausgabe (auch Zweitausgabe nach Defekt oder Diebstahl) sowie die Guthabenabfrage/Transaktionsübersicht über das Internet sind kostenlos. Für die Bezahlung mit paysafecard in Euro entstehen keine Gebühren, bei anderen Währungen wird ein Umrechnungsaufschlag von 2% des Transaktionsvolumens erhoben. Nach Ablauf der ersten 12 Monate ab Kauf berechnet das Unternehmen eine Bereitstellungsgebühr von € 2 pro Monat. Man kann jederzeit die Auszahlung des noch auf der Karte befindlichen Guthabens verlangen, allerdings muss man dann detaillierte Angaben über seine Person (bis hin zur Kopie des Lichtbildausweises) und Bankverbindung machen. Eine Gebühr von € 7,50 soll dafür nur anfallen, wenn der Rücktausch vor Ablauf oder nach mehr als einem Jahr nach Ablauf des Vertrages verlangt wird. Da der Vertrag aber explizit auf unbestimmte Zeit geschlossen wird, dürfte sie immer anfallen. De facto muss das Guthaben einer Karte also nach 12 Monaten verbraucht sein, um sie wirtschaftlich zu nutzen[12]. Einer Kündigung bedarf es dabei nicht, ein Restguthaben wird vom Unternehmen im Zuge der monatlichen Bereitstellungsgebühr sukzessive eingezogen. Der Einzug der Gebühr nach Guthabenverbrauch ist dem Unternehmen bei anonymen Kunden mangels Daten nicht möglich. Auf der Händlerseite fällt ein transaktionsabhängiges Disagio an. Dieses berechnet sich nach Höhe des monatlichen Umsatzes mit paysafecard und nach Branche. In der Regel fallen 8 bis 19,5 % Transaktionsgebühren für den Händler an, ausschlaggebend ist dabei der Partner, der für die Transaktionen gewählt wurde.

Sicherheit[Bearbeiten]

Besonderes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Online-Zahlungsmitteln ist neben dem Prepaid-Prinzip, dass keine persönlichen Daten des Benutzers erforderlich sind, um einen Zahlvorgang zu tätigen. Die paysafecard bildet einen geeigneten Schutz gegen Dritte, da bei Missbrauch maximal der Betrag auf der Karte verloren gehen kann. paysafecard bietet durch das inhärente Prepaid-Verfahren nahezu vollständigen Schutz vor Identitätsdiebstahl bzw. Phishing.

Davon abgesehen bringt die paysafecard für Endverbraucher ein relevantes Risiko, wenn sie irrtümlich als Zahlungsmittel mit Treuhandfunktion verstanden wird. Im Internet wird vielfach über entsprechende Betrugsfälle in Kleinanzeigenmärkten und Online-Auktionen berichtet.

Die Volljährigkeit der Kunden wird nicht explizit geprüft. Der jeweilige Händler überprüft selbst, ob ein gekaufter Artikel mit Altersbegrenzung an den jeweiligen Kunden ausgegeben werden darf. Auch im Falle eines Widerspruchs gegen den Kauf durch den Erziehungsberechtigten steht nicht paysafecard in der Pflicht, sondern der Händler.

Telefonieren mit paysafecard[Bearbeiten]

Das Unternehmen woopla GmbH bot 2010 als erstes an, Telefongespräche per paysafecard zu bezahlen. Dazu wählt der Nutzer eine spezielle Rufnummer und gibt dann seine paysafecard-PIN ein.[13] Mittlerweile sind es nach Unternehmensangaben 12 Telefonanbieter.[14]

Nutzung durch Ransomware-Verbreiter[Bearbeiten]

Die paysafecard dient neben Ukash dazu, "Lösegeld"-Zahlungen an die Verbreiter von Ransomware-Viren wie dem "Bundespolizei-Trojaner" (auch "Erpressungs-Trojaner" genannt) und dessen Nachfolger weiterzuleiten und dabei deren Anonymität zu sichern. Die neuste Version des Ransomware-Virus verschlüsselt alle persönlichen Daten des Opfers. Dabei nutzt die Ransomware asymmetrische Schlüssel. Wer die geforderten 50 oder 100 Euro zahlt, sieht sein Geld nie wieder und der Computer bleibt kompromittiert.[15]

Alternativen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung 4. Juni 2009
  2. Ecommerce Journal: paysafecard is recognized as Best Non-U.S.-Based Prepaid Card
  3. forium.de: paysafecard group mit Prepaid Award ausgezeichnet
  4. paysafecard übernimmt Payment-Anbieter Wallie Holding. der Standard, 24. August 2011
  5. Skrill completes acquisition of paysafecard.com Wertkarten AG. Abgerufen am 16. Oktober 2013.
  6. paysafeCard Verkaufsstellen
  7. paysafeCard Kartenstückelung
  8. [1]
  9. Bestimmungen 100 EUR Grenze
  10. E-Geld in Deutschland - Veränderungen für paysafecard
  11. Erhöhung deines my paysafecard Status zu "Unlimited" - 1. Wie kann ich meinen Status erhöhen?
  12. Allgemeine Geschäftsbedingungen abgerufen am 11. August 2012
  13. www.woopline.com
  14. [2] Telefonie & Messaging
  15. Bundespolizei-Virus.de - Ransomware-Viren