Peștera cu Oase

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Peștera cu Oase
Lage: Anina, Kreis Caraș-Severin, Rumänien
Geographische
Lage:
45° 1′ 0″ N, 21° 50′ 0″ O45.01666721.833333Koordinaten: 45° 1′ 0″ N, 21° 50′ 0″ O
Peștera cu Oase (Rumänien)
Peștera cu Oase
Typ: Karsthöhle
Entdeckung: 2002
Besonderheiten: Fundort der ältesten Überreste des modernen Menschen in Europa

Peștera cu Oase (deutsch Knochenhöhle) heißt ein System von zwölf Karsthöhlen, die bei 45° 01’ N, 21° 50’ O 45.01777777777821.833333333333 in der historischen Region Banat, im Kreis Caraș-Severin, in Südwest-Rumänien liegen. Dort wurden die ältesten Überreste anatomisch moderner Menschen in Europa (40.500 Jahre alt) entdeckt.

Paläoanthropologische Befunde[Bearbeiten]

Im Februar 2002 entdeckten Höhlenforscher, die das Karstsystem im Miniș-Tal in den südwestlichen Karpaten nahe Anina, im Anina-Gebirge, erforschten, eine bisher unbekannte Kammer mit zahlreichen Säugetier-Skeletten. Die Höhle scheint hauptsächlich jungpleistozänen Höhlenbären (Ursus spelaeus) zum Überwintern gedient zu haben. Die ungewöhnliche Anordnung einiger Knochen, die etwa auf erhöhten Felsen lagen, deutete auf einen menschlichen Einfluss.

Die Höhlenforscher Ștefan Milota, Adrian Bîlgăr und Laurențiu Sarcina fanden einen vollständigen menschlichen Unterkiefer. Die Karsthöhle nannten sie Peștera cu Oase und den menschlichen Unterkiefer Oase 1.[1]

Zwei Laboratorien[2] bestimmten unabhängig voneinander das Radiokarbonalter auf rund 35.000 Jahre, das entspricht rund 40.500 Jahre in kalibrierten Kalenderjahren für den Unterkiefer.[3] Das Fossil gehört zu den wenigen Funden in Europa, die direkt datiert werden konnten; es wird als das älteste bekannte Fossil eines modernen Menschen in Europa betrachtet.[1] Da die Fundstelle in der Nähe des Eisernen Tors im Donau-Korridor liegt, könnte das Fossil eine der frühesten menschlichen Populationen repräsentieren, die Europa besiedelten.[4]

Einige Merkmale und die Proportionen von Oase 1 rücken den Unterkiefer in die Verwandtschaft moderner, jungpleistozänen Menschen, jedoch zeigt er auch Merkmale des archaischen Homo sapiens und möglicherweise des Neandertalers.[3]

Im Juni 2003 entdeckte eine weitere Forschergruppe aus Ștefan Milota, Ricardo Rodrigo und Mircea Gherase weitere menschliche Überreste auf dem Höhlenboden. Es handelte sich um einen vollständigen Gesichtsschädel zusammen mit einem nahezu vollständigen Schläfenbein und einer Zahl von frontalen, parietalen and okzipitalen Knochenfragmenten.

Während der Unterkiefer Oase 1 von einem Erwachsenen stammt, gehörte der Gesichtsschädel, der als Oase 2 bezeichnet wird, einem ca. 15 Jahre alten Jugendlichen. Weitere Analysen ließen zunächst vermuten, dass das linke Schläfenbein einem dritten Individuum gehörte, mutmaßlich eine erwachsene Frau, folglich Oase 3 genannt.[1] Spätere Arbeiten haben allerdings belegt, dass das Schläfenbein zum selben Schädel wie die anderen Oase 2-Knochen gehört.[5] Das Fehlen weiterer archäologischer Funde wie Holzkohle oder Werkzeuge könnte bedeuten, dass die menschlichen Überreste durch Spalten in die Höhle gespült worden sind.

Oase 2 und Oase 3 bestätigen ein Muster, das bereits von dem vermutlich genauso alten Oase 1-Unterkiefer bekannt war,[1] eine Mischung aus archaischen, früh-modernen und Neandertal-Merkmalen. Zu den „modernen“ Merkmalen gehört ein vorspringendes Kinn, fehlender Überaugenwulst und abgerundeter Kopfschädel. Diese Merkmale sind jedoch mit zahlreichen archaischen Merkmalen des Schädels und der Bezahnung verbunden, die ihn außerhalb der Variationsbreite moderner Menschen stellen, wie ein großes Gesicht, ein Knochenkamm hinter dem Ohr und großen Zähnen, die nach hinten sogar an Größe zunehmen. Anatomische Merkmale, die insbesondere von Erik Trinkaus und João Zilhão als Ergebnis einer Verpaarung von anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) und Neandertalern gedeutet werden, wurden auch für das rund 25.000 Jahre alte Kind von Lagar Velho (Portugal) und die 31.000 Jahre alten Fossilfunde von Mladeč (Tschechien) geltend gemacht.

In Peștera cu Oase wird weiterhin geforscht. Die Funde aus der Kampagne von 2005 werden gegenwärtig am rumänischen Höhlenforschungsinstitut „Emil Racovita“ untersucht, ferner an der Australischen Nationaluniversität (Elektronenspinresonanz und Uran-Thorium-Datierung von 21 Knochen- und Zahnproben sowie 29 Sedimentproben), der Universität Bristol, (Uran-Thorium-Datierung von 22 Knochenproben), der Universität Bergen, (Uran-Thorium-Datierung von sieben Proben), der Universität Oxford (Beschleuniger-Massenspektrometrie Radiokohlenstoffdatierung von acht Knochen- und Zahnproben), der Max-Planck-Gesellschaft (Isotopenanalyse und DNA-Analyse von 37 Knochen- und Zahnproben) und der Universität Wien (Radiokohlenstoffdatierung von 25 Knochen- und Zahnproben).

Bedeutung für die Paläoanthropologie[Bearbeiten]

Die besondere Bedeutung der Peștera-cu-Oase-Funde besteht in der Kombination von „modernen“ und archaischen (Neandertaler-) Merkmalen, sowie darin, dass die Fossilien direkt datiert werden konnten. Die Oase-Fossilien überlappen sich in einem Zeitraum von rund 3000 Jahren mit späten Neandertalern wie jene aus der Vindija-Höhle (Kroatien), die auf rund 32.000 Radiokohlenstoff-Jahre oder weniger datiert worden sind, oder in Arcy-sur-Cure (Frankreich) mit rund 34.000 Radiokohlenstoff-Jahren. Die Oase-Menschen könnten also in Kontakt mit Neandertalern gekommen sein.[4]

Da sich aus den genetischen Ergebnissen nicht ausschließen lässt, dass es zu einem Genfluss von Neandertaler-Erbgut zum modernen Menschen gekommen ist, wurden die Peștera-cu-Oase-Funde von Erik Trinkaus und João Zilhão dahingehend interpretiert, dass eine solche Beimischung tatsächlich stattgefunden habe.[6] Demnach wären bereits bei ihrer Ankunft in Europa moderne Menschen auf Neandertaler gestoßen, hätten sich mit ihnen gemischt und gepaart.[7] Im erheblich größeren Genpool des modernen Menschen wäre die mitochondriale DNA der Neandertaler jedoch mit der Zeit verloren gegangen.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Erik Trinkaus, Ştefan Milotab, Ricardo Rodrigoc, Gherase Mirceab, Oana Moldovand: Early Modern Human Cranial remains from the Peștera cu Oase, Romania. (PDF; 346 kB) In: Journal of Human Evolution. Bd. 45, Nr. 3, 2003, ISSN 0047-2484, S. 245–253, doi:10.1016/j.jhevol.2003.08.003.
  2. Oxford: OxA-11711, Groningen: GrA-22810
  3. a b Erik Trinkaus, Oana Moldovan, Ștefan Milota, Adrian Bîlgăr, Laurenţiu Sarcina, Sheela Athreya, Shara E. Bailey, Ricardo Rodrigo, Gherase Mircea, Thomas Higham, Christopher Bronk Ramsey, Johannes van der Plicht: An early modern human from the Peștera cu Oase, Romania. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Bd. 100, Nr. 20, 2003, S. 11231–11236, doi:10.1073/pnas.2035108100.
  4. a b c João Zilhão: Neandertals and Moderns Mixed and It Matters. In: Evolutionary Anthropology. Bd. 15, Nr. 5, 2006, ISSN 1060-1538, S. 183–195, doi:10.1002/evan.20110.
  5. Erik Trinkaus, João Zilhão, Hélène Rougier, Ricardo Rodrigo, Ștefan Milota, Mircea Gherase, Laurențiu Sarcină, Oana Moldovan, Ion Cornel Băltean, Vlad Codrea, Shara E. Bailey, Robert G. Franciscus, Marcia Ponce de León, Christoph P. E. Zollikofer: : The Peștera cu Oase and early modern humans in Southeastern Europe. In: Nicholas J. Conard (Hrsg.): When Neanderthals and modern humans met. Kerns, Tübingen 2006, ISBN 3-935751-03-6, S. 145–164.
  6. Andrei Soficaru, Adrian Doboş, Erik Trinkaus: Early modern humans from the Peștera Muierii, Baia de Fier, Romania. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Bd. 103, Nr. 46, 2006, S. 17196–17201, doi:10.1073/pnas.0608443103.
  7.  Erik Trinkaus: Early Modern Humans. In: Annual Review of Anthropology. Bd. 34, 2005, ISSN 0084-6570, S. 207–230, doi:10.1146/annurev.anthro.34.030905.154913.