Peco Bauwens

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Peco Bauwens (2. von links)

Peco Bauwens (eigentlich Peter Joseph Bauwens; * 24. Dezember 1886 in Köln; † 24. November 1963 ebenda) war ein deutscher Fußball-Nationalspieler, internationaler Schiedsrichter und von 1950 bis 1962 erster Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach dem Zweiten Weltkrieg (insgesamt der fünfte), danach Ehrenpräsident des DFB. Umstritten ist sein Verhalten während der Zeit des Nationalsozialismus.

Jugend[Bearbeiten]

Bauwens entstammte einer bürgerlichen, musisch geprägten Familie. Während seines Studiums wurde er Mitglied des Corps Saxonia Bonn, einer schlagenden, farbentragenden Studentenverbindung im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Durch das gesellschaftliche Umfeld eher zum Tennis neigend, folgten die Eltern einer dringenden ärztlichen Empfehlung, den Sohn Fußball spielen zu lassen. Denn nach einem schweren Unfall war sogar die Amputation eines Beines in Erwägung gezogen worden. Durch den ungeliebten „Proletensport“ Fußball zeigten sich jedoch bald Fortschritte. Als Schüler war er einer der Pioniere des Mittelrheinligisten SC Brühl, dem er ein Leben lang verbunden blieb. Er wechselte von dort zum KFC 1899 (dem späteren VfL 99 Köln). Hier entwickelte er sein fußballerisches Können so weit, dass er sogar im Jahre 1910 für ein Länderspiel in die Nationalmannschaft berufen wurde. Hier allerdings half er nur aus, da ein Ersatzmann gesucht wurde und er gerade zur Stelle war. In den Anfangstagen konnte man es noch auf diese Art zu einem Einsatz in der Nationalmannschaft bringen.

Internationaler Schiedsrichter[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg entschied er sich für die Laufbahn des Schiedsrichters. Er leitete dabei allein 82 Länderspiele, u.a. das Finale bei den Olympischen Spielen 1936, aber auch viele deutsche Begegnungen bis hin zu Meisterschafts-Endspielen. Es wurde damals als besondere Ehre angesehen, dass er auch auf britischem Boden, der Heimat des Fußballs, pfeifen durfte. Bauwens leitete 1922 auch die beiden Endspiele um die deutsche Meisterschaft zwischen dem Hamburger SV und dem 1. FC Nürnberg. Das Wiederholungsspiel brach er in der Halbzeitpause der Verlängerung ab, da die Nürnberger durch Platzverweise und Verletzungen nur noch sieben Spieler anstatt der damals vorgeschriebenen acht zur Verfügung hatten. Der Spielabbruch führte zu einer heftigen Kontroverse zwischen den beteiligten Vereinen und schließlich dazu, dass im Jahr 1922 kein Deutscher Meister gekürt wurde.[1]

Privat war Bauwens finanziell unabhängig und widmete sich dem Fußball ehrenamtlich. Er war unternehmerisch im Baugeschäft tätig und in seiner Heimatstadt Köln Präsident der deutsch-belgisch-luxemburgischen Handelskammer. Seine Firma war in einer offiziellen Liste von 2500 „Sklavenhaltern im NS-Regime“ der Alliierten vertreten. Sie betrieb ein Zwangsarbeiterlager mit 100 Insassen.

Politik und Familie[Bearbeiten]

Bauwens trat im Jahre 1933 der NSDAP bei, wurde aber wohl schon ein Jahr später wieder ausgeschlossen, da er mit einer jüdischen Frau verheiratet war. Trotz seiner herausgehobenen Position musste die Familie viele Repressalien erdulden. Elisabeth Bauwens, geborene Gidion nahm sich schließlich aufgrund der zunehmenden Schikanen seitens der Nationalsozialisten am 16. April 1940 das Leben. Peco (Peter) Bauwens war in zweiter Ehe mit Hannelore Bauwens, geborene Schultheiss aus Hellenthal verheiratet und lebte mit ihr in Köln-Marienburg.

Funktionär für DFB und FIFA[Bearbeiten]

Seit 1925 engagierte sich Bauwens im Auftrag des DFB auch in Gremien des Weltfußballverbands FIFA, 1932 wurde er in dessen Exekutiv-Vorstand gewählt. Dabei trat er besonders dafür ein, dass der deutsche Verband (mit rund 8,3 Millionen Mitgliedern damals immerhin die größte Sportorganisation der Welt) eine wichtigere Rolle im Weltverband spielen sollte als die Verbände aus kleineren oder gar Zwergstaaten, die alle das gleiche Stimmrecht hatten.

Im Jahre 1950 wurde Peco Bauwens zum ersten Präsidenten des DFB nach dem Zweiten Weltkrieg gewählt.

Einen besonderen Eklat gab es, als er nach dem deutschen Sieg in der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz 1954 im Löwenbräukeller in München zu Ehren der „Helden von Bern“ eine Rede hielt.

„Das deutsche Volk in seiner ganzen Breite, vom Kleinsten bis zum Größten, hat irgend etwas jetzt empfunden, was Begeisterung heißt für eine edle Sache, die edle Sache des Sports.
Die Jugend braucht immer Begeisterung. Und wenn man sie nicht auf ein Feld bringt, was so schön, so edel in jeder Beziehung ist, wo Körper und Geist sich zu einem zu vereinigen bringt, dann allerdings ist eine Gefahr da, die wir ja in den letzten Jahren so oft gehabt haben. Und deshalb ist es eine Pflicht direkt für den Staat und für alles, was damit zusammenhängt, dieser Jugend zu helfen, wie sie heute sich so deutlich gezeigt hat. Und nicht nur der Jugend. Die ältesten Semester standen auf dem Acker mit dem Dreschflegel und winkten. Und die Menschen im Kloster und der Priester hob seinen Hut ab […]
Es war wirklich etwas so Hinreißendes, das wirklich zeigt, dass es eine Volksbewegung geworden ist, die etwas gelenkt und gesteuert und gefördert werden muss von unserem Staat.“

Entsetzt brachen die Hörfunk-Redakteure des Bayerischen Rundfunks die Live-Übertragung ab. Äußerungen dieser Art waren für die damalige Zeit unerhört. Kritiker interpretierten diese Ausführungen als „Hochlebenlassen des Führerprinzips“.

Peco Bauwens übte das Amt des DFB-Präsidenten bis zum Jahre 1962 aus und wurde danach Ehrenpräsident, verstarb aber bereits im Jahr darauf.

Bewertung[Bearbeiten]

In der Nachkriegszeit wurde Bauwens zur Zielscheibe von Kritikern, die ihm eine kritiklose Nähe zum Nationalsozialismus vorwarfen. Einer der Vorwürfe war, durch die Unterdrückung der Stimmen anderer Verbände habe er die Welteroberungspolitik Hitlers im Fußball vorwegnehmen wollen. Er selbst hat bei solchen Angriffen jeweils auf das Schicksal seiner jüdischen Frau verwiesen.

Der bei Bonn ansässige Politikwissenschaftler Arthur Heinrich hat in der Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit vom 16. März 2006 scharfe Kritik an der Person Bauwens sowie an der Vergangenheitsaufarbeitung des DFB geübt. Nach den Worten Heinrichs waren weder die akademischen Würden des Juristen Bauwens, noch seine vorgebliche Ablehnung des Naziregimes, noch die von ihm angegebenen Todesumstände seiner Frau der Wahrheit entsprechend. Vielmehr habe Bauwens 1933 einen Mitgliedsantrag an die NSDAP gestellt, der aus Gründen seiner Ehe mit der Elise Gidion, einer Jüdin aus einer Kölner Kaufmannsfamilie, allerdings abgelehnt wurde. Der Autor legt gar nahe, dass Peco Bauwens am Tod seiner Frau, wenn auch nicht aktiv eingriff, so doch möglicherweise die Mittel zur Selbsttötung zur Verfügung stellte.[2]

Auf dem internationalen Parkett erinnerte man sich nach dem Weltkrieg an seine Arbeit in den FIFA-Gremien und seine Versuche, die Dominanz der französischsprachigen Welt im Fußball zu beschneiden zugunsten der großen Verbände aus Deutschland und Italien - der europäischen Achsenmächte.

Seit den neunziger jahren des zwanzigsten Jahrhunderts war in Deutschland wiederholt Kritik an der Vergangenheitsbewältigung des DFB aufgekommen, weil eine halbwegs ausführliche Darstellung seiner Geschichte während der Herrschaft des Nationalsozialismus noch immer fehlte. Eine solche wurde sogar vom Bundespräsidenten Johannes Rau im Jahre 2000 am DFB-Gründungsort Leipzig ausdrücklich angemahnt. Peco Bauwens spielte bei der Bewertung der Frage, wie unpolitisch Fußball sein kann, eine zentrale Rolle. Der Mainzer Historiker Nils Havemann arbeitete im Auftrag des DFB die alten Quellen auf. Das Ergebnis erschien im Jahre 2005 in Buchform.

Bauwens gilt auch als einer der frühen Vermittler eines neuen Selbstbewusstseins der Westdeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Ausgelöst durch die wieder erlaubte Teilnahme deutscher Mannschaften an internationalen Wettkämpfen und den Sieg bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 entstand ein neues Bewusstsein des „Wir sind wieder wer!“ Bauwens hat das mit seinem Mangel an diplomatischem Geschick vermutlich zu früh und zu offen formuliert:

„Wenn aber andere auf dem Spielfeld herumturnen mit ihren Fahnen vor dem Spiel, dann geht es nicht an, dass unseren Leuten verboten wird, unsere stolze deutsche Fahne zu führen. Das lassen wir uns nicht gefallen. Unsere Mannschaft hat ihnen heute die Quittung gegeben.“

Bauwens führte den Sieg von Bern auf den Beistand des germanischen Kriegsgottes Wotan zurück. Das Führerprinzip in der Mannschaft sei gewahrt worden.

Verbot des Frauenfußballs unter Bauwens’ Präsidentschaft[Bearbeiten]

Am 30. Juli 1955 erklärte der Bundestag des DFB zum Thema Frauenfußball: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“ Einstimmig wurde beschlossen, „unseren Vereinen nicht zu gestatten, Damenfußball-Abteilungen zu gründen oder Damenfußball-Abteilungen bei sich aufzunehmen, unseren Vereinen zu verbieten, soweit sie im Besitz eigener Plätze sind, diese für Damenfußballspiele zur Verfügung zu stellen, unseren Schieds- und Linienrichtern zu untersagen, Damenfußballspiele zu leiten“.[3]

Bauwens selbst hatte einige Monate zuvor erklärt: „Fußball ist kein Frauensport. Wir werden uns mit dieser Angelegenheit nie ernsthaft beschäftigen.“[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nils Havemann, Fußball unterm Hakenkreuz - Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3593379066
  • Heiner Gillmeister, Fußball im Kölner Land. Die Geschichte des SC Brühl, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2012, ISBN 978-3-89533-881-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hardy Grüne: Vom Kronprinzen bis zur Bundesliga, Seite 77
  2. Eine saubere Geschichte
  3. DFB-Jahrbuch 1955
  4. Michael Bulla: Die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland …; S. 26
Vorgänger Amt Nachfolger
Vorsitzender des WFV
1947−1950
Konrad Schmedeshagen