Pedro Costa (Regisseur)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pedro Costa (* 30. Dezember 1958 in Lissabon) ist ein portugiesischer Filmregisseur.

Werdegang[Bearbeiten]

Er schloss die Escola Superior de Teatro e Cinema (ESTC) ab und assistierte im Anschluss verschiedenen Regisseuren, darunter 1985 João Botelho bei Um Adeus Português, und Joaquim Leitão bei Duma vez por todas (Ein für alle mal). 1989 drehte er seinen ersten langen Spielfilm, O Sangue (Das Blut). Der Schwarz-Weiß-Film ist ein aufwühlendes Werk über die Trennung zweier Brüder nach dem Verschwinden des Vaters, und zeigt bereits das kommende Grundthema des Schaffens Costas´, das sich mit den am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen befasst.

1994 filmte er für Casa de Lava ("Haus aus Lava") auf der kapverdischen Vulkaninsel Fogo. Der Film erzählt die Geschichte eines illegalen Einwanderers, der in Lissabon als Bauarbeiter verunglückt und von einer portugiesischen Krankenschwester (gespielt von Inês de Medeiros) in seine kapverdische Heimat gebracht wird. Das Werk wurde mehrfach ausgezeichnet (u.a. Internationales Filmfestival Thessaloniki, Entrevues Film Festival). Bei den Dreharbeiten lernte Costa etwas Kapverdisches Kreol und kam den Einwohnern Fogos näher. Diese gaben ihm zum Abschied Päckchen mit, die er Angehörigen in Lissabon übergeben sollte. Bei seinen entsprechenden Besuchen beeindruckte ihn das menschliche Panorama des inoffiziellen, in Portugals Medien meist nur als Problemviertel bekannten Lissabonner Einwandererviertels Fontaínhas (Kreis Amadora). Er drehte seine nächsten drei Filme dort, die auch als Fontaínhas-Trilogie bekannten Ossos (Knochen, 1997), No Quarto da Vanda (In Vandas Zimmer, 2000) und Juventude em Marcha (Jugend voran, 2005)[1]. Vor allem In Vandas Zimmer, das er überwiegend alleine mit einer Hand-Videokamera drehte, gewann dabei eine Reihe Preise, u.a. einen FIPRESCI-Preis und verschiedene Auszeichnungen beim Filmfestival Locarno und Cannes[2]. Auch der dritte Teil, Jugend voran über das Viertel nach dem Abriss seiner illegalen Bauten, überzeugte die Kritik (Preis der Los Angeles Film Critics Association, Nominierung für die Goldene Palme).

2001 drehte er in zwei Versionen, eine davon zusammen mit Jeanne Lapoirie, einen Dokumentarfilm über Danièle Huillet und Jean-Marie Straub (Où gît votre sourire enfoui?) für den Fernsehsender ARTE. Ähnlich wie Straub vertritt Costa ein raues, ungeschönt realistisches Kino. Costa arbeitet dabei bevorzugt ohne ein ausformuliertes und an alle Beteiligten verteiltes Drehbuch[3].

Pedro Costa schrieb zu allen seinen Filmen auch das Drehbuch, und bei In Vandas Zimmer führte er auch die Kamera. [4] [5]

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1984: É Tudo Invenção Nossa
  • 1989: Das Blut ("O Sangue")
  • 1994: Casa de Lava
  • 1997: Haut und Knochen ("Ossos")
  • 2000: In Vandas Zimmer ("No Quarto da Vanda")
  • 2001: 6 Bagatelas (Video)
  • 2001: Cinéma, de notre temps" (TV-Folge, Danièle Huillet/Jean-Marie Straub)
  • 2001: Où gît votre sourire enfoui?
  • 2005: Ne change rien
  • 2005: Jugend voran! ("Juventude Em Marcha")
  • 2007: O Estado do Mundo (Beitrag Tarrafal)
  • 2007: Memories (Beitrag The Rabbit Hunters)
  • 2009: Ne change rien
  • 2010: O nosso Homem

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. Murtinheira, I. Metzeltin: Geschichte des Portugiesischen Kinos. Praesens Verlag, Wien 2010, Seite 134f
  2. http://www.imdb.com/name/nm0182276/awards
  3. A. Murtinheira, I. Metzeltin: Geschichte des Portugiesischen Kinos. Praesens Verlag, Wien 2010, Seite 135
  4. Jorge Leitão Ramos Dicionário do Cinema Português 1989 - 2003, Editorial Caminho, Lissabon 2005, Seite 171
  5. http://www.sensesofcinema.com/2009/cteq/o-sangue/