Pelé
| Pelé | ||
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| Spielerinformationen | ||
|---|---|---|
| Voller Name | Edson Arantes do Nascimento[1] | |
| Geburtstag | 23. Oktober 1940[1] | |
| Geburtsort | Três Corações, Brasilien | |
| Größe | 173 cm | |
| Position | Sturm | |
| Vereine in der Jugend | ||
| 1952–1956 | Bauru AC | |
| Vereine als Aktiver | ||
| Jahre | Verein | Spiele (Tore)1 |
| 1956–1974 1975–1977 |
FC Santos New York Cosmos |
638 (619) 64 (37) |
| Nationalmannschaft | ||
| 1957–1971 | Brasilien | 92 (77) |
| 1 Angegeben sind nur Liga-Spiele. | ||
Pelé – eigentlich Edson Arantes do Nascimento, in seiner Geburtsurkunde als Edison Arantes do Nascimento vermerkt[2][1] – (* 23. Oktober 1940[1] in Três Corações, Bundesstaat Minas Gerais, Brasilien) ist ein ehemaliger brasilianischer Fußballprofi und Sportminister.
Der Ausnahmespieler erhielt von der FIFA die Auszeichnung als Weltfußballer des 20. Jahrhunderts und wurde vom IOC zum Sportler des Jahrhunderts ernannt. Von Experten und Kritikern wird Pelé gemeinhin als "bester Fußballspieler aller Zeiten" bezeichnet. Seinen Ruhm begründete Pelé nicht zuletzt durch den dreifachen Gewinn der Weltmeisterschaft (1958, 1962, 1970), sowie der Rekordmarke von 1.281 Toren in 1.363 Spielen (Quote: 0,94). Mit 77 Treffern ist er u.a. Rekordtorschütze der brasilianischen Nationalmannschaft. Im Trikot seines langjährigen Vereins, dem FC Santos, gewann er in 17 Jahren insgesamt 26 Titel.
Nach seiner aktiven Karriere nutzte Pelé seine Popularität für die Arbeit in seiner Sport-Marketing Agentur und war sogar brasilianischer Sportminister (1995 bis 1998).
In Brasilien wird er auch als Pérola Negra (Schwarze Perle), O Rei do Futebol (König des Fußballs), O Rei Pelé (König Pelé) oder einfach als O Rei (Der König) bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
Jugend [Bearbeiten]
Der Junge erblickte am 23. Oktober 1940 in Três Corações, einer Kleinstadt im Süden des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais, das Licht der Welt. Er war das erste Kind des Provinzfußballers João Ramos do Nascimento ("Dondinho") und dessen Ehefrau Maria Celeste Arantes. In Anlehnung an den weltberühmten Erfinder Thomas Alva Edison gaben seine Eltern ihm den Vornamen Edson, aus dem allerdings aufgrund eines Rechtschreibfehlers in der Geburtsurkunde Edison wurde[3][1][1]. Im Laufe seines Lebens erklärte Pelé immer wieder, dass er auf der Verwendung des Namens Edson bestünde.
Unglücklicherweise hatte Vater Dondinho seine hoffnungsvolle Profikarriere nach nur einem Spiel für Atlético Mineiro aufgrund einer komplizierten Knieverletzung beenden müssen und war daher gezwungen, sich bei unterklassigen Vereinen durchzuschlagen. 1944 wurde er vom Bauru Atlético Clube (BAC) verpflichtet und zog mit seiner Familie nach Bauru (Bundesstaat São Paulo). Doch die erhoffte Verbesserung der wirtschaftlichen Situation stellte sich durch den Umzug nicht ein und auch in Bauru lebten sie weiterhin in ärmlichen Verhältnissen. Das spärliche Spielergehalt des Vaters reichte nicht aus, um die inzwischen fünf Familienmitglieder, der kleine Edson hatte mit Jair ("Zoca") und Maria Lúcia zwei Geschwister bekommen, zu ernähren, weshalb Dona Celeste als Wäscherin Geld dazuverdienen musste. Um selbst etwas Taschengeld zu verdienen, verdingte sich Edson als Schuhputzer am Bahnhof und den wohlhabenderen Stadtvierteln Baurus oder erledigte Botengänge für seine Mutter. Edson, den alle liebevoll nur "Dico" riefen, besuchte die Grundschule Ernesto Monte, war allerdings kein guter Schüler, da er häufig den Unterricht schwänzte. Viel lieber spielte er Fußball und schon in jungen Jahren war ihm klar, dass er einmal in die Fußstapfen seines Vaters treten und Profi werden wollte. Nahezu jede freie Minute spielte Edson in der Straßenmannschaft Sete de Setembro, deren Spielbälle lediglich aus zusammengebundenen Socken oder einer Grapefruit bestanden. Sie waren auch unter dem Namen die "Schuhlosen" bekannt, denn keines der Kinder konnte sich ordentliche Schuhe leisten.
Während dieser Zeit entstand der Spitzname "Pelé", dessen genaue Herkunft ungeklärt bleibt. In seiner Autobiografie behauptet er, als Kind für "Bilé", den Torhüter von Vasco São Lourenço geschwärmt zu haben. Durch die ungenaue Aussprache entwickelte sich daraus "Pilé", was letztendlich zu "Pelé" wurde. Somit hat der Name des wohl berühmtesten Fußballers der Welt keine besondere Bedeutung und wurde von seinem Träger anfangs nicht einmal sonderlich gemocht.
Im Jahr 1952 gründete der BAC die Jugendmannschaft "Baquinho" und engagierte den ehemaligen brasilianischen Nationalspieler Waldemar de Brito als Trainer. Dieser sichtete einige der hoffnungsvollsten Talente der Stadt, zu denen auch Pelé gehörte und holte sie in die Mannschaft. Dort erfuhr der Elfjährige eine professionelle Förderung und spielte erstmals in Fußballschuhen auf einem richtigen Platz. Baquinho sorgte bei Jugendturnieren für einiges Aufsehen und insbesondere der schwarze Mittelstürmer namens Pelé wusste zu überzeugen. Er war der mit Abstand beste Spieler der Mannschaft und ihm sollen in 33 Spielen sagenhafte 148 Tore gelungen sein.
Vereinskarriere [Bearbeiten]
FC Santos (1956 bis 1974) [Bearbeiten]
De Brito erkannte das enorme fußballerische Potential Pelés und arrangierte im Frühjahr 1956 ein Probetraining beim FC Santos, dem amtierenden Staatsmeister São Paulos. Seinen Schützling stellte er den Verantwortlichen mit den Worten vor, dieser habe das Talent einmal "der größte Fußballer der Welt zu werden." Pelé ließ der Ankündigung de Britos Taten folgen und wusste Cheftrainer Lula zu überzeugen, der ihn sofort verpflichtete. Der dünne, schwarze Junge beendete die Schule ohne Abschluss, verließ das Armenviertel Baurus und zog allein in die bedeutende Hafenstadt Santos vor den Toren São Paulos, um Fußballprofi zu werden. Der erst 15-jährige Pelé unterschrieb sogar einen Amateurvertrag, der ihm neben 6.000 Cruzeiros monatlich auch eine Unterkunft garantierte und trainierte fortan mit dem Profikader, spielte aber noch für die Juniorenteams.
Wenige Monate später, am 7. September 1956, absolvierte Pelé seine erste Partie im Seniorenbereich. Im Freundschaftsspiel gegen Corinthians Santo André wurde er zur zweiten Halbzeit eingewechselt und konnte mit einem Treffer zum 7:1-Sieg seine Fähigkeiten andeuten. Zu Beginn des Jahres 1957 rückte Pelé schließlich dauerhaft in den Profikader auf und war schon nach wenigen Einsätzen Stammspieler. Mit nur 16 Jahren wurder er in seiner ersten vollen Saison Torschützenkönig (36 Tore in 29 Spielen) der Campeonato Paulista (Staatsmeisterschaft der Bundesstaates São Paulo). Der als Pérola Negra (Schwarze Perle) gefeierte Wunderstürmer debütierte noch im Juli 1957 in der Nationalmannschaft und gewann mit ihr bei der Weltmeisterschaft 1958 den Titel. Pelé kehrte als Weltstar in sein Heimatland zurück und wurde ehrfurchtsvoll O Rei (der König) genannt. Dieser Triumph sollte sich auch finanziell lohnen und Pelé unterschrieb seinen ersten Profivertrag bei Santos, der ihm ein monatliches Grundgehalt von umgerechnet 7.000 DM garantierte (damit war sein Gehalt höher als das des brasilianischen Staatspräsidenten). Dieser Schritt war notwendig geworden, denn sein Auftritt bei der WM in Schweden hatte die Begehrlichkeiten finanzstarker europäischer Vereine (Real Madrid, Juventus Turin, Inter Mailand, AC Mailand) geweckt. Diese boten astronomische Ablösesummen und Gehälter, doch die brasilianische Regierung erklärte den Ausnahmefußballer für unverkäuflich und bezeichnete ihn als "nationales Gut."
Nach der Weltmeisterschaft stellten sich für Pelé neben dem finanziellen Erfolg auch die ersten Titel auf Vereinsebene ein: 1958 wurde Santos Meister der Campeonato Paulista und Pelé mit rekordverdächtigen 58 Treffern (bei 38 Spielen) erneut Torschützenkönig. Siege im Taça Brasil, dem Vorläufer einer nationalen Meisterschaft, und im prestigeträchtigen Torneio Rio-São Paulo folgten. Diese Siege waren der Beginn von "Super Santos", das innerhalb weniger Jahre zur besten Vereinsmannschaft Südamerikas aufstieg. Zu Beginn der 1960er Jahre gewann Santos rund 85 Prozent seiner Spiele, wobei die Gegner teilweise regelrecht deklassiert wurden und Kantersiege keine Seltenheit waren. Durch geradliniges Kurzpassspiel, elegante Kombinationen sowie nie vorherzusehende technische Finten und Finessen wusste die Mannschaft zu überzeugen, was ihr den Namen "ballet blanco" (weißes Ballett) einbrachte. Teilweise überforderte Gegner wussten sich häufig nur mit rüder, überharter Spielweise oder verbalen Sticheleien zu helfen. Unbestrittener Star war Pelé und obwohl er mit 40 bis 50 Saisontoren regelmäßig die mit Abstand meisten Treffer erzielte, war Santos nicht bloß eine "One-Man-Show". Seine Mitspieler stellten den Kern der brasilianischen Nationalmannschaft und man konnte mit weiteren Ausnahmekönnern wie Torwart Gilmar, den Abwehrspielern Mauro Ramos und Calvet, Spielmacher Zito, Linksaußen Pepe und Pelés Sturmpartner Coutinho aufwarten. Den Zenit dieser Mannschaft markierten sicherlich die Jahre 1962 und 1963. 1962 war mit fünf Titeln das bisher erfolgreichste Jahr der Klubgeschichte: Nach Siegen über Peñarol Montevideo (2:1, 2:3, 3:0) gewann Santos erstmals die Copa Libertadores, das südamerikanische Gegenstück zum Europapokal der Landesmeister und sogar den Weltpokal gegen Benfica Lissabon (3:2, 5:2). Im Folgejahr gelang sowohl in der Copa Libertadores (3:2 und 2:1 gegen die Boca Juniors), als auch im Weltpokal (2:4, 4:2 und 1:0 gegen den AC Mailand) die viel umjubelte Titelverteidigung.
Während der 1960er Jahre war der FC Santos eine regelrechte "Fußballmaschine", die zahlreiche finanziell lukrative Freundschaftsspiele rund um den Globus absolvierte (22 Partien in sechs Wochen waren keine Seltenheit). Zur damaligen Zeit war das die einzige Möglichkeit dem weltweiten Publikum Superstar Pelé zu präsentieren und ihn live spielen zu sehen. Nicht zuletzt standen auch kommerzielle Interessen der Vereinsführung hinter diesen Partien, die notwendig waren, um die hohen Spielergehälter zahlen zu können. 1967 unterbrachen die Konfliktparteien des nigerianischen Bürgerkriegs sogar die Kampfhandlungen, nur um Santos und Pelé in Lagos spielen sehen zu können. Denn Pelé war aufgrund seiner Hautfarbe insbesondere für die Menschen in Afrika eine Art positiver Symbolfigur.
Ein besonderes Datum in der außergewöhnlichen Karriere Pelés war der 19. November 1969. An diesem Tag schoss er in der Partie gegen CR Vasco da Gama (2:1) sein 1.000. Tor, das als "O Milésimo" gefeiert wurde. Als der Angreifer, schon damals ein Nationalheld, in der 34. Minute den Treffer per Foulelfmeter erzielte, stürmten jubelnde Fans, Fotografen und Journalisten den Rasen des Maracanã-Stadions und das Spiel musste für 20 Minuten unterbrochen werden. Auch die brasilianische Militärjunta wusste das Ereignis medienwirksam für sich zu nutzen, indem Präsident Emílio Médici Pelé öffentlich gratulierte und ihm einen goldenen Ball überreichte. Zudem gab die brasilianische Post eigens zu diesem Anlass eine Briefmarke heraus.
Anfang der 1970er Jahre war Santos nicht mehr die dominierende Mannschaft des Landes und hatte den Glanz vergangener Jahre verloren. Auch bei Pelé wurden Anzeichen des körperlichen Verschleißes erkennbar. Jährlich 80 bis 90 Partien, nicht selten verbunden mit anstrengenden Auslandsreisen, noch dazu unzählige Fouls waren auch an ihm nicht spurlos vorüber gegangen und hatten ihren Tribut gefordert. Auf dem Platz wirkte der Spieler häufig müde, abwesend und nicht austrainiert. Nach 17 Jahren und 26 Titeln mit dem FC Santos, erklärte Pelé 1974 seinen Rücktritt vom aktiven Profisport. Sein letztes Spiel bestritt er am 2. Oktober 1974 gegen AA Ponte Preta (2:0).
New York Cosmos (1975 bis 1977) [Bearbeiten]
Doch sein Rücktritt sollte nicht von langer Dauer sein. Unseriöse Geschäftspartner hatten nahezu Pelés gesamtes Vermögen in einem riskanten Immobiliengeschäft veruntreut und die Gläubiger forderten rund zwei Millionen US-Dollar von ihm. Aufgrund dieser finanziellen Sorgen sah sich Pelé gezwungen seine bereits beendete Karriere wieder aufzunehmen. Er kündigte seinen Rücktritt auf und unterschrieb einen Vertrag bei New York Cosmos aus der nordamerikanischen Profiliga NASL, der ihm rund sechs Millionen Dollar einbrachte[4]. Ziel der Ligaverantwortlichen war es, Soccer in den USA mehr Popularität zu verschaffen und da bot es sich geradezu an, den "König des Fußballs" zu verpflichten. Pelé brachte einen nie geahnten Glanz in den bisher tristen US-Fußball und weitere Altstars wie George Best, Johan Cruyff oder Franz Beckenbauer (ab 1977 Pelés Mannschaftskamerad bei Cosmos) taten es ihm nach und sorgten für einen kurzlebigen "Fußball-Boom" in den Vereinigten Staaten.
Im Juni 1975 kehrte Pelé auf den Platz zurück und spielte bis 1977 für Cosmos, dem Jahr, das mit dem Gewinn der US-Meisterschaft gekrönt wurde. Am 1. Oktober 1977 beendete er endgültig seine Karriere und zu diesem Anlass veranstaltete man ein Abschiedsspiel zwischen Cosmos und dem FC Santos (2:1). Das US-Fernsehen übertrug das Sportereignis live und bettete das Spiel in einen glamourösen Show-Akt ein, bei dem neben Pelés Vater Dondinho und Bruder Zoca weitere Sportgrößen wie Muhammed Ali oder Bobby Moore eingeladen waren.
Nationalmannschaft [Bearbeiten]
Bereits sieben Monate nach seinem Pflichtspieldebüt für Santos wurde Pelé mit nur 16 Jahren in den Kader der brasilianischen Nationalmannschaft berufen und absolvierte am 7. Juli 1957 gegen Argentinien (1:2) sein erstes Länderspiel. Er feierte einen Einstand nach Maß, da er das einzige Tor für seine Mannschaft erzielte und ist bis heute der jüngste Torschütze der Seleção.
WM 1958 [Bearbeiten]
Im Folgejahr gehörte er zum brasilianischen WM-Kader und war mit 17 Jahren der jüngste Spieler des Turniers. Aufgrund einer leichten Blessur wurde er in den ersten beiden Vorrundenspielen (3:0 gegen Österreich, 0:0 gegen England) nicht berücksichtigt, doch als die Mannschaft nach holprigem Start von Nationaltrainer Vicente Feola Veränderungen forderte, brachte dieser mit Garrincha, Zito und eben Pelé neue Spieler für die dritte Partie gegen die Sowjetunion. Mit ihrer revolutionären 4-2-4-Formation um die Offensivreihe Garrincha, Vavá, Pelé und Mário Zagallo begeisterten die Brasilianer das Publikum und ließen der Sowjetunion beim 2:0-Sieg keine Chance. Durch diese überzeugende Leistungen rückten sie ins Viertelfinale vor und rannten zunächst vergeblich gegen das walisische Abwehrbollwerk an und es war Pelé, der die Mannschaft mit seinem goldenen Tor zum 1:0 erlöste. Nun folgten die starken Franzosen und die Halbfinalpartie wurde sogar als vorweggenommenes Endspiel bezeichnet. Der überragende Pelé beförderte die Seleção mit einem Hattrick binnen zwölf Minuten (53., 64., 75.) fast im Alleingang ins Finale (Endstand 5:2). Die Fußballwelt staunte über den leichtfüßigen schwarzen Jungen aus dem brasilianischen Hinterland, der die gestandenen europäischen Verteidiger spielend leicht umdribbelte. Sein Ballgefühl war unerreicht und seine Frechheit beinahe "dreist." Brasilien ging als klarer Favorit ins Endspiel gegen Schweden, die gegen den südamerikanischen Fußball vom anderen Stern absolut chancenlos waren und deutlich mit 5:2 unterlagen. Wiederum war Pelé der alles überragende Spieler, von niemandem auszuschalten und krönte seine Leistung mit zwei sehenswerten Toren. Die Brasilianer waren erstmals Fußballweltmeister und hatten sich vom "Fluch" des Maracanaço befreit. Die ergreifenden Bilder des weinenden Pelé, der sich an Gilmars Schulter anlehnte, gingen um die Welt. Plötzlich war er ein Star und das Gesicht "des Königs" (O Rei) prangte auf zahllosen Titelbildern.
Mit sechs Treffern in vier Spielen war Pelé zweitbester Torschütze des Turniers und wurde nachträglich zum besten jungen Spieler der WM gewählt. Daneben hatte er zahlreiche Rekorde aufgestellt: Jüngster Spieler, jüngster Torschütze und jüngster Endspielteilnehmer einer WM, sowie jüngster Weltmeister.
WM 1962 [Bearbeiten]
Mit einem Großteil der Weltmeisterelf von 1958 reisten die Brasilianer vier Jahre später nach Chile, lediglich der erkrankte Nationaltrainer Feola wurde von Aymoré Moreira vertreten. Alle Augen richteten sich auf Pelé, dessen Auftritt von der Fußballwelt mit Spannung erwartet wurde. Erwartungsgemäß startete Brasilien mit einem 2:0 über Mexiko und Pelé war mit einem Torerfolg sowie einer Vorlage der Mann des Spiels. Doch schon im zweiten Gruppenspiel gegen die CSSR (0:0) war die WM für ihn beendet: Bei einem Schussversuch zog sich Pelé eine Oberschenkelverletzung zu und musste für den Rest der Partie auf dem Flügel "geparkt" werden. Den weiteren Turnierverlauf verbrachte er als Zuschauer auf der Tribüne. Zwar kamen immer wieder Gerüchte auf, Pelé würde wieder gesund und könne zumindest im Endspiel auflaufen, doch die Welt hoffte vergeblich auf die Fähigkeiten des Masseurs und "Wunderheilers" Mário Américo. Der Mannschaft gelang es den Verlust ihres Superstars zu kompensieren und verteidigte den WM-Titel souverän (3:1 im Finale gegen die CSSR).
WM 1966 [Bearbeiten]
Im Vorfeld der Weltmeisterschaft in England wurden die Brasilianer als große Favoriten gehandelt und strebten selbstbewusst die erneute Titelverteidigung an. Allerdings verlief die Vorbereitung auf die Endrunde eher problematisch: Trainer Feola gelang es nicht eine funktionierende Stammformation zu finden, da sich geltungsbedürftige Verbandsfunktionäre immer wieder einmischten. Brasilien startete zwar mit einem 2:0 über Bulgarien (ein Freistoßtor von Pelé) ordentlich ins Turnier, doch Pelé wurde von den Gegenspielern extrem hart angegangen und beschwerte sich vergeblich bei der FIFA über dieses Vorgehen. Daher wurde er im folgenden Spiel geschont, doch das überhebliche Auftreten der Mannschaft führte zur sensationellen Niederlage gegen Ungarn (1:3). Zum Eklat kam es in der entscheidenden dritten Partie, als Pelé von den portugiesischen Verteidigern wie Freiwild regelrecht gejagt und zusammengetreten wurde. Verletzt musste er auf den Außenbahn "geparkt" werden und konnte die 1:3-Niederlage nicht verhindern, die zum sensationellen Ausscheiden Brasiliens bereits nach der Vorrunde führte. Pelé reagierte verärgert über die Tatenlosigkeit der FIFA und erklärte, nicht mehr an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu wollen.
WM 1970 [Bearbeiten]
Unter dem neuen Nationaltrainer João Saldanha fand Pelé zunächst keine Berücksichtigung mehr für die Seleção und bestritt fast zwei Jahre lang kein Länderspiel. Saldanha demontierte den Nationalhelden öffentlich, indem er behauptete Pelé sei alt und übergewichtig geworden und leide außerdem unter einer Sehschwäche. Erst unter massivem Druck der brasilianischen Regierung im Vorfeld der WM 1970 kehrte er in die Nationalmannschaft zurück. Der eigensinnige Saldanha war mit dieser Einmischung der Politik in seine Arbeit nicht einverstanden und trat von seinem Amt zurück. Nachfolger wurde Pelés ehemaliger Mannschaftskamerad Mário Zagallo, der ihn gleich wieder zum Stammspieler machte. Pelé ging hochmotiviert in die Turniervorbereitung und nach harter, gewissenhafter Trainingsarbeit reiste er in Topform nach Mexiko.
Dort wurde Brasilien noch vor Titelverteidiger England Sieger der Gruppe C (drei Pelé-Treffer) und war absoluter Turnierfavorit. Zagallo war es gelungen, die hochbegabten Individualisten zu einer homogenen und funktionierenden Einheit zu formen. Die unglaubliche Offensivabteilung um Pelé, Jairzinho, Tostão, Gérson und Roberto Rivelino spielte die Gegner reihenweise schwindelig. Durch ständige Positionswechsel waren sie kaum auszurechnen und angetrieben von Pelé, der wie zu besten Zeiten zauberte, zeichneten sie sich durch unbedingten Siegeswillen aus. Innerhalb der Mannschaft herrschte eine tolle Atmosphäre und die Elf von 1970 wird noch heute als "beste brasilianische Nationalmannschaft überhaupt" bezeichnet. In der K.O.-Phase setzten sie sich ungefährdet gegen Peru (4:2) und Uruguay (3:1) durch und trafen im Finale auf Italien. Die überforderte "Squadra Azzurra" wurde von den wie entfesselt aufspielenden Brasilianern mit 4:1 überrollt, wobei Pelé mit einem sehenswerten Kopfballtor das wichtige 1:0 gelungen war. Nach dem Schlusspfiff nahm er ausgelassen den Coupe Jules-Rimet entgegen.
Im Folgejahr bestritt Pelé sein letztes Länderspiel. Am 18. Juli 1971 streifte er sich gegen Jugoslawien (2:2) letztmals das gelbe Nationaltrikot über und wurde von 180.000 Zuschauern im Maracanã-Stadion enthusiastisch verabschiedet. Mit 77 Treffern bei insgesamt 92 Spielen ist er bis heute Rekordtorschütze Brasiliens.
Als Pelé im Vorfeld der WM 1974 öffentlich zu einer Rückkehr gedrängt wurde und sogar die Staatsführung Druck ausübte, blieb er hart und lehnte ab.
Spielweise [Bearbeiten]
Pelés Ausnahmestellung im Fußball wird unter anderem damit begründet, dass er eine hervorragende Technik, Schnelligkeit und Beweglichkeit aufwies. Er war mit beiden Füßen gleichermaßen technisch begabt und traf auch mit dem Kopf. Vor allem habe er sofort und intuitiv erkennen können, wie und in welche Richtung sich der Gegenspieler bewegen würde.[4] Damit habe er ein Körpergefühl entwickelt wie nur noch wenige andere Sportler.
Titel & Auszeichnungen [Bearbeiten]
Nationalmannschaft [Bearbeiten]
Weltmeister (3): 1958, 1962, 1970
Vereine [Bearbeiten]
- Staatsmeisterschaft Campeonato Paulista (10): 1958, 1960, 1961, 1962, 1964, 1965, 1967, 1968, 1969, 1973
- Torneio Rio-Sao Paulo (4): 1959, 1963, 1964, 1966
- Taça Brasil (5): 1961, 1962, 1963, 1964, 1965
- Torneio Roberto Gomes Pedrosa: 1968
- Copa Libertadores (2): 1962, 1963
- Weltpokal (2): 1962, 1963
- Supercopa de Campeones Intercontinentales[5]: 1968
- Recopa Intercontinental[6]: 1968
- US-Fußballmeister: 1977
Persönlich [Bearbeiten]
- Torschützenkönig Staatsmeisterschaft Campeonato Paulista (11): 1957 (20 Tore), 1958 (58 / Rekord!), 1959 (45), 1960 (34), 1961 (47), 1962 (37), 1963 (22), 1964 (34), 1965 (49), 1968 (26), 1973 (11)
- Torschützenkönig Torneio Rio-Sao Paulo (4): 1961 (7 Tore), 1963 (15), 1964 (3), 1965 (8)
- Torschützenkönig Taça Brasil (2): 1961 (9 Tore), 1963 (12)
- Torschützenkönig Copa Libertadores: 1963 (11 Tore)
- Torschützenkönig Copa America: 1959 (8 Tore)
- Bester Jungspieler der WM 1958
- Südamerikas Fußballer des Jahres 1973
Tore [Bearbeiten]
| FC Santos | Spiele | Tore | Torquote |
|---|---|---|---|
| Campeonato Paulista | 412 | 470 | 1,14 |
| Torneio Rio-São Paulo | 53 | 49 | 0,92 |
| Torneio Roberto Gomes Pedrosa | 56 | 36 | 0,64 |
| Taça Brasil | 33 | 30 | 0,91 |
| Campeonato Brasileiro | 84 | 34 | 0,40 |
| Copa Libertadores | 15 | 17 | 1,13 |
| Weltpokal | 3 | 7 | 2,33 |
| Andere | 10 | 3 | 0,33 |
| Pflichtspiele Gesamt | 666 | 646 | 0,97 |
| Freundschaftsspiele | 459 | 445 | 0,97 |
| Gesamt | 1115 | 1088 | 0,97 |
| New York Cosmos | |||
| NASL | 64 | 37 | 0,58 |
| Freundschaftsspiele | 43 | 27 | 0,63 |
| Gesamt | 107 | 64 | 0,60 |
| Brasilien | 92 | 77 | 0,84 |
| Andere | 39 | 49 | 1,26 |
| Gesamte Karriere | 1363 | 1281 | 0,94 |
Weiteres Leben [Bearbeiten]
Seit seinem Karriereende ist Pelé als "Staatsmann des Fußballs" unterwegs und betreut in seiner Eigenschaft als UN-Sonderbotschafter weltweit zahlreiche Entwicklungsprojekte. Weiterhin gründete er eine Sport-Marketing Agentur, die rund 20 Millionen US-Dollar jährlich umsetzt und ist aufgrund seiner enormen Popularität ein gefragter Werbestar (u.a. American Express, Pepsi, Viagra).
Pelé wendete sich sogar der Politik zu und Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso machte ihn von 1995 bis 1998 zum außerordentlichen Sportminister. Sein Einsatz für eine offenere Vermarktung von Fußballrechten rief Kritik hervor. Man warf ihm vor, nicht im Interesse des Fußballs, sondern in eigenem Interesse gehandelt zu haben, da eine von ihm erlassene Verordnung Sportmarketing-Firmen begünstige.
Am 10. Juni 2010 präsentierte er in Johannesburg (Südafrika) die Marke "Pelé Sports“, deren erste Kollektion aus Fußballschuhen mit den Modellnamen „1958“, „1962“ und „1970“ sowie Sport- und Lifestyletextilien besteht.
Familie [Bearbeiten]
Pelé heiratete am 21. Februar 1966 Rosemeri dos Reis Cholby. Aus dieser Verbindung gingen zwei Töchter sowie ein Sohn hervor. Diese Ehe wurde 1982 geschieden. In den 1990er Jahren erkannte Pelé die Vaterschaft für zwei uneheliche Töchter an. Seit April 1994 ist er mit der Psychologin und Gospelsängerin Assiria Lemos Seixas verheiratet, die nach künstlicher Befruchtung am 28. September 1996 durch Notkaiserschnitt Zwillinge gebar. Das Paar lebt inzwischen getrennt.
Ehrungen [Bearbeiten]
- 1997 wurde Pelé ehrenhalber als Commander in den Order of the British Empire aufgenommen.
- 1999 ernannte ihn die FIFA zum Weltfußballer des 20. Jahrhunderts.
- 1999 wählte ihn das Internationale Olympische Komitee zum Sportler des Jahrhunderts.
- 1999 wählten ihn das Magazin World Soccer zum größten Spieler des 20. Jahrhunderts
- Er ist Botschafter der UNESCO.
- Im November 2005 wurde Pelé Ehrenmitglied des Fußballvereins Rot-Weiss Essen. Bei Verleihung der Mitgliedsurkunde sagte Pelé: „Es ist für mich eine große Ehre, jetzt dem Verein anzugehören, in dem der ‚Boss‘ Helmut Rahn spielte.“
- Seit dem 30. Oktober 2007 ist Pelé Ehrenmitglied des Fußballvereins 1. FC Köln. Die Urkunde überreichte ihm im Rahmen eines Empfangs im Kölner Geißbockheim Wolfgang Overath, damaliger Präsident des 1. FC Köln.
- 2006 Goldener Rathausmann der Stadt Wien
Sonstiges [Bearbeiten]
- Er hat zum 100-jährigen Bestehen der FIFA am 4. März 2004 die Auswahl für die FIFA 100, eine Liste mit den 125 besten lebenden Fußballspielern aller Zeiten, vorgenommen.
- Aufgrund seines legendären Status' in der Fußballwelt wurde sein Name häufig als Synonym für einen überragenden Fußballer verwendet: So wurde Zico als weißer Pelé und Neymar als neuer Pelé bezeichnet. Die Fußballer Abédi Pelé und Claus-Dieter Wollitz trugen den Spitznamen Pelé.[7][8][9][10]
Zitate [Bearbeiten]
- "Nach dem fünften Tor wollte sogar ich applaudieren." - Sigvard Parling (Schweden) nach dem WM-Finale 1958
- "Als ich Pelé spielen sah, wollte ich meine Fußballschuhe nur noch an den Nagel hängen." - Just Fontaine, WM-Torschützenkönig 1958
- "Für mich war Pelé einfach der komplette Spieler, er hatte keine Schwächen." - Bobby Moore (England)
- "Vor dem Endspiel sagte ich zu mir: Pelé ist aus Fleisch und Knochen, so wie ich. Danach erkannte ich, dass ich Unrecht hatte." - Tarcisio Burgnich (Italien) nach dem WM-Finale 1970
- "Der beste Spieler aller Zeiten? Pelé. Messi und Cristiano Ronaldo sind beides großartige Spieler mit außerordentlichen Fähigkeiten, aber Pelé war besser." - Alfredo Di Stéfano
- "Ich hatte noch nie Idole. Aber da ich Brasilianer bin, bin ich wie alle anderen in diesem Land. Da wir gute Brasilianer sind, ist Pelé unser Gott, zumindest ist er meiner. Das Spiel dürfte eigentlich nicht Fussball heißen, sondern Pelé." - Romário
- "Es wird nur einen Pelé geben, wie es auch nur einen Frank Sinatra oder nur einen Michelangelo gegeben hat. Ich war der Beste." - Pelé
- "Arm, reich, hässlich oder schön, für Gott sind alle Menschen gleich. Warum er ausgerechnet mir diese Gabe geschenkt hat, weiß ich nicht. Ich hätte in meinem Leben nur Fußball spielen können. Michelangelo hat gemalt, Beethoven Klavier gespielt und ich Fußball." - Pelé
Film [Bearbeiten]
- Pelé spielte zusammen mit vielen anderen ehemaligen Profifußballspielern in dem Film Flucht oder Sieg (1981) mit. Er nahm die Rolle eines alliierten Spielers ein und zeigte in dem Film auch sein fußballerisches Können. Außerdem erstellte er die Choreographie für die Fußballszenen in dem Film.
- Pelé und Garrincha – Brasilianische Fußballkönige. (OT: Pelé, Garrincha, Dieux du Brésil.) Frankreich, 2002, 81 Min., Regie: Jean-Christophe Rose [11]
- Pelé Eterno, Dokumentation, 125 min., von Anibal Massaini Neto, Brasilien, 2004[12]
- Legenden: Pelé, Dokumentation, 45 Min., Buch und Regie: Christian Weisenborn, Produktion: ARD, Erstausstrahlung: 29. Mai. 2006 [4]
Literatur [Bearbeiten]
- Edson Arantes do Nascimento (mit Orlando Duarte und Alex Bellos): Pelé - Mein Leben. Scherz, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-502-18000-5 [13]
- Martin Klein: Pelé und ich. Hamburg 2006, ISBN 3-551-55415-3 (Kinderbuch)
- Harry Harris: Pelé. His life and times. Welcome Rain Publishers, New York 2002, ISBN 1-56649-223-8
- Gerhard Hess: Pele. König auf dem grünen Rasen. Copress-Verlag, München 1991
- Hack, Fritz: Schwarze Perle Pelé. Der beste Fussballspieler der Welt. Der Mann der 1000 Tore. Moewig, München 1969
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b c d e f Geburtsurkunde n.º 7095, folie 123, buch 21-A – Standesamt auf Três Corações: "CERTIDÃO DE NASCIMENTO — CERTIFICO que sob o n° 7.095 às fls. 123 do livro n° 21-A de Registro de Nascimento consta o assento de Edison Arantes do Nascimento, nascido aos vinte e um (21) outubro de mil novecentos e quarenta (1940) às 03 horas e --- minutos em esta Cidade de Três Corações, sexo masculino, filho de João Ramos do Nascimento e de Celeste Arantes."
- ↑ Sein Name ist "Edison" gemäß Pelé Eterno – Universal Studios
- ↑ Sein Name ist "Edison" gemäß Pelé Eterno – Universal Studios
- ↑ a b c „Legenden: Pelé“, ARD, 29. Mai 2006
- ↑ http://www.rsssf.com/sacups/supcopa68.html
- ↑ http://www.rsssf.com/tablesr/recopa-int.html
- ↑ [1]Artikel über Neymar
- ↑ [2] Artikel über Zico
- ↑ [3] Artikel über Wollitz
- ↑ [4] Artikel über Abedi Pele
- ↑ Pelé und Garrincha: Inhaltsangabe von arte
- ↑ Pelé Eterno in der Internet Movie Database (englisch)
- ↑ Leseprobe: Mein Leben (PDF; 5,7 MB) von Pelé
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Pelé im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Pelé in der Internet Movie Database (englisch)
- Biografie auf NNDB
- „Legenden: Pelé“, ARD, 29. Mai 2006, Dokumentation aus der ARD-Reihe „Legenden“ über berühmte Fußballspieler
- Website der Escola do Rei mit Biografie von Pelé
- Website von Pelé Sports
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| – | Bester Junger Spieler der WM 1958 (nachträgliche Internetwahl) |
Flórián Albert |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pelé |
| ALTERNATIVNAMEN | Edison Arantes do Nascimento |
| KURZBESCHREIBUNG | brasilianischer Fußballspieler |
| GEBURTSDATUM | 23. Oktober 1940 |
| GEBURTSORT | Três Corações, Brasilien |
