Peleus

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Peleus mit Thetis auf dem Tondo einer rotfigurigen Schale des Douris, um 490 v. Chr.

Peleus (griechisch Πηλεύς, etruskisch Pele) ist in der griechischen Mythologie König der Myrmidonen von Phthia in Thessalien, der Sohn des Aiakos (daher auch der Aiakide genannt) und der Endeis (Tochter des Cheiron[1] oder des Skiron[2]). Als Gemahl der Thetis war er Vater des Achilleus, der oft Pel(e)ide(s), Peleiade oder Peleione („Peleussohn“) genannt wurde.

Mythos[Bearbeiten]

Mit seinem Bruder Telamon verschwor er sich, einen verhassten jüngeren Halbbruder, den Phokos, zu töten. Telamon führte die Tat aus, indem er ihm einen Diskos an den Kopf warf (vgl. Hyakinthos und Oxylos); den Leichnam verbargen sie im Wald. Das Verbrechen wurde jedoch entdeckt, und die Brüder mussten vor ihrem Vater aus der Heimat Aegina fliehen.[3]

Eurytion[Bearbeiten]

Peleus ging nach Phthia in Thessalien zu König Eurytion[4] (Sohn oder Enkel des Aktor),[5] der ihn von seiner Blutschuld entsündigte und ihm seine Tochter Antigone (nach anderen Quellen: Polymele) nebst dem dritten Teil seines Landes als Mitgift gab. Dieser Ehe entspross die schöne Polydora. Das Bündnis dauerte jedoch nicht lange, denn auf der Kalydonischen Jagd tötete er versehentlich den Schwiegervater Eurytion.[6][7] Peleus musste abermals fliehen und gelangte nach Iolkos.

Akastos[Bearbeiten]

Ringkampf mit Atalante, schwarzfigurige, chalkidische Hydria, um 550 v. Chr.

Nachdem er durch Akastos von Iolkos (Sohn des Pelias) erneut entsündigt worden war, ließ er sich dort nieder. Er wird als Teilnehmer des Argonautenzuges[8][9] genannt und maß sich bei den Leichenspielen zu Ehren des Pelias im Ringkampf mit der amazonenhaften Atalanta.[10][11][12]

Er geriet jedoch in neues Unheil, da Astydameia (nach anderen Quellen: Hippolyte), des Akastos Gemahlin, sich in ihn verliebte. Als er ihrem Werben nicht nachgab, verleumdete sie ihn bei ihrem Mann: Peleus habe ihrer Tugend nachgestellt. Seiner Gattin ließ sie die Nachricht hinterbringen, er wolle sich mit Sterope, der Tochter des Akastos, vermählen; Antigone erhängte sich aus Gram. Akastos wollte sich an dem, den er selbst entsündigt hatte, nicht vergreifen, beschloss jedoch, ihn auf andere Weise dem Tode zu weihen. Er nahm ihn mit auf den Pelion zur Jagd und ließ den Ermüdeten hilflos liegen, nachdem er ihn seines Schwertes beraubt hatte.[13] So fanden ihn die wilden Kentauren und hätten ihn wohl getötet; Cheiron jedoch (nach anderen Quellen: Hermes) nahm sich seiner an und brachte ihm sein verstecktes Schwert zurück.[14]

Peleus rächte sich, indem er Iolkos mit Hilfe der Dioskuren (Tyndariden, nach manchen Quellen: und mit Iason) eroberte. Er schlug Akastos in die Flucht, tötete Astydameia und ließ ihre zerstückelten Glieder verstreuen und über diese hinweg das Heer in die Stadt einrücken.[15] Das eroberte Iolkos übergab er Thessalos (Sohn des Iason) mit seinen pelasgischen Haimoniern.[16] Wann dies genau geschehen sein soll, ist schwer auszumachen – wie es denn überhaupt so manche chronologischen Schwierigkeiten und Verwirrungen in der Geschichte des Peleus gibt.

Vermählung mit Thetis[Bearbeiten]

Die Horen, dem Peleus Hochzeits­geschenke bringend (Rom, Villa Albani).

Die in Bild und Lied am meisten gefeierte Peleussage ist wohl die von seiner Liebesverbindung mit der Nereide Thetis, aus welcher einer der berühmtesten Helden der antiken Mythendichtung hervorging – der thessalische Nationalheld Achilleus. Nachdem Peleus' erste Frau gestorben war, gewann er die ihm von den Göttern zum Weibe bestimmte Thetis (nach einer älteren, vorhomerischen Sage beim Ringkampf). Zeus selbst hatte Interesse an ihr gezeigt, war jedoch von Prometheus gewarnt worden, dass Thetis' Sohn größer würde als der Vater; so wurde sie einem Sterblichen bestimmt. Das Kind dieser Ehe Achilleus, wurde dem Cheiron zur Erziehung anvertraut.

Zur Hochzeit des Peleus und der Thetis waren – bis auf Eris – alle olympischen Götter eingeladen. Als Hochzeitsgeschenk erhielt der Bräutigam von Poseidon die unsterblichen Rosse Xanthos und Balios, von Cheiron die große, schwere Lanze, und von den anderen all jene Waffen, mit denen Achilleus später vor Troja kämpfen sollte.[17] Eris jedoch, die nicht geladene Göttin des Streites, warf aus Rache einen goldenen Apfel unter die Gäste, welcher die Aufschrift „Der Schönsten“ trug. In Folge brach ein Streit zwischen Hera, Athene und Aphrodite aus, der zum Urteil des Paris, dem „Raub der Helena“ und letztlich zum Trojanischen Krieg führte.[18]

Spätere Jahre[Bearbeiten]

Geflohene pflegte Peleus gastfreundlich aufzunehmen. So etwa den Phoinix, der – von seinem Vater Amyntor verflucht – in Phthia Schutz suchte.[19] In einer anderen Version hatte ihm Amyntor die Augen ausstechen lassen: Cheiron heilte den Blinden, und Peleus machte ihn hernach zum König der Doloper.[20] Auch Epeigeus fand Aufnahme, der wegen Mordes geflohene frühere Herrscher von Budeion;[21] ebenso wie Patroklos, der im Zorn den Kleitonymos getötet hatte[22] und später Achilleus' vertrautester Freund wurde.

Auch versuchte Peleus, den Aktor – dessen Vater Eurytion er, wie oben erzählt, versehentlich bei der Jagd getötet hatte – wieder zu versöhnen, indem er ihm eine große Herde Vieh zum Geschenk machte; dieser lehnte jedoch ab. So ließ er die Tiere denn, nachdem das Orakel befragt worden war, weisungsgemäß ohne Hirten laufen. Das Vieh fiel einem Wolf zum Opfer, der hernach jedoch in einen Stein verwandelt wurde, welcher noch lange Zeit zwischen Lokris und Phokis zu sehen war.

Alter und Tod[Bearbeiten]

Dass Peleus ein hohes Alter erreichte, wird schon im Epos mehrfach betont. Die Ilias erwähnt ihn an mehreren Stellen, obgleich er selbst am Trojanischen Krieg nicht teilnahm.

Euripides zufolge wurde Peleus – nach der Heimkehr der Griechen von Troja – aus Phthia vertrieben, und zwar von Archandros und Architeles, den Söhnen des Akastos (oder auch Akastos selbst).[23] Auf der Insel Kos traf er seinen Enkel Neoptolemos, der die beiden tötete und Peleus zur Rückkehr verhalf. Von Orestes später abermals vertrieben, floh er erneut nach Kos, wo er in Kümmernis starb: War schon sein einziger Sohn Achilleus vor Troja gefallen, hatte er nun auch noch vom Tode des Neoptolemos erfahren müssen, dessen Leiche von Andromache überbracht wurde.[24] Anderen Quellen zufolge trat der Enkel in Phthia die Nachfolge seiner Ahnen an.

Nach Pindar soll Peleus einer der Richter in der Unterwelt geworden sein.

Deutungen[Bearbeiten]

Es wird auch berichtet, Peleus sei ein Prinz aus Aegina gewesen, der dann König in Thessalien wurde. Was seine Heirat anbelangt, könnte es sich bei der Gemahlin um Cheirons Tochter gehandelt haben[25][26] – oder aber um Philomela, die Tochter des Aktor.[27][28]

Name und Etymologie[Bearbeiten]

Eine allegorisierende Deutung ergibt sich aus der Ableitung des Namens Peleus von „pelos“ (griechisch πηλός - Ton, Lehm) und der Betrachtung der Meeresnymphe Thetis als das personifizierte Wasser: So soll aus dieser Verbindung das Menschengeschlecht hervorgegangen sein. Zur Hochzeit habe Apollon – als „Phoibos“ ein Sonnengott – nicht kommen dürfen, da Feuer und Wasser einander auslöschen. Auch Eris war nicht eingeladen, weil zur Zeugung der Menschen Eintracht, nicht Zwietracht erfordert wird.[29]

Nach Preller soll Peleus dasselbe bedeuten wie „Pallas“ (griechisch Πάλλας, mit Betonung auf der ersten Silbe): einen Schwinger, den „Schwinger der furchtbaren Todeslanze“ vom Pelion, welche von Peleus auf seinen Sohn Achilleus überging. Diese Ableitung ist jedoch fraglich. Das Verb „pallo“ (griechisch πάλλω) bedeutet schwingen, schütteln; „Pallas“ (griechisch Παλλάς) wiederum – mit Betonung auf der zweiten Silbe – bedeutet Jüngling, Mädchen und war unter anderem ein Beiname der Athene.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peleus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Peleus im Greek Myth Index (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Scholion Pind. N. 5, 12.; Scholion Ilias 16, 14.; Hyginus fabulae 14
  2. Plutarch Thes. 10.; Pausanias 2, 29, 7.; Apollodorus libri III. c. 2. §. 6.; Gale adl. c. Cf. Mezir. sur les ep. d'Ovid. T. I. p. 144.
  3. Pausanias Corinth. c. 29. p. 140.
  4. Apollodorus libri III. 13, 2.
  5. Scholion Lycophr. 175. 901
  6. Apollodorus libri I. c. 8. §. 2.
  7. Ovid, Metamorphoses VIII. v. 311.
  8. Ältester Zeuge für Peleus Teilnahme ist Pindar frgm. 158 (Scholion Eur. Andr. 798)
  9. Hyginus fabulae 14 p. 43. Cf. Burman. Catal. Argon
  10. Pausanias V, 17
  11. Hyginus fabulae 273
  12. Apollodorus libri III. 9, 2
  13. Apollodorus libri III. 13, 3
  14. Scholion Aristoph. ad Neb. v. 1059.
  15. Apollodorus libri III. c. 11. §. 3. 7.
  16. Pind. Nem. 4, 91.
  17. Ilias 16, 143 ff. 867; 17, 194. 443; 18, 84; 19, 390; 23, 277; 24, 62. Hesiod dichtete επιθαλάμια εις Πηλέα καὶ Θέτιν. Vgl. Pindar N. 3, 56; 5, 22 ff., Eurip. Iphig. A. 704. 1040 ff., Catull 64. Vasenbilder und andre Bildwerke b. Overbeck 197 ff.
  18. In diesem Sinne erzählten namentlich die Kyprien von der Hochzeit, Scholion Ilias 16, 140.
  19. Homer I. 478 ff.
  20. Apollodorus libri III. 13, 8, 3; Tzetz. Lyc. 421 (mit allegorischer Deutung); Scholion Plat. Leg. 11, 931 B.
  21. Homer II 571 ff.
  22. Apollodorus libri III, 13, 8, 3; Philosteph. im Scholion Homer II 14; Scholion Homer II 574.
  23. Eurip. Andr. 1128
  24. Schmid. ad Pind. Pyth. Γ. c. 3. p. 127.
  25. Dictys Cretensis libri VI. c. 7.
  26. Aristoteles ap. Voss. Theol. gent. libri II. c. 78.
  27. Scholion Apollon. ad libri I. v. 558. & libri IV. v. 816. Cf. Voss. libri c.
  28. Deimach. ap. eumd. libri c.
  29. Fulgentius libri III. c. 7. Cf. Voss. Theol. gent. libri II. c. 77.