Pellagra

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Klassifikation nach ICD-10
E52 Niazinmangel
Pellagra
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Pellagra ist eine Erkrankung, die durch Mangel an Nicotinsäure, einem Vitamin aus dem B-Komplex, ausgelöst wird. Pellagra tritt auf, wenn die Nahrung hauptsächlich aus Mais oder Sorghumhirse besteht. Die darin vorliegende gebundene Form der Nicotinsäure (Niacytin) kann vom Körper nicht verwertet werden. Diese Krankheit war vor Kenntnis der Zusammenhänge in armen Regionen Südeuropas und Amerikas weit verbreitet. In den Ursprungsländern des Maises wurde dieser zum Verzehr alkalisch verarbeitet (Nixtamalisation), wodurch die Nicotinsäure verfügbar wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Mais wurde nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus als eine der ersten Pflanzen nach Europa gebracht, wo sie sich aufgrund der hohen Ernteerträge rasch verbreitete. Bald trat in Gegenden mit hohem Maiskonsum eine seltsame Erkrankung auf, die nach dem Leitsymptom Pellagra ‚raue Haut‘ genannt wurde.

„Das geringe medizinische Wissen und die erste Vermutung, dass Pellagra von hypothetischen Toxinen im Mais, durch Ansteckung oder durch genetische Vorbelastung verursacht wird, führte jahrelang zu großen Pellagra-Epidemien in Europa und den Vereinigten Staaten.“

Der Zusammenhang von Pellagra und hohem Maiskonsum wurde schon im 18. Jahrhundert vermutet. Erklärungen der damaligen Zeit waren verschimmelter Mais, vergifteter Mais, Ansteckung oder Vererbung.

Erst Joseph Goldberger und Kollegen bewiesen Anfang des 20. Jahrhunderts, dass sowohl die sogenannte Pellagra des Menschen als auch die Schwarze-Zunge-Krankheit des Hundes durch Fehlernährung entsteht, genauer (Conrad Elvehjem 1937) durch einen Nicotinsäuremangel. Heutzutage tritt Pellagra in der Regel nur noch in armen Gegenden Afrikas oder bei extremer Fehl- oder Mangelernährung[1], zum Beispiel bei Magersucht, auf. Die Entdeckung, dass Pellagra mit Bierhefe behandelbar ist, führte in den betroffenen Gebieten zu einer schlagartigen Verringerung der Anzahl der Insassen von Nervenheilanstalten. In Analogie dazu setzten die Ärzte Abram Hoffer und Humphry Osmond in der sogenannten Mega-Vitamintherapie hohe Dosen Nicotinsäure zur Behandlung von Schizophrenien ein. Sie gingen davon aus, dass wenn die im Rahmen einer Pellagra aufgetretenen Symptome der Schizophrenie durch die Behandlung mit Nicotinsäure verschwinden, könnte diese vielleicht auch Schizophrenien anderer Ursache beeinflussen. Ihre Überlegungen führten zur orthomolekularen Psychiatrie, einer Form der orthomolekularen Medizin, die jedoch aufgrund des fehlenden Wirksamkeitsnachweises nicht Bestandteil der modernen evidenzbasierten Medizin ist.

Ursache[Bearbeiten]

Generell: Einseitige, nicotinsäurearme Ernährung. Speziell: Hauptsächliche Ernährung mit alkalisch unbehandeltem oder ungeröstetem Mais, oder hauptsächliche Ernährung mit Sorghumhirse, da hierin nur eine für den menschlichen Organismus (ohne chemische Veränderung bzw. Molekülspaltung) nicht verwertbare Form der Nicotinsäure enthalten ist, das Niacytin, welches in unveränderter Form vom menschlichen Körper nicht aufgenommen werden kann.[2]

Jeder Patient, der an pellagraartigen Symptomen erkrankt und bei dem der für diese Krankheit typische ernährungsbedingte Niacinmangel nicht nachvollziehbar ist, sollte auf das Vorhandensein des Gendefekts für die Hartnup-Krankheit untersucht werden.

Folgen[Bearbeiten]

Nicotinsäure ist für zahlreiche Oxidations- und Reduktionsvorgänge (Wasserstoffübertragungen) im Körper nötig. Die Folgen eines Mangels sind Krankheiten wie Pellagra, welche sich in Juckreiz, Rötungen der Haut, Entzündungen der Schleimhäute des Verdauungstraktes, schmerzhafte Verdickung der Haut, sowie Braunfärbung und Schäden im Zentralen Nervensystem äußern.

Symptome und Krankheitsverlauf[Bearbeiten]

Kennzeichen sind unter anderem:

  • Durchfall
  • Dermatitis (Hauterkrankung)
  • Demenz (organisches Psychosyndrom).

Unter Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Fieber treten hauptsächlich Darmstörungen, nervöse Symptome wie Tremor, Lähmungen, Krämpfe und psychische Störungen, sowie Erscheinungen von Seiten der Haut auf; in schweren Fällen kann das Krankheitsbild in Wochen zum Tode führen, meist aber erstreckt der Verlauf sich über Jahre[3]. Hautveränderungen bilden sich typischerweise an den Sonnenlicht ausgesetzten Stellen (Hände, Unterarme, Gesicht, Nacken). Die psychischen Erkrankungen werden mit dem Tryptophanmangel in Zusammenhang gebracht.

Behandlung[Bearbeiten]

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Da es sich bei Pellagra um eine Mangelerscheinung handelt, lässt sie sich durch Gabe niacinhaltiger Lebensmittel gut behandeln. Hierzu gehören unter anderem Leber, Fleisch, Fisch, Vollkorn-Getreide und Vollkornbrot, sowie Gemüse. Zudem kann die Behandlung durch eine direkte Gabe von Nicotinsäure oder Bierhefe erfolgen. Da Nicotinsäure wasserlöslich ist, kann sie nicht lange gespeichert werden, sondern wird ausgeschieden. Der Körper kann jedoch aus der essentiellen Aminosäure Tryptophan Nicotinsäure bilden. Deshalb wird ein Nicotinsäuremangel häufig mit Gaben von Tryptophan behandelt.

Der tägliche Nicotinsäurebedarf liegt bei ca. 5 mg (bei Kindern) bis zu 20 mg (bei Erwachsenen).

Literatur[Bearbeiten]

Bücher

  • M. C. Latham, A historical perspective. In: Nutrition, National Development and Planning. Edited by A. Berg, N. S. Scrimshaw, D.A. Call (Hrsg.), The MIT Press, Cambridge, Massachusetts,1973. Seite 313 bis 328

Zeitschriften

  • J. S. Hampl, W. S. Hampl, Pellagra and the origin of a myth: evidence from European literature and folklore. In: Journal of the Royal Society of Medicine (1. November 1997) US National Library of Medicine

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. hierzu: A. Berg, N. S. Scrimshaw, D. A. Call (Hrsg.), Nutrition, National Developmant and Planning
  2. [1] Niacin (Vitamin B3) Definition, Synthese, Resorption, Transport und Verteilung
  3. Zitat nach: Medizin–Buch, Hautkrankheiten
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