Pelz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Pelz (Begriffsklärung) aufgeführt.
Inuits im Pelz (Noatak, um 1930)
Inuits im Pelz (Noatak, um 1930)
Mittelalterliche Würdenträger in pelzbesetzten Schauben
Mittelalterliche Würdenträger in pelzbesetzten Schauben

Pelz bezeichnet zu Kleidungselementen, Futter, Besatz, Accessoires und Komplettbekleidung verarbeitete Felle von Säugetieren mit zumeist kurzen, jedoch sehr dicht stehenden Haaren. Pelzwaren aus unterschiedlichen Pelzarten gehören zu den frühesten internationalen Handelsgütern. Ihre Herstellung ist aufwändig, über einen reinen Bekleidungszweck hinaus dienen sie oft als auch kostspielige Vorzeigewaren und Statussymbole.

Das Recht, bestimmte Pelze und Pelzbekleidung zu tragen war früher Gegenstand von Standeskonflikten und sozialen Auseinandersetzungen und wurde in strengen Kleiderordnungen geregelt. Es gibt auch heute noch gelegentlich Auseinandersetzungen über das Tragen von Pelzen und deren Handel. Die außerordentliche Signalwirkung und Kostbarkeit von Pelzen zieht zuweilen pelzspezifischen Hass und militante Verfolgung gegenüber Pelzträgern wie Mitarbeiter der Pelzbranche auf sich. Dies geht über die allgemeine Diskussion des Tier- und Artenschutzes oder der Anerkennung unterschiedlicher Tierrechte hinaus.

Aktuell hat die weltweite Nachfrage nach Pelzen wieder stark zugenommen. Es geht dabei weniger um die in Mitteleuropa zwischenzeitlich aus der Mode gekommene Pelzkomplettkleidung, die mittlerweile nur noch weniger als die Hälfte des europäischen Pelzumsatzes von etwa 4,5 Milliarden Euro ausmacht. Pelzelemente in und auf der Kleidung und Accessoires sind in den letzten Jahren erheblich beliebter und verbreiteter geworden.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Verarbeitung von Pelzen

Rotfuchsfelle
Rotfuchsfelle
Lehrtafel zu verschiedenen Fellarten
Lehrtafel zu verschiedenen Fellarten

Die Herkunft der Pelze läßt sich wie folgt aufgliedern

  • Felle, die als Nebenprodukt der Nutztierhaltung und Fleischgewinnung anfallen (etwa 40 % der Pelzproduktion)
  • Felle von Tieren, die gejagt oder gefangen werden, weil sie dem Menschen schaden oder lästig sind
  • Felle von Pelztieren, die allein wegen ihres Fells gejagt, gefangen oder gezüchtet werden

Bei der Fleischgewinnung, fallen folgende Felle an: Lamm und Schaf (Persianer, viele verschiedene Schafrassen), Kaninchen (Kaninfell), Ziege und Zickel, Rind und Kalb, Pferd und Fohlen, Rentier (Pijikifell), Känguru (Wallabyfell).

Der Wildfang macht weltweit noch etwa 15 % des Aufkommens aus. Bedeutend dabei sind insbesondere die Pelze von Tieren, die als Schädling oder Lästlinge wirken oder empfunden werden und unabhängig von der Pelzgewinnung gejagt werden. Hierzu gehören Tiere wie Wildkaninchen, Hamster, Maulwurf, neuseeländisches Opossum, Marder, Iltis, Wiesel, Nutria, Bisamratte und Waschbär. Auch die vieldiskutierte Seehundjagd an der kanadischen Westküste findet aus Sicht der Küstenfischerei zur eigenen Existenzsicherung statt.

Zucht-Pelztiere: Hauptlieferant ist derzeit der Minknerz (nicht zu verwechseln mit dem europäischen Wildnerz, der nicht gezüchtet werden kann), gefolgt von Edelfüchsen wie Silberfuchs, Blaufuchs oder Marderhund (Seefuchsfell), Chinchilla, Nutria, Zobel und Iltis. Je nach Mode wurden mehr oder weniger erfolgreiche Versuche unternommen, auch andere Pelztiere zu züchten (Waschbär, Bisamratte, Skunk u. a.). Die meisten Pelztierfelle stammen aus Zuchtfarmen.

Die Pelztierhaltung wie auch der Wildfang ermöglicht auch heute noch in abgelegenen Regionen mit extensiver Agrarnutzung und klimatischen Herausforderungen eine Existenz oder zumindest einen Zuverdienst. Kürschner, ein traditionsreicher Handwerksberuf, verarbeiten die Rauchwaren oder Rauwaren, für die Pelzverarbeitung geeignete zugerichtete und gegerbte Tierfelle. Eine wesentliche Grundlage für die Pelztierzucht ist insbesondere in Skandinavien und Holland die Weiterverarbeitung von mehreren 100.000 Tonnen Fleisch- und Fischabfälle als Pelztierfutter. Die meisten Nerze werden nach wie vor in Europa, in Dänemark, Italien und den Niederlanden gezüchtet, Füchse insbesondere in Westfinnland. Zu den Zentren der Pelzverarbeitung weltweit gehören auch bestimmte Regionen in Griechenland und die Türkei. In Österreich, Großbritannien und der Schweiz wurde die Pelztierzucht eingeschränkt, während China innerhalb etwa eines Jahrzehnts zu einem der wichtigsten Zuchtländer weltweit herangewachsen ist. Die Pelzbranche in Deutschland ist klein, mittelständisch und sehr stark regional strukturiert. In Deutschland finden sich nur noch wenige Pelztierfarmen mit Schwerpunkten in NRW, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Bei den Nutzungsarten kommt es zu vielfältigen Überschneidungen, die sich regional und historisch bzw kulturell herausgeprägt haben und die einer zeitlichen Veränderung unterworfen sind. So werden einzelne Schafe und Kaninchen speziell wegen ihrer besonderen Felleigenschaften gezüchtet. Hierzu gehören zum Beispiel das Karakulschaf (gelockter Persianer), das Merinoschaf (seidig, für Wolle und Lammveloure), die Chinchilla und Rexkanin. Nutztiere wie Hamster, Meerschweinchen, Pferde und Esel oder gar Hunde kommen prinzipiell auch als Pelzlieferanten in Frage, wurden und werden in manchen Ländern und Kulturen je nach Nahrungstabu aber auch als Fleischlieferanten genutzt. Der Pelzlieferant Sumpfbiber war im Mittelalter eine beliebte Fastenspeise, Oppossum und Nutria werden teilweise noch heute verzehrt. Seehunde gehörten zum Grundnahrungsmittel der Inuit.

Geschichte

Pelze als Status- und Machtsymbol

Leopardenpelzmütze als Statussymbol eines Diktators
Leopardenpelzmütze als Statussymbol eines Diktators
Ritt auf dem Panther(fell) beim Dionysoskult
Ritt auf dem Panther(fell) beim Dionysoskult
Pelz als kaiserliche Bekleidung
Pelz als kaiserliche Bekleidung

Nach außen getragene Pelze – etwa vom Panther – sind bereits in antiken Abbildungen als Symbol der Stärke und des Status zu finden. So zeigen Abbildungen von Dionysoskulten nicht nur einen Ritt des Gottes auf einem Raubtier sondern beziehen zuweilen auch dessen Pelz als Kleidung mit ein. Sie spielen eine wichtige symbolische Rolle und zeichnen militärische und zivile Würdenträger aus. In der Ilias werden Status und Rang der griechischen Anführer anhand ihrer unterschiedlichen Pelze charakterisiert und beschrieben. Agamemnon, der griechische Heerführer ist in das Fell eines gelbgefleckten Löwen gehüllt. Menelaos trägt einen gefleckten Leopardenpelz, Dalon besitzt einen hellschimmernden Wolfspelzmantel und einen Helm aus Marder. Weniger kostbare Felle von Schafen und wilden Büffeln dienen den Helden als Lagerstätte. Träger edler Wildtierpelze und Felle übertrugen damit etwas von der Wildheit und der Anmut der entsprechenden Tiere auf sich.

Die wahrscheinlich älteste erhaltene Pelzbekleidung sind die kupferzeitliche Bärenfellmütze und die Jacke aus Ziegenfell des Manns vom Hauslabjoch (Ötzi). Der damalige Tragekomfort ist keineswegs mit heutiger Funktionskleidung [1] zu vergleichen. Spätere pelzgefütterte Kleidung und moderne Pelzkleidung hat hingegen ein besseres Verhältnis von Gewicht, Isolierung und Atmungsaktivität. Im kalten Mittel- und Nordeuropa waren neben Mützen und Accessoires aus Pelz Pelzinnenfutter (vgl. Hamsterfell) ein wichtiges Element für wärmende Kleidung, die bereits in der jüngeren Steinzeit vor allem aus Fasern und Wolle gewebt oder gefilzt wurde.

Tacitus berichtet über einen germanischen Pelzüberwurf namens „Rheno“, der bald auch nach Rom importiert wurde, und über Besatz und Verbrämung an Kleidung aus einfachen Schafs- oder Wolfsfellen mit kostbareren Fellarten. Kleiderordnungen regelten im Mittelalter das Tragen von Pelzkleidung. So wurde seitens des Augsburger Reichstags bestimmt, dass für Bauersleute „kein anderes denn schlechtes Pelzwerk, als von Lämmern, Ziegen und dergleichen schlechte Fell, alles unverbrämt“ verwendet werden durfte.[2] Auch später waren Adel und Würdenträgern seltene und schöne Felle aus möglichst entfernten Ländern (Hermelin, Zobel, Feh) entsprechend genau abgestimmter Kleiderordnungen vorbehalten. Elemente davon haben sich etwa in der britischen Monarchie bis heute erhalten.

Pelzhandel und -verarbeitung

Kastorhut aus Biberfilz
Kastorhut aus Biberfilz

Wegen des hohen Wertes und der vergleichsweise leichten Transportierbarkeit wurden edle Pelze und Felle bereits früh international gehandelt, im alten Griechenland bis nach Island und in die Mongolei. In der Hanse wurden im gesamten Ostseeumfeld Wildtierfelle aus Nowgorod und Schaf- und Ziegenrauchwaren aus Britannien und Skandinavien verhandelt. Vom 15. bis 17. Jahrhundert verliert Pelzwerk als Statuskleidung gegenüber neuartigen edlen Tuchqualitäten, Seiden und -Brokatstoffen etwas an Bedeutung, was sich im Laufe des 17. Jahrhunderts aber wieder änderte. Die kanadische Hudson’s Bay Company wurde 1669 unter dem Motto Pro Pelle Cutem speziell für den Pelzhandel in Nordamerika gegründet und zählt zu den ältesten Firmen der Welt.

Natalie Clifford Barney im Pelz (um 1900)
Natalie Clifford Barney im Pelz (um 1900)

1671 veranstaltete sie in London die erste Rauchwarenmesse der Welt. Das Zentrum des deutschen Pelzhandels und zeitweilig eines Großteils des Welthandels war jedoch über viele Jahrzehnte Leipzig. International wurden viele Werkzeuge und später Fertigungsmaschinen aus Deutschland bezogen. Insbesondere russische, später auch amerikanische Rauchwarenhändler trugen entscheidend zur internationalen Rolle von Leipzig als Messestadt insgesamt bei. Der Anteil der Branche am Steueraufkommen der damaligen Pelz- und Messestadt Leipzig lag im Jahre 1913 bei 40 %.[2]

Ein wichtiger Handelsartikel zu Beginn des Pelzhandels war in der Neuzeit der so genannte Kastorhut, ein aus zumeist aus dem Haar Kanadischer Biber gefertigter Filzhut. Die Haare wurden in einem komplizierten, durchaus gefährlichen Verfahren von den Fellen gewonnen und verfilzt. Der von Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts von Männern und Frauen getragene Hut war ein Vorläufer des Zylinders und ein Kennzeichen des Bürgertums wie auch Gesinnungszeichen der Französischen Revolution. Der mit den Kastorhüten verbundene weltweite Biberfellhandel war ein wichtiges Element bei der Erschließung Nordamerikas. Ab 1830 verdrängten Seidenhüte den Kastorhut und es entstand der niedrigere Zylinder, was wieder Umbrüche in der Pelzbranche auslöste.

Der Nerzmantel der Weltausstellung in Paris (Firma Revillon, 1900)
Der Nerzmantel der Weltausstellung in Paris (Firma Revillon, 1900)

Die Erfindung der Pelznähmaschine nach 1870 ermöglichte es, Pelze deutlich günstiger zu fertigen und auszulassen. Auslassen bedeutet, das Fell in kleine Streifen zu schneiden und diese kaum sichtbar mit feinen Nähten wieder miteinander so zu verbinden, dass ein längeres, dafür aber schmaleres Fell entsteht, ein Fellstreifen in der Länge des Kleidungsstücks. Das Fell konnte und wurde dann mit der Haarseite nach außen getragen. Es entstand eine auch für das Bürgertum erschwingliche Pelzkleidung, die sehr schnell zunehmenden Absatz fand. Bis Ende der 1970er Jahre fanden Persianer zunehmend große Verbreitung. Gleichzeitig wurden auch Tierschutz-Proteste laut, denn dieser damals verbreitete und beliebte Pelz wird aus dem Fell von Karakullämmern hergestellt.

Großes Aufsehen erregte 1900 zur Weltausstellung in Paris ein Nerzmantel, bei dem die hunderte Meter langen Auslassnähte trotz der bereits erfundenen Pelznähmaschine noch mit der Hand genäht waren. Die Arbeitszeit für den Gesellen betrug 240 Stunden, für die Näherinnen 1400 Stunden. In den Großstädten der westlichen Welt wuchs die Pelzkonfektion mit einer Vielzahl von Beschäftigten und Unterauftragsnehmern, den Zwischenmeistern rasant an. Etwa 10.000 Zwecker, (Pelz-)Schneider, Pelznäher, Pelzstrecker, Pelzfinisher und Pelzbügler demonstrieren 1938 während eines Streiks in New York für bessere Arbeitsbedingungen. Im Pelzviertel Berlins waren zu der Zeit fast 500 selbständige Kürschner bzw. Zwischenmeister ansässig.[3]

Tierschutz, Pelzhandel und Nationalsozialismus

Mae West im Pelzmantel
Mae West im Pelzmantel
Pelz als kriegswichtiger Rohstoff im Dritten Reich
Pelz als kriegswichtiger Rohstoff im Dritten Reich

Bereits im Kaiserreich wurde der Tierschutz zu einer breiten Volksbewegung (vgl. RSPCA und Leipziger Lerche), ohne sich aber in der Gesetzgebung widerzuspiegeln. Antisemitische Tierschutzargumentationen wendeten sich nicht nur gegen religiösen Überlieferungen wie das Schächten, sondern insgesamt gegen als „jüdisch“ konnotierte moderne Medizin und Massentierhaltung. Auch deshalb verwanden Nationalsozialisten Tierschutz als willkommenes populäres Thema – schon weil Pelzhändler wie praktische und akademische Mediziner und Biologen vielfach Juden waren.

In Leipzig waren 1929 von 794 Rauchwarenhändlern mehr als die Hälfte jüdischer Herkunft – der Leipziger Schriftsteller und gelernte Kürschner Edgar Hilsenrath entstammt zum Beispiel einer solchen Familie. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, erschien im Mai zunächst eine amtliche Mitteilung in „Der Rauchwarenmarkt“, dass jüdische Firmen in der Rauchwarenbranche keine Eingriffe zu gewärtigen brauchen. Die Hoffnung der jüdischen Händler auf einen Sonderstatus wurde spätestens 1935 durch die serienweise erscheinenden antisemitischen Verfügungen zerstört. Bis 1936 waren dann auch 113 jüdische Firmen abgewandert. Nur wenige jüdische Händler, soweit sie den Holocaust überlebt hatten, kehrten zurück. Die meisten waren vor der Verfolgung nach Amerika oder zum anderen großen europäischen Pelzzentrum, London, geflüchtet, was mit zur Verschiebung des internationalen Zentrums des Pelzhandels von Leipzig nach London beigetragen hat. 1941 verkündete die Deutsche Kürschner-Zeitschrift „Der Brühl ist judenrein“ und bezog sich damit auf das Zentrum des Fellhandels in Leipzig. Die Betriebe waren zumeist liqidiert oder aber „arisiert“ worden. Pelz oder pelzbesetzte Kleidung zu tragen wurde Juden ab 1941 im deutsch besetzen Polen und ab 1942 auch in Deutschland verboten, Vertriebenen und Deportierten entsprechende Kleidung abgenommen. Etwa ab 1941 wurden die Deutschen angehalten, Pelze und Felle für militärische Zwecke zu spenden, viele Kürschner waren damit beschäftigt, Militärkleidung wintertauglich zu machen.

Nach dem Wegzug des deutschen Pelzhandels nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Name Brühl noch lange Zeit in der Pelzbranche auch für die Niddastraße in Frankfurt am Main gebraucht, in der sich ein Großteil der nach Krieg und Judenverfolgung verbliebenen Leipziger Händler neu angesiedelt hatte. Das Deutsche Pelzinstitut DPI als Interessenverband der deutschen Pelzwirtschaft – vom Pelztierzüchter über Fellgroßhändler und Pelzkonfektionär bis zum Kürschner und zum Pelzfacheinzelhändler ist nach wie vor in Frankfurt beiheimatet.

Pelze nach 1945

DDR-Pelzmantel der 1970er Jahre
DDR-Pelzmantel der 1970er Jahre

Die zunehmende Motorisierung hatte auch Einflüsse auf die Pelzmode. Statt der schweren Staubmäntel der Kutschenzeit kamen leichtere Pelze, sogar sogenannte „Sommerpelze“ wurden kreiert, es wurde erneut viel besetzt und verbrämt. Der „Persianer“ wurde Mode, die Kaufhäuser entdeckten den (Billig-)Pelz und boten Alternativen aus Persianerklauen und Persianerstücken. Auf dem Höhepunkt der Persianerwelle folgte eine Umorientierung hin zum amerikanischen Zuchtnerz. Der Amerikanische Nerz (Mink) war in den USA bereits um 1900 erfolgreich gezüchtet worden. Die Einkommen im Westen Deutschlands steigen und mit der zunehmenden Rolle von Nerzfellen aus Pelztierfarmen und dem damit einhergehenden Preisrückgang wurde der Nerzpelz immer erschwinglicher. Neben sportlichen Autos wurden Persianermantel und Nerzstola zum Wohlstands- und Statussymbol. Pelze wurden nicht nur von den Ikonen des Wirtschaftswunders – von Gunter Sachs bis Rosemarie Nitribitt – gerne getragen und vorgezeigt.

Gegenüber den beiden leicht zu züchtenden Pelztierarten verloren andere Pelztiere zunehmend an Bedeutung, die bisherige Materialvielfalt verschwand, der Nerz wurde die dominierende Pelzart,. „Jede Putzfrau hat inzwischen einen Nerz“, hieß es bald. Pelzbekleidung verlor ihren exquisiten Status und die auf wenige Pelztierarten reduzierte Pelzmode der 1950er verschwand weitgehend in den Kleiderschränken.

Bei der 68er-Bewegung galt der Wahlspruch „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“, was neben der mit Pelz oder Samt besetzten Amtstracht Talar vor allem das pelzbesetzte Kleidungsstück Muff in Verruf brachte, da der Begriff fortan synonym für veraltete (Denk-)Strukturen verwendet wurde. Gleichzeitig nahmen in den 1970er Jahren kritische Stimmen gegen Pelztierzucht, Pelztierfang und auch gegen das Tragen von Pelzen zu. So hatte insbesondere eine großangelegte Kampagne gegen Art und Umstände der Robbenjagd in Neufundland, angeführt durch die Schauspielerin und Ex-Model Brigitte Bardot, die Diskreditierung von Pelz und Pelzmode allgemein zum Ziel. Ab etwa Ende der 1980er Jahre gingen die Pelzumsätze erheblich zurück.

Um die Jahrtausendwende entdeckten die internationalen Designer den Pelz neu. Die Vor- und Nachkriegsmode des gerupften oder geschorenen Pelzes erlebte eine Renaissance. Waren es damals Seal, Sealkanin-, Sealbisam-, Biber-, Nutria- und andere auf Seal veredelte Felle, sind es jetzt erstmals „Samt“nerze und Samtwiesel, aber auch wieder Samtnutria und Samtbisam.

Von den Protagonistinnen der Fernsehserie Sex and the City bis hin zu Würdenträgern wie Papst Benedikt XVI.s hermelinbesetzter Mozetta oder seines Camauro findet sich eine wieder zunehmende Verwendung von Pelz- und insbesondere Pelzaccessoires in der Kleidung. Dies hat auch Auswirkungen auf das Berufsbild Kürschner, welches sich zunehmend vom reinen Pelz- zum Materialmixexperten wandelt.

Auch in Deutschland steigt der Pelzumsatz langsam wieder an und erreicht international dank der neu hinzugekommenen Märkte in Russland und Asien einen neuen Höhepunkt. 2006 verzeichnen die Auktionsergebnisse Rekordpreise, Nerzmäntel gewinnen ihre Exklusivität zurück. Daneben wird zunehmend wieder Pelzbesatz auf Textilien und anderen Fellarten eingesetzt und verkauft. Zusammen mit anderen preiswerteren Pelzarten werden insbesondere Kleinteile aus Kaninchenfellen beliebt.

Der nahezu weltweit warme Winter 2006/07 führt nach einigen Jahren ständiger Preissteigerungen erstmals zu einer Stabilisierung oder einem Rückgang der Preise auf den internationalen Rauchwarenauktionen.

Herstellung

Luchskatzenfelle auf einer Messe (2008)
Luchskatzenfelle auf einer Messe (2008)
„Tafel“ aus Fuchsfellen
„Tafel“ aus Fuchsfellen

Wie viele Felle für ein einzelnes Pelzteil verarbeitet werden, hängt von der Größe des Felles, der Art des Kleidungsstücks (Hut, Schal, Jacke, Mantel usw.), der Mode und davon ab, wie aufwändig die Form gestaltet wird. Ein gerader Mantel von 100 cm Länge in der Konfektionsgröße 38 hat einen Flächeninhalt von ca. 25.000 cm². Nachfolgend die durchschnittlichen Nutzflächen der einzelnen Fellarten und der aus der Praxis ermittelte Fellverbrauch für einen geraden Mantel. Zu den angegebenen Nutzflächen kommen noch Flächen für nicht direkt verwendete Fellteile wie Schweife, Pfoten oder Kopfstücken. Diese werden wie alle Reststücke der Kürschnerei ebenfalls verwendet, in der Regel, in dem sie zu Tafeln zusammensetzt und daraus eigene Kleidungsstücke gefertigt werden. Hauptort der „Body“ oder „Tafel“-Fertigung ist seit alters her Kastoria in Griechenland.

Durchschnittliche Fellfläche und Fellverbrauch für einen 100 cm langen, geraden Mantel (s. o.)
Fachbezeichnung   cm² Stück Felle
Bisam 600 46 In der Regel werden Wamme (Bauch) und Rücken getrennt verarbeitet.
Chinchilla 420 64
Feh 350 80 In der Regel werden Wamme (Bauch) und Rücken getrennt verarbeitet.
Europäischer Rotfuchs 2.520 10
Edelfüchse Blaufuchs, Silberfuchs; nicht der kleinere Polarfuchs 3.200 8 Durch Zwischensetzen von durch die Haare ganz oder teilweise verdeckten Lederstreifen (Fachbegriffe: „galonieren“, „federn“) lässt sich die Fellzahl bis auf drei oder weniger reduzieren.
Kanin 700 38
Luchs 3.150 9 In der Regel wird die wertvollere Wamme (Bauch) und der Rücken getrennt verarbeitet.
Nerz, „Females“ (weibliche Felle, Fähen) 1.000 28
Nerz, „Males“ (männliche Felle, Rüden) 1.350 20
Nutria 900 30
Neuseeländisches Opossum 880 32
Persianer (auch als Karakul angeboten) 1400 18
Zobel 450 58

Umgestaltung

Ein wesentliches Merkmal eines Pelzes ist die Möglichkeit, ihn im Laufe seines Lebens mehrfach umzugestalten. Da der Pelz aus einzelnen Fellen zusammengefügt wurde, lässt er sich in der Regel in jede gewünschte Form durch eine Neuaufteilung der Felle umformen. Die Ursachen für den Wunsch einer Veränderung können in einer Figurveränderung des Besitzers oder der Besitzerin liegen, im Wunsch nach einer modischen Veränderung (Modelländerung, Farbänderung, Strukturänderung durch rupfen oder scheren) oder wegen inzwischen eingetretener Tragespuren (Wegfall der beriebenen Fellteile durch die Umgestaltung eines Mantels zur Jacke oder zu einem Pelzinnenfutter). Eine weitere spätere Verwendungsmöglichkeit eines Pelzbekleidungsstücks besteht in der Umformung in eine Decke bzw. ein Fellplaid.

Die Umgestaltungsmöglichkeit eines Pelzes ist durch die natürliche Alterung zeitlich begrenzt. Diese hängt von der Art der Lagerung (möglichst kühl bei durchschnittlicher Luftfeuchtigkeit, dunkel), von der Fellart und der Gerbung ab. Um eine Umarbeitung wirtschaftlich begründen zu können sollte der Pelz außerdem einen gewissen Materialwert im Verhältnis zu den Kosten nicht unterschreiten.

Kritik

Seitens vieler Tierschützer wird die Tierhaltung für die Pelzherstellung abgelehnt. Als Grund dafür wird unter anderem die Tierhaltung in Pelzfarmen, die als nicht artgerecht oder sogar als Tierquälerei angesehen wird, angegeben. Kritisiert wird auch die Nutzung von Tieren ausschließlich zur Befriedigung eines menschlichen Bedürfnisses nach Luxusartikeln. Auch die Verwendung nicht zugelassener Tierfallen oder das Wildern geschützter Arten bzw. der Schmuggel geschützter Felle wird abgelehnt. Seitens von militanten Pelzgegnern kam es zu teilweise spektakulären Aktionen, wie etwa dem Einbruch in Pelztierfarmen und der Freilassung der gehaltenen Tiere oder der Zerstörung oder Einfärbung von Pelzen und Pelzkleidung bis hin zu persönlichen Attacken auf Träger von Pelzkleidung wie auch Grabschändungen.

Kritisiert wird daran wiederum, neben der Zurückweisung von Straftaten, eine mangelnde Differenzierung der verschiedenen Pelzarten und der nach Herkunftsland und Tierart oft sehr unterschiedlichen Herkunft und Tierschutzvorgaben. Die Ablehnung gegenüber dem „Luxusartikel“ Pelz[4] mit seiner besonderen Anmutung, Symbolwert und Ausstrahlung und der klein und mittelständisch strukturierten Pelzbranche samt der zugehörigen Tierhaltung sei deutlich stärker als etwa im Zusammenhang mit der Herstellung und Nutzung von luxuriöser Lederbekleidung und -Schuhen oder Wurst- und Fleischdelikatessen und den zugehörigen, teilweise großindustriellen Herstellern.

Wirtschaftliche Bedeutung

Inuit mit Seehund und Karibukleidung, Iglulik (1999)
Inuit mit Seehund und Karibukleidung, Iglulik (1999)

Wirtschaftlich hat der Pelzhandel über das eigentliche Handelsvolumen hinaus eine Leitwirkung in der Modebranche wie in der Exportwirtschaft und trägt zur zur regionalen und ländlichen Entwicklung bei. Weltweit werden jedes Jahr etwa 90 Millionen Felle verarbeitet. Die heute genutzten Fellarten kommen laut Deutsches Pelzinstitut zu etwa 46,9 Prozent aus Zucht und Farmhaltung (z. B. Chinchilla, Nerz, Marderhund), zu 37,6 Prozent aus Weide- und Stallhaltung (z. B. Lamm, Ziege, Kalb) und zu 15,5 Prozent aus Jagd und Hege (z. B. Bisam, Rotfuchs, Waschbär).[5]. Auch hochwertige Pelze wie Nerz werden zumeist gezüchtet. Pro Jahr werden auf der ganzen Welt ca. 28 Millionen Nerzpelze und ca. 4 Millionen Fuchspelze produziert. In etwa 6500 Pelztierfarmen in der EU sind ungefähr 30.000 Mitarbeiter, in der gesamten europäischen Pelzbranche etwa 164.000 Menschen beschäftigt. Es gibt regionale Schwerpunkte, so werden die meisten Nerze weltweit in Dänemark, Italien, China, den Niederlanden, Russland und den USA[6] gezüchtet, während die Fuchszucht insbesondere an der finnischen Westküste sehr verbreitet ist.

Das große Interesse an Pelzen in Russland und China und die vermehrte Interesse an Pelzmode auch in Mittel und Südeuropa hatte auch Einfluss auf Pelzeinzelhandel und Handelsmessen in Europa, wo der Handel längere Zeit rückläufig war. Laut Zahlen der BFAI [7] hat sich die russische Nachfrage, auch nach hochwertiger Pelzbekleidung, von 2003 bis 2005 von unter 20 auf über 40 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Knapp die Hälfte der Lieferungen kommt aus der Türkei und ein Viertel bereits aus China, wo in den letzten Jahren unzählige Pelzfarmen neu entstanden sind. Der Rest teilt sich zwischen Italien, Griechenland und Deutschland auf. Pelzrohwaren zur eigenen Weiterverarbeitung bezieht Russland insbesondere aus Finnland, Litauen und der Türkei. In Deutschland hat sich der Einzelhandel vom klassischen Pelzfachgeschäft (meist Kürschnerfachgeschäft mit eigener Werkstatt) zu Textilanbietern hin verlagert. Die jährliche Frankfurter Pelzmesse „Fur & Fashion“ im Frühjahr hat sich erheblich verkleinert, dafür expandierte die etwa um die gleiche Zeit stattfindende Messe „Mifur“ in Mailand erheblich. 2007 stellten 327 Firmen in Mailand aus, davon 25 aus dem deutschsprachigen Raum. Auch eine andere, zweimal jährlich stattfindende Fachmesse, die MEXA MOSCOW, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die 15. Messe im Jahr 2007 registrierte 83 Aussteller aus 15 Ländern.

Für indigene Kulturen wie auch Menschen in abgelegenen Regionen, wo die Jagd und die Tierzucht eine wichtige und traditionelle mögliche Einnahmequelle darstellt, wie die (Inuit, Samen), stellen die Gewinnung und der Handel mit Pelzen eine wichtige Einnahmequelle dar. In Nordamerika gibt es daneben nach wie vor etwa 200.000 Trapper und Fallensteller, die ihren Lebensunterhalt mit der Pelztierjad aufbessern oder komplett bestreiten. Aqqaluk Lynge, Präsident des Inuit Circumpolar Council (ICC) machte die Greenpeace-Kampagnen gegen die bekanntermaßen brutale neufundländische Robbenjagd Anfang der 1980er Jahre auch indirekt für soziale Problemen der weiter nördlich in der Arktis lebenden Inuit verantwortlich. Für diese Inuit wäre die Robbenjagd und der Pelzhandel eine wichtige wirtschaftliche Grundlage wie eine in der heimischen indigenen Kultur tief verankerte Lebensweise auf Basis nachwachsender Rohstoffe und nachhaltiger Jagdmethoden gewesen. Diese sei durch das nach wie vor geltende, generelle Importverbot von Robbenfell in die europäische Union aber weitgehend versperrt und zerstört worden, ohne wie etwa beim Walfang Ausnahmeregelungen für indigene Völker zuzulassen.

Rechtliche Situation in einzelnen Staaten

Pelzhändler in Kairo (1869)
Pelzhändler in Kairo (1869)

In den meisten Staaten fällt die Haltung von Pelztieren unter die allgemeinen Regelungen zur Züchtung wie zum Schlachten bzw. Töten von Tieren. Spätestens seit Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens werden fast alle gefleckten Katzen (südamerikanische Wildkatzen, Ozelots, alle Großkatzen) und Otter nicht mehr legal gehandelt. Davon unbenommen ist ansonsten in der EU der Handel und die Einführ von Rauchwaren, Fellen und Pelzbekleidung bzw. entsprechenden Kleidungsteilen frei und unbeschränkt möglich.

Nach § 4 Abs. 1 des TierSchG von 1972 dürften Wirbeltiere „nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden“. Die Durchführung der Tötung werde von entsprechenden Kenntnissen und Fähigkeiten abhängig gemacht und innerhalb der Ausbildung der Pelztierhalter bzw. durch Empfehlungen für tierschutzgerechte Tötung von Pelztieren in Zuchtfarmen nachvollzogen. Für Wildfänge gilt unter anderem die Fallenfangverordnung, der grenzüberschreitende Handel wird grundsätzlich durch das internationale Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen geregelt

Auf europäischer Ebene wurde ab dem 31. Dezember 2008 verboten, Hauskatzen- und Hundefelle in die Länder der EU ein oder aus der Union auszuführen. Katzenfelle wurden in Deutschland früher als Rheumadecken angeboten.

Nationale Regelungen kamen etwa in der Schweiz und Großbritannien zum Tragen, wo es seit Anfang der 1990er Jahre keine Pelztierhaltungen mehr gibt. Die kommerzielle Nutzung lohnt sich nicht mehr, da für diese Wildtiere die Gehegehaltung vorgeschrieben ist. In Österreich ist mit der Verordnung über die Haltung von Pelztieren seit 1998 die Pelztierhaltung zu Erwerbszwecken verboten. In Deutschland werden weitere Einschränkungen diskutiert.

Erläuterung einiger Fachbegriffe

Festliche Dekoration einer Leipziger Kürschnerei (1904)
Festliche Dekoration einer Leipziger Kürschnerei (1904)
Anbrachen
Das Reparieren der Schadstellen im Fell
Auslassen
Das Verlängern der Felle auf Kosten der Breite durch V- bzw. A-förmige Schnitte (Gegensatz: Einlassen)
blau
Farbbezeichnung für die dunkelsten, blaustichigen Winterfelle, Gegensatz rot
Bleichen
Das Aufhellen dunkler Farben, oftmals um die Felle anschließend andersfarbig einzufärben.Auch für das zusätzliche Aufhellen bereits weißer Felle, in der Regel verbunden mit der Behandlung mit optischen Aufhellern. Im Rahmen einer Modellneugestaltung u. U. auch bei vergilbten, getragenen Pelzteilen möglich
Blenden
Nachdunkeln des Oberhaars durch nur leichtes Aufstreichen der Farbe, auch für das Dunkelfärben des Fellleders. Dies dient dazu ein Durchscheinen des weißen Leders auf der Haarseite zu verhindern (Lederblenden)
Body
Für die Verarbeitung eines Pelzteils vorbereitetes rechteckiges Fell(-stücken)teil, meist von Spezialbetrieben aus kleinen Fellen oder aus Resten zusammengesetzt
Eulanisieren
Allgemeine Bezeichnung für das insektensicher machen von Bekleidung oder Teppichen, ursprünglich durch die Chemikalie Chlorphenylid (Markenbezeichnung Eulan) der Firma Bayer AG
Färben
Häufig angewandte Veredlungstechnik, insbesondere um aktuelle Modefarben zu erzielen. Im Rahmen einer Modellumgestaltung u. U. auch bei getragenen Pelzen möglich. Das Fell kann ohne vorheriges Bleichen in der Regel nur dunkler als vorher gefärbt werden, in der Farbwahl sind durch die entstehenden Mischfarben die Farbmöglichkeiten eingeschränkt. Einen bei neuem Material möglichen, vorhergehenden Bleichprozess werden alte Pelze im Zusammenhang mit dem Färben u. U. nicht mehr aushalten.
Federn
Das Zwischennähen von schmalen Lederstreifen (Fachbegriff -->Galonieren) in V-Form, oft verbunden mit dem -->Auslassen
Female
Das weibliche Kleinpelztier, vor allem beim Nerz (auch: Fähe)
Galonieren
Das Zwischennähen von Lederstreifen, dient vor allem zur Vergrößerung der Fellfläche. Luftgalonieren: Hierbei wird das Leder bei langhaarigen, dichtbehaarten Fellen in kurzen Abständen eingeschnitten und gitterförmig auseindergezogen fixiert. Das Ergebnis ist ein besonders duftiges, weich fallendes Produkt bei gleichzeitiger Flächenvergrößerung.
Geflochtene, gewirkte Pelze
Felle werden in, zumeist schmalstmögliche, Streifen geschnitten und als „Fäden“ in Netze eingeflochten, verwebt oder verstrickt. Da als Ergebnis ein Produkt mit Haaren auf beiden Seiten entsteht, ist diese Arbeitstechnik besonders für Kleinteile wie Schals und Stolen geeignet, aber auch für Jacken (Strickjackenoptik) und Mäntel. Wegen des großen Arbeitsaufwandes meist aus Billiglohnländern (China)
Finish
Die Endbehandlung fertig gearbeiteter Pelze z. B. durch Einstreichen und Aufrauen des Haares, durch -->Klopfen, -->Läutern, Weichschütteln, „Steamern“ des Haares mit Heißluftgebläsen, Bügeln des Haares mit speziellen Pelzbügelmaschinen. Einzelne dieser Prozesse können auch zur Auffrischung und Pflege getragener Pelze angewendet werden. Ausführung durch den Kürschner oder durch die Weitergabe an Spezialbetriebe
Granne
Bei Fellen mit Oberhaar und Unterwolle das Oberhaar (z. B. alle Marderarten wie Nerz, Otter, Zobel, usw.; keine Unterwolle z. B. bei Lamm und Zickel)
Kürschnermesser
Kürschnermesser
Grotzen
Der Fellrücken (meist am langhaarigsten; oft dunkler)
Hülle
Der Übermantel für ein Pelzinnenfutter
Kahlauer
Unbehaarte Stelle im Fell
Klopfen
Das Entfernen des losen Schmutzes und eventueller Insektenlarven durch Ausklopfen von Hand mit Rohr- oder Haselnussstöcken oder mit der Pelzklopfmaschine. Eine der Grundarbeiten des Kürschners im Rahmen der Pelzkonservierung
Konservierung
Die Pelz-Sommeraufbewahrung bei gleichzeitiger Pflege durch einen Pelzfachbetrieb
Läutern
Das Reinigen der Pelze durch Sägemehl
Male
Das männliche Kleinpelztier, vor allem beim Nerz (auch: Rüde)
Mutationsfarben
Durch plötzliche, sprunghafte, natürliche vererbbare Farbveränderung entstandene neue Fellfarben (insbesondere bei Nerz, Nutria)
Nourkulemi
Extra zu verarbeitende Kehlstücken, vor allem bei Nerz und Zobel
Nacktpelz
Alte, nur noch selten benutzte Bezeichnung für die mit der Lederseite nach außen zu tragenden Mäntel oder Jacken aus Lamm- oder Ziegenfell, häufig bestickt (Trachtenpelz)
Pumpf
Das hintere Teil des Felles
rauch
Bezeichnung für dichtes, nicht straff anliegendes Haar. Auch die Rauche
Reinforcing
(= verstärken) Nachdunkeln der Felle durch die Behandlung mit Metallsalzen, insbesondere bei hellerer Unterwolle. Die Felle gelten weiterhin als naturell, also nicht gefärbt (insbesondere bei Nerz und Bisam)
rot
Gegensatz -->blau
Rupfen
Das Entfernen des Grannenhaars (Ergebnis z. B. Samtnerz, Samtnutria, Samtwiesel, früher auch üblicherweise beim Haarseehund/Seal). Seit etlichen Jahren, soweit möglich, auch bei zertrennten, getragenen Nerzen angewendet
Scheren
Das Kürzen des Haares durch Schermaschinen (Ergebnis z. B. Samtbisam, Samtnerzstücken, Biberlamm, Sealkanin). Auch beim zertrennten, getragenen Pelz möglich
Schnatte
Ein Narbenbruch auf der Fellseite
Shearling
Die Haut eines frisch geschorenen Lammes, die zusammen mit der Wolle für die Weiterverarbeitung gereinigt und gefärbt wird
Schönen
Nicht rein weiße oder vergilbte weiße Felle werden chemisch aufgehellt, entweder durch die Behandlung mit optischen Aufhellern oder mit einem rotstichigen Blaufarbstoff
Thiliki
Extra zu verarbeitende Bauchstücken, vor allem bei Nerz und Zobel
Veredlung
Sammelbegriff für Veränderungen des Haares, z. B. durch Färben, Rupfen, Scheren oder der Lederseite durch Färben, Nappieren, Veloutieren, Bedrucken
Wamme
Die Bauchseite des Felles
Zurichten
Das Gerben von Fellen für Pelzzwecke
Zwecken
Das Glattspannen der auf der Lederseite angefeuchteten Pelzteile nach dem Zusammensetzen der Felle vor dem Abgleichen (in die endgültige Form schneiden)

Siehe auch

  • Pelzarten (Beschreibung der einzelnen Pelzarten – Herkunft und Aussehen der Felle, Fellqualitäten, geschichtlicher Rückblick auf Jagd, Zucht, Handel usw.)
  • Pelzhandel in Nordamerika

Literatur und Einzelnachweise

  1. [1] Tragekomfort in der Steinzeit – Wie schneidet Ötzis Kleidung gegen moderne Funktionskleidung ab? Rose-Marie Riedl, IDW, 25. Mai 2007
  2. a b Walter Fellmann: Der Leipziger Brühl, 1989, VEB Fachbuchverlag, Leipzig
  3. Redaktion Die Pelzwirtschaft: Die Bedeutung der Berliner Pelzwaren-Industrie. Die Pelzwirtschaft, Fachblatt für den Rauchwarenhandel. 1. Januar 1965, S. 70
  4. vgl. [2] Leiden für den Luxus – Report Mainz)
  5. [3] Deutsches Pelzinstitut, Frankfurt/Main
  6. [4] Back in Style: The Fur Trade, KATE GALBRAITH, December 24, 2006 The New York Times
  7. BFAI Kurzstudie Pelzbekleidung in Russland „en vogue“ Datum: 2. Juni 2006 Importe dominieren weiterhin den Markt / Messe „Mecha“ erneut mit deutschem Gemeinschaftsstand [5]
  • Christian Franke, Johanna Kroll: Jury Fränkel's Rauchwarenhandbuch 1988/89. Rifra-Verlag, Murrhardt 1988

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