Penthouse

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Dieser Artikel behandelt den Bauteil; für die Zeitschrift siehe Penthouse (Zeitschrift).
Penthouse mit Schwimmbecken, New York

Ein Penthouse (eingedeutscht auch Penthaus, aus dem Amerikanischen, von mittelenglisch pentis „kleiner Anbau“, aus lat. appendix, altfranzösisch apentis „Anhang“[1]), in der Schweiz Attikawohnung, ist ein freistehendes Wohngebäude auf dem Dach eines mehrgeschossigen Hauses. In erster Linie werden damit exklusive Dachwohnungen auf Hochhäusern bezeichnet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Dacharchitektur auf der Cité Radieuse von Le Corbusier, Marseille, 1952
Penthouse-Terrasse in Heidelberg

Das Penthouse tritt an mehreren Seiten aus der Flucht der darunterliegenden Geschosse zurück, wodurch eine umlaufende Terrasse entsteht. Insofern kann das Penthouse auch als eine Sonderform des Staffelgeschosses eingeordnet werden, da es ein Obergeschoss mit geringerer Grundfläche als die darunterliegenden Geschosse ist. Die Dachterrasse ist vom Penthouse aus zugänglich und Bestandteil der zugehörigen Wohnung. Es gibt auch Mischformen mit zwei oder mehr Häusern auf einem Dach. Diese Häuser sind dann keine freistehenden Bauteile mehr, sondern ähneln Reihenhäusern mit verkleinerten Dachterrassen. Das Penthouse besitzt, ebenso wie das darunterliegende Gebäude, meistens ein Flachdach.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Penthouse entwickelte sich als eigenständige Bauform der städtischen Architektur ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Zusammenhang damit stand die Verbreitung des elektrischen Fahrstuhls, der bei Hochhäusern nun einen bequemen Zugang zum obersten Geschoss ermöglichte.[1] Während bei Stadthäusern zuvor die im ersten oder zweiten Obergeschoss gelegene Beletage die vornehmsten Wohnungen enthielt und die unter dem Dach gelegenen Mansarden hingegen einfache Dienstbotenwohnungen beherbergten, wurde nun die Einrichtung exklusiver Wohnungen in der obersten Etage attraktiv. Der architektonische Vorläufer ist das Attikageschoss, ein abschließendes Obergeschoss über dem Dachgesims. Das luxuriös ausgestattete Penthouse besonders der 1940er und 1950er Jahre verfügte oft über einen eigenen Fahrstuhl und zeichnete sich durch seine besondere Lage und Ausstattung aus. Von der sonnigen Dachterrasse, die beispielsweise auch mit einem Swimming Pool oder einem Dachgarten ausgestattet sein kann, bietet sich oft eine Panorama-Aussicht hoch über der Stadt. Da durch das massive Anwachsen des innerstädtischen Autoverkehrs in der Mitte des 20. Jahrhunderts auch die Luftverschmutzung zunahm, bot das hochgelegene Penthouse-Appartement mit seiner frischeren Luft einen weiteren Vorteil.

Ein ganz anderes Wohnkonzept realisierte 1952 Le Corbusier bei der Cité Radieuse, einer von ihm entworfenen „Wohneinheit“ (Unité d’Habitation) in Marseille. Das Hochhaus war als eine Art vertikal konzentriertes Stadtviertel konzipiert, in dem alle zum Wohnen und zur Freizeitgestaltung benötigten Einrichtungen untergebracht sind. Auf der Dachterrasse der Cité Radieuse waren (und sind mit teilweise veränderter Nutzung heute noch) in penthausartigen Aufbauten die von allen Bewohnern gemeinsam nutzbaren „Wohnfolgeeinrichtungen“ (prolongements de logis) untergebracht, darunter eine Kinderkrippe mit Außenbereich, Schwimmbecken, Turnplatz, Sporthalle, Solarium und Gemeinschaftsräume.[2]

Sonstiges[Bearbeiten]

Hütten auf Hausdächern in Hongkong

Besonders aus ostasiatischen Großstädten sind auch irregulär errichtete Häuser und Hütten auf Hochhausdächern bekannt. Diese späteren Aufbauten entstehen meist aus Platzmangel. In japanischen Großstädten baut man oft Shintō-Schreine als Penthouse auf große öffentliche Gebäude. Neben geplanten gibt es auch improvisierte Dachwohnungen: In Hongkong existieren illegal errichtete Hüttensiedlungen auf Hochhäusern, die von den Behörden jedoch wegen der herrschenden Wohnungsnot toleriert werden.[3] Ein antikes Beispiel einer Bebauung, die einem Penthouse ähnelt, ist die äthiopische Klosteranlage auf der Grabeskirche in Jerusalem.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Penthouses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ernst Seidl (Hrsg.): Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur. Stuttgart 2006, S. 405.
  2. Michael Peterek: Wohnung. Siedlung. Stadt. Paradigmen der Moderne 1910–1950. Berlin 2000, S. 331–334.
  3. Über den Dächern von Hongkong. In: Der Tagesspiegel, 31. Mai 2009