Per Martin-Löf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Per Martin-Löf 2004

Per Erik Rutger Martin-Löf (* 8. Mai 1942) ist ein schwedischer mathematischer Logiker und Philosoph.

Martin-Löf war 1964-1965 an der Lomonossow-Universität Student von Andrei Kolmogorow, der auch seine Dissertation an der Universität Stockholm 1970 betreute (Notes on constructive mathematics). Zuvor war er 1968/69 schon Assistant Professor an der University of Chicago bei William Alvin Howard, dessen Curry-Howard-Isomorphismus später eine der Grundlagen von Martin-Löfs Typentheorie war. Martin-Löf ist Professor für Mathematik und Philosophie an der Universität Stockholm.

In seiner Zeit in Moskau verfeinerte er auch den Begriff der Zufallsfolge.[1] 1971 führte er seine intuitionistische Typentheorie ein (auch Martin-Löf-Typentheorie oder konstruktive Typentheorie genannt), die er aber mehrfach umformte, da die ersten Ansätze, die das „System F“ von Jean-Yves Girard verallgemeinerten, inkonsistent waren, aufgrund eines von Girard entdeckten Paradoxons. Eine Reihe von Computer-gestützten Beweissystemen wie NuPRL, LEGO, Coq, ALF, Agda, Twelf und Epigram beruht auf Löfs Typentheorie. Später wandte er sich zunehmend philosophischen Fragen der Logik zu.

Martin-Löf befasste sich auch mit Statistik, zum Beispiel mit der Exponentialfamilie, dem EM-Algorithmus, dem Problem fehlender Daten in der Statistik, Statistischen Modellen, Wahrscheinlichkeit auf Halbgruppen. Zu seinen Schülern gehört der Statistiker Rolf Sundberg.

Martin-Löf ist Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften. 2006 war er Gödel-Lecturer (The two layers of logic), 2012 hielt er die Tarski Lectures.

Er ist der Bruder des Statistikers und Physikers Anders Martin-Löf (* 1940), Professor für Versicherungsmathematik in Stockholm.

Martin-Löf ist passionierter Ornithologe und veröffentlichte 1961 eine Arbeit, aus den Funden beringter Vögel auf deren Sterblichkeitsrate zu schließen.[2]

Schriften[Bearbeiten]

  • Intuitionistic Type Theory, Bibliopolis, Neapel 1984
  • On the Meanings of the Logical Constants and the Justifications of the Logical Laws, Vorlesungen, Universität Siena 1983
  • Statistics from the point of view of statistical mechanics, Vorlesung, Math. Institut Universität Aarhus 1966
  • Notes on constructive mathematics, Almqvist & Wiksell, Stockholm 1970
  • The continuity theorem on a locally compact group, Teor. Verojatnost. i Primenen, Band 10, 1965, S. 367–371.
  • Probability theory on discrete semigroups, Zeitschrift für Wahrscheinlichkeitstheorie und verwandte Gebiete, Band 4, 1965, S. 78–102
  • Exact tests, confidence regions and estimates, Proceedings of Conference on Foundational Questions in Statistical Inference (Aarhus, 1973), S. 121–138, Memoirs, Nr. 1, Dept. Theoret. Statist., Inst. Math., Univ. Aarhus, Aarhus, 1974.
  • Constructive mathematics and computer programming, in Cohen (Herausgeber): Logic, Methodology and the Philosophy of Science VI, North Holland 1982, S. 153–175

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin-Löf On the definition of random sequences, Information and Control, Band 9, 1966, S. 602–619
  2. Martin-Löf Mortality rate calculations on ringed birds with special reference to the Dunlin Calidris alpina, Arkiv för Zoologi, Kungliga Svenska Vetenskapsakademien, Serie 2, Band 13, 1961