Perampanel

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Strukturformel
Strukturformel von Perampanel
Allgemeines
Freiname Perampanel
Andere Namen
  • 5′-(2-Cyanphenyl)-1′-phenyl-2,3′-bipyridinyl-6′(1′H)-on
  • E-2007
Summenformel C23H15N3O
CAS-Nummer 380917-97-5
PubChem 9924495
ATC-Code

N03AX22

Eigenschaften
Molare Masse 349,38 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Toxikologische Daten
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Perampanel (INN, Handelsname Fycompa) ist ein Wirkstoff zur Behandlung von Epilepsien (Antikonvulsivum) und als solcher für die Zusatztherapie fokaler Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Epilepsiepatienten ab zwölf Jahren zugelassen. Die Zulassung durch die EU-Kommission erfolgte im Juli 2012.[3] Perampanel unterliegt der Verschreibungspflicht.

Wirkmechanismus[Bearbeiten]

Perampanel ist ein selektiver, nicht-kompetitiver Antagonist an AMPA-Rezeptoren und führt zu einer gezielten Blockade dieser Rezeptoren an Nervenzellen: AMPA-Rezeptoren vermitteln hier die Wirkung des erregenden Botenstoffes Glutamat. Da im epileptischen Anfallsgeschehen ein Missverhältnis zwischen erregenden und hemmenden Signalen (zugunsten der Erregung) besteht, wird durch die Blockade der AMPA-Rezeptoren eine Unterdrückung der epileptischen Anfälle bzw. ihrer Ausbreitung im Gehirn angestrebt. Perampanel ist der erste, zugelassene Wirkstoff, der an AMPA-Rezeptoren gezielt angreift.

Wirksamkeit und Verträglichkeit in klinischen Studien[Bearbeiten]

Im Rahmen klinischer Studien, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Perampanel in Dosierungen von bis zu 12 mg untersuchten, wurde eine (statistisch abgesicherte) Verminderung der Häufigkeit epileptischer Anfälle ab einer Dosis von 4 mg beobachtet.[4][5][6] Verglichen wurde hierbei mit Studienteilnehmern, die ein Scheinmedikament ohne Wirksubstanz (Placebo) erhielten. Die in den Studien am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren Schwindel und Schläfrigkeit (bei jeweils mehr als 10 % der Studienteilnehmer). Andere Nebenwirkungen traten mit geringeren Häufigkeiten auf. Voraussetzung für eine Teilnahme an diesen Studien war das Auftreten fokaler Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung trotz aktueller Behandlung mit bis zu drei (anderen) Antikonvulsiva.

Anwendung[Bearbeiten]

Perampanel ist bis zu einer Höchstdosis von 12 mg zugelassen. Die Aufdosierung zum individuellen Optimum aus Wirksamkeit und Verträglichkeit erfolgt in Dosisschritten von 2 mg (je nach Zusatzmedikation in wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Intervallen). Die Tablette wird einmal täglich vor dem Schlafengehen eingenommen.

Frühe Nutzenbewertung (AMNOG)[Bearbeiten]

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2012 bei einer frühen Nutzenbewertung gemäß Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) überprüft, ob Perampanel gegenüber der bisherigen Standardtherapie einen Zusatznutzen bietet. Aus dem Dossier lässt sich ein solcher Zusatznutzen jedoch nicht ableiten, da der Hersteller darin keine relevanten Daten für den Vergleich mit den Wirkstoffen Lamotrigin oder Topiramat vorgelegt hat.[7] In einer Stellungnahme halten die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie die geforderte Vergleichsmethodik allerdings nicht für sinnvoll[8]. Die Dossierbewertung war Teil des Gesamtverfahrens zur frühen Nutzenbewertung, das vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geleitet wurde. Der G-BA hat am 7. März 2013 beschlossen, dass ein Zusatznutzen im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt sei.[9]

Daraufhin hat Eisai im Juni 2013 entschieden, das Arzneimittel in Deutschland nicht mehr anzubieten[10]. Die Versorgung der Epilepsiepatienten mit Perampanel wurde trotz des vorübergehenden Rückzuges des Unternehmens sichergestellt[11].

Bei einer zweiten Bewertung durch das IQWiG wurde ebenfalls kein Zusatznutzen attestiert, worauf Eisai das IQWiG kritisierte.[12][13] Mit dem Beschluss des G-BA vom 6. November 2014 wurden die Angaben zu Perampanel in der Fassung des Beschlusses vom 7. März 2013 (BAnz AT 26.03.2013 B4) aufgehoben und der Wirkstoff Perampanel zugelassen.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. a b c d Clearsynth: E-2007 (PDF; 579 kB)
  3. European Medicines Agency – EPAR summary for the public (Perampanel) (PDF; 124 kB)
  4. French JA, Krauss GL, Biton V, Squillacote D, Yang H, Laurenza A, Kumar D, Rogawski MA: Adjunctive perampanel for refractory partial-onset seizures: randomized phase III study 304. Neurology 2012 Aug 7;79(6):589–596
  5. French JA, Krauss GL, Steinhoff BJ, Squillacote D, Yang H, Kumar D, Laurenza A: Evaluation of adjunctive perampanel in patients with refractory partial-onset seizures: Results of randomized global phase III study 305. Epilepsia 2012 Aug 20. doi:10.1111/j.1528-1167.2012.03638.x.
  6. Krauss GL, Serratosa JM, Villanueva V, Endziniene M, Hong Z, French J, Yang H, Squillacote D, Edwards HB, Zhu J, Laurenza A: Randomized phase III study 306: adjunctive perampanel for refractory partial-onset seizures. Neurology 2012 May 1;78(18):1408–1415
  7. Perampanel bei Epilepsie: Keine Belege für Zusatznutzen. Pressemitteilung des IQWiG vom 17. Dezember 2012.
  8. Stellungnahmezu Perampanel April 2013
  9. Tragende Gründe zum Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL): Anlage XII - Beschlüsse über die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen nach § 35a SGB V - Perampanel (PDF; 87 kB). Gemeinsamer Bundesausschuss, 7. März 2013
  10. Eisai stoppt Vermarktung von Fycompa. Meldung in der Ärzte Zeitung vom 26. Juni 2013.
  11. Patientenversorgung trotz Rückzug des Unternehmens gesichert. Pressemitteilung Gemeinsamer Bundesausschuss, 25. Juni 2013.
  12. Perampanel bei Epilepsie: Weiterhin keine Belege für Zusatznutzen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 15. August 2014, abgerufen am 9. Dezember 2014.
  13. Kirsten Sucker-Sket: Zweiter Anlauf für Fycompa®: IQWiG sieht weiterhin keinen Zusatznutzen. daz.online, 18. August 2014, abgerufen am 9. Dezember 2014.
  14. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL): Anlage XII - Beschlüsse über die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen nach § 35a SGB V – Perampanel. Gemeinsamer Bundesausschuss, 6. November 2014, abgerufen am 9. Dezember 2014.
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