Percy Schmeiser

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Percy Schmeiser im Januar 2008

Percy Schmeiser (* 5. Januar 1931) ist ein kanadischer Farmer und Saatgutzüchter aus Bruno in der Provinz Saskatchewan. Auf seinen eigenen konventionellen Rapsfeldern und den Bio-Rapsfeldern seiner Frau Louise wuchs genveränderter und patentierter Raps des Biochemie-Konzerns Monsanto, der nach Angaben Schmeisers von beiden selbst nie ausgesät worden war. Jedoch nutzte er einen Teil der Ernte dieser gentechnisch veränderten Pflanzen für die Wiederaussaat auf seinem Land. Deswegen wurde er durch Monsanto wegen angeblicher Patentverletzung verklagt. Für seinen Widerstand gegen Monsanto und seinen Kampf gegen die Agrogentechnik seit 1998 wurde er, gemeinsam mit seiner Frau, 2007 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biografie

Schmeisers Großeltern wanderten von Bayern (Rosenheim) nach Kanada aus und ließen sich dort als Landwirte nieder. Percy Schmeiser betreibt auf der geerbten, 600 Hektar großen Farm seit knapp 60 Jahren Landwirtschaft, vor rund 40 Jahren spezialisierte er sich auf die Zucht und den Anbau von Raps und entwickelte Sorten, die speziell an die regionalen Bedingungen angepasst waren. Seine Frau Louise heiratete er im Oktober 1952, die beiden haben fünf Kinder, 15 Enkel und zwei Urenkel. Er war lange Bürgermeister (1966-1983) und auch von 1967 bis 1971 Abgeordneter im Parlament der Provinz. [1]

Im Jahr 1997 fand Schmeiser laut eigenen Angaben erstmalig die gentechnisch veränderten „Roundup-Ready“-Rapspflanzen des Agrochemie-Konzerns Monsanto auf seinem Land. Er behauptete, die Samen müssten durch den Wind vom Feld eines benachbarten Bauern oder von einem vorbeifahrenden LKW dorthin gelangt sein. Im Folgejahr säte er daraus gewonnenes Saatgut auf einer Fläche von rund 400 ha aus, jedoch ohne diese Fläche mit Roundup zu behandeln, worauf er dennoch vom Herstellerkonzern wegen Patentverletzung verklagt wurde.

Der Konzern berief sich darauf, dass laut Patent die Nutzung von Roundup-Ready-Raps an den Kauf des Unkrautvernichtungsmittels Roundup gebunden und eine selbständige Vermehrung des daraus gewonnenen Saatguts durch die Landwirte ohne Zahlung einer vertraglich festgelegten Summe an Monsanto ausgeschlossen sei. Die Raps-Sorte wurde genetisch so verändert, dass sie gegen das Mittel resistent ist, während andere Pflanzen auf einem damit behandelten Feld absterben. Schmeiser hielt dagegen, dass Landwirte seit jeher das Recht gehabt hätten, Saatgut auf ihrem eigenen Land selbst zu vermehren.[2] Es wäre seiner Meinung nach unzulässig, dieses Recht in Form der von Monsanto oder anderen Agrochemie-Konzernen aufgeführten Patente zu beschneiden oder zu umgehen.

Der Rechtsstreit zog sich über mehrere Jahre hin; die 2004 gefallene höchstrichterliche Entscheidung legte dem Landwirt keine Lizenzzahlungen und keinen Strafschadensersatz auf, da er nicht von den besonderen Eigenschaften der Roundup-resistenten Rapssorte profitiert hatte, hielt aber fest, dass er prinzipiell nicht das Recht hatte, die patentierte Sorte wissentlich anzubauen, nur weil sie zufällig auf seinem Land aufgetaucht war.[3] Während dieser Zeit des Rechtsstreits wurde Schmeiser zunehmend bekannt als Symbolfigur und Sprecher im Kampf unabhängiger Landwirte um ihre Rechte und als Verfechter strenger Regulierungen und Haftungspflichten für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Er nahm und nimmt noch immer weltweit viele Einladungen zu Vorträgen an und warnt eindringlich vor dem Einsatz von GVO in der Landwirtschaft.

Im Oktober 2000 wurde Schmeiser für seinen Einsatz mit dem Mahatma Gandhi Award geehrt, 2007 wurde dem Ehepaar Percy und Louise Schmeiser der „Alternative Nobelpreis“ verliehen:

… for their courage in defending biodiversity and farmers' rights, and challenging the environmental and moral perversity of current interpretations of patent laws. (… für ihren Mut bei der Verteidigung der Biodiversität und der Rechte der Landwirte und dafür dass sie die Perversität der gegenwärtigen Auslegung der Patent-Gesetzgebung in Bezug auf die Umwelt und die Moral aufzeigen und anprangern.)“

Begründung der Jury[4]

Im Januar 2008 war Schmeiser für drei Wochen auf Vortragsreise in Süddeutschland und Österreich, nach seiner Rückkehr nach Kanada wurde am 23. Januar 2008 ein weiterer Prozess eröffnet, in dem diesmal Schmeiser die Firma Monsanto wegen fortgesetzter Kontamination seiner Felder verklagte. Darin kam es jedoch nie zu einem Urteil, da eine Stunde vor einer für den 19. März 2008 angesetzten Verhandlung Monsanto sämtliche Forderungen Percy Schmeisers außergerichtlich akzeptierte und die Verantwortung für die Kontamination der Felder einräumte. Zudem gestand man Percy Schmeiser abweichend von den bis dahin vorgesehenen Verschwiegenheitsklauseln schriftlich zu, über den gesamten Vorgang öffentlich zu berichten[5][6]. 2009 veröffentlichte Bertam Verhaag den Dokumentarfilm David gegen Monsanto, der den 10-jährigen Kampf der Schmeisers mit der Firma Monsanto beschreibt.[7]

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. „Gen-Raps ist außer Kontrolle“
  2. Tote Ernte - Der Krieg ums Saatgut (Part 1/5) - youtube-Video
  3. Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Kanada in der Sache Monsanto Canada Inc.. /. Schmeiser
  4. http://www.rightlivelihood.org/schmeiser.html
  5. http://www.percy-schmeiser-on-tour.org/Presse_19_03_08.pdf
  6. Monsanto zahlt Schadenersatz Taz-Artikel vom 20.03.2008
  7. Beitrag im Nachtmagazin der ARD vom 29.6.2009

[Bearbeiten] Literatur

  • Manfred Grössler: Gefahr Gentechnik, Concordverlag (Mai 2005), ISBN 3950188711 - in dem Buch schildert Percy Schmeiser seinen Fall.

[Bearbeiten] Weblinks

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