Peredwischniki

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Beispiel eines typischen Vertreters der Peredwischniki: Grigori Mjassojedow, Die Mäher, 1887

Peredwischniki (russisch Передвижники; deutsch: Wanderer) waren eine Gruppe von russischen Künstlern, vorrangig Malern, die Vertreter des Realismus in der Malerei waren. Diese bildeten aus Protest gegen die Restriktionen der Petersburger Kaiserliche Kunstakademie eine Genossenschaft von Künstlern, die schließlich im Jahr 1870 ihre Erscheinung in der Genossenschaft der künstlerischen Wanderausstellungen (Товарищество передвижных художественных выставок) fand.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gesellschaft wurde in Sankt Petersburg auf Initiative von Kramskoi, Mjassojedow, Ge sowie Perow gegründet. Den Hintergrund bildete eine Auseinandersetzung innerhalb der Akademie zwischen den Vertretern der Avantgarde der Künste, die sich für demokratische Ideale einsetzten und den Vertretern, die sich für die von der Petersburger Kunstakademie deklarierten und gelehrten Doktrinen einsetzten.

Der Kopf der neu gegründeten Gesellschaft wurde Iwan Kramskoi. Die Peredwischniki wurden durch die ästhetischen Ansichten von Wissarion Belinski und Nikolai Tschernyschewski beeinflusst.

In der Zeit von 1871 bis 1923 wurden durch die Peredwischniki 48 Wanderausstellungungen in Sankt Petersburg, Moskau, Kiew, Charkow, Kasan, Orjol, Riga, Odessa und anderen Städten des damaligen Russischen Reiches organisiert und durchgeführt.

Als Maler des Realismus bildeten sie nicht selten die vielschichtigen Charaktere des gesellschaftlichen Lebens mit kritischen Tönen ab. In der humanistischen Kunst der Peredwischniki zeigte sich die entschlossene Verurteilung der absolutistischen Herrschaft Russlands. Die bedeutendste Intention ihrer Kunst war die Darstellung des städtischen Lebens sowie der Traditionen des Volkes.

Die Bewegung der Peredwischniki erreichte in ihrer Blütezeit während der 1870er und 1880er Jahre einen wachsenden Einfluss. Im Gegensatz zur traditionellen dunklen Farbgebung dieser Zeit wählten diese Künstler hellere, schillerndere Farben. Sie setzten auf Natürlichkeit in ihren Bildern und zeigten die Beziehungen der Menschen zu ihrer Umwelt.

Die Gesellschaft vereinigte fast alle der talentiertesten Maler des Landes. Zu den Peredwischniki zählten bald auch Künstler aus der Ukraine, Lettland und Armenien.

Um die Jahrhundertwende begannen die Peredwischniki ihren Fokus auf die Darstellung des Lebens zu verlieren. Ihr Einfluss auf die Gesellschaft schwand und einige Künstler begannen, sozialistische Ideen darzustellen, die die Entwicklung der Arbeiterbewegung abbildeten. Viele Peredwischniki bekannten sich zur sowjetischen Kunst und trugen zur Entstehung des Sozialistischen Realismus in der Malerei bei.

Im Jahr 1923 fand die 48. und gleichzeitig letzte Ausstellung der Peredwischniki statt.

Bedeutende Vertreter (Auswahl)[Bearbeiten]

Neuere Ausstellungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrej Lebedew (Hrsg.): Die Peredwishniki. Genossenschaft für Wanderausstellungen (1870 - 1923). Aurora-Kunstverlag, Leningrad 1982. (Übersetzer: Karin Strauss).
  • Russische Realisten. Aufsätze zur Kunst der Wanderer. Seemann, Leipzig 1983. (Übersetzer: Gerhard Hallmann).
  • Elizabeth Valkenier: Russian realist art. The state and society, the Peredvizhniki and their tradition. Columbia University Press, New York 1989, ISBN 0-231-06970-7.
  • Товарищество Передвижных Художественных Выставок. Письма и документы. 1869—1899 гг. 2 Bände. Издательство 'Искусство', Москва 1987. (In kyrillischer Schrift, russisch).
Ausstellungskataloge
  • Peredwischniki, „Wandermaler“. Realistische Malerei Russlands in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Staatlichen Tretjakow-Galerie in Moskau und dem Staatlichen Russischen Museum in Leningrad. Österreichische Galerie, Wien 1976.
  • The Peredvizhniki. Pioneers of russian painting. Nationalmuseum, Stockholm 2011, ISBN 978-91-7100-831-2.
  • Die Peredwischniki. Maler des russischen Realismus. Stadt Chemnitz Kunstsammlungen, Chemnitz, Sachsen 2012, ISBN 978-3-930116-13-3.

Weblink[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Museumsseite Kunstsammlungen Chemnitz, abgerufen am 1. April 2012