Peregrinus Proteus

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Peregrinus Proteus (griechisch Περεγρῖνος Πρωτεύς Peregrínos Prōteús; * um 100 in Parion in Mysien; † 165 in Olympia) war ein antiker griechischer Philosoph (Kyniker).

Quellen[Bearbeiten]

Peregrinus ist besonders bekannt durch eine Schrift seines Zeitgenossen Lukian Über den Tod des Peregrinus. Weitere Quellen sind Philostrats Sophistenviten, Aulus Gellius' Attische Nächte, Hieronymus' Chronik des Eusebius und AthenagorasLegatio pro Christianis.

Leben[Bearbeiten]

Die meisten Quellen sowie die Literatur erwähnen und behandeln Peregrinus wegen seines von ihm inszenierten Feuertodes bei den Olympischen Spielen im Jahr 165. Theagenes, sein Fürsprecher in Lukians Schrift, verweist auf die kynische Tradition des Suizides (Herakles, Kalanos) und lobt Peregrinus als ehrenhaften Mann. Der Gegenredner unterstellt ihm hingegen „Ruhmsucht“ in seiner Absicht, sich in der Öffentlichkeit der Olympischen Spiele ins Feuer zu stürzen. Dieser Gegenredner wirft Peregrinus noch zahlreiche Vergehen vor, wie etwa den Mord an seinem Vater, den Ehebruch und die Päderastie. Allerdings kann man in diesem Fall von böswilligem Klatsch bei Lukian ausgehen. Unbestreitbar hingegen ist Peregrinus’ Mitgliedschaft in einer christlichen Gemeinde in Palästina, seine Kritik am Kaiser mit anschließender Verbannung aus Rom und seine Hetzreden gegen die römische Herrschaft in Griechenland.

Als Kyniker lernte Peregrinus bei Agathoboulos in Ägypten. Fest datierbare Ereignisse im Leben des Peregrinus sind seine Auftritte bei den Olympischen Spielen. Im Jahr 153 n. Chr. kritisierte er dort den Bau einer Exedra mit abschließendem Nymphaeum durch das griechisch-römische Ehepaar und Mäzene Herodes Atticus und Annia Regilla. Er behauptete, Olympia sei durch den Bau der Wasserleitung im Niedergang begriffen. Wer früher nach Olympia fuhr, war sich der Gefahr bewusst, dort zu verdursten. Tatsächlich seien wegen des Wassermangels viele Besucher umgekommen und wer Olympia nicht überlebe, um den sei es nicht schade. Die Wasserleitung führe nun dazu, dass man auf widernatürliche Art und Weise verweichliche. Während er diese Rede hielt, trank er dazu zu allem Überfluss aus dem geschmähten Brunnen. Nach harscher Kritik an der Rede, die beinahe in seiner Steinigung endete, musste er von den Spielen fliehen[1]. 157 kehrte er zurück und lobte den Bau, eine Bestätigung für Lukians Vorwürfe, er sei wankelmütig. 165 bestieg er bei den Olympischen Spielen tatsächlich den Scheiterhaufen, um seine philosophische Lebensverachtung zu bezeugen, wohingegen Lukian darin nichts anderes als Eitelkeit und Theaterspiel sieht.[2]

Rezeption[Bearbeiten]

Als literarische Figur taucht Peregrinus Proteus in Christoph Martin Wielands gleichnamigem Roman (1787/88) auf und heute wieder bei Peter Sloterdijk in dessen Kritik der zynischen Vernunft (1983).

Literatur[Bearbeiten]

  • Marie-Odile Goulet-Cazé: Peregrinus surnommé Proteus. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5, Teil 1, CNRS Éditions, Paris 2012, ISBN 978-2-271-07335-8, S. 199–230

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ulrich Sinn: Olympia - Kult, Sport und Fest in der Antike in Olympia, München 1996, S. 94 ff.
  2. Peter Pilhofer, Manuel Baumbach, Jens Gerlach, Dirk Uwe Hansen (Hrsg., Übersetzer): Lukian, Der Tod des Peregrinos. Ein Scharlatan auf dem Scheiterhaufen, Darmstadt 2005; Hans Lietzmann: Geschichte der Alten Kirche, 1999.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Peregrinus Proteus – Quellen und Volltexte